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Einrückungsgebührr

Die Saefpaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. im Rellameteil die Zeile SO Pfg.

Notation sdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, eo. Waisenhauses in Hanau.

General-Allzeiger

Amtliches Organ für SIM null Landkreis Hanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Vierteljährlich 1.80 Mk.. monatlich KO Pfg.» für Post­bezug vierteWhrttch 2.10 Mk., monatlich 70 Pfg.

Die einzelne Nummer kostet 6 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: E. Schreck« in Hamm.

$£ 173 AernsPrechansÄlittz Nr. 230.

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Amtliches.

Eandkreis lianau.

Der Bürgermeister Friedrich Wilhelm Adolf Wenzel in ©tonen ist auf eine fernere 8jährige Wahlperiode als Bür­germeister gewählt und bestätigt worden. Hanau den 22. Juli 1912. A. 2272

Der Königliche Landrat.

Frhr. Laur.

Dienstnachrichten.

In Hörstein und Dettingen ist die Maul- und Klauen­seuche erloschen. Die angeordneten Schutzmaßregeln find auf­gehoben worden und der Amtsbezirk nunmehr seuchenfrei.

Hanau den 25. Juli 1912. V. 4401

Bekanntmachung

Es wird hierdurch bekannt gemacht, daß nach der Generalversammlung vom 18. Juni 1912 der Auffichts- rat der Mitteldeutschen Hartstein-Jndustrie Aktiengesell­schaft, deren Centrale sich jetzt in Frankfurt a. M., Taunusanlage 1, befindet, nunmehr aus folgenden Herren besteht:

1. Bergingenieur Friedrich Rousselle, Hanau a.M.

Vorsitzender,

2. Königl. Kommerzienrat Max Abel, Berlin, stell­vertretender Vorsitzender,

3. Wilhelm Rousselle, Klein-Steinheim,

4. Direktor Karl Weber, Würzburg,

5. Ludwig Ruß, Charlottenburg,

6. F reiherr von Nordeck zur Rabenau, Darm­stadt,

7. Direktor Adolf Stein, Schweinfurt,

8. Bergwerksbesitzer Otto Stein, Kirchen a. Sieg,

9. Bürgermeister Griebel, Römhild.

Die Direktion besteht aus den Herren:

Udo Rousselle, Hanau a. M., Generaldirektor,

Quirin Mayer, Bischofsheim v. d. Rhön, Direktor, Wilhelm Dietrich, Hanau a. M., Direktor.

Steinau, Kreis Schlüchtern, den 19. Juli 1912.

Königliches Amtsgericht. 18637

{gefundene und netlorene kemMe m.

Gefunden: 1 Messingkurbel von einem Automobil, 1 Hunheleine.

Verloren: 1 Perlentäschchen mit Inhalt (am Main), 1 Hundepeitsche, 1 schwarzer Sammetgürtel mit oxidierter Schnalle.

Hanau den 26. Juli 1912.

Fano.

Ein italienisches Sommerbild von Hedwig Jahn.

(Nachdruck verboten.)

Ich war einmal von Mitte August bis Ende September in Fano, dem kleinen interessanten Städtchen am Adria­tischen Meere zwischen Rimini und Ancona, das ein nicht allzu bekanntes und daher sehr angenehmes Seebad ist. Es wird ausschließlich von Italienern besucht, und ich glaube, eines Engländers Fuß hat es noch nie betreten. Um die italienische Sprache gründlich praktisch zu lernen, bietet es eine vortreffliche Gelegenheit, da man nie ein deutsches Wort dort vernimmt. Man muß Italienisch reden, mag man wollen oder nicht.

