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Einrückungsgebühr:

We VgefpaNene Petttzeilo oder deren Raum 20 Pfg. im Reklameteil die Zeile 50 Pfg.

Rotationsdruck und Verlag der Duchdruckerei des verein. ev. Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. Verantwort!. Redakteur: E. Schrecker in Hanau.

Nr. 194 ffernsprecha,«schlich Nr. 230. DitNsta^ dtll 20. Allgllst Fer»spr«cha»schlich Nr. 330. 1912

Amtliches.

Eandkreis Ranau.

Nachdem in Fechenheim Masern-Ee^nkuno-n in letzter Zeit nicht mehr vorgekommen find, r-erden Nie nach- genannten anderweiten Impftermine anbe^rr^t:

1. InderTurnhalledexSchillerschule am 3. und 4. September 1912, nachmittag? 3 Nhr, Erst­impfung,

SM 10. und 11. September 1912, nachmittags 8 Ahil, Nach­schau der Erstimpfung.

2. 3n der evangelischen Schule (Schiller­schule)

tm 5. September 1912, nachmittags 2 Uhr, Wiederimpfung, am 12. September 1912, nachmittags 2 Uhr, Nachschau der Wiederimpfung.

3. Zn der katholischen Schule

am 6. September 1912, nachmittags 2 Uhr, Wiederimpfung, am 13. September 1912, nachmittags 2 Uhr, Nachschau der Wiederimpfung.

Hanau den 16. August 1912.

Der Königliche Landrat.

I. B.: Karbe.

Beschluß.

Zwangsversteigerung.

Im Wege der Zwangsvollstreckung sckirvn die in Hanau belegenen, im Grundbuchs von Hanau Band 41 Art. 2609 n Abt. 1 unter Nr. 13 zur Zeit der Eintragung des Ver- steigerungsvermerks auf den Namen:

a) des Bäckermeisters Georg Heinrich Funk senior zu Hanau zur ideellen Hälfte,

b) des Georg Heinrich Funk in Hanau, geboren am 3. Januar 1896 zur ideellen Hälfte

eingetragenen Grundstücke:

Hanau, Krtbl. H 204/155, Sternstraße Nr. 22 a) Wohn­haus mit 2 ar 18 qm Hofraum, Seitenflügel rechts (A), abgesondertem Kohlenstall, Hofraum und

Hanau, Krtbl. H 205/155a, Sternstraße Nr. 22 Haus­garten 2 ar 11 qm

Hanau, Krtbl. H 156, Sternstraste Nr. 22 Hausgarten 70 qm

b) Hintergebäude rechts (B)

c) Hintergebäude links (C u. D) Waschküche und Werk­statt,

eingetragen in der Grundsteuermutterrolle von Hanau unter Artikel Nr. 454 und in der Gebäudesteuerrolle von

Treue Liebe.

Skizze von G. Wahl.

Vor ein paar Jahren führte mich mein Weg zum ersten Male an die Nordsee.

Doch keinen großen, berühmten Badeort hatte ich aufge- l'ucht. Ich liebte es, Entdeckungsreisen zu machen; das heißt: kleine, womöglich noch unbekannte, völlig unbeachtete Orte lockten mich. Und ich fand dort allemal so viel stillver- schwiegene Poesie, so viel traumhaft schönes, lust- und glück­umsponnenes Dasein, wie es mir während der Saison in den Kurorten niemals hätte geboten werden können.

Und stets andere Orte suchte ich auf, immer wieder fremde, unbekannte Bilder ließ ich auf mich einstürmen, um stetig den Reiz des Neuen, Fremdartigen auf mich wirken du lassen.

J^ie Nordsee war mir bisher fremd geblieben, ein ge- w'!>es Vorurteil hatte mich von ihr zurückgehalten. Immer ua, nämlich das Wortöde" mein Ohr, sobald man die dor lgeu Gegenden schilderte.

< lidlich aber raffte ich mich auf, um mich vom Augen- lchern zu überzeugen.

^scberdörfchen, zu dem mich der Zufall führte, war h 10 ^'^abgeschieden, wie ich es mir geträumt hatte; ich fand dort einigen Fremdenverkehr alles Leute, die, wie ul) nachher erfuhr, allj../rlidj hier sich zu erholen pflegten.

_ie alle hatten das Bestreben, einsam das heißt, für sich zu bleiben, trugen also nichts zum größeren Bekannt­werden des Oertchens bei.

, ^ l rm es, daß ich gewisiermaßen erstaunt und mitz- ttaursch als Eindringling betrachtet wurde.

Was das Dörfchen selbst anbetraf, so war es schmuck und sauber angelegt und gehalten Vor allen Häusern Vor­garten, ein luftiges Wäldchen, vor ein paar Jahrzehnten gepflanzt, mit großer MiHe gchegt und gepflegt, jetzt kühl

Hanau unter Nr. 598 mit einem Nutzungswert von 1137 Mark,

am 1. November 1912, vormittags 10 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht an der Gerichtsstelle Nußallee Nr. 17, Zimmer Nr. 13 versteigert werden.

