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EinrSibmgsgeVShrr

Die tzgespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. im ReNameteU die Zc'le 50 Pfg.

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, eo. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Bezugspreis:

VierteljShrNch 1.80 ML, monatlich 60 Pfg., für Post- bezug vierteljährlich 2.10 ML, monatlich 70 Pfg, Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: 6. Schreiter in Hanan,

9?L 195 ^ertt sprech anschlttf; Nr. 23V.

Amtliches.

Landkreis Hanau.

An die Herren Bürgermeister des Kreises.

Ich ersuche, mir bis zum 1. k. M. anzuzeigen, auf welchen Tag der Beginn der diesjährigen Aepfelernte, gemäß der Kreispolizeiverordnung vom 15. Dezember 1888 (Nr. 305 desHanauer Anzeigers" pro 1888) festgesetzt worden ist.

Zur vollkommenen Entwicklung des Obstes, insbesondere der Herbst- und Winteräpfel, sowie auch zur Regelung des Marktverkehrs mit haltbarem Wste, und geeigneter Ver­arbeitung von Aepfeln in den Keltereien, ersuche ich den Beginn möglichst nicht vor dem 25. September festzusetzen.

Hanau den 17. August 1912. V. 4804

Der Königliche Landrat.

J. V.: Karbe.

Konkursverfahren.

Zn dem Konkursverfahren über das Vermögen des Kaufmanns Emil Culmann, Inhabers der Firma Wil­helm Koch Sohn, in Hanau wird zur Prüfung der nach­träglich angemeldeten Forderungen Termin auf den

20. September 1912, vormittags 11 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgericht 5 in Hanau Nuß­allee Nr. 17, Zimmer Nr. 17 anberaumt.

Hanau den 9. August 1912. ^ 20505

Königliches Amtsgericht 5.

Sefmdem und oerforeue WMM k.

Gesund en: 1 Perlentäschchen mit Inhalt, 1 Ohrring mit rotem Stein, 1 Sturmlaterne, 1 Sonnenschirm.

Verloren: 1 schwarzes Portemonnaie mit 10.30 Mk. Inhalt, 1 Wandergewerbeschein für Ebert.

Hanau den 21. August 1912.

Politische Rundschau.

Eine englische Flugspende. Die Luftliga des Britischen Reichs will jetzt auch zu einer Rationakspende für die Avia- HT in England sammeln, um ihr Vaterland auf diesem Ge­biet auf eine gleiche Höhe mit anderen Mächten zu heben. Es ist ziemlich bescheiden, daß man zu diesem Zweck nur eine Million Schilling zusammenzubringen wünscht, zumal von englischer Seite die in Deutschland, Frankreich und Italien gesammelten Summen auf zusammen 20 Millionen Mark angegeben waren. An der Spitze des Patronats der Liga, die den Aufruf erlassen hat, steht Lord Roberts, ferner Admiral Archibald Douglas, die Marquise von Salisbury. Wer ein Pfund Sterling zeichnet, wird für ein Jahr Mit­glied der Liga und für 100 Schilling erlangt man den Titel eines Vizepräsidenten. Ein Eitelkeitsmarkt blüht also immer noch in England.

Der französische Staat und das Hasardspiel. Der französische Staat scheint jetzt gegen die Gesellschaften, die zum Hasardspiel konzessioniert sind, scharf vorgehen zu wollen. Bekanntlich machen die Gesellschaften, die in den Kasinos der großen Sommklfrischen und besonders der Seebäder das Hasardspiel pflegen, Umsätze von vielen Millionen. Bisher begnügte sich der Staat damit, von den Gesellschaften fixe Sätze von 15 Prozent des Umsatzes zu erheben. Rach einem Gesetzentwurf, der vom Minister des Innern und dem ^inanzminister ausgearbeitet wurde, ist diese feste Steuer in nur progressive umgewandelt worden. Die Sätze erreichen bn gewissen Kasinos, deren Einnahmen skandalös hoch find, Prozent des Gewinnes.