Die Lage Fanos ist sehr anmutig, denn freundliche Hügel bilden den Hintergrund und das weite Meer mit seinem breiten weichen Sandstrande, auf dem es sich so behaglich ruht nach dem Baden, ist ein herrlicher Aufent­halt. Besonders morgens vor den schattengebenden Bade­hütten, in denen vor und nach dem Baden Toilette gemacht wird, und wo man stundenlang mit leichter Handarbeit sitzen und die erfrischende Seelust einatmen kann. Die jungen Mädchen haben auch alle eine Häkel- oder Strick­arbeit in der Hand, die allerdings nicht sehr rasch vorwärts kommt aber die Dinge werden ja auch erst zu Weih­nachten gebraucht, bei der Bescherung für die Fischerkinder von Fano Ein allerliebster Anblick war es, nach dem Bode die Kinder auf dem Sande umherlaufen und spielen zu sehen in ihren weißen Dademäntelchen, die Kapuzen über den K öpfen. Kuchenfrauen wanderten am Strande umher stachen Körben und fanden guten Absatz bei groß und klein.

Abends ist es wieder köstlich am Strande; man ver­sammelt pef) aus der großen Plattform des weit ins Meer h.nusge bauten Steges, wo man aus einer kleinen Restau-

Frcitag den 26. Juli

Politische Rundschau.

Der neue Gouverneur non' Ostafrika, Dr. Schnee, ist in Daressalam eingetroffen und hat die Geschäfte des Kaiser­lichen Gouvernements übernommen.

Reue Forderungen zur Unterstützung der Veteranen sind nach derBraunschw. Ldsztg." im Voranschlag des Reichs- .tagsetats von 1913 und 1914 eingestellt. Unabhängig davon finden auf Veranlassung des Kaisers z. Zt. Erhebungen statt über eine durchgreifende Umwandlung der bisherigen Reichsveteranenfürsorge.

Kinematographen-Zensur. Um die Zensur der kinema- tographischen Vorführungen wirksamer zu gestalten und gleichzeitig die Ortspolizeibehörden bei der Ausübung der Zensur zu entlasten und zu unterstützen, erscheint deren wei­tergehende Zentralisierung erforderlich. Ein minffterielles Nuntwerfügen bestimmt daher, daß die Ortspolizeibehörden anzuweisen sind, dem Polizeipräsidenten in Berlin in Zu­kunft von den Lichtbilderfilms, welche ihnen im Jpinblicf auf öffentliche Vorführung vorgelegt werden, Mitteilung zu machen, falls diese Films von dem Polizeipräsidenten in Berlin noch nicht geprüft worden sind, oder aber seitens Ler mitteilenden Ortspolizeibehörde eine Beurteilung erfahren, die von der Berliner Zensur abweicht. Dies gilt sowohl für Films, die in Berlin zugelassen, dagegen an andern Orten verboten werden, als auch für solche, deren Vorführung un­geachtet des Berliner Verbots an andern Orten gestattet! wird. Wenn die Beurteilung der Ortspolizeibehörden von der Berliner Zensur nur zum Teil abweicht, z. B. in bezug auf die Frage, ob 8er Film sich nur zur Vorführung vor Erwachsenen oder auch vor Kindern eignet, oder in bezug auf einzelne Filmteile, so wird es dem Ermeßen der Orts­polizeibehörden überlaßen, ob sie nach Lage des Einzelfalls eine Mitteilung für erforderlich oder angezeigt erachten.

Der Mitschuldige in der SpionageaffSre des Hauptmanns v. Kostenntsch, Nikolski, ist von Düsseldorf aus ebenfalls nad) Leipzig üöergefiHrt und in das Untersuchungsgefängnis an der Moltkestraße eingeliefert worden.

Ein eigenartiger Spionagefall beschäftigt die Berliner Kriminalpolizei. In Worms war kürzlich ein Soldat des 118. Infanterieregiments namens Pfeiler aus Berlin unter dem Verdachte des Verrats militärischer Geheimniße ver­haftet worden. Ein Hausdiener hatte ihn angezeigt, daß er in einem Hotel mehrfach mit einem Franzosen zusammen­gekommen sei und ihm dort Schriftstücke übergeben habe. Der Hausdiener bezeichnete vor versammelter Mannschaft den Soldaten als die Person, die er im Hotel gesehen hatte. Der Soldat wurde verhaftet. Er hat bis jetzt noch kein Ge­ständnis abgelegt. Er behauptet, homosexuell zu sein und aus diesem Grunde mit dem Franzosen eine Bekanntschaft ge­schloßen zu haben.

