Erstes Statt
Bezugspreis:
vierteljährlich 1.80 ML, monatlich 60 Pfg., für Post, bezug vierteljährlich 240 ML, monatlich 70 Pfg, Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.
ElnrückungsgeSSHr:
DK Vgespalkne Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. t» NeklamekU dk Zells 60 Pfg.
Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerel des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger
Amtliches Organ für S1aM= und Landkreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn-und Feiertage, mit belletristischer Beilage. verantwort!. Redatteur: E. Schrecker in Hanau.
Mx, 204 ^erusprechanschltttz Nr. 230.
Slimstag den 31. August
Fernsprechanschlutz Nr. 230
1912
M PM Kummer mW nutzer dem MrtzMilMM 16 Seiten.
^■■■«^■■■»■■■■nBHB
2lmfIi<T^§.
Stadtkreis Fyanau.
„ Einlabung zur gemeinschaftlichen Sitzung der Süü>tverordneten-Ver- sammlung und der unbesoldeten Magistratsmitglieder am Donnerstag den 5. September 1912, nachmittags 5 Uhr.
Tagesordnung.
1. Wahl des Oberbürgermeisters.
Hieran anschließend:
Oeffentliche Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung.
2. Rechnung 6er Armenkasse für 1911.
3. Ueberschreitungen von über 100 Mark für 1911.
4. Aufhebung der Verzinsungspflicht für Verlegung der Kabel-, Wasser- und Gasleitung.
5. Etatsüberschreitungen des Elektrizitätswerks im Rechnungsjahre 1911.
6. Desgleichen des Wasserwerks.
7. Desgleichen des Gaswerks.
8. Desgleichen der Kanalkasse.
9. Verlängerung der Kabelleitung in der Gustav Adolfstraße bis zum Hause Nr. 15.
10. Verlegung der Gasleitung in Eroß-Steinheim.
U. Forderung der Firma Eg. Heydt Nachf. für mehrgedruckte Haushaltspläne.
12. Hilfeleistung durch Aerzte in Eilfällen.
13. Kündigung des Vertrages vom 4./9. Mai 1900 über die Führung der Staatssteuergeschäfte.
14. Unvermutete Prüfung der hiesigen städtischen Spar- kasse durch den Herrn Regierungspräsidenten.
15. Aufnahme eines Darlehens für die Wanderarbeitsstätte.
16. Beschaffung einer elektrischen Signaluhr für das Lyzeum.
17. Bericht über die Baukontrolle im Jahre 1911.
18. Ueberschreitungen «der Schlachthofkasie.
19. Desgleichen der Begräbniskasse.
20. Gesuch des Museumsvereins für Hesien-Casiel um Bewilligung einer Stiftung für das Hessische Landesmuseum in Cassel.
Hieran anschließend: Geheime Sitzung.
Hanau den 30. August 1912.
Der Stadtverordneten-Vorsteher.
Uth, Justizrat.
Handelsregister.
Aktiengesellschaft in Firma:
„Hanauer Kunstseidefabrik Aktiengesellschaft" mit dem Sitze in Großauheim.
Durch Beschluß des Aufsichtsrats vom 17. August 1912 ist der Kaufmann Carl Bopp in Hanau a. M. als Mitglied des Vorstandes der Hanauer Kunstseide- fabrik Aktiengesellschaft in Großauheim bestellt worden mit der Maßgabe, daß er berechtigt ist, die Gesellschaft mit einem weiteren Vorstandsmitglied oder mit einem Prokuristen zu vertreten.
Eintrag des Königlichen Amtsgerichts, Abt. 5, zu Hanau vom 27. August 1912. 21423
Politische Rundschau.