Marokko.

Paris, 20. August. Aus Fez wird unter dem 17. August gemeldet: Nachrichten aus Marrakesch zufolge soll El Hiba August zum Sultan proklamiert worden sein.

Madrid, 2o. August. Der Minister des Aeußern hat aus Langer eine Meldung erhalten, daß El Hiba in Marra­kesch emqezogrn sei.

.. Madrid, 20. August. Der Kriegsminister hat aus Tanger «ach chien über die Gerüchte von der Besetzung Arzilas durch die Spamer erhalten. Es habe sich danach einzig darum gehandelt, einen benachbarten spanischen Posten mit Lebens- mittelii zu versorgen. Die Verproviantierung, die in Ueber- Einstimmung mit Naisuli vorgenommen worden sei, sei dies­mal im! eiiiei stärkeren Bedeckungsmannschaft durchgeführt worden, «ne nacht ' nach Arzila marschiert sei. Oberst Syl­vestre habe, da er der Sache keine Wichtigkeit beilegte, nichts darüber berichtet.

Mittwoch den 21. August

Russische Politik.

Die russische Diplomatie darf sich in diesem Sommer mancher Erfolge erfreuen. Durch die Begegnung in Baltisch­port ist man auf dem in Potsdam wieder eingeschlagenen Wege zur alten Freundschaft mit dem deutschen Pachbar ein Stück vorwärts gelangt. Die eifersüchtigen Besorgnisie des französischen Bundesgenossen wurden durch die dem Mi­nisterpräsidenten Poincare bereitete glänzende Aufnahme beschwichtigt. Für die billige Zukunftsmusik eines Marine­abkommens machte Frankreich wertvolle Zugeständnisse für die besondere Stellung Rußlands zu China. Demnächst be­gibt sich der russische Minister des Auswärtigen Sosionow nach London, und vielleicht werden aus seinen Besprechun­gen mit Sir Edward Grey noch weitere Sicherheiten für die Ausbreitung des russischen Einflusies in den persischen und chinesischen Grenzgebieten hervorgehen.

Wir haben keine Ursache, der russischen Diplomatie ihre Erfolge zu mißgönen. In Persien wie in Ostturkestan gibt es keine deutschen politischen Interessen. Nach den Nieder­lagen im japanischen Kriege mußte Rußland trachten, sich im Innern neu zu konsolidieren und mit seinem größten europäischen Nebenbuhler in Asien, England, zu einer Ver­ständigung zu gelangen. Dabei kam es den russischen Staats­männern außerordentlich zustatten, daß infolge der wachsen­den Sorgen vor der sogenannten deutschen Gefahr ein starkes Bedürfnis in England vorhanden war, sich mit Rußland auf möglichst guten Fuß zu stellen. Jener eingebildeten deutschen Gefahr verdankt Rußland das gute ^Geschäft, das es mit dem gegnwärtig von manchem Engländer bedauerten Abkommen über Persien gemacht hat.

Sind auch in der russischen Gesellschaft und Presse noch vielfach Kräfte am Werke, die gegen Deutschland arbeiten, so haben doch Potsdam und Baltischport das Vertrauen be­festigt, daß die russische Regierung die günstige diplomatische Situation, die in dem Werben der Westmächte um russische Freundschaft liegt, nicht gegen Deutschland auszunutzen be­strebt ist. Die gegenwärtig maßgebenden Staatsmänner gehen unzweifelhaft zielbewußt darauf aus, die Wunden wieder zu heilen, die der Krieg mit Japan und mehr noch die folgende Revolution dem russischen Reiche geschlagen hat. Dazu bedürfen sie der Ruhe in Europa. Die Èrkische Krisis hätte längst ein viel bedrohlicheres Aussehen erhal­ten, wen nicht Rußland bei den Valkanstaaten ernstlich für den Frieden wirkte. Wir können es deshalb nicht billigen, daß vereinzelte alldeutsche Blätter die freundschaftlichen deutsch-russischen Beziehungen durch aufgeregte Warnungs­rufe zu stören suchen.

