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Die VgefpvNrne Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. im ReNameteU die Zeile 60 Pfg

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, eo. Waisenhauses in Hanau.

Amtliches Organ für Stadt- nnd Landkreis Hanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Bezugspreis:

Vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg., für Post- bezug vierteljährlich 2.10 SRI, monatlich 70 Pfg, Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: 6. Schrecker in Hanau.

Ms 184 ffernsprechanschlrttz Nr. 230.

Amtliches.

IagdvcrorVnunq.

Kür den Umfang des Regierungsbezirks Castel wird für das Jahr 1912 auf Grund der §§ 39 und 40 der Jagdord- wmg vom 15. Juli' 1907 die

Eröffnung der Jagd auf Rebhühner auf Mittwoch den 21. August

festgesetzt.

Tasse! den 19. Juli 1912. V. 4583

(Siegel.)

Der Bezirksausschuß zu Castel.

Eandkreis Ranau.

In der Zeit vom 16. September bis 12. bezw. 19. Oktober J. I. wird bei genügender Beteiligung im hiesigen Schlacht­hofe unter Leitung des Direktors Dr. Becker ein Unterrichts­kursus in der Schlachtvieh- und Fleischbeschau, sowie in der Trichinenschau abgehalten. Die Teilnehmer, die täglich oor- un5 nachmittags vier Wochen lang im Schlachthofe anwesend fein müssen, wollen sich bei dem Leiter des Unterrichts unter Beifügung der Gebühren von 30 Mark spätestens bis zum 8. t M. melden.

Für diejenigen Personen, welche sich gleichzeitig als Fleischbeschauer und Trichinenschauer ausbilden wollen, dauert die Unterrichtszeit 5 Wochen und betragen die Ge­bühren 50 Mark; eine Rückerstattung der Gebühren bei eventl. Rücktritt vom Kursus erfolgt nicht.

' Die Herren Bürgermeister ersuche ich, die Personen ihrer Gemeinden, die zur Ausübung der Fleisch- unt Trichinen­schau gesetzlich zugelaffen sind und sich darin ausbilden h.sollen, hierauf aufmerksam zu machen.

Hanau den 1. August 1912. V. 4038

Der König!. Landrat.

F r h r. L a u r.

Bekanntmachung.

Zu einer gründlichen Ausbildung der Studierenden der Medizin für ihren Beruf als praktische Aerzte reichen die für den Unterricht zur Zeit verfügbaren Leichen bei weitem nicht aus. Wir ersuchen daher ergebenst bei vorkommenden Selbstmorden, Todesfällen von Ortsfremden und Orts­armen usw. die Leichen derselben an die Universität Mar­burg überweisen zu wollen und zwar derart, daß die Anzeige so schnell wie nur tunlich hierher gelangt, damit der Trans­port der Leiche erfolgen kann, ehe sie in den Zustand der Verwesung übergeht. Ein Telegramm an die Adreffe:Ana­tomie Marburg" ist am meisten zu empfehlen. Es erfolgt dann sofort die Abholung der Leiche von hier. Die Be-

MiMM im üflterlonh. Ein Brief von K. F.

Hanau den 31. Juli 1912. Lieber Freund!

Meinem Versprechen gemäß will ich Dir auch diesmal kurz über meine Ferienreise berichten. Seit mehreren Jahren schweife ich nicht mehr in die Ferne, sondern beschränke mich auf das Gute, das ich in der Nähe finde. Meine Gründe dafür? Nun, erstens ist es billiger, und meine Verhältnisse empfehlen das; zweitens halte ich es für meines Pflicht, vor allem das Vaterland kennen zu lernen, und ich kann nur be­dauern, daß ich erst in vorgerückteren Jahren den Entschluß gefaßt habe, in der engeren Heimat meine Erholung zu suchen. Drittens: man reist in der ganzen Welt nicht angenehmer, als in unserem Vaterland. Nirgends findest Du besser ge­haltene, besser bezeichnete Wege, wenn Du zu Fuß wandern willst, und nirgends sind die Eisenbahnwagen so schön und sauber gehalten wie blitzblank find die Messinggriffel unb seitdem das überflüssige Läuten bei der Abfahrt und das Pfeifen der Lokomotive abgeschafft ist, macht sich auch eine wohltuende Ruhe bemerkbar, die allerdings leider kann 'sh ungemischtes Lob spenden noch durch das füchter-

Turenzuschmeißen, das bei den Schaffnern sehr^ im Schwange geht, unangenehm unterbrochen wird. Ich mochte aber leinen ungerechten Tadel aussprechen und füge deshalb hinzu: vielleicht verlangt die Einrichtung der Türen diese harte Behandlung. Viertens sind es denn der Gründe noch nicht genug? wird man nirgends zu so mäßigen Preisen so gut verpflegt Freilich gibt es Leute, die draußen immer was auszusetzen haben; sie gebärden sich, als äßen sie daheim täglich drei und mehr Gänge, während sie sich ganz gewiß so gut wie ich mit Suppe, Gemüse und Fleisch begnügen, wozu nur dann und wann eine süße Speise kommt. Wenn Du die angeführten Gründe erwägst, wirst Du, glaube ich, meine Beschränkung auf das Vaterländische gutheißen.

