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EinrSckungsgebvhrr

Die Vgefpaktene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. im Reklametetl die Zelle 60 Pfg.

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Bezugspreis:

vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg., für Post, bezug vierteljährlich 2dO Mk monatlich 70 Pfg. Die einzelne Nummer kostet 6 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Nr. 209 Kernfprech-nfchluß Nr. 230.

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AmtNches.

Stadtkreis Ranau.

Das unter dem 25. April d. J. erlassene Verbot des Be­fahrens der Kleinen Hainstraße in der Richtung von der Kinzigbrücke nach der Hainstraße wird im Einverständnis mit dem Magistrat wieder aufgehoben.

Hanau den 5. September 1912. - P. 9707

Königliche Polizeidirektion.

J. V.: Karbe.

Erster Bureaugehilfe, welcher in Registraturgeschäften bewandert ist, zum L Ok­tober d. Z. gesucht.

Bewerber wollen sich unter Angabe ihrer Gehaltsan­sprüche sowie unter Einreichung des Lebenslaufes und be­glaubigter Zeugnisabschriften bei dem Unterzeichneten baldigst melden.

Hanau den 5. September 1912.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer-Veranlagungs­kommission Hanau-Land.

I. V.: Karbe.

Mnötnt md mrlorm Seaenltö* it.

Gefunden: 1 Peitsche, 1 unechtes Kollier mit Emaille­anhänger, 1 silberne Herrenuhr mit halber Kette.

Harum den 6. September 1912.

Politische Rundschau.

Die Friedensbedingungen der österreich-ungarischen Opposition. Graf Andraffy äußert sich über die gestrigen versöhnlichen Kundgebungen Tiszas und Lukacs dahin, daß die Krise mit einer Neuregelung der Hausordnung allein nicht gelöst werden könne. Solange Tisza und Lukacs den schroffen Standpunkt einnehmen, daß die gewaltsame Ent­fernung der ganzen Opposition aus dem Parlament nichts Ungewöhnliches fei, weil die Opposition hinausgeworfen zu werden verdiene, sei die Lage geradezu hoffnungslos; eben­sowenig könne sich die Opposition mit der Entfernung Tiszas aus dem Amte begnügen, da dann Lukacs die Gewaltpolitik mit einem anderen Präsidenten fortsetzen könnte. Auch Neu­wahlen würden nach der Ansicht Andrassys keine Lösung bringen, da sich die Opposition auch im neuen Reichstag auf den Standpunkt des schärfsten Widerstands stellen würde; dagegen bezeichnet es Andrassy als nötig, daß die Opposition sich in Verhandluogen auch mit Tisza und Lukacs einlaffe, da schließlich diese die Führer der Mehrheit seien.

Kommune und Presie. Die Preße kann heute mit Be­friedigung darauf Hinweisen, daß auch an behördlicher Stelle mehr und mehr die Bedeutung ihrer Aufgaben anerkannt und ihr Wirken, gewürdigt wird. Und wenn auch das kaiserliche Wort von der siebenten Großmacht unb ihrer kommandierenden Generale vorab nur im Ausland Geltung hat, wo oft genug der Zeitungsschreiber zu den höchsten Re­gierungsämtern berufen wird, so tröstet sich die deutsche Presse und ihre Vertreter damit, daß sie ihre Aufgabe, die Förderung der öffentlichen Wohlfahrt auf allen Gebieten, nicht weniger ernst nimmt und mit nicht geringerem Er­folg erfüllt, als Dies im Auslande geschehen mag und dann auch damit, daß vieles im Verkehr zwischen Behörde und Presse besser geworden ist. Das gilt namentlich von den ^Verwaltungen unserer großen Kommunen und aus den etzten Tagen haben dies die Ausführungen der neuen Ober- uigmileister von Caßel und Zittau bewiesen, die der Presse als Mitarbeiterin auf gleichem und verwandtem r ertsselde eine gerechte Würdigung erfahren ließen. Und wenn demgegenüber bei anderen Kommunalbehörden ver- ernzett noch die veraltete Anschauung von der Presse als em n»twendigen Uebel fortbesteht, so darf man wohl an- U1yfcre Zeit auch hiermit aufräumen wird, yllft hierzu auch der Kongreß für Städtewesen, an die Städteausstellung in der Woche vom ns 28. September in Düsseldorf tagt; unter den dort zur cor erung gestylten Fragen finden wir auch das Thema: Kommune und Presse. Den einleitenden Vortrag hält der Ches-> >> 'tleur a. D. Dr. Hülsen, Düsseldorf; der Vortragende ' ist leit langen Jahren Mitglied des Düsieldorfer Stadtver- ordneteulol.egiums upd dürfte daher besonders befähigt sein, zu diesem 1 Hema Grundlegendes auszuführen.

