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EinrSckimgsgebllhrr

VK kgespallene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. du Rellametetl die Zelle 50 Pfg.

Motatto ' druck und Verlag der Buchdruckerei des verein, eo. Waisenhauses in Hanau.

Amtliches Organ fnt Stadt- und Landkreis Hanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Bezugspreis:

Vierteljährlich 1.80 Mk monatlich 60 Pfg.» für Post­bezug vierteljährlich 2.10 Ml^ monatlich 76 Pfg. Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.

verantwortl. Redakteur: T. Schrecker i» Hanau.

^. 179 Zyernsprecha«schlttß Nr. 230.

Amtliches.

Stadtkreis F)anau.

Zwecks Ausführung von Pflasterarbeiten wird die Neue Anlage zwischen Steinheimerlandstraße und Kanaltor vom S. d. Mts. ab auf die Dauer von 6 Wochen für den öffent­lichen Fährverkehr gesperrt. Hanau den 1. August 1912. P. 8487

Königliche Polizeidirektion.

J. A.: Karbe.

Bekanntmachung.

In letzter Zeit ist es zu wiederholten Malen vorgc- kommen, daß bei dem Anschluß von Aborten an die Kanali­sation die Gruben vorher nicht vorschriftsmäßig entleert worden sind, vielmehr der Inhalt der Gruben durch neue und vorhandene Leitungen unmittelbar in den Straßen­kanal eingelettet wurde. Hierbei find feste Sinkstoffe, so u. a. Steine und dergleichen, in die Straßenkanäle gelangt und haben Verstopfungen derselben herbeigeführt. Ich mache - uf diesen Verstoß gegen die §§ 5 und 6 der Polizeiver­ordnung vom 9. September 1910 betreffend die Entwässe­rung der Grundstücke in der Stadt Hanau aufmerksam und werde vorkommendenfalls den § 11 der genannten Vor- schrfften, nach dem Uebertretungen gegen die angeführten Vorschriften mit Geldstrafe bis zu 30 Mark, im Anver­mögensfalle mit entsprechender Haft bestraft werden, un- nachfichtlich zur Anwendung bringen. Für alle Schäden mrd Verstopfungen, die durch Einleitung solcher Fremd- stoffe in das Sielnetz entstehen, werde ich den Hausbesitzer und den ausführenden Unternehmer haftbar machen.

Hanau den 1. August 1912. 15159

Städtische Polizeiverwaltung.

Der Oberbürgermeister. »

J. V.: Ehrich.

Gefunden: Eine Uhr. Abzuholen auf dem Ge­schäftszimmer der Armenverwaltung.

Hanau den 31. Juli 1912. 19137

Wmdm md »Nimm EesEmde n.

Gefunden: 1 Riemen von einem Pferdegeschirr, 1 Paar weiße Militär-Lederhandschuhe.

V e r l or e n: 1 Schlüsselring mit 4 großen und 2 kleinen Schlüsseln, 1 goldene Brosche (als Anhänger Perle und' Lilastein), 1 goldnes Kettenarmband auf der Straße HanauGroßauheim, 1 Herrenportemonnaie mit etwa 38

Freitag den 2. August

Mark, 1 Sparkassenbuch der städtischen Sparkasse Nr. 9909, 1 goldene Damenuhr.

Entflogen: 1« Kanarienvogel.

Hanau den 2. August 1912.

Politische Mundschau.

Der deutsche Kaiser zum Tode des Kaisers von Japan. Wie aus Tokio gemeldet wird, befindet sich unter den dort eingetroffenen Beileidsdepeschen auch ein aus Bal- strand abgegangenes herzliches Beileidstelegramm von Kaiser Wilhelm an den Kaiser Poshihito.

Für den Besuch des Kaisers in der Schweiz bestimmte der Schweizer Bundesrat zum Ehrendienst den Chef des Eeneralstabe«, Oberstkorpskommandanten v. Sprecher v. Bernegg, den Oberst und Kommandanten der 4. Division Uudeoud und den Oberstleutnant und Regiments- kommandanten Wieland.