Donnerstag den 8. August

schaffung eines Sarges ist unnötig, da ein Leichentransport­kasten mitgesendet wird. Leichen, die bereits in Verwesung übergegangen sind, müssen natürlich von dem Transport hierher ausgeschloffen bleiben.

Alle für den Transport entstehenden Kosten werden von feiten der beteiligten Institute in Marburg getragen unL bereits stattgehabte Auslagen für die genannten Zwecke werden unverzüglich erstattet.

Es sei ausdrücklich hervorgehoben, daß sämtliche Leichen, nachdem sie dem Unterricht gedient haben, auf dem allge­meinen Friedhof der Stadt Marburg beerdigt werden.

Wir weisen noch besonders auf die sehr erhebliche Er­sparung von EemeinLeunkosten hin, welche durch die lleber- weisung der Leichen hierher erzielt wird.

Die Abholung der Leiche erfolgt in kürzester Zeit durch Automobil.

Marburg den 1. August 1912.

Der Direktor des anatomischen Instituts.

Vorstehende Bekanntmachung bringe ich hierdurch zur allgemeinen Kenntnis.

Hanau den 6. August 1912. V. 4589

Der Königliche Landrat.

F r h r. L a u r.

Stadtkreis F)anau. Bekanntmachung.

Die Liste der Stimmberechtigten für die Stadtverord­netenwahlen liegt nach Vorschrift des § 22 der Städteord­nung vom 15. bis 30. August d. I., werktäglich von vor­mittags 8 bis 122 Uhr und nachmittags von 23 bis 6 Uhr, im Rathaus, Zimmer Nr. 2, offen für den Bezirk Keffel- stadt im Gemeindehause zu Hanau-Keffelstadt.

Während dieser Zeit kann jeder Stimmberechtigte gegen die Richtigkeit der Liste bei uns Einspruch erheben.

Wir machen noch darauf aufmerksam, daß nach einer Ent­scheidung des Oberverwaltungsgerichts etwaige Vermerke in der Wählerliste über das Ruhen des Wahlrechts nur durch rechtzeitig erhobenen Einspruch beseitigt werden können.

Hanau den 1. August 1912. 19351

Der Magistrat.

Dr. Gebe sch u s.

Deichlus!.

Zwangsversteigerung.

Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in Hanau belegenen, im Grundbuchs von Hanau Band 41 Art. 2628 in Abt. I unter Nr. 1 und 2 zur Zeit der

Vielleicht teilst Du auch meine Meinung, daß wir Deutschen gut daran täten, das Reisen einmal vom volkswirtschaftlichen Standpunkte aus zu betrachten unb zu erwägen, ob es nicht vielleicht doch ganz zweckmäßig wäre, von den vielen Millionen, die wir alljährlich ins Ausland tragen, einige im Lande zu lassen. So das wären die allgemeinen Betrachtungen, die vielleicht etwas zu lang geraten sind. Nun zu meiner Reise.

Diesmal habe ich mir, allerdings nur ganz flüchtig, ein­mal den Hunsrück angesehen. Von Langenlonsheim an der Nahebahn fuhr ich nach Simmern. Eine Strecke weit be­gleiten uns noch Reben und Wallnußbäume, allmählich ver­abschieden sie sich und überlasten es Eichen, Buchen, Fichten und Brombeersträuchern uns auf die Höhe zu führen. Zwischen den Stationen Ellern und Argenthal bekommen wir zum erstenmal einen Ueberblick über die gewaltige Hochfläche des Hunsrücks, dieses von Rhein, Mosel, Saar und Nahe begrenzten Hochlandes, dem Soonivald und Jdarwald auf­gesetzt sind. Nach einem kurzen Aufenthalt in Simmern, der mir die Lage und Hauptgebäude dieser ehemaligen Haupt­stadt des Herzogtums Simmern zeigte, fuhr ich noch nach dem Städtchen Kirchberg, einem der höchst gelegenen Orte des Hunsrücks, und von dort gegen Abend nach Castellaun, desten Namen schon erkennen läßt, daß wir uns hier» an einer römischen Heerstraße befiitden, die von Trier aus über den Hunsrück nach dem Rheine führte. Castellaun ist wie Simmern in eine Vertiefung der Hochfläche eingebettet. Es ist ein uralter Ort, in dessen Gassen sich alte Häuschen zu einander neigen, wie alte Mütterchen, die sich von der guten alten Zeit unterhalten, und die alte Zeit, wo die 1 ostwagen und schwerbeladene Frachtwagen die Landstraße entlang zogen und öfters Halt machten, um Hunger und Durst, nicht bloß der braven Gäule, zu stillen, war für Castellaun, rote für viele andere Orte wirklich diegute Zeit. Die Neuzeit mit Etsenbahn und Automobil schaltet viele Heinere Orte als Erholungsstätten aus.

