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Eknrückoag-geVShr;

VK ögespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Psg. im RellameteU die Zeile 50 Pfg.

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein. eo. Waisenhauses in Hanau.

Gentral-Aszeiger

Amtliches Organ für Stadt- and Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Bezugspreis:

Vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg., für Post- bezug vierteljährlich 210 Mk^ monatlich 70 Pfg.

Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: E. Schrecker in Hana«.

Nr. 170

Zyernsprechnnschltch Nr. 230.

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Dienstag den 23. Juli

F-ernsprechanschluK Nr. 230

1912

Amtliches.

Iagdverordnung.

Für den Umfang des Land- und Stadtkreises Hanau wird für das Jahr 1912 auf Grund der §§ 39 und 40 der Jagdordnung vom 15. Juli 1907 die Eröffnung der Jagd auf Fasanen auf

Mittwoch den 11. September festgesetzt.

Tassel den 21. Juni 1912. V 4267

(L. S.) Bezirksausschuß zu Castel.

Graf von Bernstorff.

Landkreis Hanau.

An die OrtspolizeibehörSen des Kreises.

Nachdem die Postanftalten Ende Juni d. I. den Verkauf der Beitragsmarken zur Invalidenversicherung eingestellt haben, werden die Marken von der Landes-Versicherungs­anstalt Hessen-Nassau selbst ausgegeben werden.

Die Anträge auf Ueberlassung von Marken find unter Einsendung des Nennwertes an die Provinzial-Hauptkaste für Hessen-Nassau in Castel zu stellen.

Die Uebersendung erfolgt bei Beträgen unter 10 Mark mittels einfachen unfrankierten Briefes, bei Beträgen da­rüber hinaus in eingeschriebenen unfrankierten Briefen.

Ich ersuche für möglichst weite Verbreitung 8er vor­stehenden Anordnung Sorge zu tragen.

Hanau den 20. Juli 1912. J. 910

Das Verficherungsamt für den Landkreis Hanau.

I. V.: Karbe.

Stadtkreis Hanau. Ausschreibung.

Wir weisen darauf hin, daß alle im Schloßgarten ge­fundenen Gegenstände an den Kastellan Brecht (Stadt­schloß, Fiirstenbau, Eingang 3) oder cm die Armenverwal­tung, in der Langstraße Nr. 43, abzugeben sind.

Gegenstände, die auf den Friedhöfen gefunden werden, find an den Friedhofsaufseher Mull oder ebenfalls an die Armenverwaltung abzugeben.

Hanau den 10. Juli 1912. 18291

Der Magistrat. Glaser.

Zwangsversteigerung.

Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in Hanau belegene, im Grundbuche von Hanau Band 18 Artikel

Götz oon Mengen. (Zu seinem 350jährigen Todestage am 23. Juli.)

Von Willi Dünwald.

Du hast im Leben jede Zier, Die Helden ehrt, errungen, Doch ist der Taten höchste dir Im Tode erst gelungen.

Du hast den größten Dichtergeist Des deutschen Volks entzündet, Und wo man Goethes Namen preist, Wird deiner auch verkündet!

Dies sprach Friedrich Hebbel. Und es ist wahr, die Namen Goethe und Götz von Verlichingen sind nicht zu trennen. War er es doch, der den mittelalterlichen Ritter aus der Vergessenheit herausriß, und ihn zu einem Helden machte, den heute jedes Kind kennt; denn auch die Namen und die Taten rühmlicher Männer verblaffen, wenn Dichtergeist ihnen nicht ewigen Glanz gibt. Aber Goethe tat an Ver- lichingen noch mehr. Er stellte den guten Ruf dieses Ritters wieder her; er reinigte ihn von dem Verdacht, ein skrupel­loser Raubritter gewesen zu sein; er wusch den Ehrenschild dieses Tapfern > nd Aufrechten wieder rein. Zwar hatte Götz durch eine^ S^ohem Alter geschriebene Selbstbiographie dies . Diese Aufzeichnungen sollen heute dazu dienet blichen Lebenslauf des Ritters herauszu­lesen, der itiTh fy(f)em abweicht von der Goetheschen Gestal­tung, welche Veränderung die dichterische Freiheit erlaubte und das Dramatische bebingte.

Götzens Erdentage fielen in jene Zeit, in der das alte heilige Deutsche Reich am Abwirtschaften war. Geld- und Bildungsmächte brachen den Ritterfeudalismus, und es kam selbstverständlich auch eine andere Rechtsanschauung zum Ausdruck. Hub weil nicht angehaucht vom Atem einer ueuen Zeit, konnte der das Recht von gestern gewohnte

1074 in Abteilung I unter Nr. 168 zur Zeit der Ein­tragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Architekten Friedrich Keunecke, Christophs Sohn, zu Hanau jc$t wohnhaft in Heigenbrücken, eingetragene Grundstück:

Hanau, Kartenblatt H H, Parzelle Nr. 163/55b, Blücherstraße Nr. 16 und 18, Wohnhaus mit Hofraum, Nebengebäude (A) = 6 ar 56 qm eingetragen in der Gebäudesteuerrolle unter 2204 mit einem Nutzungswert von 1200 Mk. und in der Erundsteuermutterrolle unter Artikel Nr. 1951

am 4. Oktober 1912, vormittags 10 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht an der Gerichtsstelle Nußallee Nr. 17, Zimmer Nr. 13. versteigert werden.

