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General-Anzeiger

nötiger

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckers! des

Amtliches Organ für Stadt- and Landkreis Hanau

Bezugspreis:

Vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg., für Post- bezug vierteljährlich 240 Mk^ monatlich 70 Pfg.

Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.

verein, eo. Waisenhauses ht Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: E. Schrecker in Hanau,

3JL 181 ft^er »sprech anschlittz Nr. 230.

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Amtliches.

Landkreis fjanau.

Der Beschluß der Mitgliederversammlung der Deutschen Feldarbeiter-Zentralstelle betreffs Abänderung ihres Na­mens inDeutsche Arbejterzentrale" hat die nach §§ 22 und 23 des Bürgerlichen Gesetzbuches und Artikel 1 der Verordnung zur Ausführung des Bürgerlichen Gesetzbuchs rwm 16. November 1899 erforderliche ministerielle Geneh­migung erhalten.

Unter Bezugnahme auf meine Kreisblattverfügung vom 29. März 1912 V. 1984 gebe ich hiervon Kenntnis. Hanau den 30. Juli 1912. V. 4480

Der Königliche Landrat.

F r * r. Laur.

Stadtkreis Fjanau. Bekanntmachung.

Die Liste der Stimmberechtigten für die Stadtverord­netenwahlen liegt nach Vorschrift des § 22 der Städteord­nung vom 15. bis 30. August d. I., werktäglich von vor­mittags 8 bis 12% Uhr und nachmittags von %3 bis 6 Uhr, im Rathaus, Zimmer Nr. 2, offen für den Bezirk Kessel­stadt im Gemeindehause zu Hanau-Kesselstadt.

Während dieser Zeit kann jeder Stimmberechtigte gegen die Nichtigkeit der Liste bei uns Einspruch erheben. ,. Wir machen noch darauf aufmerksam, daß nach einer Ent­scheidung des Oberverwaltungsgerichts etwaige Vermerke in oer Wählerliste über das Ruhen des Wahlrechts nur durch rechtzeitig erhobenen Einspruch beseitigt werden können.

Hanau den 1. August 1912. 19351

Der Magistrat.

Dr. G e b e s ch u s.

keMm und netlorm ©enenftänbe it.

Gefunden: 1 langer schwarzer durchbrochener Damen­handschuh, 1 Damenhandtasche (Inhalt: 1 Portemonnaie mit 34 Pfg., 1 Taschentuch und 1 Schlüssel).

Verloren: 1 goldenes Kollier mit Anhänger mit rotem Stein.

Zugeflogen: 1 Kanarienvogel.

Hanau den 5. August 1912.

Politische Rundschau.

Die Beisetzung des Kardinals Fischer. Aus Köln, 8. Aug., wird berichtet: Zur Beisetzung des Kardinals Dr. Fischer war in Köln eine gewaltige Menschenmenge aus der ganzen Provinz zusammengeströmt, die bereits in den frühen Morgenstunden die Straßen in der Nähe des Domes und des erzbischöflichen Palais, die der Zug passieren mußte, besetzt hielt. Um 8 Uhr fand an der Bahre ein Trauergottesdienst statt. Darauf wurde der Sarg von dem Zuge ausgenommen; er wurde zur Bei­setzung im Dome von zwölf barmherzigen Brüdern ge­tragen. Die vier Enden des Leichentuches hielten vier Profesioren von der katholischen theologischen Fakultät in Vonn. Träger mit brennenden Fackeln begleiteten den Sarg. Hinter dem Sarge schritten als Vertreter des KaisersLandwirtfchaftsminister Freiherr v. Schorlemer und der Vertreter des Papstes, die beiden Schwestern und ein Neffe des Verstorbenen und die Zivil- und Militärbehörden, die Malteserritter in ihrer Ordens­tracht und Vertreter des Adels. Der Sarg wurde im Dom, der mit schwarzem Tuch ausgeschlagen war, von Fürstbischof Dr. Kopp in Breslau empfangen. Fürst­bischof Dr. Kopp hielt das Requiem und Bischof Schulte (Paderborn) die Trauerrede. Nach der Einsegnung wurde der Sarg in die Vischoftsgruft unter dem hohen Thor gesenkt.

