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Ginrückungsgebührr
Vie vgespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. im ReklameteU die Zeil« 60 Pfg.
Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckers! des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
Geueral-Auzeiger
Änliches Organ für Stabt und Landkreis Ka ran.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Bezugspreis r
Vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg., für Post» bezug vierteljährlich 2.10 ML, monatlich 70 Ug.
Die einzelne Nummer tostet 6 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: 6. Schrecker in Hanau.
Ms. 156 Aernsprechairschkttz Nr. 230.
Samstag den 6. Juli
F«rnspr«ch<m,chlM Nr. 230. 1912
Sie heMe Hummer umiabt *r Dem UnletDoliunosDIotl
16 Seiten.
Amtliches.
Stadt- und Candkreis Ran au.
Ich warne wiederholt anläßlich der hier mehrfach aufgetretenen Fälle von Typhuserkrankungen insbesondere vor dem Genusse ungekochter Milch und bitte das Publikum in seinem eigenen Interesse, besonders bei Genuß von Milch in den öffentlichen Milchschankstellen sich nur solche Milch verabreichen zu lassen, die in seinem Beisein auch tatsächlich ausgekocht worden ist.
Hanau den 4. Juli 1912. P. 7452
Der Kgl. Landrat und Polizeidirektor.
F r h r. Laur.
Stadtkreis Ran au.
Bekanntmachung.
Arbeitsuchende: 1 Ausläufer, 1 Bäcker, 3 Fabrikarbeiter, 3 Hausburschen, 1 Monatsfrau, 1 Schlosser, 1 Schmied, 1 Schuhmacher, 2 Schreiner, 2 Tapezierer, 3 Tagelöhner.
Offene Stellen. Gesucht werden: 2 j. Arbeiterinnen, 1 Bauschreiner, 1 Dienstmädchen, 1 Drechsler, 1 Glaser, 1 Poliseuse, 1 j. Schmied, 1 Schlosser, 1 Schneider, 2 Weißbinder.
Zm Monat Juni er. erhielten Stellen zugewiesen: 2 Bauschlosser, 2 Dienstmädchen, 3 Eisendreher, 1 Fuhr- knecht, 1 Friseur, 2 Eartenarbeiter, 1 Glaser, 2 Gußschleifer, 4 Hausburschen, 1 Küfer, 1 Maschinenschlosser, 2 Monatsfrauen, 2 Putzfrauen, 4 Schmiede, 1 Schneider,
5 Schreiner, 4 Schuhmacher, 1 Bautagelöhner, 20 landwirtschaftliche Tagelöhner, 18 sonstige Tagelöhner, 3 Weißbinder und Anstreicher, 2 Ziegeleiarbeiter.
Hanau den 6. Juli 1912. 16521
Städt. Arbeitsvermittelungsstelle.
Im hiesigen Gemeindewald wurde ein vierräderiger Handpritschenwagen gefunden. Derselbe hat grünen Anstrich und ist bei dem Waldschütz Wiltheis abzuholen. Dörnigheim den 6. Juli 1912. 16537
Der Bürgermeister.
Lapp.
Hier ist eine gelbe Dachshündin zugelaufen. Großkrotzenburg den 5. Juli 1912. 16557
Die Ortspolizeibehörde.
Noll.
Bekanntmachung.
Einstellung von Drei- und Vierjährig-Freiwilligen für das 3. Seebataillon (Marine-Infanterie) in Tsingtau (China).
Einstellung: Oktober 1912, Ausreise nach Tsingtau: Januar oder Frühjahr 1913, Heimreise: Frühjahr 1915 bezw. 1916. Bedingungen: Mindestens 1,65 Mtr. groß, kräftig, gesunde Zähne, vor dem 1. Oktober 1893 geboren (jüngere Leute nur bei besonders guter körperlicher Entwicklung).
Das 3. Seebataillon besteht aus: 5 Kompanien Marineinfanterie (davon ist die 5. Kompanie beritten), 2 Maschi- nengewehrzügen, 1 Marine-Feldbatterie (reitende Batterie), 1 Marine-Pionierkompanie in Tsingtau und dem Ostastatischen Marine-Detachement in Peking und Tientsin.
Die Vierjährig-Freiwilligen sind in erster Linie für die 5. (berittene) Kompanie bestimmt.
Zn den Standorten in Ostafien wird außer Löhnung und Verpflegung eine Ortszulage von täglich 0.50 Mark gewährt; die Vierjährig-Freiwilligen erhalten im vierten Dienstjahre eine Ortszulage von täglich 1.50 Mark.
