EinrückungsgeSSHer
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Hotationsbtud und Verlag der Buchdruckerei des verein, eo. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger
ZUtliches Organ für Stakt- and Landkreis Kanan.
Bezugspreis»
Vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg., für Postbezug vierteljährlich 2.10 Mk^ monatlich 70 Pfg.
Die einzelne Nummer kostet 6 Pfg.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantrvortl. Redakteur: E. Schrecker in Hanau.
Ms. 166 pfernsprechanschlutz Nr. 23V.
Donnerstag den 18. Juli
Fernsprechanschkutz Nr. 23V.
1912
Amtliches.
Denkmalpflege.
Die für die Denkmalpflege gültigen Gesetze und Verwaltungsvorschriften werden, wie die Erfahrung ergibt, vielfach nicht beachtet. Diese Nichtbeachtung, die in vielen Fällen lediglich auf Unkenntnis zurückzuführen ist, hat bereits zahlreiche Denkmale geschädigt und die Vernichtung erheblicher Vermögenswerte veranlaßt.
Alle Eigentümer und Verweser der in öffentlichem Besitz stehenden Denkmalwerte (Bauwerke, Kunstgegenstände vergangener Kulturepochen, insbesondere auch Kirchengeräte und kirchliche Ausstattungsstücke, sowie geschichtliche Merk- würdigkeitèn) werden daher erneut auf die Pflicht genauer Beachtung der die Denkmalpflege betreffenden Gesetze und Verwaltungsvorschriften hingewiesen.
Dabei bleibt insbesondere zu beachten, daß in jedem einzelnen Falle die gesetzlich vorgeschriebene vorherige Genehmigung der berufenen Aufsichtsbehörde erwirkt werden muß. Namentlich ist die Frage einer Einholung der Genehmigung zu prüfen in den Fällen der Veräußerung, Vernichtung und Veränderung, gleichviel ob Gebäude oder mit Gebäuden fest verbundene, oder bewegliche Gegenstände in Betracht kommen, unb gleichviel, ob die Gebäude oder Gegenstände im Inventar der Baudenkmäler aufgeführt find oder nicht.
Es wird empfohlen, bei allen einschlägigen Verwal- tungsmaßnahmen möglichst frühzeitig, in der Regel durch Vermittelung der zuständigen Aufsichtsbehörde, sich einer gutachtlichen Beratung durch den Vezirkskonservator zu bedienen. Der sachverständige Rat des Bezirkskonservators steht auch privaten Besitzern von Denkmalwerten denen besonders ans Herz gelegt wird, sich vor einer Verschleuderung wertvollen Familienbesttzes (Truhen, Zinngegenstände, alte Silber, altes Porzellan u. a. m.) sorgsam zu hüten, in gleichem Maße wie den Behörden und öffentlichen Körperschaften unentgeltlich zur Verfügung.
Cassel den 31. Mai 1912. 6084
Der Oberprästdent.
J. V.: Dyes.__________________
Stadtkreis Fyanau.
Bekanntmachung.
Die Besitzer von Katzen werden daraus aufmerksam gemacht, daß wir die im Schloßgarten und in den städtischen Anlagen wildernden Katzen fangen und töten lasten werden. Hanau den 10. Juli 1912. 18029
Der Magistrat. Dr. Gebeschus.
SAl- und Fmenlllllnderiingsn.
Von N. Behrens.
„D Wandern, o Wandern, du freie Burschenlust, Da weht Gottes Odem so frisch in die Brust!
Da singet und jauchzet das Herz zum Himmelszelt:
Wie bist du doch so schön, o du weite, weite Welt!"
