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General-Anzeiger
EinrSckuagsgevvhrr
SU KgespaNene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. in ReklameteU die Zelle 60 Pfg
Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckers! des verein, eu Waisenhauses in Hanau.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Bezugspreisr
Vierteljährlich 1.80 Mk^ monatlich 60^ flr Postbezug vierteljährlich 2.10 Mk^ monatlich 70 Pf- Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: E. Schrecker in Hanau
Nr. 199* ^ernsprechanschluf! Nr. 230.
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Amtliches.
Achtuhrladenschluh.
Nachdem mehr als ein Drittel von Inhabern offener Verkaufsstellen in Fechenheim bei mir den Antrag gestellt hat. den Achtuhrladenschluß an sämtlichen Wochentagen des Jahres, mit Ausnahme
1. der Samstage,
2. derjenigen Tage, an denen die Ortspolizeibehörde gemäß § 139e Absatz 2 Ziffer 2 der Reichsgewerbeordnung einen späteren Ladenschluß zuläßt, für die offenen Verkaufsstellen in Fechenheim einzuführen, sind gemäß § 139f Absatz 2 a. a. O. und § 5 der Bundesratsbekanntmachung vom 25. Januar 1902 (Amtsblatt für 1902 Seite 95) die beteiligten Geschäftsinhaber, einschließlich der Antragsteller zur Abgabe ihrer Aeußerungen für oder gegen den Antrag aufzufordern.
Zur Entgegennahme der Aeußerungen sowie der etwa zu erhebenden Einsprüche gegen die Richtigkeit und Vollständigkeit der Liste der Inhaber offener Verkaufsstellen habe ich den Bürgermeister Herrn Fischer in Fechenheim bestellt.
Die Inhaber offener Verkaufsstellen in Fechenheim fordere ich hiermit auf, ihre Aeußerungen für oder gegen den Achtuhrladenschluß in der Zeit vom 20. bis einschließlich 31. 8. M. dem Bürgermeister Fischer schriftlich mitzuteilen oder im Rathaus zu Protokoll zu geben. Rach Ablauf der Frist für die Abgabe der Aeußerungen wird die Liste der beteiligten Geschäftsinhaber vom 5. bis eiD. .-ließlich 18. September d. I. auf dem Bürgermeisteramts in der Zeit von 9 bis 12 Uhr vormittags und von 4 bis 6 Uhr nachmittags zur öffentlichen Einsicht ausgelegt. Einsprüche gegen die Richtigkeit und Vollständigkeit der Liste können nur vom 5. bis zum 18. September d. J. schriftlich oder zu Protokoll erhoben werden.
Bei der Feststellung der für die Abänderung der Ladenschlußzeit erforderlichen Mehrheit von zwei Dritteln werden nur diejenigen Geschäftsinhaber gezählt, die eine bestimmte Aeußerung für oder gegen die Abänderung innerhalb der gesetzten Frist abgegeben haben.
Cassel den 3. August 1912. A. II. G. 1057a
Der Regierungspräsident.
I. V.: v. Wussow.
Oeffentliche Zustellung.
Der Goldarbeiter Anton Becker von Hanau, Fallbachstraße Nr. 11, als Vormund des minderjährigen Kindes seiner Tochter, der ledigen Poliseuse Ernestine Becker, namens Käthe Irma, geboren am 12. Mai 1912 in Hanau, wohnhaft daselbst, Fallbachstraße' Nr. 11, klagt gegen den Eoldarbeiter Alfred Peckhaus, früher in Hanau, unter der Behauptung, daß derselbe der ledigen Poliseuse Ernestine Becker in Hanau, Fallbachstraße Nr. 11, in der gesetzlichen Empfängniszeit beigewohnt hat, mit dem Anträge auf Verurteilung des Beklagten, dem Kinde von seiner Geburt an bis zur Vollendung seines sechzehnten Lebensjahres als Unterhalt eine im voraus zu entrichtende Geldrente von vierteljährlich 75 Mark — fünfundsiebzig Mark — und zwar die rückständigen Beträge sofort, die künftig fällig werdenden am 12. August, 12. November, 12. Februar und 12. Mai jeden Jahres zu zahlen und die Kosten des Rechtsstreits zu tragen.
