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EinrSckungsgeSShrr

Die ögrspaltene Petltzeile oder deren Raum 20 Pfg. im Reklametell die Zeile BO Pfg.

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, eo. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Bezugspreis, Vierteljährlich 1.80 3HL, monatlich 60 Pfg., für Post­bezug vierteljährlich HO SRL, monatlich 70 M, Die einzelne Nummer kostet B Pfg.

Verantwort!. Redakteur: T. Schrecker in Hanan.

Nr. 178

^ernsprechanschltttz Nr. 230.

Donnerstag den 1. August

Fernsprech «mschlutz Nr. 230. 1912

Amtliches.

Mr bringen hiermit zur Kenntnis, daß nach Be­schluß des Landes-Ausschusses vom 16. April d. Js. Herr Stadtrat Karl König als stellvertretendes Mitglied der Leihbank-Direktion zu Hanau bestellt worden ist.

Hanau den 3. Juli 1912. 18999

Die Leihbank-Direktion.

Dr. Gebefchu ».

Handelsregister.

1. Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Firma:

Heinr. Oldenkott & Co. mit beschränkter Haftung" mit dem Sitze in Hanau.

Durch Beschluß der Gesellschafter vom 3. Juli 1912 ist der Kaufmann Max Odenheimer zu Hanau zum Prokuristen der Gesellschaft in der Weise bestellt, daß derselbe befugt ist, in Gemeinschaft mit einem an­deren Prokuristen die Gesellschaft zu vertreten und die Firma zu zeichnen.

2. Offene Handelsgesellschaft in Firma:

Appel, Stock & Co." mit dem Eitze zu Hanau.

- Der Diamantschleifer Wilhelm Lang zu Hanau ist aus der Gesellschaft ausgeschieden.

Einträge des Königlichen Amtsgerichts 5 in Hanau zu L vom 26. Juli 1912,

zu 2. vom 25. Juli 1912. 18997

Zwangsversteigerung.

Zum Zwecke der Aufhebung der Gemeinschaft, die in Ansehung des in Hanau belegenen, im Erundbuche von Hanau Band 32 Art. 2012 Abt. I Nr. 1 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Maschinenbauers Adolf Bollenweider, Ulrichs Sohn, und dessen Ehefrau Katharina geb. Maier zu Hanau je zur ideellen Hälfte eingetragenen Grundstücks:

Krtbl. N Nr. 77 Altstraße Nr. 21 = 1,30 ar,

a) Wohnhaus mit Seitenbau rechts (A), Teppenhaus, Querbau C, Waschküche und Aborte, Seitenbau links (B) und Hofraum,

Erundsteuermutterrolle Artikel Nr. 188,

Gebäudesteuerrolle Rolle Nr. 241 besteht, soll dieses Grundstück

am 11. Oktober 1912, vormittags 10 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht an der Eerichtsstelle Nußallee Nr. 17, Zimmer Nr. 13 versteigert werden.

Hanau den 15. Juli 1912. 19021

Königliches Amtsgericht Abt. 2.

Politische Rundschau.

Der deutsche Kaiser ist gestern abend 6 Uhr an Bord der Hohenzollern" in Bergen eingetroffen.

Dr. Solf über Deutsch-Südwest. Staatssekretär Dr. Solf sagte bei einem ihm zu Ehren veranstalteten Bankett im Deutschen Klub zu Johannesburg, er kehre mit der Gewiß­heit nach Deutschland zurück, daß Deutsch-Südwestafrika eine große Zukunft habe. In Vritisch-Südafrika habe er gesehen, wie die Zukunft Deutsch-Südwestafrikas sein werde. Dr. Solf betonte den Wert harmonischer Beziehungen zwi­schen der deutschen Kolonie und der südafrikanischen Union.