ration Kaffee, Eis und dergleichen haben kann und wo man den Sonnenuntergang sozusagen indirekt genießt, denn die Sonne geht hinter dem Vorgebirge von Rimini unter, und man sieht nur ihren Reflex auf den schimmernden Wellen und vor allem in den bunten Segeln der Paranzen, wie man die großen Fischerboote nennt, die in stattlicher Reihenfolge abends heimkehren. Sie bieten einen märchen­haft schönen Anblick dar mit den riesigen Segeln, deren goldbraune und orangene Farbe, von der Glut des Abend- Himmels durchleuchtet, in orientalischer Pracht strahlen. Man kann sich nicht losreißen von dem zauberhaften Bilde, das ganz langsam, nach und nach, sich in die stillen bläu­lichen Farben des Abends verwandelt.

Es lebt in Fano eine merkwürdige Aristokratie. Da sind uralte Paläste, in denen der Herzog von Monteveccchio, die Grafen Vorgogelli und andere residieren; manche nur zur Sommerszeit, aber viele auch ständig. Vielleicht spielen materielle Gründe hierbei mit, denn für bescheidene Mittel kann man hier eine große Rolle spielen. Man sieht einige wirklich vornehme Karoßen, mit Dienerschaft in altmodischer Livree; aber die Familien besitzen auch eigentümliche, ganz kleine zweiräderige Wägelchen, mit denen sie in Windes­eile über die gut gehaltenen Straßen nach dem Strande hin- unterfahren, oder ins Land hinein, auf ihre sogenannten Campagnen, ihre kleinen Landgüter, die von einem Ver­walter bewirtschaftet werden.

Auf einer solchen waren wir einmal eingeladen, und da der Weg weit und breit staubig war, so wurden wir mit solchen kleinen Fuhrwerken abgeholt und abends wieder nach Fano zurückbefördert. Diese staubigen Landstraßen sind die Schattenseite eines solchen Sommeraufenthaltes. Die Bäume sind grau und vertrocknet; überall am Wegrande wachsen Brombeeren aber man kann sie vor Staub n^ait essen. Den wäscht kein Wasser herunter, denn das himmlische Naß hat ihnen zu lange gefehlt.

Draußen auf der Campagpa aber war es frisch und

Fern!precha»kchk»tz Nr. 230. 1912

Das Befinden des Kaisers von Japan. Ueber Las Befin­den des Kaisers von Japan hat die Berliner japanische Bot­schaft folgendes Telegramm aus Tokio erhalten, das gestern abend um 7 Uhr dort abgegangen ist:Schlaf unruhig, Tem­peratur 37% Grad, Puls 88, unregelmäßig, aber ziemlich stark und voll, wenn auch schwächer als Tags zuvor. Zunge trocken, wie am Tage zuvor. Vauchfchwellung geringer als vorher. Mattheit etwas größer. Eiwsis und Zucker gegen die vorhergsgangenen Tage etwas weniger. Aufnahme flüssiger Nahrung 1840 Gramm, Urinmenge 1173 Gramm". Unterzeichnet ist Las Bulletin von den Leibärzten des Mi­kado, die glei^sitig Professuren an der Unioerfität Tokio bekleiden und sämtlich aus der deutschen Schule heroorge- gangen sind. Der Zustand des Kaisers wird im Palais zu Tokio als sehr ernst angesehen. Vorgestern abend 1L30 Uhr wurde folgendes Bulletin ausgegeben: Die Temperatur beträgt 38,2, Puls 105, sehr unregelmäßig, Atmung 37, weniger ruhig. Der Kaiser ist heute erschöpfter, seine Kräfte sind gesunken, das Allgemeinbefinden ist unbefriedigend.

Ein Besuch schwedischer Journalisten in Deutschland. Ja Erwiderung des Besuches, den vor zwei Jahre« eine An­zahl deutscher Journalisten auf Einladung der schwedischen Preße in Schweden abgestattet haben, werden Anfang Sep­tember Vertreter der schwedischen Presse in Deutschland ein­treffen und nach mehrtägigem Zkffenchalt in Berlin, auch Dresden, Leipzig, Bremen, Hamburg unb Lübeck besuchen. Zwischen dem Aufenthalt in Leipzig und Bremen findet auf Grund einer besonderen Einladung ein Besuch der Krupp­schen Werke in Eßen statt.

