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Tinrückungsgebühr:

Hie «gespaltene Petttzelle oder deren Raum 20 Pfg. im ReklameteU die Zeile 50 Pfg.

Bezugspreis-

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckeret des verein, eo. Waisenhauses in Hanau.

Amtliches Organ für Stadt und Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer BeUage.

Vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60 W» str Post- bezug vierteljährlich 2.10 2R1, monatlich 70 Pfg.

Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: 6. Schrecker in Hanau

Nr. 174

Aernsprechanschlutz Nr. 230

Samstag den 27. Juli

Fernfprechanschlutz Nr. 230. "^""**"^"""ggg!!!ggS?,*l"W

1912

Dit Beusloe Wummer umfaßt Mn dm üntertialtunastilatt 14 Seiten.

Amtliches.

Stadtkreis Hanau. Bekanntmachung.

Auf Grund der Anweisung des Herrn Ministers für Handel und Gewerbe vom 20. November 1911, betreffend die Ausgabe von Quittungskarten in Gemäßheit der §§ 1413, 1415 und 1421 der Reichsversicherungs-Ordnung hat die Ausstellung und der Umtausch der Quittungskarten sowie die Erneuerung verlorener, unbrauchbar gewordener oder zerstörter Quittungskarten vom 1. Januar 1912 ab durch die Ortspolizeibehörden, in Gemeinden mit König­licher Polizeiverwaltung auch durch die Gemeindevorstände, zu erfolgen.

In Ausführung der vorstehenden Anweisung bringe ich nach Vereinbarung mit dem hiesigen Magistrat hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß vom 15. März d. Js. ab zwei Quittungskarten-Ausgabestellen bestehen und zwar:

1. Zm Kreishaus Polizeidirektion, Zimmer 4 für die Bewohner des gesamten Stadtbezirks rechts der Kinzig, einschließlich Keffelstadt; ferner auf dem lin­ken Kinzigufer für die Bewohner des Stadtbezirks, der abgegrenzt wird durch die Katharina Velgika- straße, Nußallee bis zur Vleichstraße. Sternstraße, Pa- radeplatz, Mühlstraße, Mühltorweg, Sandeldamm, Jahnstraße, Rhönstraße (verlängert) bis zur Kinzig.

2. Zm Rathaus städtische Polizeiverwaltung Lang- straße 41 für die Bewohner des übrigen Stadt­bezirks.

Zur Vermeidung von Irrtümern weise ich noch ausdrück­lich darauf hin, daß nach vorstehender Einteilung die nörd­lichen Häuserreihen der unter 1 bezeichneten Grenzstraßen zum Bezirk der Ausgabestelle im Kreishaus, die südlichen Häuserreihen zum Bezirk der Ausgabestelle im Rathaus ge­hören.

Als Gefchäftsstunden für die Ausgabe der Quittungs- karten im Kreishause bleiben wie bisher die Tagesstunden von 1012 Uhr vormittags und von 35 Uhr nachmittags bestehen. Im Rathaus werden die Quittungskarlen von 1012^ Uhr vormittags und von 35 Uhr nachmittags ausgegeben.

Hanau den 15. Februar 1912. P. 1690

Königliche Polizei-Direktion.

J. A.: Karbe.

Bekanntmachung

Nach den Bestimmungen der Reichsversicherungsordnung ist die Erneuerung erloschener Versicherungsverhältnisse durch freiwillige Weiterversicherung nur noch in beschränk­tem Umfange und zum Teil auch unter Erschwerung der Be­dingungen für die Wiedererlangung der Wartezeit möglich. Beispielsweise kann ein über 40 Jahre alter Handwerker, der seine früher bestandene, aber inzwischen erloschene In­validenversicherung wieder in Kraft setzen möchte, dies nur unter der Voraussetzung, daß er früher schon mindestens 500 Wochenbeiträge geleistet hat, und zur Wiedererlangung der Anwartschaft muß er außerdem nochmals 500 Marken ver­wenden. Nach dem jetzigen Rechte kann die Erneuerung einer erloschenen Versicherung ohne Rücksicht auf das Lebens­alter das Vorhandensein von Erwerbsfähigkeit voraus­gesetzt erfolgen, und die Anwartschaft aus der früheren Versicherung lebt ausnahmslos schon nach Leistung von 2 Wochenbeiträgen wieder auf.