Meldungen mit genauer Adresie sind unter Beifügung eines vom Zivilvorsitzenden der Ersatzkommission ausgestellten Meldescheins zum freiwilligen Diensteintritt auf drei bezw. vier Jahre zu richten an:
Kommando des 3. Stammseebataillons, Wilhelmshaven.
MinDene unD verlorene SeoenltönDe it.
Gesund en: 2 Schlüssel an einer Kordel, der eine K. T. gezeichnet; mehrere einzelne Schlüsiel.
Verloren: 1 Schlüsielring mit 4 Schlüsseln in braune» Tuche^â
Bugelaufen;.! junger grauer Hund mit 4 weißen Pfoten; Ohren und Schwanz kupiert.
Hanau den 6. Juli 1912.
Politische Rundschau.
Staatssekretär Dr. Solf in Deutsch-Südwestafrika. Wie aus Swakopmund gemeldet wird, besichtigte Staatssekretär Dr. Solf am Dienstag das bakteriologische Institut in Eams. Abends fand ein Essen beim Gouverneur statt. Der Staatssekretär wünschte dem Gouverneur, der am 26. Juli seinen Heimaturlaub antritt, baldige Rückkehr.
Torpedoboote in Köln. Die in Düsteldorf eingetroffenen Torpedoboote werden am 10. und 11. Juli der Stadt Köln einen Besuch abstatten.
Zum deutschen Generalkonsul in Budapest ist an Stelle des nach Kopenhagen versetzten Grafen Ulrich BroKorff- Rantzau der bisherige Legationsrat der preußischen Gesandtschaft in München Graf Egon von Fürstenberg- Stammheim bestimmt. An seine Stelle in München tritt der bisherige Legationssekretär der deutschen Gesandtschaft in Sofia Prinz Gustav Alexander zu Sayn-Wittgenstein- Sayn.
Zum Fall Kostewitsch. Die Meldung, daß 8er russische Hauptmann Kostewitsch nach Leipzig übergeführt werden .solle, wird jetzt widerrufen. Die Untersuchung wird vielmehr vorläufig in Berlin weitergeführt.
Mili^rvereinsverband und Presse. Be? der Tagung des Badischen Militärvereins-Verbandes in Konstanz am 30. Juni sind die Vertreter der Presse ohne Angabe' eines Grundes durch den Generalmajor z. D. Anhâuser im Auftrage des DerbandSprästdenten Generalleutnant z. D. Fritzsch kurz vor dem Erscheinen des Großherzogs auS dem Stadthaussaale ausgewiesen worden, obwohl sie zur Empfangsfeier ausdrücklich geladen waren. Den scharfen Verwahrungen in den nächstbetroffenen Karlsruher Redakteur- und Verleger- kreisen hat sich jetzt auch der Landesverband Badischer Redakteurs durch eine öffentliche Erklärung angeschlossm, in der eS heißt: Die Ausweisung vollzog sich öffentlich und in der schroffsten Form. Die Vertreter der Presse haben daraufhin die Berichterstattung über die Tagung eingestellt. Eine öffentliche Entschuldigung seitens des Präsidenten ist bis jetzt nicht erfolgt. Der unterzeichnete Verband erklärt sich angesichts dieser auffallenden Brüskierung der Presse mit den Konstanzer Journalisten solidarisch und erhebt gleichzeitig den schärfsten Protest gegen das vom Verbands- Präsidenten beliebte Verfahren. Die Ausweisung der im schweren Dienst der Oeffentlichkeit tätigen Berichterstatter erscheint sachlich durch nichts begründet. Die Form, in der sie erfolgte, muß geradezu als ungehörig bezeichnet werden. Der badischen Zeitungswelt ist für die Zukunft Zurückhaltung zu empfehlen in der Berichterstattung über die Veranstaltungen solcher Verbände, die jenes Maß von Achtung und Entgegenkommen vermissen lassen, daS dir Presse unbedingt zu verlangen hat.