Die Angst vor dem V-Pulver. Der französische Marine- minister Delcaße hat angeordnet, daß Sie Schießübungen, die das Mittelmeergeschwader am Schluß der Manöver vom 30. Juli bis 3. August vornehmen sollte, zu unterbleibe« haben. Der Grund dieser Verfügung soll dattn zu suchen sein, daß infolge der Gutachten über die Katastrophe des Panzer­kreuzersJules Michele" Bedenken beMglich der Pulver­vorräte der Kriegsschiffe aufgetaucht seien.

Lord Churchill als Herr der Lage. Wie schon ge­meldet, kam bei der Abstimmung über die englischen Flotten­forderungen die Marinedebatte im Unterlaufe nochmals in Fluß. Es ist bezeichnend, daß sich der Marineminister Churchill dabei m der Hauptsache gegen die Bedenken konser­vativer Redner wenden mußte, daß mit dem diesjährigen Nachtragsetat von annähernd einer Million Pfund noch nicht genug zur Abwehr der vermeintlichen deutschen Gefahr getan sei. Diese Bedenken nährten sich ganz naturgemäß von her düsteren und pessimistischen Schilderung, die Churchill selbst von der gefährdeten Lage Englands entworfen batte. So rächte sich die üble und unverantwortliche Stimmungsmache, die der englische Mariueminifter getrieben hatte, und so wurde sie glänzend durch ihre eigenen Auswüchse widerlegt

lustig. Wir wurden auf dem Platz hinter dem Hause er­wartet, dessen Boden so glatt war, wie ein schönes Parkett. Man sah in gut gehaltene Ställe hinein, und vor uns lag der große Garten mit allerlei Obstbäumen, schmalen Mais- fesdern, die mit RebenspaKeren abwechsetten, an denen grüne und blaue Trauben in üppigster Fülle hingen. Ein langer Tisch war auf dem Hofe gedeckt. Große Blumen- sträuße standen darauf, eine Riesentorte und hohe Schale« mit Weintrauben, Nüßen und Feigen. Dazu wundervoll schmeckendes dunkelbräunliches Brot, das mit den frischen Nüßen zusammen gegeßen wurde, während man süßen Wein dazu trank. Dieser mußte mit Vorsicht genossen werden, da er leicht berauschen soll. Als der fdjöne Kuchen präsen­tiert wurde, nahm man nur aus Höflichkett ein Stückchen, denn das einfache Brot war ein viel größerer Genuß und ein viel eigenartigerer. Wir pflügten uns dazu Ae Feigen selbst vom Baum, und Nektar und Ambrosia sann den un­sterblichen Göttern auch nicht besser gemundet haben. Nach einem Rundgang durch Haus und Wirtschaftsräume ging es dann bei sinkender Sonne nach Fano zurück.

So gab es im kleinen Fano manche Abwechselung, die man noch erhöhen konnte durch Ausflüge in die benachbarten Küstenorte, besonders nach Rimini, das sich vor Fano durch größere Eleganz auszeichnet, aber zum längeren Aufent­halt nicht so gemütlich sein soll.

Wir waren vortrefflich untergebracht im Hause eines alten Ehepaares. Den Mann sah man nie, aber die Frau sorgte prächtig für uns, und ihr Heim war erst kürzlich neu eingerichtet und von tadelloser Sauberkeit. Wenn wir morgens noch so früh aufstanden, so war sie schon immer vom Markt zurückgekehrt, den großen, runden Korb mit frischestem Obst und Gemüse gefüllt. Ein paar Hühn« waren auch oft dabei, die den Tag über, im Garten ange­bunden, ein trübseliges Leben führten und abends verspeist wurden. Sie kochte vortrefflich, die gute Adelaide (Las ai wie bei Leiden ausgesprochen) und bereitete nach der