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Erstes

General-Anzeiger

» EinrLckungsgebühr!

$u Bgelpafkne Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. tat RellameteU die Zeile 60 Pjg.

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, eo. Waisenhauses in Hanau.

Amtliches Organ für Statt* und Landkreis Kasan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Bezugspreis»

vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg., für Post, bezug vierteljährlich 210 Mk^ monatlich 70 Pfg. Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: E. Schrecker in Hanau,

^fr. 216 ffernsprechanschlich Nr. 230.

Dit Mt »immer mW *r dm MtrWimyW 16 Seiten.

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Amtliches. Stadtkreis k>sns«.

Zwecks Ausführung von Pflasterarbeiten wird der San­deldamm zwischen Eberhardstraße und Mühltorweg vom 16, d. Mts. ab auf die Dauer von vier Wochen für den Fuhrverkehr gesperrt.

Hanau den 12. September 1912. P. 10112

Königliche Polizeidirektion.

I. V.: Karbe.

Landkreis ßanau.

Wegen Vornahme von Dampfwalzarbeiten wird der Landweg Nr. 1 von Bruchköbel über Oberissigheim nach Marköbel von Nummerstein 8,9 bis 9,4, d. i. im Orte Mar­köbel vom Rathaus bis an die Molkerei, für die Zeit vom 14. bis einschl. 17. d. Mts. für Fuhrwerke von mehr als 20 Zentner Ladegewicht und für Kraftfahrzeuge aller Art polizeilich gesperrt.

Hanau den 12. September 1912. V. 5378 Der Königliche Landrat.

J. V.: Karbe.

Der zum israelitischen Kreisvorsteher gewählte Rechts­anwalt Herr Dr. Leo Koref in Hanau ist von dem Vorsteher- . amt der Israeliten bestätigt und von mir verpflichtet worden.

"Hanau den 12. September 1912. V. 5159 II

, Der König!. Landrat.

I. V.: Karbe.

Stadtkreis Ranau. Bekanntmachung.

Nach dem Versicherungsgesetz für Angestellte vom 20. De­zember 1911 (Reichs-Gesetzbl. S. 989) sind von den versicher­ten Angestellten und ihren Arbeitgebern Vertrauensmänner zu wählen. Diese Vertrauensmänner wählen Beisitzer für den Verwaltungsrat, die Rentenausschüsse, die Schieds­gerichte und das Oberschiedsgericht und können von der Reichsversicherungsanstalt oder den Rentenausschüsten bei Erledigung ihrer Geschäfte zur Mitwirkung in Anspruch ge­nommen werden. Sie sind also die Vertreter der Beteiligten bei der Ausführung und Handhabung des Versicherungs- gesetzes für Angestellte.

Die Wahlen der Vertrauensmänner werden voraussicht­lich im Herbste ds. Is. stattfinden. Hierbei gilt als Aus­weis für die versicherten Angestellten die Versicherungs­karte, für die Arbeitgeber eine von der Gemeindebehörde ausgestellte Bescheinigung über die Zahl der von ihnen regelmäßig beschäftigten versicherten Angestellten. Die Ver- Ücherungskarten werden von den Ausgabestellen der Ange­stelltenversicherung für die versicherten Angestellten aus­gestellt, insoweit sie nicht Mitglieder von Ersatzkosten sind. Voraussetzung für die Ausstellung der Versicherungskarte ist, daß der versicherte Angestellte zuvor die Vordrucke einer Aufnahme- und Versicherungskarte, welche bei den Aus­gabestellen unentgeltlich erhältlich sind, ausgefüllt und der Ausgabestelle eingereicht hat.

Alle versicherten Angestellten werden aufgefordert, sich chleunigst von der Ausgabestelle, in deren Bezirk sie be- chäftigt sind, oder von ihrem Arbeitgeber, sofern er im Be­sitze der Vordrucke ist, die Vordrucke einer Aufnahme- und einer Versicherungskarle verabreichen zu lasten und unter Einreichung der ausgefüllten Vordrucke bei der Ausgabe­stelle ihres Beschäftigungsortes die Ausstellung der Ber- ficherungskarte zu beantragen. Ueber die Ausfüllung gibt die mit den Vordrucken auszuhandigende Belehrung Aus­kunft.