Die Spionageaffäre Kostewitsch-Nikolski. Die Spio- aageaffäre Kostewitsch-Nikolski ist durch die Voruntersuchung in Leipzig je^t so weit erklärt, daß eine Haftentlassung der beiden Verdächtigen gegen Kantion möglich geworden ist. Neide und bekanntlich erst vor kurzem, der eine von Berlin, der andere non Köln, nach Leipzig übergeführt worden. Wie man erfährt, ist Oberleutnant a.' D. Nikolski, dessen Ver­teidigung in den Händen der Rechtsanwälte Dr. Felix Z-hme, Dr. Hezel, Dr. Hahnemann und Dr. Kirchberger lag, bereits am Samstag gegen Stellung einer Kaution von 5000 Mark ans der Haft entlassen worden. Aufenthaltsbeschränkungen snb Nikolski nicht auferlegt worden. Die Haftentlassung des Hausmanns Kostewitsch scheint nahe bevorzustehen. Sie er- olßt voraussichtlich heute. Kostewitsch hätte wahrscheinlich

Montag den 5. August

auch schon am Samstag entlasten werden können, wenn die Stellung der geforderten Kaution von 30 000 Mark möglich gewesen wäre. Da der Hinderungsgrund aber nur äußer­licher Art war, kann mit der Haftentlastung heute gerechnet werden. Ein neueres Telegramm lautet: Der wegen Spionage verhaftete russische Oberst Nikolski, der in Be­ziehungen zu dem Hauptmann Kostewitsch stehen soll, wurde Samstag abend gegen eine Kaution von 5000 Mark aus der Haft entlasten.

Die chinesische Regierung sagte gemäß der Forderung des russischen Gesandten Entschädigung für die kürzlich durch chinesische Soldaten bei Khotan verübte Tötung hundert russischer Untertanen und Bestrafung der Täter zu. Der Präfekt von Khotan, der für verantwortlich erklärt wurde, ist abgesetzt worden. Der chinesische Offizier, der den Zu­sammenstoß veranlaßte wird vor ein öffentliches Gericht ge­stellt. Der russische Konsul von Kaschgar und die chinesischen Ortsbehörden setzen die Höhe der Entschädigung fest.

Marokko.

Tanger, 4. August. Die hiesige deutsche Vertretung steht wegen des Falles Opitz durch Funkenspruch bis Mogador und von dort durch Eilboten in Verbindung mit dem deut­schen Konsularagenten in Marrakesch, der die Nachforschungen nach Opitz unablässig fortsetzt. Bisher ist weder eine sichere Spur entdeckt, daß Opitz lebt, noch ist die Leiche gefunden worden. Von den französischen Behörden in Marokko werden die Bemühungen des Konsularagentm unterstützt. Der Pascha von Marrakesch zeigt besonderen Eifer zur Auf­klärung der Sache. Für den Fall, daß Opitz einem Ver­brechen zum Opfer gefallen ist, muß man daim' rechnen, daß, da die Marokkaner in solchen Fällen die Spuren sorgfältig zu verwischen pflegen, die Nachforschungen längere Zeit be­anspruchen.

Rabat, 4. August. In letzter Nacht wurde ein fran­zösischer Militärtransport am Ued Kemissat von 50 Reitern angegriffen. Die Mannschaften ber Kolonne Gouraud rücken morgen in die Gegend nördlich von Fez aus, um das Vorrücken des Nogi zu verhindern. Der Präsident El Hiba gewinnt fortgesetzt an Einfluß bei den Stämmen.

Die IriWentente in MM.

Reise Ssasonows nach England.