Das Beileidstelegramm des Kaisers zum Tode des Kardinals Fischer, das der Kaiser an den Dompropst Berlage-Köln sandte, hatte den folgenden Wortlaut: Stadt Bergen. Die Nachricht vom Ableben des Kardinals Fischer hat mich mit Betrübnis erfüllt. Ich spreche dem Domkapitel mein herzlichstes Beileid zu dem schweren Verlust aus, den es erlitten hat. Dem verstorbenen Kirchenfürsten, der ein königstreuer und vaterlands­liebender Mann war, werde ich stets ein gutes Andenken bewehren. Wilhelm I. R.

Slaaisf-kretär v. Kiderlen-Wächter hat Bad Kissingen verlassen un> ist für zunächst mehrere Tage zum Besuch seines schwäbischen Landsmannes, des Grafen Zeppelin, nach Kreuzlingen gegangen, von wo er sich dann auf einige Wochen mach dem württembergischen Schwarzwald­dorfe Lauterbach begibt.

Das erste mit Turbinen ausgerüstete Linienschiff der deutschen Marine,Kaiser", wurde Donnerstag vor­mittag in Kiel auf der kaiserlichen Werft mit einer Flaggenparade in Dienst gestellt.

Der Verband für internationale Verständigung hält seinen ersten Verbandstag vom 5. bis 7. Oktober in Heidelberg ab. Auf der Tagesordnung steht u. a. ein Vortrag von Prof. Dr. Lamprecht-Leipzig über ^Aus­wärtige Kulturpolitik." Außerdem halten Vorträge die Professoren v. Ullmann-München, Zorn-Vonn, Martin Spahn-Straßburg, Piloty-Würzburg, Nippold-Oberursel, Schücking-Marburg und Rade-Marburg.

Der Spionagefall Kostewitsch. Von Leipzig aus wird wieder einmal verbreitet, daß der wegen Spionage in Unter­suchung befindliche russische Hauptmann Kostewitsch gegen Kaution freigelassen werden soll. Diese Nachricht ist, wie

Fernsprechanschlrtß Nr. 230. 1912

dieTägliche Rundschau" bemerkt, kaum etwa« anderes als ein Versuchsballon der sehr rührigen, für Kostewitsch ar­beitenden kleinen Freundescliqu«, von der sich auch einige deutsche Blätter mißbrauchen lassen. Es kann nur wieder betont werden, daß nach dem vorliegenden Belastungsmaterial an eine derartige Freilassung kaum gedacht werden kann.

Frankreich und Rußland. Ein Pariser Abendblatt brachte die Meldung, die französische und die russische Regie­rung hätten kürzlich wichtige Verhandlungen bezüglich deS Abschlusses einer Marinekonventiou gepflogen. In dieser Form ist die Nachricht nicht vollkommen richtig. ES haben keinerlei Verhandlungen zwischen den beiden Regierungen, sondern nur Besprechungen zwischen dem franzöfischen und dem russischen Generalstabschef stattgefunden. Dir Be­sprechungen bezogen sich auf eine zeitgemäße Weiterentwicklung (wi8s an point) der im Jahre 1892 zwischen Frankreich und Rußland abgeschlossenen Militärkonvention. Bisher war di« Militärkonvention auf die Marine nicht ausgedehnt worden, da sich aber heute die Lage zur See infolge der von den beiden Mächten gemachten Anstrengungen geändert hat, so erschien es den Generalstäben richtig, fich über diesen Gegen­stand zu verständigen. Die Frage ist, wie wir glauben, von dem Fürsten Lieven gelegentlich seiner letzten Reise nach Frankreich zur Sprache gebracht worden. Die zeitgemäß« Entwicklung der Militärkonvention ändert das bestehende Ab­kommen in keiner Weise und hat keine Macht gegenüber dem Charakter einer aggressiven Neuerung.