Hanau den 7. August 1912. 20447

Königliches Amtsgericht, Abt. 2,

In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Kauf­manns Karl Philipp Heß, Inhabers der Firma Karl Philipp Heß in Hanau ist Termin zur Prüfung der nach­träglich angemeldeten Forderungen auf

den 20. September 1912, vormittags 10 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgericht, Abt. 5, in Hanau, Nuß­allee Nr. 17, Zimmer Nr. 17, anberaumt.

Hanau den 12. August 1912. 20445

Der Gerichtsschreiber des Kgl. Amtsgerichts, Abt. 5.

Selmdeie Md »nimm EemWU u.

Gefunden: 1 Kindertäschchen mit Taschentuch, 1 Bro- schekte.

Verloren: 1 silberne Herrenuhr mit einem bunten Zifferblatt (Anker), 1 Siegelring, 1 Armband mit rotem Stein, 1 Portemonnaie, etwa 4 Mark Inhalt, 1 braunes Portemonnaie mit 18 Mark Inhalt, 1 Kinderregenschirm. Hanau den 20. August 1912.

Politische Rundschau.

Das deatschc Kranprinzenpaar hat feinen Aufenthalt im Bregenzer Walde vorzeitig abgebrochen und ist nach Danzig abgereist.

Prinz Heinrich von Preußen trat gestern abend 8 Uhr 50 Minuten von Kiel aus die Reise nach Japan an. Seine Gemahlin mit der Prinzessin und den Prinzen Waldemar und Sigismund waren zur Verabschiedung auf dem Bahnhof anwesend. In der Begleitung des Prinzen befinden sich Hof­marschall Freiherr von Seckendorfs, der persönliche Adjutant Kapitänleutnant Tyszka und der Leibarzt Marinestabsarzt Dr. Bilfinger. Vom Kaiser sind dem Prinzen beigegeben: Der Kommandant von Berlin Generalleutnant v. Böhm, und Korvettenkapitän Köhler vom Admiralstab der Marine.

Dase erste Zeppelinluftschiff für die deutsche Marine. Die kaiserliche deutsche Marine erhält zum 1. Oktober ihr erstes Zeppelin-Luftschiff. Dieses wird fettens des Reichs­marineamts in der großen Ballonhülle auf dem Flugplatz Johannistal stationiert. Das Schiff bleibt bis auf weiteres dort. Das Reichsmarineamt hat die große Ballonhalle zu diesem Zweck gemietet.

und lauschig anmutend und Schatten spendend ein Schloß, uralt, verwittert, mit prächtigem Park, darinnen Bäume, die mehrere Menschenalter überdauert hatten.

Dies alles wirkte äußerst traulich und anheimelnd auf mich.

Aber die ganze Umgebung versank mir vor den fesseln­den Reizen der See, die in Ebbe und Flut kam und ging, die du tobte, daß das Weltgobäude erzitterte, auch wieder im Traumzustande kaum den blanken Spiegel kräuselte und die in tiefer Nacht nach gewitterschwülen Tagen wundersam leuchtete.

Aber von diesem allen wollte ich eigentlich nichts er­zählen. Mein Erinnern gilt vielmehr einer dort seßhaften Fischersfrau, deren Bekanntschaft ich machte und zu der ich mich besonders hingezogen fühlte, weil sie mein dortiges Schicksal zu teilen schien das Schicksal des Fremdseins, Alleinseins.

Nicht etwa, daß sie tatsächlich fremd und einsam gewesen wäre sie kannte jeden und grüßte sich mit allen, sie hatte Vettern, Schwägerinnen und allerlei Verwandte dort; und doch schien es mir, als trennte eine unsichtbare Mauer sie von den Ihren. Man sprach zu ihr anders, als wenn man unter sich war gerade wie ich bei den Badegästen von intimeren Gesprächen ausgeschloffen war und blieb. Ich war eben die Fremde.

Was mich betraf, so fragte ich natürlich nichts danach, denn mir lag nichts ferner, als Geselligkeiten oder gar Freundschaften zu suchen. Aber meine Blicke verfolgten oft jene stille Frau, und mit dem Reiz, den alles Unbekannte hat, feffelte mich ihr Schicksal. Ich beschäftigte mich oft in Gedanken mit ihr und grübelte und sann, ohne fteilich der Sache auf den Grund zu kommen.

Da gab mir ein Zufall den Schlüffe! zu diesem Rätsel.

Es war ein köstlich warmer Augustabend so schmeich­lerisch warm wie ich an der Ostsee noch keinen erlebt habe.