Der Gesetzgeber hat nun, den gegenwärtigen Zuständen Rechnung tragend, im Artikel 74 des Einführungsgesetzes jur Nlnchsversicherungsordnung die Uebergangsbestimmung getroffen, daß noch bis zum 31. Dezember 1912 die bis­herigen milden Vorschriften über die Versicherungserneue­rung und das Wiederaufleben der Anwartschaft Anwendung zu finden haben. Es bietet sich also bis zum angegebenen Zeitpunkte noch Gelegenheit, erloschene Versicherungen unter den günstigen Bestimmungen des Jnvalidenversicherungs- gesetzes wieder ins Leben zu rufen. Hierauf seien insbe­sondere alle selbständigen Handwerker und Landwirte und deren Ehefrauen, die früher in versicherungspflichtigem Ar­beitsverhältnis gestanden und mindestens 100 Wochenbei­träge entrichtet haben, aufmerksam gemacht. Durch frei­willige Verwendung von wenigstens 200 Marken der nie­drigsten Lohnklasie wird nicht nur wie bisher, die Anwart- ichaft auf Invaliden- oder Krankenrente. sondern auch auf

die neue Hinterbliebenenfürsorge (Witwen- und Waisen­rente) erworben. Sind beide Eheleute versichert, so wird ferner Anwartschaft auf Witwengeld und Waisenaussteuer erworben. Außerdem übernimmt die Landesversicherungs­anstalt die Kosten der Heilbehandlung ihrer regelmäßig Versicherten, wenn dadurch Wiederherstellung der Gesund­heit zu erwarten steht. Wenn die Anwartschaft durch Lei­stung von 200 Wochenbeiträgen (mithin in knapp 4 Jahren) wieder aufgelebt ist, genügt es zur Aufrechterhaltung der Versicherung sogar, daß alljährlich mindestens 10 Marken zur Verwendung kommen. Ratsam ist es allerdings auch dann, regelmäßig für jede Woche eine Marke zu verwenden.

Wer eine erloschene Versicherung erneuern will, muß seine letzte Karte oder letzte Aufrechnungsbescheinigung bei den Quittungskartenausgabestellen mit dem Anträge vor­legen, eine neue gelbe Quittungskarte (Formular A) aus­gefertigt zu erhalten. Die neue Karte bekommt die auf die bisherige Kartenzahl folgende Nummer.

Easfel den 5. Dezember 1911.

Der Vorstand

der Landesversicherungsanstalt Heffen-Naffau.

Frhr. Riedesel, Landeshauptmann.

Wird hiermit zur Kenntnis gebracht.

Hanau den 26. Juli 1912. 18741

Der Magistrat.

J. A.: Bartmuß.

Bekanntmachung.

Arbeitsuchende: 3 Arbeiter (landw.), 1 Bureaugehilfe, 2 Dienstmädchen, 4 Fabrikarbeiter, 1 Fahrbursche, 1 Gold- arbeiter, 3 Hausburschen, 1 Monatsfrau, 1 Poliseuse, 1 Schlosser, 3 Schreiner, 2 Schuhmacher, 5 Tagelöhner, 1 Weißbinder.

Offene Stellen. Es werden gesucht: 2 Arbeiter (landw.), 1 Dienstmädchen, 1 Hausbursche, 2 Silber­schleifer, 1 Spengler und Installateur, 1 Schuhmacher, 2 Tagelöhner, 3 Weißbinder.

Hanau den 27. Juli 1912. 18709

Städtische Arbeitsvermittelungsstelle.