Wo gewandert wird, da erschallt auch Geibels Lied: „Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus!" In wie vielen andern Liedern erklingt nicht die Wanderlust. Kein andres Volk hat so das Wandern besungen, wie das deutsche. Man kann geradezu von einem deutschen Wandertriebe sprechen, den „Mutter Natur germanischer Menschheit angeboren'und verzogen hat." Wie wanderfroh die Deutschen zu jeder Zeit waren, bezeugt uns die Geschichte. Da sehen wir, daß der Wandertrieb ein urewiger Trieb der Germanen ist. „O Wandern, Wandern, meine Lust!" so tönt es in der deutschen Volksseele seit den Tagen, wo die Cimbern und Teutonen ihre Wohnsitze verliehen un§ an die Tore des römischen Imperiums pochten. Don altersgrauen Zeiten her bis jetzt — immer dieselbe Wanderlust! Wir lesen da von den gewaltigen Wanderungen der deutschen Völker (Völkerwanderung), von den Römerzügen der mittelalterlichen Kaiser und den Kreuzzügen nach Palästina, von fahrendem Volk, von den Minnesängern, die von Burg zu Burg, von Ort zu Ort zogen, von fahrenden Schülern, die unser Vaterland durchzogen, um berühmte Schulen aufzusuchen, aber doch wohl mehr Freude am Wandern als an den Büchern fanden. Mit dem Auskommen der Zünfte erscheint der deutsche Handwerksbursche auf der Landstraße. Im 15. Jahrhundert war sogar der Wanderzwang bei den Zünften eingeführt. Gewandert wurde immer, bis in unsere Zeit hinein. Wer möchte leugnen, daß auch in den Verirrungen unseres modernen Stromertums ein gut Stück fröhlicher Wanderlust steckt? Im
Handelsregister.
„Aktiengesellschaft Gemeinnützige Baugesellschaft" mit dem Sitz in Hanau.
In der Generalversammlung vom 25. März 1912 ist an Stelle des ausscheidenden Kaufmanns Anton Waltz zu Hanau Hermann Küstner zu Hanau als Vorstandsmitglied, an Stelle des ausscheidenden Rentners Rudolf Küstner zu Hanau Emil Weishaupt zu Hanau als Stellvertreter der einzelnen Vorstandsmitglieder in den Vorstand gewählt worden.
Eintrag des Kgl. Amtsgerichts 5 zu Hanau vom 8. Juli 1912. 18097
Zwangsversteigerung
Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in der Gemarkung Rückingen belegenen, im Grundbuchs von Rückingen Blatt 501 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Bäckermeisters Wilhelm Eckert in Rückingen eingetragenen Grundstücke:
Krtbl. B 546/90, Hauptstraße Nr. 29 = 7,26 ar
a) Wohnhaus mit Hofraum, 240 Mk. jährlichem Nutzungswert
b) Backhaus mit Backofen, 45 Mk. jährlichem Nutzungswert
c) Waschküche, 12 Mk. jährlichem Nutzungswert
d) Scheune mit Kuhstall
e) Schweinestall mit Abort
Krtbl. B#8 ;. 541/80, Hauptstraße Nr. 31 = 0,55 ar
a) Wohnhaus mit Hofraum, 75 Mk. jährlichem Nutzungswer«.
Krtbl. B Nr. 542/80 rc., Hausgarten = 11,01 ar
am 20. September 1912, vormittags 9 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht — „an der Gerichtsstelle" — versteigert werden.
Langenselbold den 16. Juli 1912. 18121
Königliches Amtsgericht.
WMene und otrlorenc WeWSM it
Gefunden auf dem Grundstück Mühlstraße 2: ein Herrenrock, Weste, Mütze, silberne Herrenuhr und 3.54 Mk., wlche sich in der Westentasche befanden.
Verloren: 1 Fuchsschwanz, 1 Hutnadel (auf der Straße Hanau—Hochstadt).
Fortgeschwemmt im Stadtgraben: ein neues Fraueuhemd (gez. A. B.)
Hanau den 18. Juli 1912.