Das russische Handelsministerium stellte in den Voran­schlag für 1913 einen Kredit von 18 Millionen Rubel für _bie Errichtung und den Ausbau von Handelshäfen ein.

Freitag den 6. September

Der Kaiser in der Schweiz.

Der Kaiser hat bei der Schweizer Bevölkerung eine alle Erwartungen übertreffende, ungewöhnlich herzliche Auf­nahme gefunden. Auch die französischen Berichterstatter ent­ziehen sich diesem Eindruck nicht, wiewohl es in der fran- zösischen Presie auch diesmal an Verkleinerungsversuchen nicht fehlt. Reisen unseres Kaisers ins Ausland werden von unseren westlichen Nachbarn stets mit Sorge und Eifersucht verfolgt. Man kennt und fürchtet seine Gabe, Herzen zu ge­winnen. Wir begegnen in manchen französischen Artikeln auch den bei solchen Gelegenheiten üblichen Versuchen, Miß­trauen zu stiften. Dabei muß jedoch anerkannt werden, daß die ernstesten Organe diesmal nicht mittun, aus der Einsicht heraus, daß wirklich brauchbare Handhaben zur Störung der freundlichen Verhältniße zwischen Deutschland und der Schweiz nicht zu finden sind. Man hat sich schon zur Aus­grabung längst vergeßener Sachen entschließen, bis in die achtziger Jahre zum Fall Wohlgemuth zurückgehen müßen, um überhaupt etwas wie eine ernsthafte politische Differenz zwischen den beiden Ländern zu entdecken. Aber gerade Schweizer Zeitungen haben darauf hingewiesen, daß es eine der ersten Regierungshandlungen des Kaisers war, für Bei­legung des Falles Wohlgemuth zu sorgen.

Dieses völlige Fehlen von politischem Giftstoff zeigt, wie zufrieden wir mit dem Stand unserer Beziehungen zur Schweiz sein können. Es find leere Einbildungen oder be­wußte Täuschungen, wenn hier und da in der uns feind­lichen Preße geschrieben wird, wir strebten eine engere Ver­bindung mit der Schweiz an und der Kaiserbesuch solle auf diesem Wege vorwärtsführen. Davon ist gar keine Rede. Die Schweiz ist uns so, wie ihre Stellung in Europa ist, gerade recht. Wir haben nicht das mindeste Jnteresie daran, ihre Neutralität verändert zu sehen. Ihre Unabhängigkeit wird von dem deutschen Nachbar so wenig bedroht wie die Selbst­ständigkeit Hollands oder Belgiens. Nirgends freut man sich mehr ihres Gedeihens als in dem stamm- und kultur­verwandten Deutschland. In der Schweiz weiß man dies alles so gut wie bei uns, und die Kaiserreise mit ihren durch keinen Mißton getrübten Eindrücken betont und verstärkt nur altgewohnte Freundschaft und nachbarliche Gesinnung.