Zur mündlichen Verhandlung des Rechtsstreits wird der Beklagte vor das Königliche Amtsgericht in Hanau a. M. auf den
1. November 1912, vormittags 9 Uhr, geladen.
Hanau den 14. August 1912. 20955
gez. Schöttler, Amtsgerichtsassistent. Gerichtsschreiber des Königlichen Amtsgerichts.
Politische Rundschau.
Der Kaiser ist in Wilhelmshöhe an einer Erkältung erkrankt, welche mit leichtem aber sehr schmerzhaftem Muskelrheumatismus verbunden ist. Allerhöchstderselbe mußte infolgedessen auf ärztlichen Rat seine Reise nach Merseburg und Dresden aufgeben. — Die Parade des 4. Armeekorps bei Merseburg wurde abgesagt. — Wie das Oberhofmarschallami in Dresden bekanntgibt, verlieh der Kaiser in einem ' an den König gerichteten Telegramm seinem schmerzlichen Bedauern Ausdruck, den Festlichkeiten Sachsens und der schönen Hauptstadt wegen Erkrankung fernzubleiben und auf das Wiedersehen der braven sächsischen Truppen verzichten zu müffen und den Erfolg der großartigen Vorbereitungen, die zu seinem ~ Empfange getroffen, nicht selbst sehen au können. Gleich-
Montag den 26. August
zeitig bat der Kaiser den König, die Parade in Zeithain selbst abzuhalten. Der Kronprinz und die übrigen Fürstlichkeiten wohnen als Gäste des Königs den Festlichkeiten und der Parade bei. »
Deutsche Gesellschaft für Kaufmanns ° Erholungsheime. Se. Majestät der Kaiser haben genehmigt, daß das im Bau befindliche erste preußische Heim der Deutschen Gesellschaft für Kaufmanns - Erholungsheime, welches unweit Wiesbadens im Taunus errichtet wird, den Namen „Kaiser Wilhelm-Heim" erhält. Dasselbe umfaßt 100 Gastbetten und wird im Frühjahr 1913 dem Betriebe übergeben werden. Wie alle Heime der Gesellschaft, soll es für den Kriegsfall als Lazarett dienen. — Der Gesellschaft sind in der letzten Zeit eine Reihe weiterer Stiftungen zugegangen, u. a. von Komme^ienrat Wilhelm Albrecht, i. Fa. % Albrecht, Mainz, Mk. 5000, Chr. Andrae, Mülheim a? Rh., Mk. 5000, Buderus'sche Eisenwerke, Wetzlar, Mk. 5000, Deutsche Waffen- und Mnnitionsfabuken, Berlin, Mk. 3000, Geh. Kommerzienrat Dr. med. et phil. Dr. ing. Louis Merck, Darmstadt, TOL 3000, Geh. Kommerzienrat Friedr. Schott, Heidelberg, Mk. 5000, Geh. Kommerzienrat Wilh. Vogel, Chemnitz, Mk. 5000.
Graf Berchtolds Konferenzvorschlag von allen Mächten angenommen. Wie die „Politische Correspon- denz" erfährt, hat der französische Botschafter Dumaine im Ministerium des Aeußern die amtliche Mitteilung gemacht, daß die französische Regierung sich gern bereit erkläre, in den vom Grafen Berchtold angeregten Meinungsaustausch zwischen den Mächten wegen der Türkei einzutreten. — Damit haben alle Mächte den Vorschlag des Grafen Berchtold angenommen. Wie aus Wiener unterrichteten Kreisen versichert wird, soll die vorgestrige Nachricht des „Berl. Lokal- anz." von der ablehnenden Haltung der türkischen Regierung unbegründet sein. Der ^Lokalanzeiger" hält aber seine Meinung anscheinend aufrecht, denn er läßt sich aus Petersburg folgendes melden: Ein kompetentes Mitglied einer in der Balkanfrage stark interessierten Großmacht äußerte sich folgendermaßen: „Die Türkei verhält sich nicht nur ablehnend zum Vorschlag Berchtolds, sondern sie ist auch stark beunruhigt, da sie keinen praktischen Erfolg erwartet, sondern im Gegenteil überzeugt ist, daß der Vorschlag eher aufreizend als beruhigend auf die Balkanvolker wirkt. Jedenfalls rvisfen die Türken, daß ein Krieg, der jetzt im Balkan ausbricht, bis auf den letzten Blutstropfen durchgefochten werden wird. Berchtold hat immer schon eine Balkankonferenz angestrebt."