Petersburg, 3. August. Der Minister des Aeußern Ssasonow wird Anfang September die russische Hauptstadt verlassen und seine Reise nach London antreten. Diese Reise war schon vor längerer Zeit geplant, mußte aber einmal durch die Erkrankung Ssasonows und später durch die Reise des Königs von England nach Indien hinausgeschoben wer­den. In politischen Kreisen mißt man dieser Reise die größte Bedeutung bei, weil sie direkt nach dem Besuche des französi­schen Ministerpräsidenten Poincarö in Petersburg erfolgt. In unterrichteten Kreisen nimmt man an, daß die Reise die englisch-französisch-russische Entente befestigen soll. Was die Reise Poincarès anbetrifft, so wird dieser am 9. August in Petersburg eintreffen und den russischen Truppenmanövern beiwohnen.

Der Hauptzweck der Reise Ssasonows nach England ist wohl die Regelung der persischen Frage, die zurzeit den bren­nendsten Punkt in den russisch-englischen Beziehungen bildet. Gerüchten zufolge, denen allgemein Glauben geschenkt wird, werden zwischen England und Rußland geheime Verhand­lungen wegen der Rückkehr des früheren Schahs geführt. Es erscheint, wie dieKöln. Ztg." meldet, möglich, daß Eng­land gegen entsprechende Kompensationen in Südpersien und gegen Garantien für Neueröffnung des Parlaments seinen Widerstand aufgibt.

PoinearSs russische Reise.

Paris, 3. August. Das Programm für Poincarès Aufenthalt in Rußland ist nunmehr endgültig festgestellt. Poincarb kommt am Montag, den 5. b. M., in Petersburg an und bleibt fünf Tage dort. Während dieser Zeit finden wichtige politische Konferenzen zwischen Poincarè, Ssasonow und Kokowtzow statt, an denen bestimmt Iswolski, der be­reits ans Paris dort angekommen ist, teilnehmen wird. Poincar« wrd unter anderem auch einer großen Parade sämtlicher Jugendwehren des Reiches, die auf dem Peters­burger Marsfelde von dem Kaiser Nikolaus siatlsindet, bei­wohnen. Von Petersburg fährt Poincare auf drei Tage nach Moskau. Er kehrt von dort wieder nach Petersburg zurück, von wo die Heimreise nach Paris zu Schiff erfolgt.®$° de Paris" will erfahren haben, über was der französische Ministerpräsident sich in Rußland mit seinem Kollegen unter­halten wird. Das sollen folgende sechs Punkte sein: 1. die militärische und Marinekonvenüon zwischen Rußland und

F-er»sprechai»schlutz Nr. 330. 1912

Frankreich; 2. die Eisenbahn in Anatolien; 3. die chinesische Anlethefrage; 4. der italienische-türkische Krieg; 5. die Lage am Balkan ; 6. alle Fragen, die das europäische Gleichgewicht betreffen.

Wie verlautet, wird der König von England noch in -diesem Monat nach Petersburg kommen.

Petersburg, 4. Aug.Nowoje Wremja" schreibt in ihrem Leitartikel, daß die Marinekonvention das französisch- russische Bündnis, wenn nicht erweitere, so doch festige. In den ersten Jahren des Zweibundes herrschte das Gefühl über den Verstand. Diese Tage gingen vorüber. Die Ent­täuschungen, die Rußland während des japanischen Krieges und Frankreich während der Marokkofrage erlebten, brachten den Vorteil, daß das Unmögliche von dem Schwierigen scharf getrennt wurde. Das Blatt stimmt derAgenee Havas" zu, daß die technische Marinekonvention an dem Bündnis nichts ändere und sieht in dem Abschluß zu einer Zeit, wo die russische Flotte noch nicht vorhanden, daS Zeichen des französischen Vertrauens.Birschewija" schreibt: Die Konvention braucht Deutschland nicht zu beunruhigen, da sie rein definitiven Charakter trägt. Sie gewinnt nur Bedeutung, wenn die Diplomatie der Triple-Entente die freie Ausfahrt der russischen Flotte aus dem Schwarzen Meer erreicht.'