Die Krise in der Türkei.

Der Vorschlag des Grafen Berchtold

ist anscheinend von allen in Frage kommenden Mächten zu­stimmend beantwortet worden. Ueber die Form der deutschen Erklärung wird der offiziösen ^euen Pol. Korr." folgen­des gemeldet:

Die Auffassung, als handle es sich bei der Anregung des Grafen Berchtold um ein verpflichtendes Programm, beruht auf einem Irrtum. Die Bedeutung der von dem Wiener Kabinett ergriffenen Initiative liegt darin, daß die Mächte zu einem Meinungsaustausch aufgefordert werden, ob Erklärungen über eine Politik der Rücksicht- nahnre auf die christlichen Rationalitäten in der Türkei, in Konstantinopel, Sofia, Athen und Betzrad überhaupt zweckmäßig erscheinen. Den näheren Inhalt solcher Er­klärungen gegebenenfalls feftzustellen, soll eben die Auf­gabe des Meinungsaustausches sein. Es läßt sich annoh- men, daß keine der Signatarmächte sich weigern wird, an der gemeinsamen Aussprache mit den anderen teilzuneh­men. In dieser Aussprache werde jede Macht Gelegenheit finden, die Bemerkungen vorzutragen, zu denen der Ge­darrte des Grafen Berchtold ihr etwa Anstoß gibt. Damit ist recht deutlich gesagt, daß die Annahme der Einladung des Grafen Berchtold noch keineswegs die Zustimmung zu dessen Autono nepolitik bedeutet.

Ueber Rußlands Verhalten meldet dieNowoje Wremja", daß die russische Regierung dem öste-r fischen Botschafter die sympathische Aufnahme des Vorschlages des Ministers Berchtold mitteilte, ferner, daß der Verweser des Ministeriums des Aeußern, Neratow, dem bulgarischen Ge­sandten gegenüber die Hoffnung ausgesprochen habe, daß die Friedensbestrebungen des Königs und der Regierung von Bulgarien von Erfolg gekrönt sein möchten. Dem ser­bischen Gesandten riet Neratow, daß Serbien bei der gMen- wärttze« Krists jegliche Verwicklung vermeiden möge.

Fernsprechanschlittz Nr. 230. 1912

Die Ministerkrisis.

Der ehemalige Kriegsminister Salih Pascha ist zum Minister für öffentliche Arbeiten ernannt worden. Die Er­nennung des ehemaligen Wali von Janina, des Albanesen Aly Riza Bey, zum Minister des Innern gilt als sicher.

Die Unruhen in KöprSlü.

Von Saloniki sind weitere Truppentransporte nach- prülü abgegangen, wo Vorbereitungen für etwaige Um* gehungsmanöver der Arnauten getroffen worden find. Said * Pascha, der Kommandant des Salonikier Korps, ist mit der Leitung der Truppenbewegungen der in Köprülü konzen­trierten Truppen betraut worden. Der Markt von Köprülü ... ' ist infolge der dort herrschenden Auflegung gesperrt.

Die kritische Lage an der montenegrinischen Grenze.

Die Montenegriner setzen die Feindseligkeiten gegen Berane fort, das wiederholt dringend Verstärkungen ver­langte. Ibrahim Pascha veranlaßte von llesküb aus die Ein- bèrufung der Redifs von Ipek und Djakova. Falls diese dem Rufe Folge leisten, sollen sie nach Berane geschickt werden.

Neue Schritte der Türkei gegen die montenegrinischen Provokationen.