Hanau den 18. Juli 1912. 18397

Königliches Amtsgericht 2.

Politische Rundschau.

Staatliche Arbeiterfürsorge. ImReichsanzeiger" ist das Gesetz über die Bewilligung von Staatsmitteln zur Verbesserung der Wohnungsverhältniste von in staatlichen Betrieben beschäftigten Arbeitern und geringbesoldeten Be­amten in Preußen veröffentlicht. Durch dieses Gesetz wer­den für den genannten Zweck wieder 14 Millionen Mark flüssig gemacht. Es ist das 14. Gesetz seiner Art. Dom Jahre 1895 ab ist fast in jedem Jahre, nur nicht in den Jahren 1896,1897, 1901 und 1908, ein Gesetz erlassen, das der Beste- rung derF^'hnungsverhältnisse der staatlichen Arbeiter und Beamten gewidmet war. In 8en ersten 13 Gesetzen waren insgesamt 144 Millionen Mark bewilligt worden. Der preußische Staat hat für die Besserung der Wohnungsver­hältniste jetzt also bereits 158 Millionen Mark hergegeben. Diese Mittel werden für die Bereiche der Eisenbahnver­waltung, der Bauverwaltung, der Bergverwaltung und 8er Verwaltung des Innern verwendet. Es werden staats­eigene Wohnungen hergestellt, es werden Baudarlehen auf Grundstücke von Vaugesellschaften zur Herstellung von Mietstoohnungen gewährt, es werden kleine Darlehen zur Herstellung von Eigenhäusern hergegeben, es werden Erb­baurechte beliehen, es werden Grundstücke beliehen, die in das Eigentum einzelner übergehen, aber durch Bestellung eines Wiederkaufrechts der Spekulation entzogen werden, und es werden schließlich Rentengüter kleinsten Umfanges (Zwergrentengüter) beliehen. Es ist selbstverständlich, daß auf den Bereich der Eisenbahnverwaltung der größte Teil der bisher bewilligten Summen entfallen ist. Bis zum 1. Oktober 1911 hatte diese Verwaltung 88,2 Millionen Mark in Anspruch genommen, die Bauverwaltung 1,5 Mil­

RitteraLel sich nicht in das Recht von heute eingewöhnen. Es war aber nicht nur eine Akklimatisationsfrage einer Anschauung, sondern die Ritter kämpften um ihre bloße Existenz. Einstmals führender Stand, fühlten sie sich jetzt mehr und mehr in die Rumpelkammer gedrängt. Sie ver­armten, weil die neue Wirtschaftskonjunktur nicht mit ihnen rechnete und auch nicht rechnen konnte. Hub selbst im Kriege, ihrem eigentlichen Beruf, waren sie entbehrlich ge­worden. Kam es doch nicht mehr auf die persönliche Tapfer­keit und auf den guten Hieb an; die Feuerwaffen entschie­den in der Schlacht. Ihre Zeit war in jeder Beziehung vorbei. Umlernen konnten sie nicht, und so taten sie, was ihnen zu tun verblieb: sie bekämpften aus Selbsterhaltungs­trieb die neue Kultur. Und zwar standesgemäß: durch die Fehde. Aber diese einst hochgewertete ritterliche Tätigkeit stand im neuen Gesetz als unerlaubt verzeichnet.

Was Götz persönlich von dieser Wechselzeit erfahren sollte, geht aus seinem Lebenslauf hervor, der nun folgen soll. Er wurde geboren im Jahre 1480 auf der Burg Jagst­hausen. Er erhält einige Ausbildung und wird sodann Knappe bei einem Onkel, Vasall des Markgrafen von Hohenzollern, mit dem er auf die Reichstage reitet. Nach­dem sein Onkel und Erzieher gestorben, wird er Edelknappe am hohenzollerischen Hofe zu Ansbach.' Als solcher nimmt er an Kriegszügen gegen Frankreich, Welsch-Burgund und Welsch-Brabant teil. Als Neunzehnjähriger zieht er als hohenzollerischer Fahnenjunker mit in den Schweizerkrieg, worin seine Kampflust ihn so toben ließ, daß ihm das Pferd unter dem Leibe fortgeschosten wurde. Die Lehrjahre enden, und aus dem Rittersbub wird ein Rittersmann.

Als solcher entscheidet er 1502 die Schlacht bei Nürnberg in einem Angriff seines Markgrafen g. en diese Stadt. Seine Kühnheit verwandelte die bevorstehende Niederlage der Seinen zu einem Siege. Viele Fehderitte liegen zwi­schen diesem Tage und jenem, da Götz seine rechte Hand verlor, was gleichsam eine Quittung bet Nürnberger für

lionen, die Bergverwaltung 24,3 Millionen und die Der« waltung des Innern 27,5 Millionen Mark.