Zum Tode des Kardinals Fischer. Die Leiche des Kar­dinals Fischer wird am Samstag den 3. August, abends 9 Uhr, vom erzbischöflichen Palais aus im Dom zu Köln beigesetzt werden. DieKölnische Zeitung" veröffentlicht "? bei dem Metropolitankapitel eingelaufenen Beileids­telegramme. Von der Kaiserin:Schloß Wilhelmshöhe. Ihre Majestät die Kaiserin haben mich beauftragt, dem Domkapitel allerhöchst ihr herzlichstes Beileid anläßlich des Hinscheidens des Kardinals Dr. Fischer auszusprechen, gez. n al 'nettsrat Dr. Spitzenberg." Aus Rom traf ein Tele- gramm ein, das in deutscher Uebersetzung lautet:Der heuige Jmv>!T drückt sein innigstes Beileid zu dem schweren Verlud aus, den die Erzdiözese Köln durch den Dod des geliebten Kardinals erlitten hat. Er bittet den Herrn, ihn reichlich zu belohnen für seine Leistungen und Ver­dienste. gez. Merry del Val." Ferner ist folgendes Tele­gramm des Königs von Sachsen aus Juist eingegangen: »Ihnen u^ dem Domkapitel sage ich mein herzlichstes Bei­leid zum Ableben ihres hochverdienten Oberhirten, gez. Friedrich August. Weiter liefen Telegramme ein von

der Großherzogin von Luxemburg, dem Eroßherzog von Vaden, der Landgräfin von Hessen, von dem Nuntius Frue- wirth in München, von dem Reichskanzler von Bethmann Hollweg aus Hohenfinow, vom Minister v. Dallwitz in Ber­lin und von dem Kardinal Ferrari in Rom. Zu dem Tode Kardinal Fischers schreibt dieNordd. Allgem. Zeitung": Mit dem Hinscheiden dieses hohen Würdenträgers, deffen Wirken in so vielfacher Hinsicht vorbildlich zu heißen ver­dient, beklagt die katholische Kirche in Deutschland einen schmerzlichen Verlust. Dankbar erinnern sich die Diözesanen von Köln der hingebenden Tätigkeit ihres betrauerten geistlichen Oberhirten. Von den zahlreichen Pfarren des umfassenden Gebietes ist keine von Kardinal Fischer unbe­sucht geblieben, der überall seine Amtsverrichtungen selbst auszuüben liebte. Auch die Schaffung von kirchlichen Ver­einen und Kongregationen in den einzelnen Gemeinden be­trieb er mit Eifer. Den sozialen Bestrebungen hat sich Erz­bischof Fischer in den letzten Jahren besonders zugewandt, und seine Tat war eine Zentralisation aller charitativen und sozialen Bestrebungen unter der Leitung Dr. Ober- dörffers zu Köln."