Set Äai^ct und die Kaiserin sowie die Prinzessin Dikto- rra ^uise sind gestern nachmittag im Sonderzug auf dem Potsdamer Bahnhof eingetroffen. Zum Empfange waren lniuenen der Kronprinz und die Kronprinzessin mit den Söhnen, Prinz Eitel Friedrich und Prinz Ungusi Wilhelm mit Gemahlinnen sowie die Prinzen Os- f“T llnb Joachim. Prinz Eitel überreichte der Kaiserin als Wltuiiiiiiensgrufe ein prachtvolles Rosenbukett. Als das Kaiserpaar vom Bahnhof abfuhr, wurde es von einer großen Menschenmenge stürmisch mit Hochrufen begrüßt. Es begab sich nach dem königlichen Schloß
Gesetzliche Einführung von Waffenscheinen. Im Reichsamt des Innern hat eine Konferenz beteiligter Kreise stattgefunden, in der die Frage erörtert wurde, ob man durch gesetzliche Bestimmungen festlegen soll, daß der Verkauf bestimmter Schußwaffen nur gegen Vorzeigung eines Waffenscheines erlaubt ist. Die Waffenhändler befürchten aber durch gesetzliche Einführung eines Waffenscheins eine empfindliche Venachteiliguna ihres Gewerbes. Sie weisen
darauf hin, daß viele Fremde, namentlich Russen, nach Deutschland kommen, um hier Waffen zu kaufen. Es wurde, der „Tgl. Rdsch." zufolge, erwogen, ob man den Verkauf von Schußwaffen konzessionspflichtig machen soll, um den Verkauf gewißer Schußwaffen durch Althändler an unzuverlässige Personen zu unterbinden.
Der Kolonialstaatssekretär Dr. Solf ist am vergangenen Samstag mit dem von Daressalam kommenden Dampfer in Tanga eingetroffen. Er besichtigte in den folgenden Tagen eine Reihe von Pflanzungen im Hinterland. Auch dem Biologisch-Landwirtschaftlichen Institut Amani wurde ein Besuch abgestattet. Am Dienstag weilte der Staatssekretär in Wilhelmstal, von wo die Fahrt am Mittwoch morgen auf der Nordbahn nach Moschi am Fuße des Kilimandscharo ging. Seine Rückkehr nach Tanga wurde gestern Freitag erwartet. Für heute Samstag ist ein feierlicher Vegrützungsabend durch die Bevölkerung Tangas angesetzt, dem die Kolonisten der Nordbezirke mit großer Spannung entgegensehen. Man erwartet, daß der Kolonialstaatssekretär sich über die auf den Pflanzungen gewonnenen Eindrücke äußern werde. Dr. Solf wird am Sonntag Tanga verlasten, um auch dem benachbarten Vritisch-Ostafrika einen Besuch abzustatten. Die Fahrt soll auf der Uganda- Bahn bis zum Victoria-See ausgedehnt werden, wo insbesondere die erfolgreichen Baumwollbezirke des Uganda- Protektorates besichtigt werden sollen.
Der Magistrat von Nürnberg beschloß gest'rn einstimmig, an den Bundesrat ein Ersuchen um sofortige Einberufung des Reichstages zu richten, um über die zeitweise Aufhebung aller Zölle auf Lebensmittel, die Oeffnung der Grenzen für die Einfuhr von Schlachtvieh, die Aenderung der Bestimmungen für die Einfuhr frischen und zubereiteten sowie Gefrierfleisches Beschluß zu fasten. Der bayerischen Regierung wird eine Abschrift dieser Eingabe überreicht werden.
Die bayerische Abgeordnetenkammer hat gestern den Rest des Militäretats erledigt und dem Gesetz zu diesem Etat, dessen Gesamthöhe auf 112 706 874 Mark festgesetzt wurde, mit 94 Stimmen der bürgerlichen Parteien gegen 23 Stimmen der Sozialdemokraten zugestimmt.