Zürich, 5. Septbr. Der Kaiser empfing heute nach­mittag in der Villa Rietberg die Besitzerin der Villa Frau Rieter-Dodmer mit ihren Töchtern und machte den Damen sein Bild in Rahmen zum Geschenk. Um 6 Uhr empfing dann der Kaiser auf der Parkterasse der Villa den reichs- deutschen Ausschuß, nämlich 29 Herren, Vertreter zwölf deutscher Vereine in Gegenwart des Gesandten v. Bülow, des Chefs des Zivilkabinetts v. Valentini und des deutschen Generalkonsuls Fabre du Faure. Der Kaiser, der wieder die Gardeschützenuniform angelegt hatte, ließ sich von dem Generalkonsul die Herren vorstellen und unterhielt sich mit jedem einzelnen auf das freundlichste über die Verhältniffe jedes Vereins, die wirtschaftlichen Verhältnisse in der Schweiz, die landschaftlichen Schönheiten von Zürich und Umgebung und anderes. Zum Schluß brachten die Ver­treter ein Hurra auf den Kaiser aus. Die von dem reichs­deutschen Ausschuß vertretenen Vereine waren der Reichs­verein, der Alldeutsche Verband, der deutsche Kriegerbund Germania", der deutsche Milttärverein, der deutsche Ruder­verein, die akademische VerbindungTeutonia", der Verband Deutscher Apotheker, der deutsche Werkmeisterverband, der Deutschnationale Haudlungsgehilfenverband, der deutsche Klub, der Verband deutscher Handlungsgehilfen und der deutsche Mannergesangverein. Später unternahm der Kaiser eine Spazierfahrt im Park der Villa. Nach der Abendtafel, die um 8 Uhr begann, trug der deutsche Männergesangverein Zürich unter Leitung des Dirigenten Pfirstinger Lieder vor, nämlich dasDeutsche Lied" von Faßbender, ein Koschatlied undNoch ist die blühende, goldene Zeit" von Pfirstinger. Der Kaiser dankte den Sängern mit freundlichen Worten.

Bern, 5. Septbr. Aus Anlaß des Besuchs des Kaisers prangt die Bundeshauptstadt in reichstem Festschmuck. Durch ein Monumental-Portal roi'rb der Kaiser den Bahnhossplatz betreten, wo ihn eine Flaggenfront in deutschen und schweize­rischen Farben grüßt. Der Weg vom Bahnhof zum Bundes­haus ist mit hohen Goldpostamenten eingesäumt, die Blumenarrangements tragen. DaS Bundeshaus trägt wir­kungsvolle Moosgirlanden in schweizerischen Farben. Der Eingang zum Bundeshaus, die Treppe, die Vorhalle und der Audienzsaal sind mit Lorbeer, Palmen und buntfarbigen Blumen geschmückt. Die Straßendekoration ist vorwiegend Blumenschmuck. Die schönen Barockfassaden sind mit Blumen geschmückt. Die öffentlichen Gebäude und die Brücken tragen reichen Flaggenschmuck.

Fernsprechanschlutz Rr. 230. 1912

Marokko.

Ein Bormarsch der Franzosen auf Marrakesch.

Der Vormarsch bet Franzosen gegen Marrakesch unter Führung General Lyauteys ist nach einem Telegramm vom 3. September aus Rabat beschlossen worden. Die Ko­lonne Mangin, viertausend Mann stark, dürfte in drei bis vier Tagen aufbrechen. Die größten Schwierigkeiten verursachten bisher die Errichtung einer sicheren Etappen­linie und die Verproviantierung der Kolonne, was mehr Truppen beansprucht als das eigentliche Expeditions­korps. Die Langsamkeit der bisherigen Operationen, sagte General Lyautey, sei nicht der Unschlüssigkeit, sondern der Klugheit zuzuschreiben. Einflußreiche Kaids des Südens sollen weiteren Meldungen zufolge willens sein, die fran­zösischen Gefangenen Elhibas zu befreien, falls sich die französische Kolonne in der Nähe von Marrakesch zeigte. Elhibas Stern sei infolge der letzten Niederlage im Sinken.