Die Jesuitendebatte im bayerischen Reichsrate. Die gestrige Reichsratssitzung führte, was in dieser Körperschaft selten vorkommt, zu einem scharfen Aufeinanderplatzen der Meinungen. Graf Moy bestritt zunächst, Laß die letzte in der Presse vielerörterte Ausschußsitzung in ein Mißtrauens­votum gegen die Regierung ausgeklungen sei. Für seine Person bringe er a priori dem vom Landesherrn ernannten Ministerium sein vollstes Vertrauen entgegen. Das hindere aber nicht,, gegebenenfalls einzelne Maßnahmen zu bekämp­fen. Die eingeschlagene konservative Richtung werde sicher­lich die Billigung aller Mitglieder des hohen Hauses fin­den. Graf Törring, der Schwager des Prinzen Rupprecht, steht nach wie vor auf dem Standpunkte, daß der Jesuiten­erlaß ein schwerer taktischer Fehler und die größte seit Jahr­zehnten vorgekommene Blamage für die bayerische Regie­rung sei. Mußte doch die Regierung selbst bekennen, daß sie zur Publikation des Erlaffes gar nicht berechtigt ge­wesen sei. Ritterlicher wäre es gewesen, wenn man nicht versucht hätte, die Verantwortung dem früheren Kultus­minister zuzuschieben.Was haben Sie," rief Graf Törring aus,mit den Absichten des früheren Ministeriums zu tun, das auf einem ganz anderen Standpunkte stand!" Es sei doch recht zweifelhaft, ob das Ministerium Hertling die an­gebliche Wehnersche Erbschaft ebenfalls angenommen hätte, wenn es den eigenen Wünschen nicht entsprochen hätte. Besser wäre es gewesen, den konfessionellen Frieden zu wah­ren und auf die allgemeine Volksstimmung Rücksicht zu nehmen. Leute, die bisher abwarteten, hätten sich seit dem Jesuitenerlaß vom Ministerium abgewandt.Wir wiffen jetzt," so schloß Graf Törring,was wir von Ihnen zu er­warten haben, und wenden uns um Schutz an die Reichs­regierung." Frhr. v. Hertling begann seine Antwort da­mit, daß er es der Ueberzeugung anderer überlaste, ob die Regierung mit dem Jesuitenerlaß einen Bock geschaffen habe oder nicht. Der Ausgangspunkt der ganzen Sache sei der Wehnersche Augusterlaß gewesen, der ohne erkennbaren An­laß die Ausführungsbestimmungen verschärfte. In der katholischen Bevölkerung sei darüber große Erregung ent­standen sei. Was verboten sei, sei aus dem Reichsjesuiten­gefetz nicht ersichtlich. Wenn der BunLesrat keine Aus­legung gebe, so liege es nahe, daß dies den Einzelregie­rungen unbenommen sei. Wir glaubten, so fügte er hinzu, zu unserm Vorgehen berechtigt zu sein. Als die Erregung entstand, handelten wir loyal, indem wir den Schiedsspruch des Bundesrates anriefen, der, gleichviel wie er ausfällt, keine Blamage bedeuten kann. Es war auch eine Gefähr­dung des konfessionellen Friedens, als seinerzeit der Pro­testantenverein eine auf das Lerzeitige Jesuitengesetz ab­zielende Bewegung einleitete. Ob wir mit dem Jesuiten­erlaß einen Bock geschaffen haben oder nicht, schloß Hertling seine Rede, auf der Jagd kommt eben alles Mögliche vor. Prinz Georg, der Sohn des Armeeinspekteurs Prinzen Leopold, will, obwohl die Ansichten des Grafen Törring bereits von berufener Seite zurückgewiesen seien, doch dazu Stellung nehmen. Der Prinz teilt die Anschauung^ der bayerischen Regierung und erachtet die Rückkehr der Jesu­iten für wünschenswert. Der Schlußpaffus der Torringschen Rede, daß er es für angezeigt erachte, den Schutz der Rerchs- regierung anzurufen, sei tief bedauerlich. Ein derartiges Wort sei in der bisherigen Geschichte des hohen Hauiey noch nicht verzeichnet. Reichsrat Schanz wiederum beurteilt den Jesuitenerlaß als einen großen taktischen Fehler und mißbilligt besonders die Erbschaftsauslegung, laut deren Hertling die Sache vom vorigen Ministerium übernommen

habe. Graf Crailsheim teilt mit dem Grafen Moy die Ansicht, daß die letzte Ausschußsitzung kein Mißtrauens­votum gegen die Regierung bedeutete, nur an einzelnen Punkten habe man Ausstellungen gemacht, HeËing selbst aber habe bloß um ein Minimum, nicht um ein Maximum von Vertrauen gebeten. Wie immer man über Len Ar­sprung und Fortbestand des Jesuitengesetzes denken möge, jedenfalls fordere die Art und Weise des Vorgehens der Regierung geradezu zur Krim heraus. Jedenfalls wäre es besser gewesen, vorher, nicht nachher eine Anfrage an den Bundesrat zu richten. Fürst Löwenstein, der bekannte Vorsitzende vieler Katholikentage, betont namentlich die wissenschaftliche Tätigkeit der Jesuiten. Ein gehässiges Ausnahmegesetz sollte nicht auch noch Lurch willkürliche Aus­legung verschärft werden. Der Münchener Erzbischof Bet­tinger bestreitet, daß viele katholische Geistliche der Rück­berufung der Jesuiten ablehnend gegenüberständen. Im ganzen deutschen Reiche dächten derart kaum zehn, die Bischöfe dagegen seien einstimmig für die Jesuiten. Der Minister des Innern Frhr. v. Soden entrüstete sich über den in Törrings Worten liegenden Vorgang. Des Schutzes der Reichsregierung bedürfe man um so weniger, 8a die eigene bayerische Regierung den Bundesrat angerufen habe. Soden schilderte dann anschaulich, welch ungeheure Ent­rüstung entstanden wäre, wenn man auf Grund des Weh- nerschen August-Erlastes etwa einen Jesuiten von der Kan­zel heruntergeholt hätte. Der Präsident des protestan­tischen Oberkonsistoriums, Bezzel, glaubt die wissenschaft­liche Tätigkeit der Jesuiten objektiv würdigen zu können und erkennt besonders Lie naturwissenschaftlichen Verdienste des Paters Wasmann an, aber er könnte die Namen hoch­stehender Katholiken, sogar die von Äarbinälen neunen, di« aus ihren Bedenken gegen die Jesuiten kein Hehl machten. Wenn Frhr. v. Hertling meine, für die Störung des kon­fessionellen Friedens sei kein Beweis erbracht, so stelle er dem das eine Wort Gegenreformation gegenüber, in das sich die keineswegs als Gespensterfurcht einzuschätzenden Befürch­tungen Ler Protestanten zusammenfassen ließen. Noch einmal sprach zum Schluß der Debatte v. Hertling und wies weit jene Mittel zurück, mit denen seinerzeit die Gegen­reformation durchgeführt worden sei. Heute könne es sich nur um einen geistigen Kampf handeln.