17. und 18. Jahrhundert unternahmen junge Adelige in Begleitung ihrer Hofmeister Vildungreisen. Im Anfang des vorigen Jahrhunderts treffen wir unter den Männern, die wir als die reinsten Vertreter unseres Volkstums ansehen können, leidenschaftliche Verehrer des Wanderns: Man denke nur an Goethe, Seume, Arndt, Freiligrath. Goethe besonders wußte die bildende Kraft des Wanderns zu schätzen; das hören wir aus seinen Worten: „Was ich nicht erarbeitet habe, das habe ich erwandert". Er war ein so großer Freund des Wanderns, daß er sich unter dem Pseudonym „Wanderer" in die Gießener Fremd-nliste eintrug, als er von Wetzlar aus einen Freund besuchte. Später war es ihm eine Freude, Knaben zur Begleitung auf seinen Wanderungen mitzunehmen, denen er dann die Vorteile des Wanderns aufs beste zuzuwenden wußte. Seume sagt über den Wert des Wanderns: „Es würde alles bester gehen, wenn man mehr ginge." Es ist kein Wunder, daß auch schon die Schule frühzeitig den Wandertrieb in den Dienst der Erziehung stellte und Schulwanderungen lasten sich in ihrer einfachsten Form bis ins Mittelalter hinein verfolgen. In seinem Kampfe gegen die Düchergelehrsamkeit fordert Montaigne vor allem Umgang mit Menschen und den Besuch fremder Länder. Er will, daß die ganze, große Welt das Buch seines Zöglings sein soll. A. H. Franke fordert, daß die Elemente der Natur- und Weltkunde auf Spaziergängen, auf Grund von Besuchen von Werkstätten Museen und dergl. gewonnen werden sollen. Den ersten nachhaltigen Einfluß auf die Schulwanderungen übte erst Rousseau aus. Seine Gedanken haben die deutschen Philantropen dann zuerst zu verwirklichen gesucht. So kommt es, daß am Ende des 18. und zu Anfang des 19. Jahrhunderts Schülerreisen in verschiedener Form zur Ausführung gelangen — Tagesreisen und solche, die sich wochenlang hinauszogen. Gegen allzu lange Reisen kann man jedoch Bedenken hegen. J. P. Richter hält jedoch kurze Reisen für ein „Geist und Leib reifendes Versetzen der zarten Kinderpflänzchen aus der düsteren Eckenenge in die
Politische Rundschau.
Der Kaiser auf der Nordlandsreise. Wie aus Molde gemeldet wird, ging die „Hohenzollern" Mittwoch früh 6 Uhr nach Balholmen in See, wo die Ankunft gegen 9 Uhr abends erfolgen sollte.
Ein Besuch des Kaisers in Frankfurt a. M. Das Kaiser liche Hofmarschallamt hat dem Frankfurter Magistrat mitgeteilt, daß der Kaiser am 19. August in Frankfurt eintreffen wird, um die Osthafenanlagen zu besichtigen. Der Kaiser wird mit dem Hofzug um 12 Uhr von Wilhelmshöhe ankommen und um 3 Uhr nachmittags zum Besuch seiner Schwester, der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, nach Schloß Friedrichshof weiterreisen.
Reichskanzler von Bethmann Hollweg hat sich am Mittwoch zu kurzem Aufenthalt nach Hohenfinow begeben.
Bayern und Württemberg als Erenznachbarn haben Vereinbarungen wegen der Steuerkontrolle für solche Personen getroffen, die in einem der beiden Staaten wohnen, aber im andern beschäftigt sind.