Als Ausweis ist der Ausgabestelle der Steuerzettel und gegebenenfalls die Quittungstarte der Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung vorzulegen.

Versicherte Angestellte, welche bei Len Wahlen nicht im , Besitz einer Versicherungskarte sind, gehen ihres Wahlrechts verlustig.

Die Arbeitgeber, welche versicherte Angestellte beschäfti­gen, werden aufgefordert, bis zur Wahl sich von der Ge­meindebehörde eine Bescheinigung über die Zahl der von ihnen regelmäßig beschäftigten versicherten Angestellten ausstellen zu lasten. Ohne diese Bescheinigung können sie zur Wahl nicht zugelasten werden.

Samstag den 14. September

Die Ausgabestelle der Angestelltenversicherung für den Stadtkreis Hanau befindet sich im Rathaus, Marktplatz 16, 2. Stock.

Hanau den 20. August 1912. 20765 Der Magistrat.

J. A.: Bartmuß.

Bekanntmachung.

Arbeitsuchende: 3 Dienstmädchen, 6 Hausburschen, 1 Schuhmacher, 1 Weißbinder, 3 Tagelöhner, 1 Tage­löhnerin, 1 Wasch- und Putzfrau.

Offene Stellen. Gesucht werden: 7 landwirtschaftl. Tagelöhner, 1 Fahrbursche, 1 Polsterer und Tapezierer, 1 Schneider, 2 Schuhmacher, 1 Silberformer, 1 Schmiede­geselle, 1 Schmiedelehrling, 1 Hausbursche (Radfahrer), 4 Dienstmädchen.

Hanau den 14. September 1912. 22701

Städtische Arbeitsvermittelungsstelle.

Mnöene md oertene EW»WM rc.

Gefunden: 1 Untergestell von einem stummen Die­ner, 1 Wandergewerbeschein für Agnes Maibier, geb. Voigt, aus Mannheim.

Verloren: 1 schwarzer Spitzenschal, 1 goldene Hals­kette mit Herzchen, 1 Schlüsselring mit 2 Schlüssen.

Zugelaufen: 1 junger brauntiger Jagdhund m. G. Hanau den 14. September 1912.

Aus Hanau Stadt und Land.

Hanau, 14. September.

* Wechsel in höheren militärischen Kommandostellen. Der seitherige kommandierende General des 18. Armee­korps v. Eichhorn ist zum Generalinspekteur der neuen 7. Armeeinspektion in Saarbrücken ernannt worden. An die Spitze des 18. Armeekorps tritt Generalleutnant von Schenck, Generaladjutant des Kaisers. Generalleutnant Scholtz, der bisherige Kommandeur der 21. Division, ist zum kommandierenden General des neuen 20. Armeekorps ernannt worden, die 21. Division hat Frhr. v. Hollen, bisher Generalmajor und Kommandeur der 4. Kavallerie­brigade, erhalten.

* Parolemusik. Morgen mittag spielt die Kapelle des Eisenbahn-Regiments Nr. 3 im Schloßgarten folgende Stücke: Halloren-Marsch" von Kaempfert; Ouvertüre z. Op.Stra- della" von Flotow; Potp. a. d. OpereiteeDie Puppenfee" von Bayer;Weaner Mad'ln", Walzer von Ziehrer;La Baya", Chinesisch'-« Tonstück von Christine.

* Hanauer Kriegerverein. Heute abend 9 Uhr Zu­sammenkunft bei Kamerad Ottozur Concordia". Mit Rücksicht auf das am Sonntag stallfindende Jugendfest fällt das Schießen morgen aus.