Eine Revolution in Nicaragua. Das Marine- Departement in Washington erfährt, daß in Nicaragua eine Revolution ausgebrochen sei. Wie weiter berichtet wird, war die Revolutton nur von kurzer Dauer. Präsident Estrada forderte am 29. Juli den Kriegs­minister Mena auf, zurückzutreten. Dieser weigerte sich, bemächtigte sich der Forts von Managua und nahm Granada in Besitz. Darauf lieferte (Beneral Chanorra dem Mena eine Schlacht, der ein Waffenstillstand folgte, bei dessen Abschluß Mena der Ernennung Barbarossas zum Kriegsminister zustimmte.

Die Krise in der Türkei.

Die Jungttirken sind auch am Mittwoch in der Kam­mer einer Entscheidung ausgewichen. An Worten haben sie es wieder nicht fehlen lassen. Das größte Pathos hat der Präsident der Kammer aufgebracht, der in einer Unter­redung mit dem Großwesir über die Gründe für die Ab­setzung des Kommandanten der Kammerwache gesagt haben soll:Wenn Sie die Kammer auflösen wollen, lassen Sie Bajonette kommen." Auch in der Sitzung selbst hat es an Opposition nicht gefehlt. Aber alles das hat die Kammer

Die MiMlWlt her MWer-WeiM- teilinifi Ham am 28. Juli 1912.

Die größte diesjährige Wanderfahrt (133,2 km) liegt hinter uns, und sie ist, wie vorweg bemerkt werde, abgesehen von zwei eingefahrenen Schuhnägeln und einem geplatzten Luftschlauch, sehr gut verlaufen. Pünktlich, wie immer, fan­den sich die Teilnehmer am Sammelpunkt ein, und in froher Stimmung zog man in den taufrischen Morgen hinaus. Bald war Seligenstadt erreicht, welches zum größten Teil noch im Schlummer lag; weiter ging es über Stockstadt nach Dbernburg, welches nach etwa dreistündiger Fahrt erreicht wurde. Hier wurde die erste längere Rast gemacht, um das Frühstück zu verzehren und somit die Rucksäcke etwas zu er­leichtern. Nach mehr als einstündiger Pause wurde die Weilerfahrt angetreten; die Gegend wurde interessanter, da von beiden Seiten die Berge des Spessarts und Odenwalds nüber an den Main herantreten. Von der gegenüberliegenden Höhe grüßten bald die Burg Klingenberg und der noch höher gelegene Autzsichtsturm herüber, während die Abhänge mit zahl l ei hen Weinbergen bedeckt waren. So ging es in flotter Fahr' durch Würth und Trennfurt und nach einer knappen Stunde war Laudenbach erreicht. Doch leider hatte jetzt die schone Fahrt ein Ende; galt eS doch nunmehr die Räder auf derLaudenbacher Steige", eine Steigung von etwa 300 Meter, hinaufzuschieben. War nun vorher die Sonne häufig von einem leichten Wolkenschleier verdeckt worden und hatte ein gelinder Wind etwa« Kühlung gebracht, so brannten auf dieser, wenig Schatten spendenden Straße die Sonnenstrahlen , in voller Glut unbarmherzig auf uns hernieder, so daß dieser Teil der Strecke der beschwerlichste des ganzen Tages wurde. Jedoch durch manch wundervollen Ausblick wurden die Mühen belohnt; hier unten eine Mühle am rauschenden Bach, weiter- hin tief in hin Bergen riuaebettet. ein lieblicher Wieienarund