Ich saß auf der Bank vorm Hause, die Blicke ins Leere

Die Vörsensteuer hat in den ersten vier Monaten des laufenden Rechnungsjahres 31,7 Millionen Mark erbracht, wovon 20,8 Millionen Mark auf den Wertpapierstempel, 2,5 Millionen Mark auf die Talonsteuer und 8,4 Millionen Mark auf die Kauf- und sonstigen Anschaffungsgeschäfte kommen. Bekanntlich ist der erste Ansatz bei dieser Steuer durch den Nachtragsetat beträchtlich erhöht worden, er be­trägt jetzt im Etat 87,5 Millionen Mark. Verlaufen jedoch die noch ausstehenden zwei Drittel des laufenden Etats­jahres ebenso, wie das erste, dann wird der erhöhte Etats­ansatz von der wirklichen Einnahme nicht bloß erreicht, son­dern sogar noch überschritten werden.

Auch auf seiner Rückfahrt ist der französische Minister­präsident Poincare mit einem deutschen Linienschiff zu­sammengetroffen. Es wurden die üblichen Salute aus­getauscht.

Ein Protest der Nationalversammlung.

London, 19. Aug. Das Reutersche Bureau meldet aus Peking: Nach einer stürmischen Sitzung beschloß die Nationalversammlung mit 52 gegen 11 Stimmen, an Iüanschikai eine Petition zu richten, er solle nähere Aufklärung geben, warum zwei Offiziere unter der Be­schuldigung, sie hätten zu einer neuen Revolution auf­zureizen versucht, verhaftet und ohne Urteil erschaffen worden seien. Die Petition verlangt in drei Tagen Antwort. Wenn die Antwort unbefriedigend ausfällt, will die Nationalversammlung Iüanschikai auffordern, persönlich Erklärungen abzugeben. Wenn die Antwort auch dann unbefriedigend ist, will das Haus Iüanschikai oder der gesamten Regierung ein Tadelsvotum aus» sprechen. Die Hinrichtung der Offiziere rief in der ganzen Provinz Hupe große Erregung hervor.

Die Krise in der Türkei.

Eine Verschlimmerung der Lage.

Uesküb, 19. August. Durch die Weigerung Ibrahim Pa­schas,' mit den Arnauten-Führern weiter zu verhandeln, so­wie durch die Anordnung, daß binnen 24 Stunden kein Be­waffneter sich in der Stadt sehen lassen darf, daß den Zu­widerhandelnden strenge Bestrafung beoorsteht, wird die Krise zugespitzt. Ein Teil der französischen Kolonie bezog das Konsulat.

Uesküb, 18. August. Die Verhandlungen mit den Alba­niern sind abgebrochen. Ibrahim Pascha, der sich von Len Albaniern hintergangen fühlt, hat dies den Führern heute mitgeteilt und sich ausbedungen, daß sie ohne Waffen vor ihn treten, was diese ablehnen.

gerichtet und träumte--ich war eben allein, und die weiche Abendstimmung hatte mich gefangen genommen.

Da hörte ich Schritte auf mich zukommen.

Jene zuvor erwähnte Fischersfrau kam gegangen. Ich grüßte und nötigte sie, sich zu mir zu setzen.

Sie war gern bereit, noch ein Stündchen mit mir zu verplaudern. Ihr Mann war nicht daheim. Der hatte eines Prozeffes wegen zur nächsten Stadt gemußt und konnte vor dem nächsten Tage nicht wieder zurück sein. Kin­der hatte sie nicht.

Ich erzählte ihr nun zunächst von meinen Reisen, sprach vom Gebirge, der Ostsee und gestand schließlich den märchen­haften Zauber, den die Nordsee auf mich ausübte.

Ihr Gesicht wurde hell bei meinen anerkennenden Worten.

Sie haben schon so viel gesehen und sind trotzdem ganz hingeriffen. Da können Sie sich wohl vorstellen, mit welcher Gewalt mich.die Nordsee feffelte, die ich bis dahin nichts gekannt hatte als die Studierstube meines Vaters."

Ich mußte wohl bei diesen ihren Worten kein allzu geist­reiches Gesicht gemacht haben, denn meine Nachbarin lachte hell auf.

Sie sind nicht hier im Ort geboren?"

Hinter dieser Frage suchte ich meine Bestürzung zu ver­bergen.

Sie sah mir lustig ins Gesicht.

Nein--ich stamme aus Z. Mein Vater war Ge­lehrter, Philologe. Er arbeitete zu der Zeit, als wir hierher kamen, an einem wissenschaftlichen Werk, das ihm auch den Professortitel eingebracht hat."

Ich war sprachlos.

Ich war damals ein junges Ding von achtzehn Jahren," fuhr sie fort;die Mutter hatte ich früh verloren, und so lag mir die Sorge für des Vaters Wohl ob. Er war sehr überarbeitet, und die Aerzte forderten eigentlich von ihm, daß er sich auf ein paar Monate jeder geistigen Arbeit ent-