Die bayerische Lotteriefrage. Die bayerische Kammer der Abgeordneten beriet gestern neuerdings den Gesetzentwurf über das Lotteriespiel sowie den Staatsvertrag vom 29. Juli 1911 zwischen Bayern, Württemberg, Baden einerseits und Preußen anderseits. Die Kammer hatte in der Sitzung vom 14. Mai den Gesetzentwurf zur nochmaligen Beratung an den Finanzausschuß zurückverwiesen, der nun neuerdings beantragt hat, das Plenum möge dem Gesetzentwurf wie dem Staatsvertrag feint Zustimmung nicht erteilen, dagegen sei die Staatsregierung zu ersuchen, dem Landtag möglichst bald eine Vorlage über Einführung einer bayerischen Landes- klasienlotterie zu machen. Abgeordneter Deckh (kons.) trat gemäß der Regierungsvorlage für den Beitritt Bayerns zur Preußischen Klassenlotterie ein. Abg. Gerichten (lib.) befürwortete für den einen Teil seiner Partei die Ablehnung der Lotteriegemeinschaft mit Preußen und wünschte eine bayerisch« Klassenlotterie mit der Einschränkung, daß Bayern di« Lotterie nicht verpachte, sondern selbst verwalte. Abg. Speck erklärte im Namen des Zentrums, daß die Bedingungen Preußens und seine finanzitllen Garantien so ungünstig seien, daß es aus finanziellen und politischen Gründen gegen den Lotterievertrag stimmen müsse. Er wies auf die finanziellen Erfolge einer eigenen bayerischen Lotterie hin, deren Errichtung seine Partei zustimmen werde. Abg. Kohl (lib.) erklärte im Namen des größeren Teils seiner Freunde, daß sie dem Staatsvertrag mit Preußen zustimmen würden. Di, Abstimmung wurde auf heute vertag:.
Die Arbeiterversicherung in der Praxis. Bei der Be- ratung des Etats des Reichsamts des Innern ist die Rechtssprechung des Reichsversicherungsamtes, sowie der übrigen Spruchorgane der Arbeiterversicherung Gegenstand eingehen.
luftige Landschaft von Menschen- und Sittenwechsel". Reisen dieser Art hat zuerst Basedow in den Erziehungsplan seiner Schule in Destau ausgenommen. Auf einer solchen Reise wurden z. B. in 12 Marschtagen, zu denen noch 4 Ruhetage kamen, 287 Kilometer zurückgelegt, ungerechnet die vielen Besichtigungen. Salzmann führte die Wanderungen in Schnepfental ein und in Guths-Muths fanden sie hier einen sorgsamen und warmherzigen Pfleger. Seine Wanderungen erfüllen alle Bedingungen, die man an gut geleitete, gleichartige Unternehmungen stellen muß. Vor allem in einem Punkte war man damals weiter als heute, denn in den Berichten über die Schenpfentaler Wanderungen liest man auch von Mädchenwanderungen, also von Wanderungen, die man heute ernstlich kaum erwähnen darf. Das Beispiel der Philantropen blieb nicht ohne Nachahmung. Für die weitere Ausgestaltung der Wanderungen trat man besonders in der Bender'schen Erziehungsanstalt zu Weinheim an der Bergstraße ein. Durch Stoy, der hier als Lehrer wirkte, wurden sie später in Jena in enge Verbindung mit der Universität gebracht. Profestor Rein setzte Stoys Werk fort. Angeregt durch Euths-Muths hat dann Turnvater Jahn das Wandern in die patriotischen Vereinigungen wehrhafter, turnfreudiger Jünglinge hineingetragen. Alle zogen sie hinaus, hinaus in Gottes freie Natur, hinaus ins geliebte Vaterland mit seinen gesegneten Fluren und tiefernsten Heiden, seinen grünenden Wäldern und stillen Seen, seinen stolzen Bergen und lachenden Tälern, seinen alten Städten und sagenumwobenen Burgruinen. Die Hochburg rüstiger Wanderleistungen sind jedoch lange Zeit die deutschen Turnvereine gewesen. Mit der wachsenden Vervollkommnung unserer Verkehrsmittel begann jedoch der Wandertrieb weiter Volksschichten einzuschlummern. Der Fortschritt unserer äußeren Kultur und das Wachsen der Bevölkerung bedingten einen gewaltigen Umschwung unseres gesamten Wirtschaftsleben» und zogen eine große Anzahl von Notständen für das deutsche Volk nach M