* Die Ankunft des Circus Henry in Straßburg t. E. Der Eisenbahnsonderzug des Zirkus Henry ist in die Bahnhofs­halle soeben eingefahren. Tausende von Menschen erwarten in den ersten Morgenstunden das interessante Schauspiel der Ankunft einerZirkusstadt", die noch gestern abend, man kann sagen um Mitternacht, voll existierte, in der ein lustiges Getriebe herrschte und in der alle Lebensnerven kräftig funktionierten, die aber in wenigen Stunden mit der Kraft der Lokomotive an einen anderen, viele Kilometer weit entfernten Ort transportiert wurde und bald sich so lebensfähig erweisen wird, wie mehrmals der Woche, da und dort im Süden und im Norden Europas überall von den­selben Begleiterscheinungen umgeben, die einmal einer kur­zen Schilderung würdig sind.Kolostal!" ertönt es aus hunderten Kehlen,Kolossal" noch ein- und tausendmal, wenn der riesenlange Sonderzug mit den roten Waggons uni) den zierlichen AufschriftenCirque Henry" die Front der Neugierigen abfährt. Selbst der schnoddrigste und ver- bistenste Philister bleibt erfreut stehen und mißt mit miß­trauischen Blicken die modernen Erfolge der neuen Zeit, die jede Minute teuer mißt und keine Sekunde unnütz verstrei­chen lassen will. Die Bahnangestellten und^Bahnhofsarbei- ter! Ei, was die für Augen machen, die Jungen wie die Alten, groß und klein, alles rennt und stürzt zur Auslade­rampe, um die bald beginnende Ausladung des aus 123 Pferden, Elefanten, Hunden, Zebras, Kamelen usw. be­stehenden Tierparks und der aus 25 Waggons bestehenden Einrichtung des gesamten Zeltzirkus, unter der die großen Zirkuszelte, die 4000 Personen fassen, die Garderobe-, Kasta-, Restaurations- und Stallzelte, ferner sämtliche 25 eigene Wagen mit der gesamten Zirkuseinrichtung und die Bu­reau-. Kasta-, Garderobe-, Stuhl- und RequisiLenwaaen wie