Aus Tanger wird weiter gemeldet: Der Leiter des BlattesEl Hakk", Rifant, und ein ägyptischer Offizier, namens Mahmud Zaki, die auf Befehl des Sultans verhaf­tet worden sind, wurden nad) Casablanca eingeschifft. Die letzte Nummer des Blattes wurde beschlagnahmt, weil es Angriffe auf den Sultan und einen Aufruf zu einer allge­meinen Erhebung gegen Ende des Ramasanmonates ent­hält. In der Gegend von Mekines macht sich eine gewiße Gärung unter den Beni Mtgo bemerkbar. Alle Vorsichtsmaß­regeln sind getroffen worden. Wie aus Casablanca berichtet wird, ist gestern ein Zuavenbataillon abmarschiert, um Saffi und Mogador zu besetzen. » <

Paris, 5. Septbr. Aus Rabat wird vom 4. September gemeldet: Oberst Blondelat wurde am 1. September um 2 Uhr nachts, 10 Kilometer südlich von dem Lager des Obersten Marchand von Leuten des Zaerstammes ange­griffen. Nach Tagesanbruch wies die Kolonne den Angriff zurück und verfolgte den Feind 25 Kilometer weit nach Süden. Die Verluste des Feindes waren beträchtlich. Am 4. Septmeber ist Oberst Pein von Suk el Arba zu einem dreitägigen Erkundungszug in das Gebiet der Uled Amran aufgebrochen.

Aus hem Urteil gegen Wer Iran».

Wie Berliner Blätter berichten, umfaßt das Urteil, das der Oberkirchenrat gegen Pfarrer Traub gefällt hat, mit der Be­gründung 52 Seiten, von denen sich 35 mit dem Fall Jatho und dem hierbei gefällten Spruch des OberkirchenratS beschäftigen. Der Hauptinhalt der langen Urteilsbegründung ist der, daß Pfarrer Traub sich sittliche Verfehlungen habe zuschulden kommen laßen, indem er bei der Verteidigung JathoS öffent­lich und bewußt Wahrheitswidrigkeiten von seiner vorge­setzten Behörde, dem Oberkirchenrat, behauptet habe. Be­kanntlich hat das Mitglied eines anderen Kirchspiels in Köln Jathos Predigt beigewohnt, sich davon Auszüge gemacht und diese dem Oberkirchenrat eingesandt. Der Oberkirchenrat wandte sich darauf an Jatho mit dem Ersuchen, sich zu ver­antworten, nannte aber Jatho den Namen des Denunzianten nicht. Traub soll mm behauptet haben, der Oberkirchenrat habe mit anonymem Material gearbeitet. Dagegen erklärt der Oberkirchenrat in seiner Urteilsbegründung gegen Traub, daß dies eine bewußte Unwahrheit Traubs sei, denn eS gehe aus den Traub zugänglich gemachten Jatho-Akten hervor, daß der Oberkirchenrat dem ehemaligen Pfarrer Jatho die Be­schuldigungen übersandt hat.

Berlin, 5. September. DieKreuzzeitung" schreibt heute: Was sagen die posttiven Kreise der evangeli­schen Kirche? Jubeln sie? Dazu ist wahrlich kein Grund, denn es ist immer schmerzlich zu sehen, wenn ein hoher Geist stürzt, wenn ein Diener des Evangeliums, an dessen subjektiver Wahrhaftigkeit nicht zu zweifeln ist, sich nicht unter den Gehorsam der geoffenbarten Wahrheit des Evangeliums beugen will. Traub selbst wird eS ja äußer­lich an nichts fehlen! Die Begeisterung der Jatho-Freunde wird doch wenigstens so lange vorhalten, bis man auch einen Traubfonds gesammelt und den markantesten Vorkämpfer eines radikalen Liberalismus in seiner äußern Existenz sicher gestellt hat. Traub wird der begehrteste Volksredner in libe­ralen Wahlversammlungen werden und weidlich gegen die verrotteten Zustände" der Kirche losziehen! Freilich welche innerliche Entwicklung er dabei nehmen wird, daS ist eine andere Sache!

Zum Jubeln haben wir keinen Grund, wohl aber gttr ehrlichen Anerkennung deS evangelischen OberkirchenratS und zum Vertrauen. Die Verüimmuna gegen unsere oberste