Das türkische Ministerium ist nunmehr vollständig. Die Minister der Evkafs, des Innern, der Marine, der Justiz und der Post sind ehemalige Anhänger oder Freunde des Komitees und vertreten die Richtung Hilmis. Die Gruppe Kiamils umfaßt den Scheich ül Islam, die Minister Des Aeußern, der Finanzen, des Handels und des Unterrichts.
Die Empörung der Eingeborenen auf Timor ist unterdrückt und die Ruhe wiederhergestellt. Die Aufrührer verloren in den Kämpfen insgesamt dreitausend Tote; viertausend wurden gefangen genommen.
Die Krise in der Türkei.
Konstantinopel, 25. Aug. Der montenegrinische Geschäftsträger Plamenatz hatte gestern nachmittag eine neuerliche Unterredung mit dem Minister des Aeußern, nach der die Pforte die Mitteilung veröffentlichte, daß der türkisch- montenegrinische Konflikt beigelegt würde. — Die im Bezirke Premmeti (Vilajet Jania) versammelten Albanesen kehrten in ihre Dörfer zurück. Im Vilajet Jania besteht keine Ansammlung von Albanesen mehr. Dem von den Malissoren gegen Sijak (Vilajet Skutari) geplanten Angriff wurde durch die Entsendung von Verstärkungen vorgebeugt.
Marokko.
Paris, 25. Aug. Aus Mazagan wird vom 23. August gemeldet: Aus der Nähe von Suk-el-Arba wurden am 21. August Ansammlungen gemeldet. Um ihnen zu begegnen, wurden von der Kolonne Papy vier Kompanien, eine Schwadron und eine Artillerieabteilung entsandt» die 8 Kilometer vom Lager auf den Feind stießen. Es entspann sich ein heftiger Kampf, der von 7 Uhr morgens bis mittags dauerte. Die Franzosen halten drei Tote unb sieben Verwundete. Die Verluste der Eingeborenen sind beträchtlich. In der Umgebung des Lagers sind weiter große feindliche Ansammlungen zu bemerken. — Nach Nachrichten von Eingeborenen verließ El Hiba Marrakesch und wandte sich nach Norden. Zu den Dukhalastämmen schickte er Sendboten.
Paris, 25. Äug. Ein Telegramm des Generals Lyautey vom 24. Aug. meldet: Ain 22. August wurden ziemlich be- trüchtliche TruppenabteiluuLeu El HibaS aemeldet. die auf
Fernsprechanschlutz Nr. 23«. 1912
Mesra-ben-Abu marschierten. Der Kalif ist an einem Punkt 50 Kilometer nördlich von Marrakesch angekommen. Die Kolonne des Obersten Mangin traf alle Vorbereitungen, um mit dem Feind in Fühlung zu kommen und eine Vereinigung mit den Polizeiabteilungen, die von Suk-el-Tleta und Sidiben-Nur unterwegs sind, herbeizuführen.
Casablanca, 25. Aug. Oberst Mangin brach am 22. August aus dem Lager von Suk-el-Arba auf und überraschte das Lager des Kalifen. Er griff den Feind an, zerstreute ihn und nahm die Fahnen sowie 7000 Patronen ab. Am 23. August früh nahm Oberst Mangin den Marsch wieder auf vereinigte sich mit dem Obersten Joseph. Die Franzosen hatten am 22. August einen Toten und drei Verletzte, am 23. August zwei Tote und 22 Verletzte. — Reun Franzosen aus Marrakesch, die zu El Glaui vor die Tore von Marrakesch geflüchtet waren, wurden von diesem an El Hiba ausgeliefert, der sie durch Soldaten vor den Angriffen fanatischer Ein- geborener beschützte. El Hiba versprach El Glaui, die Franzosen zu respektieren und an die Küste bringen zu lassen.