mit einem einzelnen Gehöft, ein wirklich idyllisches Plätzchen; bei etwa 200 Meter Höhe ein herrlicher Rückblick: Tief unten der Main, eingezwängt zwischen hohen Bergen und im Hinter­gründe Großheubach, überragt von dem auf dem Bergvor­sprung liegenden Kloster Engelsberg. Endlich erreichten wir den kühlen, schützenden Wald, wo eine kurze Rast gehalten wurde, auf der uns die in großer Menge hier vor­gefundenen Himbeeren eine willkommene Erfrischung boten. Bald schwangen wir uns wieder in den Sattel und auf prachtvollen Waldwegen erreichten wir schnell das auf 450 Meter Meereshöhe liegende Hainhaus. Früher stand hier ein Jagdschloß, welches aber durch einen Brand zerstört worden ist; hinter diesem war von den Fürsten von Löwenstein ein schöner Park angelegt. Noch jetzt beschatten herrliche Buchen und seltene Koniferen die Rasenflächen, aber sonst ist nur noch ein einsames Forsthaus, eine noch im Ge­brauch befindliche Kapelle und einige Wirtschaftsgebäude vor­handen. Diese liegen alle innerhalb eines alten Römer­kastells, welches an den Wällen und den teilweise noch vor­handenen Umfassungsmauern in seiner alten Ausdehnung noch heute leicht zu erkennen ist. An dieser althistorischen Stätte bereiteten wir unser Mittagsmahl, welches unter dem hohen, rauschenden Blätterdach nach der vorhergegangenen Anstrengung trefflich mundete, und bald gaben sich in dieser wohltuenden Stille verschiedene einem leichten Schlummer hin. Neu gekräftigt, werden nach fast zweistündiger Pause die Räder wieder bestiegen; wie leicht fährt es sich jetzt hier oben in der waldwürzigen Luft auf schonen Wegen, und tn kurzer Zeit find wir in Eulbach, dem Hauptziel unserer Fahrt, angelangt. Inmitten des großen Wildparks fleht hier ein schmuckes Jagdschlößchen, in welchem die Famüre des Grafen von Erbach-Erbach einen Teil des Sommers zuzu- bringen pflegt. Nachdem wir dieses von außen besichtigt haben, treten wir in den gegenüberliegendenEnglischen Garten" ein, der stets für Besucher geöffnet ist. Dieser Dark und das Jardschlotz lind eine Schöpfuna des 1823

gestorbenen letzten souveränen Grafen Franz von Erbach. Feierliche Stille herrscht hier bei unserm Eintritt, die schlanken Bäume der Eingangsallee wölben sich zu einem hohen Dache und in der dadurch erzeugten Dämmerung be­mächtigt sich eines jeden unwillkürlich eine gewisse Kirchen­stimmung. Am Ende der Allee erhebt sich ein hoher Obelisk, der aus Trümmern des in der Nähe liegenden Kastells Würzberg errichtet ist, wie uns eine angebrachte lateinische Inschrift belehrt. Weiterhin beschatten den Park herrliche Bäume, zum Teil seltene ausländische Exemplare, und schauen herab auf die aus langer Nacht wieder erstandenen Zeugen römischer Vergangenheit, die an verschiedenen Stellen zerstreut ausgestellt sind. Durch

zwei hier aufgestellte Tore von Römerkastellcn schreiten wir hindurch und stehen plötzlich vor einem großen Teich, dessen ganze Oberfläche mit blühenden Wasserrosen bedeckt ist. In der Mitte auf einer Insel erhebt sich, halb hinter Buschwerk versteckt, eine kleine Kapelle, uralte Bäume rahmen den Teich ein und auf dem gegenüberliegenden Ufer ragt die Eberhardsburg hervor, eine künstliche Ruine, die aus Trümmern von der unweit Amorbach gelegenen Wildenburg erbaut ist. Ein Stimmungsbild, einzig in seiner Art! Jedem, der Sinn für die Schönheiten der Natur besitzt und der idyllische Ruhe liebt, können wir nur anraten, den Eul- bacher Park zu besuchen, der von der nächsten Bahnstation Michelstadt in V/i Stunden zu Fuß zu erreichen ist. Nach- dem wir diesen herrlichen Park auf seinen geschlängelten..^- Wegen in seiner ganzen Ausdehnung durchwandert Imften, besteigen wir wieder unsere Stahlroffe und nun wird uns die Belohnung für die Anstrengung am Vormittag«. Eine tadellose Straße zieht in ständigem Gefälle etwa 8 Kilometer hinab nach MichePadt, pfeilschnell sausen die Räder durch den schattigen Wald hinunter, nur an einer durch weithin sichtbare Warnungszeichen gekennzeichneten Wendekurve wird die Geschwindigkeit durch die Rücktrittbremse gemäßigt und nach 20 Minuten haben wir dar Tal der Mümling erreicht.