Graf Berchtold beim Kaiser in Ischl. Zur gestrigen Audienz des Ministers des Aeußern Grafen Berchtold beim Kaiser in Ischl erfährt die „Neue Fr. Presse", daß Graf Berchtold dem Monarchen zunächst über den Erfolg seiner Reise nach Rumänien und sodann über die Aufnahme seiner Eingabe -an die Großmächte zu einem Gedankenaustausch über die Valkanfrage berichtet habe. Graf Berchtold werde binnen kurzem in einer weiteren Mitteilung an die Mächte seinen Vorschlag spezialisieren, um den Besprechungen der Mächte eine sachliche Unterlage zu geben. Das „Neue Wiener Tageblatt" dementiert gleichzeitig die Meldung der offiziösen Belgrader „Samouprava", wonach eine internationale Konferenz geplant sei. Eine Konferenz über die Balkanftage, so erklärt das Blatt, werde bestimmt nicht stattfinden.
Ein internationaler Kongreß für Städtewesen. Die rheinisch-westfälische Städteausftellung in Düsseldorf gibt nicht nur ein erschöpfendes Bild von dem Werden der deutschen Stadt, sie unterrichtet auch eingehend über alle Gebiete kommunaler Tätigkeit, sei es durch Vorführung von Modellen oder an Hand von Plänen, Zeichnungen und graphischen Darstellungen, und bietet so jedem kommunalpolitisch Interessierten ein reiches Studiummaterial. Allerdings ist hierbei die Behandlung der wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und sozialen Seite der kommunalen Fragen meist unberücksichtigt geblieben, weil hierfür in dem Rahmen einer Ausstellung nicht Raum ist. Um jedoch diesem Mangel abzuhelfen und Gelegenheit zu einer ergänzenden Erörterung der ausgestellten Objekte zu bieten, hatte die Ausstellungsleitung von vornherein die Veranstaltung eines Kongresses für Städtewesen vorgesehen. Auf so manchem Gebiete kommunaler Tätigkeit hat eine Reihe tüchtiger Fachleute besondere Erfahrungen gesammelt, deren Verbreitung aus mancherlei Gründen oft unterbleibt, und diesen Männern der Praxis soll durch den Kongreß Gelegenheit gegeben werden, ihre Erfahrungen einem größeren Kreis von Interessenten vorzutragen und sie so wieder der Praxis dienstbar zu machen. Weit über die Grenzen des Ausstellungsbezirkes hinaus hat dieser Plan in Deutschland und auch im Auslande volle Anerkennung und Unterstützung gefunden, sind doch die Fragen, die die Verwaltungen der großen Kommunen beschäftigen, überall die gleichen, wie auch das Ziel, das Gemeinwohl, überall das gleiche ist. Der Kongreß tagt in der Woche vom 23.-28. September; die zur Verhandlung kommenden Materien erstrecken sich auf den Städtebau die städtischen Betriebe und
auf die Pflege von Kunst, Wissenschaft und Wohlfahrt in den Städten. Bis jetzt sind in diesen drei Gruppen über 90 Vorträge angemeldet, u. a. von Ministerialdirektor Dr. Freund, Geh. Oberbaurat Stübben (Berlin), Professor Blum (Hannover), Dr. R. van der Borght (Berlin), R. H. Aldridge (Leicester, National Housing & Town-Planning- Council), Damaschke (Berlin), Abgeordneter Dr. Südekum, Oberbürgermeister Dr. Scholz (Castel), Frhr. v. Berlepsch und Profestor Kamp (Bonn).
Die neuen Unruhen in Marokko. Von französischer Seite liegen folgende Meldungen aus Marokko vor: Oberst Pein, der bei Sennun an den Quellen des Ued Lezar lagert, erhielt Nachricht von der Unterwerfung der Fichtala, von denen Notable nach Fes entsandt wurden. — Der Roghi, der östlich von Fes bei Sefrasa stehen soll, predigt den Heiligen Krieg und sucht auch die Uarain in die Aufstandsbewegung hineinzuziehen. Die Ausrufung Mulay Jstuffs zum Sultan ist in Sefru günstig aufgenommen worden. — Der Scherif Omrani bemüht sich nach Kräften, um von Gl Hiba die Freilassung der in Marrakesch gefangen gehaltene« Franzosen zu erwirken. Don militärischer Seite werden Maßnahmen getroffen, um das Schaujagebiet zu sichern. — Generalresident Lyautey meldet telegraphisch aus Rabat vom 28. August, daß die zwei Harkas, welche der Roghi im Norden von Fes auf dem rechten Ufer des Uregla gebildet hatte, jetzt aufgelöst worden find. — Nach einer amtlichen Meldung aus Tanger find die Zeitungsnachrichten über die Gefangenhaltung des deutschen Vizekonsuls Junker in Marrakesch unzutreffend.