Politische Rundschau.

Zmmer noch Flottendebatten im englischen Unterhause. Nach der bereits mitgeteilten Rede des englischen Premier­ministers Asquith kam die Flottendebatte im englischen Unterhause noch nicht zum Schweigen. Der konservative Führer Bonar Law geriet noch einmal in das Fahrwasser der Brandrede Churchills und sprach vom deutsch-englischen Krieg als von einer Möglichkeit, der man fest ins Auge sehen müffe. Das ist sicher die Stimmung, die drüben alle beherrscht und die- sich ja wie ein roter Faden durch diese ganzen Flottendebatten des Unterhauses zieht. Daß hin und wieder ein versöhnlicher Ton einfließt, ändert daran nichts. Nach Bonar Laws deutlicher Rede fühlte der Staatssekretär des Aeußern Sir Edward Erey offenbar das Bedürfnis, etwas abzumildern, und so versicherte er denn wiederholt, daß England jede aggressive Absicht fernliege. Auch die Möglich­keit einer Verständigung über die Rüstungen deutete er an, wenn er auch so vernünftig war, die Diskussion über eine Deutschland zumutende Abrüstung abzulehnen.

Zn einer Besprechung des russischen Vorgehens gegen die Schahsewennen in Persien erklärt die offiziöseResfija": Die Operationen gegen die Schahsewennen entbehren jeder politischen Färbung. Sie seien lediglich eine Expedition, hervorgerufen durch die russischen örtlichen Jntereffen, die einen aktiven Schutz erheischten. Es wäre falsch, anzunehmen, daß Rußland, indem es die Schahsewenen bekämpfe, für die ihr angeblich feindlich gesinnte persische Regierung kämpfe. Die Schahsewennen seien keine politische Partei, sondern ein wildes nomadisierendes Räubervolk, das in der nächsten Nähe der russischen Grenze lebe. Daher sei es notwendig, den Raubüberfällen dieses Volkes ein Ende zu machen. Da Persien machtlos sei, dies zu tun, so sei Rußland gezwungen, diese Aufgabe zu übernehmen.

Ueber das Befinden des Kaisers von Japan wur^e Donnerstag abend kein Bulletin ausgegeben, was als schlimmes Zeichen angesehen wird. .

Die hartnäckige chinesische Nationalversammlung. -Dte Nationalversammlung in Peking hat die Abstimmung über die Ministerliste abermals verschoben. Zahlreiche schaften und Parteien haben die Nationalvei jammlung tele­graphisch vor den gefährlichen Folgen einer Obstruktion ge­warnt. In Versammlungen von Polizei- und Militarver- einen wurden Resolutionen angenommen, die ^uanschilai

Unterstützung versprechen und die zur Militärdiktatur auf« fordern, falls die Obstruktion der Versammlung fortdauere.

Die Pest an Bord. In Triest sind zwei Matrosen bei SlopbbampferlAmphitrite", der seit längerer Zeit vor dem Arsenal ankert, unter Pestverdacht in das Seuchen-Krankeu- Haus gebracht worden, wo durch die bakteriologisch« Unter­suchung tatsächlich festgestellt wurde, daß Buboneu-Deft vor­liege. Auch wurden zahlreiche Rattenkadaver gefunden. Das Schiff wurde zur Quarantänestation geschafft.

Die Krise in der Türkei.

Wie schon berichtet, geriet die türkische Kammer Lurch das Verlangen der Militärliga, sich binnen 48 Stunden auf- zulösen, in die größte Erregung. Es liegt darüber noch folgende ausführliche Meldung vor:

Die Verlesung des Ultimatums der Militärliga rief in der türkischen Kammer eine stürmische Debatte hervor. Der Vorsitzende der jungtürkischen Partei erklärte: Die Kammer wird bis zum letzten Atemzuge bleiben, denn sie ist der wahre Träger der öffentlichen Meinung und ge­horcht nur ihrem Gewissen. Wir weisen den Vergleich mit einem Theater zurück. Der im Namen der Liga abgesandte Brief berührt nicht die ganze Armee. In dem Augenblick, wo der Feind bis vor die Tore der Stadt kommt, sollte die Armee ihre Waffen gegen den Feind, der von aufjeu kommt, und nicht gegen die Abgeordneten gebrauchen. Omer Nadji rief in lebhafter Erregung aus: Die Kammer fürchtet den Tod nicht. Bis jetzt hat noch kein türkischer Offizier die Feigheit begangen, einen anonymen Brief abzuschicken. Wir werden siegen oder sterben. (Frenetischer Beifall. Rufe: Wir werden alle sterben.) Mchrere Abge­ordnete verlangten, daß der Kriegsminister sofort er­scheine. Die Armenier Haladjin, Vartakech und Zohrab sprachen von den Offizeren der Liga als von Verbrechern und elenden Feiglingen, die nicht die Ehre der ganzen Armee beschmutzen könnten. Schließlich nahm die Kammer eine Resolution an, in der sie den Großwefir und den Kriegsminister aufforderte, sofort zu erscheinen und Er­klärungen abzugeben, unL erklärte sich dann in Per­manenz.

Der türkische Kriegsminister hat Lem Verlangen der Kammer Folge geleistet und die Erklärung abgegeben, daß er die schuldigen Offiziere bestrafen werde. Die Kammer er­klärte sich durch dieses Versprechen für befriedigt.

Wer ist die Militärliga? ^

Die türkische Militärliga ist, trotz des Erfolges ihrer Taten, bisher ganz im Dunkeln geblieben. Man weiß des­halb auch nicht recht, wer hinter dem Ultimatum an die tür­kische Kammer steckt. Nach einer Meldung aus Konstanti­nopel erklären dortige eingeweihte Kreise, man dürfe die wirkliche Militärliga, die den Sturz des Kabinetts Said Pascha herbeiführte, und die den NamenMuhafazaivaton", d. h. Verteidigung des Vaterlandes trägt, nicht verwechseln mit der OffiziersgruppeHalaskiaran", d. h. Errettern, welche die bekannte Proklamation in den Blättern veröffent­licht hat und die die Absendung des Briefes, in dem die Auflösung der Kammer binnen achtundvierzig Stunden ver­langt wird, an den Präsidenten der Kammer veranlaßte. Demnach bestehen also zwei Offiziersverbände, und es hat nach der obigen Erklärung fast den Anschein, als ob die wirkliche" Militärliga mit der anderen nichts zu tun haben wolle. Jedenfalls kann die Verwirrung im türkischen Offi­zierskorps kaum noch größer werden.

Der Vormarsch der Aufständischen in Albanien.

Wie aus Saloniki gemeldet wird, ist Lie Lage in Prifch- tina und Djakova andauernd ernst. Die Führer der 8Üf= ständischen erhalten täglich Verstärkungen. Ganz ^lord- koffowo ist an der Bewegung beteiligt. Ueber die Besitzer­greifung von Prischtina liegt folgende Meldung vor:

Bei dem Einmarsch in Prischtina waren die Aufstau» dischen etwa 10 000 Mann stark. Der Gendarmeriekom­mandant schloß sich den Aufständischen an. Die Aufstän­dischen ließen 461 Häftlinge frei und bewaffneten sie. Die Aufständischen bemächtigten sich der Waffendepots, be­waffneten die Bevölkerung und brachen in der Richtung gegen Verisowitsch auf, in der Absicht, den Marsch nach Uesküb fortzusetzen, wo eine Panik herrschen soll. Aus allen Richtungen ziehen bewaffnete Truppen nach Prisch- tina.

Die Versuche hervorragender Mitglieder des jungtür­kischen Komitees, in Saloniki Protestversammlungen gegen die Forderung der Auflösung der Kammer zu veranstalte«, find gescheitert. Die Albaner fordern die Auflösung der Kammer.