Die MbeWeier her Firm Mp.

Die Feier des 100jährigen Bestehens der Firma Krupp in Esten hat begonnen; mit dem Besuche Sr. Majestät des Kaisers am 8. und 9. August wird sie ihren Höhepunkt und ihren Abschluß finden. Die Firma Krupp ist aus kleinen Anfängen hervorgegangen. Ihr Begründer Friedrich hinterließ seinem Sohne Alfred lediglich das Ge­heimnis der Gußstahlfabrikation. Alfred Krupp hat sich viele Jahre hindurch den größten Mühen unterziehen müssen, um sich durchzuringen uni) das Unternehmen in die Höhe zu bringen. In einem lange, arbeitsreichen Leben ist es ihm gelungen. Friedrich Alfied Krupp führte Das Werk seines Vaters fort, starb jedoch früh. Heute ist die Firma Krupp das größte deutsche Privatunternehmen.

Wenn sie jetzt ihr hundertjähriges Bestehen feiert, so nimmt daran die ganze deutsche Nation teil; denn das Ge­deihen der Firma ist mit der Wiederaufrichtung des Deut­schen Reiches eng verknüpft und nicht bloß derart, daß die Firma, wie andere, von der Wiedervereinigung der deutschen Stämme wirtschaftliche Vorteile hatte, sondern vor allem dadurch, daß sie durch ihre Waffenlieferungen mit zu den das Deutsche Reich begründenden Siegen beigetragen und dadurch die Wiedervereinigung gefördert hat. Es wird ein unvergänglicher Ruhmestitel der Firma Krupp bleiben, daß sie dem Vaterlands diese Dienste hat leisten können. Es feiert mit der Firma aber auch die gesamte deutsche Indu­strie. Die Firma Krupp hat gezeigt, was die Tatkraft ein­zelner Arbeitgeber zu leisten imstande ist. Technisch und kommerziell steht sie auf der Höhe, Inland und Ausland be­ziehen ihre Waren. Gerade auf dem Weltmärkte ist sie der deutschen Industrie vorangegangen. Sie hat zuerst die Wege betreten, die den beispiellosen Aufschwung der deutschen Aus­fuhr ermöglicht haben, wie er in den letzten Jahrzehnten festzustellen gewesen ist. Für dieses^Vorangehen wird die deutsche Industrie der Firma Krupp i stets dankbar bleiben. Schließlich kann aber auch mit der Firma an der Feier die ganze deutsche Arbeiterschaft teilnehmen. Es ist ja bekannt, und vielfach nachgewiesen, daß die Firma Prupp in ihren Einrichtungen für das Wohlergehen ihrer Arbeiter stets an der Spitze gestanden hat. Auch hier bildet sie ein Muster, und wenn die staatlichen sozialpolitischen Einrichtungen, die in den letzten Jahren geschaffen sind, für die deutsche Arbei­terschaft so günstig ausfielen, dann hatVdazu das Beispiel, das Krupp durch seine Einrichtungen schop früher gegeben hatte, nicht unwesentlich beigetragen. x

Mit Stolz kann die Firma Krupp die Feier ihres hun­dertjährigen Bestehens begehen. Sie hat in ihrem Werde­gang bewiesen, daß die Tatkraft einzelner Män^r bewun­dernswerte Erfolge erzielen kann, sie hat der Nation genützt, sie hat ihren Verufsgenossen ein leuchtendes Beispiel ge­geben, und sie hat denen, die mit und in ihr arbeiteten sowie der gesamten deutschen Arbeiterschaft Vorteile gebracht. Man darf überzeugt sein, daß auch die jetzige Leitung des Unter­nehmens die Wege weiter wandeln wird, auf denen die Vor­fahren großgeworden sind.

Esten (Ruhr), 3. August. Für heute nachmittag waren 821 Jubilare des Kruppschen Betriebes aus den Jahrgängen 1911 und 1912 nach Villa Hügel geladen, wo in Ler neu er-