Wie die Konstantinopeler Blätter melden, beschloß der türkische Ministerrat, Ler bis 1 Uhr nachts dauerte, in Cetinje energische Schritte zu unternehmen und die Auf­merksamkeit der Mächte auf das Vorgehen Montenegros zu lenken, das eine kriegerische Haltung eingenommen, Ueber- griffe auf türkisches Gebiet begangen und unter den Christen von Berane Waffen verteilt hrbe. Er beschloß wei­ter, dem Wali von Skutari und den Erenzkom Mandanten Weisungen zu erteilen, sich jeder Invasion mit allen Kräften zu widersetzen. Die Meldungen der Blätter über die Lage in Berane lauten übrigens vollkommen widersprechend. Während diePeni-Gazetta" meldet, die Angelegenheit werde binnen kurzem geregelt werden und die Nachricht de­mentiert, daß die Montenegriner Berane eingenommen hätten, berichten andere Blätter, daß die Montenegriner in Berane bereits eingezogen seien. Der Ministerrat beriet außerdem über die Frage des Waffentragens bei den Alba­nesen. DiePeni-Gazetta" schreibt, daß die Albanesen die Gerüchte, nach denen sie Sie Wiedereinsetzung Abdul Hamids verlangen, Mrückweisen.

Halbamtlich wird gemeldet, daß zwischen Ibrahim Pascha * und den Albanesenchefs ein Einvernehmen erzielt worden ist und die Albanesen sich zerstreuen. Bezüglich der Neube­setzung des Ministeriums des Innern wurde noch keine Ent­scheidung getroffen.

Berlin, 20. August. DerKöln. Ztg." wird geschrieben: Die Schießereien an der türkisch-montenegrinischen Grenze haben seit einiger Zeit nicht aufgehört, aber man hat sie mit derjenigen Gelasienheit beurteilt, die fH durch eine lange Erfahrung in orientalischen Dingen erklärt. Immer­hin scheint es, daß jetzt die Montenegriner über das orts­übliche Maß hinausgegangen sind, denn die Besetzung einer fünf Kilometer von der Grenze entfernten Stadt läßt sich nicht wohl durch die übliche Postenschießerei erklären. So wie die Dinge liegen, kann gar kein Zweifel darüber herr­schen, daß die Türkei von vornherein nicht das mindeste Jn- teresse hat, mit Montenegro Streitigkeit« anzufangen, und wenn solche Streitigkeiten trotzdem seit einer Reihe von Wochen M verzeichnen sind, so spricht die dringende Vermu­tung daflir, daß die Schuld auf montenegrinischer Seite liegt. Die wiederholten Mahnungen, die von verschiedenen Großmächten und nicht zuletzt von Rußland an Montenegro ergangen sind, zeigen ganz klar, daß man in den wettesten und maßgebendsten Kreisen ganz genau weiß, daß die Her­ausforderungen von Montenegro ausgehen, und daß dieser Staat aus nicht ganz erkenntlichen ©rünben eine Politik der Aufreizung befolgt, der gegenüber die Türkei bisher eine außerordentliche Geduld befolgt hat. Daß man in Kon­stantinopel auch fernerhin diese an sich sehr löbliche Eigen­schaft weiter betätigen wird, ist angesichts der Besetzung von Berane, durch die sich Diontenegro in offenbares Unrecht gebracht hat, nicht anzunehmen, unb man kann es vielmehr als sicher betrachten, daß die Türken die Montenegriner, über deren militärische Schwäche kein Zweifel herrschen kann, aus Berane hinauswerfen werden. Es ist dabei nicht zu übersehen, daß ein Krieg gegen Montenegro der Türkei viel weniger Schwierigkeiten als vielmehr Erleichterungen bringen würde; denn bei dem freundnachbarlichen Verhält­nis, das von jeher zwischen Albaniern und Montenegrinern bestanden hat, ist es ganz sicher, daß eine türkische Kriegs­erklärung die Albanier von ihren jetzigen Ideen abbringen und nach Montenegro führen würde. Man kann geradezu sagen, daß eine türkische Kriegserkläruna an Montenegro