Oberschirrmeister in der Armee. Durch Allerhöchste Kabi­nettsorder vom 29. Juni 1912 ist bestimmt worden, daß die Schirrmeister des Artillerie- und Waffenwesens, der Train- Depots, Pionier-Bataillone und Verkehrstruppen sowie die Brieftauben-Schirrmeister nach einer Dienstzeit von zehn Jahren als Schirrmeister zuOberschirrmeistern" ernannt werden können.

Der Kaiser von Japan in den letzten Zügen. Aus Tokio wird berichtet: Die Kaiserin hat die ganze Nacht am Lager des Mikado zugebracht. Auch die Prinzessin Pasu, die jüngste Tochter des Kaisers, verweilte tief niederge­schlagen im Palast. Die Krankheit des Kaisers hat einen sehr schlimmen Charakter angenommen und hat so rasche Fortschritte gemacht, weil sich der Kaiser geweigert hat, die Hilfe von Spezialärzten in Anspruch zu nehmen. Die Nacht war sehr unruhig. Der Patient hatte keinen Augen­blick Ruhe. Krämpfe und andere schwere Symptome stellten sich ein. Da nach^ japanischem Brauch die Nachricht von dem Tode des Kaisers immer erst einige StunVen später bekannt gegeben wird, so glaubt man, daß der Tod bereits eingetreten ist. Die Nachrichten von der Erkrankung des Kaisers haben überall große Auftegung hervorgerufen. An der Börse von Ohaka find sämtliche Werte um 6 bis 7 Proz. gefallen. Der japanische Botschafter in Petersburg wurde telegraphisch amtlich benachrichtigt, daß der Zustand des Mikado infolge von Blutvergiftung hoffnungslos sei. Beim Eintreffen des Fürsten Katsura teilte der Botschafter ihm sofort die Depesche mit, worauf noch im Zuge eine Beratung aller angekommenen Japaner stattfand. Fürst Katsura hat alle Einladungen zu riMchen Würdenträgern wegen des bevorstehenden Todes des Mikado abgesagt. Er wird nicht weiter nach Europa reifen, sondern nur bis Samstag in Petersburg bleiben, um die hiesigen Geschäfte zu beenden und dann von hier mit dem am Samstag fahrenden Ost­asienexpreß nach Tokio zurückkehren.

Die nationalistischen französischen Abgeordneten wollen den Kriegsminister wegen Vernachlässigung des mili« tärischen Flugwesens interpellieren.

Hunderte von portugiesischen Auswanderern sind in Madrid eingetroffen.

In Japan wird scharf nach einer im Heer verbreiteten sozialdemokratischen Organisation gefahndet; verschiedene Mit­glieder sind bereits verhaftet worden.

Die neue von Roosevelt gegründete Fortschritts­partei hat ihren Gründer jetzt als Präsidentschaftskandidaten aufgestellt.

die ihnen beigebrachte Niederlage war. Es war im baye­rischen Erbfolgekrieg. Die Nürnberger standen auf feiten des einen Prätendenten und Götz unter dem Markgrafen von Ansbach auf feiten des andern. Eine Nürnberger Kanonenkugel war es, die ihm in einem Scharmützel vor Landshut das so wichtige Glied fortriß. Aber die Heilung ging gut von statten, und Götz ließ sich vom Waffenschmied eine hiebfeste Rechte von wundervoller Konstruktion aus Eisen machen. %

Kürzere und längere Fehden und sonstiger Kleinkram lasten sich in einige Jubiläumszeilen nicht hineinbringen, trotzdem das ost Anekdotenhafte darin verlockt. Aber man muß sich schon an die großen, einschneidenden Ereigniste hatten. Und wieder spricht Nürnberg das große Wort im Leben dieses Ritters. Die Fehde gegen Nürnberg unter­nahm Gütz nicht, um zu raufen und zu rauben, sondern um Unrecht zu sühnen. Die Nürnberger hatten ihm erstens einen Knecht erstochen, und zweitens hielten sie einen Jugendfreund gefangen. Götz übte dadurch einen Druck auf Vie Stadt aus, daß er neunzig von Leipzig kommende Kaufleute gefangen nahm und die Nürnberger darunter, dreißig an der Zahl, vollständig ausplünderte. Die Stadt rief den Kaiser und den Schwäbischen Bund, eine Vereini­gung von Fürsten, welche die Gerichtsbarkeit ausübte, um Hilfe an. Götz kam in die Reichsacht, was ihn nicht hin­derte, jahrelang unter Beistand hundert Berittener und des einbeinigen Hans von Selbitz die Fehde fortzusetzen. Sie endigte glimpflich für Götz: er kaufte sich aus der Reichsacht los. Was er gewonnen hatte, war ein großer Ruhm seines Namens.

Einige Jahre später machte Götz der neuen Zeit ein Zugeständnis und beamtete sich dem Herzog Ulrich vom Württemberg, ohne zu misten, daß dieser einen Krieg mit dem Schwäbischen Bund in Aussicht hatte. Da er es erfuhr, war es zum Dienstaufkündigen zu spät, und so ward er als Amtmann in den Krieg. der baE losbrach. hineinge-ogen.