Die Lage in China. Die Aussprache zwischen Juan- schikai und Sunyatsen hat anscheinend das Zusammengehen beider gesichert. Es ist, wie die „Deutsche Kabelgramm- Gesellschaft" meldet, zu erwarten, daß Sunyatsen vom radikalen Flügel der Partei der Tungmenghui abrückt. Der „Ostasiatische Lloyd" veröffentlicht ein Interview, in welchem Sunyatsen erklärt, er halte das Vorgehen d^es Vizepräsidenten Liyuanhung in der Angelegenheit des Generals Tschangtschengfu für einen großen Fehler, durch den fein Einfluß schwinden werde. Sunyatsen verlangt die Verlegung der Reichshauptstadt, weU die Anwesenheit der frem- den Soldaten in Peking für China eine Schmach sei. Er ist überzeugt, daß der Abschluß der internationalen Anleihe demnächst zustande kommt und erklärt mit großem Selbstbewußtsein, daß China niemals eine so glorreiche Zeit durchgemacht habe, als gegenwärtig. Sunyatsen tritt Ende September eine Reise nach Japan, der Mandschurei und nach Europa an. — Zur Unterwerfung der Mongolen geht auf Anordnung von Peking eine aus einem Infanterie-, einem Kavallerie-Regiment und vier Geschützen bestehende Abteilung aus Tschungutschak in der Richtung auf das Altaigebirge ab, in gleicher Richtung auch eine Abteilung aus Urumtschi. — Wie aus Hongkong gemeldet wird, griffen bewaffnete Räuber die Zollftationen Lofong und Samchien an, fesselten zwei wachthabende europäische Offiziere und führten Waffen und Munition mit sich fort.
Aus Hanau Stadt und Land.
Hana«, 31. August.
h Metropolitan Strobels Begräbnis. Was Metropolitan Strobel in einer jahrzehntelangen Wirksamkeit in Frankfurt und dem Hessenlande an Liebe gesät hat, das zeigte sich gestern bei der Beisetzung des greisen Predigers in reichem Maße. Kein evangelisches Haus Bockenheims war unvertreten, von nah und fern, besonders aus Frankfurt und dem Hanauerlande hatten sich Freunde unb Verehrer in großer Zahl eingefunden. Unter dem Geläute der Glocken bewegte sich kurz nach 9 Uhr der imposante Leichenzug vom Trauerhaufe nach der Jakobskirche, wo vor dem reich mit Trauerschmuck und Blattpflanzen gezierten Altar der Sarg aufgebahrt wurde. Nachdem das Trauergefolge Platz genommen und der Kirchenchor in ergreifneder Weise das Sterbelied „Christus, der ist mein Leben", gesungen hatte, hielt in Vertretung des behinderten Generalsuperintendenten D. Pfeiffer-Cassel Superintendent Fritsch- Hanau die Trauerrede, in der er auf Grund des Simeons- wortes aus dem Lukasevangelium ein Lebensbild des Verstorbenen entrollte. Er gedachte dabei besonders der Tätigkeit Strobels als Missionspredigers in Frankfurt und Kur- Hessen. Die fruchtbringende Arbeit in der Gemeinde Soto heim und Strobels Verdienste um die innere Mission schilderte in feingeistiger Weise der Nachfolger des Verstorbnen, Pfarrer Kahl. In langem Zuge, der vom Posaunenchor, dem Presbyterium und der Geistlichkeit eröffnet wurde, geleitete man nun den Sarg auf den FriÄihof. Im Zuge bemerkte man auch Vertreter der katholischen GeiSliMeit.