Fernsprechanschlutz Nr. 230. 1912

Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen der Firma Baumgardt & Killmer zu Hanau, Chr. Lautenschläger's Nachfolger, eingetragenen Grundstücke: Hanau, Krtbl. J 220/78 Herrengaffe a) Bebauter Hofraum

4 ar 57 qm

Hanau, Krtbl. ^221/79 Haus Nr. 7 und Hausgarten

5 ar 43 qm eingetragen in der Gebäudesteuerrolle von Hanau unter Nr. 1144 mit folgender Bezeichnung:

Herrnstraße Nr. 7

J 220/78 = 4 ar 57 qm a) Wohnhaus mit Seitenbau J 221/79 = 5 ar 43 qm redjts (A), Küchenbau links (E), abgesondertem Abtritt (C), Hofraum und Haus­garten,

J 220/78 b) Seitenbau links (B) mit offener Halle (F),

J 220/78 c) II. Seitenbau rechts (D), mit einem Nutzungswert von 1414 Mark und einge, tragen in der Erundsteuermutterrolle von Hanau unter Artikel Nr. 1914

am 25. Oktober 1912, vormittags 10 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht an der Gerichtsstelle Nußallee Nr. 17, Zimmer Nr. 13 versteigert werden.

Hanau den 31. Juli 1912. 19543

Königliches Amtsgericht Abt. 2.

Gefnnbene und nerlorene SegMude it

Gefunden: 1 unechtes Kollier mit Anhänger (in Wil­helmsbad), 1 silberne Gürtelnadel, 1 Milchkanne (am Marktplatz).

Verloren: 1 Monatskarte zur-Fahrt zwischen Hanau- West und Großauheim auf den Namen Konrad Rothermel lautend.

Hanau den 8. August 1912.

Politische Rundschau.

Ein Apell an die deutschen Kommerzienrate. Nach derRhein. Westfäl. Ztg." macht Kommerzienrat Richard Raupach in Görlitz den Vorschlag, alle Kommerzienräte und Geheimen Kommerzienräte sollten einen Beitrag stiften zur Milderung des Elends unter den Veteranen, als Dank dafür, daß diese ernst ihr Leben in die Schanze schlugen, um Deutschland zur Macht und Ansehen zu ver­seifen und dadurch die Vorbedingungen für den wirt­schaftlichen Aufstieg des Vaterlandes zu schaffen, der den Wohlstand unserer Eroßkaufleute ermöglichte. Herr Raupach sei, so sagt das genannte Blatt, bereit, für sein«

Von Castellaun ich nähere mich jetzt der Hauptsache fuhr ich am nächsten Morgen in der Richtung auf Boppard zunächst nach der Haltestelle Fleckertshöhe, deren Name Dir bis jetzt vielleicht noch ebenso unbekannt ist, rote er mir bis vor ein paar Jahren auch war. Meine Absicht, meinen Rucksack auf der Haltestelle zu lasten und unbepackt den Ausstchts- punkt Fleckertshöhe aufzusuchen, konnte ich bei der völligen Beamtenlosigkeit der erwähnten Haltestelle nicht ausführen, aber das war nicht schlimm. Auf sehr bequemem, strecken­weise nur unmerklich steigendem Wege erreicht man in einer guten halben Stunde die Fleckertshöhe, einen nach dem Rheine vorgeschobenen, etwa 500 Meter hohen Vorsprung des Huns­rücks, der eine wundervolle Aussicht auf Taunus, Wester­wald, Eifel und Idar- und Soonwald bietet. Sie ist sicher­lich eine der schönsten und eigenartigsten in ganz Deutschland, und vor allem denen zu empfehlen, die sich durch den Augen­schein klar machen wollen, wie der Rhein im Laufe der Jahrtausende sich von Bingen bis Bonn durchgesägt hat. Das kann man nicht bester sehen, als von Fleckertshöhe.

Du kannst Dir denken, daß ich mich von dem herrlichen Bilde, in dessen Vordergründe mich noch dazu ein burgge­krönter Berg meiner Heimat grüßte, nicht so leicht losreißen konnte, aber trotz längeren Aufenthalts kam ich an die er­wähnte Haltestelle so früh zurück, daß ich bis zu dem Zuge, mit dem ich zu fahren gedachte, noch etwa anderthalb Stun­den zu warten hatte. Da beschloß ich, meinen Marsch bis zu der nächsten Station fortzusetzen, die Dir trotz ihres Namens sie heißt Buchholz auch gänzlich unbekannt sein dürfte. Ich ging, da ich einen durch Wegweiser be­zeichneten Weg nicht entdecken konnte, durch den schönen Wald auf dem Schutzstreifen der Bahn entlang und erreichte die Station zeitig genug, um mich in dem dicht dabei stehm- den Gasthause durch einen kleinen Imbiß und einen Trunk 1911 Bopparder Hamm wie klingt der Name mir ver­traut 1 erfrischen konnte. Ein kluger Mann aus Buchholz hat nämlich erfreulicher Weise dicht neben 1*