Madrid, 25. Aug. Wie aus Tanger gemeldet wird, erfolgte die Besetzung Arzilas ohne Flintenschuß. Oberst Ovilo sandte vorerst eingeborene Truppen zu Patrouillengängen auf den Straßen ab. Kleine Abteilungen besetzten dann am Mittwoch die die Stadt beherrschenden Stellungen, von wo aus sich Oberst Ovila rchne Begleitung in die Stadt begab. Er hatte eine lange Unterredung mit Raisuli, der ihn seiner Freundschaft für Spanien versicherte.
Leiltslhe Schutzgebiete. Neu-Kamerun.
Die „Hamb. Nachr." veröffentlichen den Bericht eines in Südkamerun ansässigen deutschen Kaufmanns, der die Mahnung an die Regierung richtet, sofort nach der Uebereig- nung in dem neuen Schutzgebiet energisch Ordnung zu schaffen. Jetzt gehe in Neu-Kamerun alles drunter und drüber. Der Kaufmann gibt darüber folgende Schilderung:
„Die französischen Konzessionsgesellschaften missen natürlich nur zu gut, daß sie unter deutscher Flagge ihre Ausbeutungspolitik nicht werden fortsetzen können, und sind deshalb mit allen Mitteln bestrebt, alles aus dem Lande herauszuholen, was herauszuholen ist. Die französischen Regierungsstationen, die im östlichen Gebiete mit Zivill«- amten besetzt sind, unterstützen die französischen Kaufleute durch ihre Polizeisoldaten, wo sie nur können. In jedem Dorfe befinden sich französische Soldaten, die die Eingeborenen anhalten, Gummi zu schneiden. Elfenbein und Gummi werden zum größten Teile durch die Soldaten an die Regierungsstationen abgeliefert und von diesen dann an die Konzessionsgesellschaften weitergegeben. Der Eingeborene erhält für seinen Gummi von den Gesellschaften eine geradezu lächerliche Bezahlung. Die Soldaten werden auch von den Stationen ausgeschickt, um im Verein mit den Eingeborenen Elefantenjagd zu betreiben; von deutscher Seite ist festgestellt worden, daß Soldaten der französischen Station Sosso mit den Eingeborenen zusammen aus dem Busche zurückkämen und auf der Station frischgeschossene Elefantenzähne ablieferten. Die Eingeborenen hatten Karabiner für die Erlegung der Elefanten bekommen, und es ist auch festgestellt, daß gerade in letzter Zeit sehr viele Elefanten abgeschofsen worden find. Auf einer Jagd durch Einkreisen wurden allein 18 Stück geschossen. Natürlich wird von den Franzosen jetzt alles niedergeknallt, was noch zu ergattern ist. Da sie doch bald abrücken müssen, suchen sie wenigstens noch recht viel Elfenbein mitzunehmen. Die in dieser Gegend noch ziemlich zahlreichen Elefantenherden werden also, bis Deutschland seinen neuen Besitz angetreten hat, so ziemlich ausgerottet fein. Es ist unglaublich, in welch sinnloser Weise die Tiere hingemordet werden!
Ein großer Mißstand ist der Handel mit Pulver und Gewehren. Frankreich hat sich zwar dem bekannten Abkommen über das Verbot der Waffeneinfuhr angeschlossen, aber sich wenig darum gekümmert. Schon seit langem ist es den deutschen Kaufleuten in den Grenzgebieten ausgefallen, daß die Eingeborenen noch immer sehr viel Pulver und Gewehre haben, obwohl von deutscher Seite aus die Einfuhr von Kriegsmaterial seit Jahren ganz eingestellt ist und die Franzosen durch Mitunterzeichnung des Abkommens ebenfalls gebunden waren. Die Engländer haben in dieser Beziehung sich streng an das Abkommen gehalten; die Fran- zosen dagegen verkaufen noch immer an der deutschen Grenze Pulver und Gewehre, unb zwar werden diese Wrk-