Im englischen Öberhause wurde das Andenken des Kaisers von Japan in ähnlicher Weise geehrt wie im Anter- Hause. Der Staatssekretär für Indien sagte, der Kaiser er­innere an einen anderen Souverän, den Leutschen Kaiser Wilhelm I., der wie Ler Kaiser von Japan, im Mittelpunkt großer Ereignisse bei der Entstehung einer neuen Ration war, doch gern die Anerkennung und den Beifall des Volkes den Staatsmännern und Feldherren überließ, die ihm bei der Vollbringung so großer Ereignisse halfen.

Der italienisch-türkische Krieg.

Die Darvanellenfahrt der italienischen Torpedoboote.

Rom, 31. Juli. DieAgenzia Stefani" veröffentlicht einen ausführlichen Bericht des Kapitäns Millo über die Dardanellenfahrt der fünf Torpedoboote, in dem es u. a. heißt: Am 18. Juli um 11^ Uhr nachts waren die Tor- peöoboote bei den Dardanellen und fuhren mit einer Ge­schwindigkeit von 12 Seemeilen in die Meerenge, während auf den beiden Eingangforts Elles Vurun und Kumkale Scheinwerfer in Tätigkeit waren. Wegen der starken Meeresströmung wurde die Geschwindigkeit auf 15 See­meilen erhöht. Der Scheinwerfer von Kumkale sah die italienische Flotte nicht, auch war sie dem Bereich der Schein­werfer von Kap Elles beinahe entkommen, als plötzlich das TorpedobootAftorra" von einem Lichtkegel mehrere Mi­nuten verfolgt wurde. Um XI Uhr nachts gab Kap Elles durch einen Kanonenschuß und eine Rakete ein Alarm­zeichen, das Lie Meerenge entlang durch Leuchtfignale weitergegeben wurde. Dem Alarmzeichen folgten mehrere Kanonenschüsse. Gleichwohl setzte Millo die Erkundungs­fahrt mit einer Geschwindigkeit von 20 Seemeilen fort, immer dicht an der europäischen Küste, um die ausgelegten Minen zu vermeiden. Das Feuer der Türken hatte aufge­hört aber die Leuchtsignale ließen vermuten, daß es sofort wieder ausgenommen werden würde, sobald Torpedoboote in den Schußbereich der anderen Batterien gekommen sein würden. Kapitän Millo stellte zahlreiche Scheinwerfer fest und sah sogar einen Mann einen Scheinwerfer bedienen und hörte das in einer Küstenbatterie gegebene Kommarüw, deren Schüsse Len Schornstein seines Torpedobootes an meh­reren Stellen durchlöcherten. DieSpica" war sodann, während sie jetzt mit 23 Meilen dem voranfabrenden Ge-