Fernsprechanschlutz Nr. 230. 1912

zwei elektrische Lanzsche Lokomobilen und die Lichtwagen sich befinden, mitanzusehen. Bei der Kompliziertheit des Be­triebes denkt der Zuschauer an ein Wirrwarr der Eescheh- niste.Heute abend noch spielen?" fragt ungläubig der Laie. Diese Ruhe, diese eiskalte Ruhe, die immer beängstigender wirkt, macht ihn kopfscheu. Kein Lärm, kein Durcheinander, kein Geschrei. Nur einen lauten Kommandoruf des Be­triebsinspektors vernehmen wir. Er hatte sich kurz vorher mit dem Bahnoorstande über die Details der Ausladung auseinandergesetzt. Wie der Drahtzieher die Puppen so dirigiert der Zeltmeister seine große Mannschaft. Ein jeder steht auf seinem Platze, er fragt nichts, redet nichts, still verrichtet er seine Arbeit. Ruhe, Ruhe und nichts mehr uls Ruhe beherrschen den Apparat, der vorzüglich klappt und der Anlaß zu lobenden Bemerkungen gibt. So rollt Wagen auf Wagen dem Spielplätze zu. Auch hier Tausende von Zuschauern, die die Entstehung derZeltstadt" miterleben wollen. Noch sieht man die bloße Ebene, aber gerade kommen Zelt-, Mast- und Gerätewagen herangefahren. Die Arbeit beginnt. Ein interessantes, pittoreskes Bild der Arbeit ent­wickelt sich. Was die Organisation alles vermag! Gemeint ist selbstverständlich die munitiös berechnete Organisation, die alle Teile des Organismus umfaßt, und erkrankt, wenn nicht administrativ oder technisch alles bis aufs letzte i-Tipfelchen klappt. Deshalb auch die nervenangestrengte Tätigkeit jedes Beschäftigten, das große verantwortliche Verhalten das Beispielgebend ist. Die Pflöcke sind einge­schlagen, die Seile gespannt, die Flaschenzüge angelegt, und in wenigen Sekunden, noch bevor Tnan recht hinsehen konnte, sieht man das Skelett des Baues. Rechts und links erheben sich die kleineren Zelte, die Maschine dampft bereits, in der Restauration sitzen die Artisten bei den dampfenden Schüsteln, überall die emsige Tätigkeit die das Feld des Unternehmens größer erscheinen läßt. Da hört man plötzlich großen Straßenlärm. Ein Eelaufe und ein Gequietsche der Straßenjugend, daß es in die Ohren gellt. Fenster auf! Alles blickt nach dem oberen Teile der Sttaße, wo ein dichter Menschenknäuel die Pastage versperrt. Polizei tritt in Aktion, schafft rasch Ordnung, und man erkennt die Ursache des Auflaufes:Die Pferde und Elefanten kommen." Jetzt wissen wir es, jetzt können wir die Aufregung der Bevölke­rung begreifen. Es scheint, als ob die Tagesarbeit der Be­wohner eine Unterbrechung erleiden sollte, so fieberhaft ver­folgen die Leute die Ereignisse beim Zirkus. Der lange Pferdezug naht. Zu zweien kommen sie heran. Von Sol­daten werden sie geführt. Man erkennt schon jetzt, warum der Zirkus Henry einen allerersten Rang unter dergleichen Unternehmen in Europa einnimmt. Lauter stattliche Pferde, jung und frisch, daß Kenner und' Laien ihre Freude haben. Dann die indischen und afrikanischen Elefanten. Koloste, die um halbe Mannshöhe den Zug an Größe überragen. In starkem Kontrast dazu wirkt der Aufmarsch der Ponys; schließlich kommen die anderen dressierten Tiere und zuletzt die liebe Straßenjugend. Das Schauspiel ist ergötzlich. Acht Minuten hat es gedauert. So erreicht der Zug den Zirkus, wo die mit Stroh und Futtervorräten gefüllten Zeltställe zur Aufnahme bereit stehen.Inzwischen war das Personal am Zirkusplatz nicht müßig gewesen. Ein Netz von Drähten umspannt alle Einrichtungen des Unternehmens, aus den Bureauwagen hört man das Klappern der Schreibmaschinen und vor den eigenen Kasten drängt sich das Publikum zum Kauf von Billetts. Die Zeit verstreicht; die Mittagsglocke schlägt. Mit einem Schlage verhallt das Hämmern, Klop­fen, Kommen und Gehen es folgt die Mittagspause. Nach genau einer Stunde, um 1 Uhr, ertönt ein schriller Pfiff, der Zeltmeister leitet die Arbeit wieder ein; so geht es weiter. Gegen 5 Uhr ist schon alles fix und fertig aufgebaut. Es erscheinen nun mehrere Herren in Uniform und Zivil; der Geschäftsführer des Unternehmens empfängt dieselben, es ist die zuständige Lokalkommission, die die baupolizeiliche Abnahme des Zirkus übernimmt, ob derselbe auch den an ihn gestellten Vorschriften entspricht. Im Eingänge erfolgt eine kurze gegenseitige Vorstellung der Herren mit dem Di­rektor Henry und gleich darauf beginnt die Abnahme; nach 25 Minuten, nachdem alles in tadelloser Sicherheit vorge­funden ist, erteilt die Kommission die Erlaubnis zum Spie­len und zum Einlaß des Publikums. Inzwischen ist es dunkel geworden, die Bogenlampen vor dem Zirkus und im Jnnenraum leuchten auf, das Publikum erfiäh Einlaß in das geräumige Zirkuszelt, und nach kurzer Zeit kann man nach den tosenden Beifallskundgebungen der Menge schlie- ßen daß die Zirkusvorstellung begonnen hat. Die Eröff­nungsvorstellung findet Dienstag den 17. September, abends 8X Uhr, statt. Der Kartenvorverkauf ist in dem Zigarreugeschäft Gebrmann.