Der vielgenannte frühere antisemitische Reichstagsabgeordnete Ahlwardt war seinerzeit unter Hinterlassung vieler Schulden aus Berlin verschwunden und eS ging das Gerede, daß er überhaupt verschollen sei. Jetzt wird jedoch bekannt, daß er der Leiter eines Unternehmens geworden ist, daS angeblich auf dem besten Wege sein soll, märchenhafte Schätze anS Tageslicht zu fördern. Bekanntlich sind im 17. Jahrhundert infolge der damaligen Kriegswirren zahlreiche Erzbergwerke in Südböhmen verfallen, in denen einst ein sehr lohnend gewesener Betrieb herrschte und bis zum dreißig- jährigen Kriege viele Millionen an Silber zu Tage ge- förbert wurden. Namentlich in der Gegend um Budweiß herum bestand ein äratischer Bergbau, dem der dreißigjährige Krieg ein plötzliches Ende bereitete. Die Grubengänge verfielen und vielfach auch die Eingänge zu diesen. Erst in den letzten 20 Jahren hat die Rudolfstädter Erzbergbau- Gewerkschaft in Budweis einzelne Stollen dieses südböhmischen Silberbergbaues wieder in Betrieb gesetzt und dabei sollen nun derartige Funde gemacht worden sein, daß ein regelmäßiger Betrieb sich wieder lohnen würde. An der Harld von Gutachten bergbaulicher Sachverständiger versucht deshalb die genannte Gewerkschaft jetzt in Form einer Broschüre die allgemeine Aufmerksamkeit auf diesen Bergbaubetrieb zu lenken. Zum Mittelpunkt ihrer Propaganda hat die Ge- Werkschaft nun Dresden bestimmt. Hier aber sitzt als ihr Vertreter Herr Hermann Ahlwardt, der mit einem Koffer voll Erdstücke im Lande herumreist und die Kuxe der Gewerkschaft an den Mann zu /ringen sucht.
llmsturzbestrebungen in Portugal. Dem „Jmparcial" aus Vigo zufolge sollen portugiesische Auswanderer Um- triebe veranstalten, die darauf aLzielen, in Portugal ein» auf allen Gleichzeitig soll dann im Innern von Portugal
eine Bewegung einsetzen an der auch militärische Ele* mente teilnehmen sollen. Wie es heißt, begab sich Conceiro kürzlich im Geheimen nach Vigo.
Roosevelts Appell an die Lohnarbeiter und Farmer. Roosevelt hat die Grundzüge 8es Programms der neuen Roosevelt-Partei bekannt gegeben und erklärt, das demokratische und das republikanische Parteiprogramm zeigten kein Verständnis für die soziale und industrielle Bewegung. Er werde in der Wahlkampagne auf die Verteuerung der Lebenshaltung hinweisen und sich an die Lohnarbeiter unB die Farmer wenden.
Die Ausständischen in Mexiko sind von den Regierungs» truppen bei Bachimba vollständig geschlagen worden. Für die Deutschen in Ehiuahuha sind alle Vorsichtsmaßregeln getroffen worden.
Die Ksijerbegegnililg in MifMorL
Baltischport, 5. Juli. Bei dem gestrigen Prunkmahl auf der Jacht Standart tränten die Kaiser einander mit Herz, lichen Worten des Willkomms zu. Heute morgen empfing der deutsche Kaiser den Großfürsten Nikolaus Nikolajewitsch in dessen Eigenschaft als Befehlshaber des Peters, burger Militärvereins. Gegen 10 Uhr holte der Zar den Kaiser von der „Hohenzollern" ab zur Besichtigung des 85. Infanterieregiments Wiborg, dessen Chef der Kaiser ist. Prinz Adalbert und Reichskanzler v. Bethmann Hollweg sowie die Herren der Umgebung begleiteten die Herrscher. Um 10 Uhr vormittags landete die Dampfpinasse. Kaiser Wilhelm in der Uniform des Regiments Wiborg mit dem Andreasorden und Kaiser Nikolaus in russischer Uniform mit dem Schwarzen Adlerorden wurden von dem Gouverneur und dem Hafenchef empfangen. Sie schritten unter den Klängen der deutschen Weise Sie Front der Ehrenwache ab und nahmen den Vorbeimarsch entgegen. Sodann be. gaben sie sich zu Fuß nach dem Paradeplatz. Nach Abschreiten der Front folgte die Besichtigung des Regiments Wi. borg, die im Exerzieren einer Kompanie und eines Bataillons sowie zweimaligem Vorbeimarsch des Regiments bestand. Kaiser Wilhelm dankte den Truppen in russischer Sprache. Darauf brachte der Zar ein Hurra auf ihn aus, dann Kaiser Wilhelm ein Hurra auf den Zaren. Dieser dankte den Truppen. Kaiser Wilhelm besichtigte die Fahne und sprach mit den Georgsrittern. Die beiden Herrscher und Großfürst Nikolaus ließen sich gemeinsam mit dem Regiment photographieren und kehrten dann unter dem Hurra der Truppen und des Publikums zurück. Auf dem Rückweg besichtigten sie die Festungswälle. Gegen 12K Uhr begaben sie sich auf die Jacht „Standart", wo Frühstückstafel stattfanh.
London, 5. Juli. Die Westminster Gazette schreibt zu der Begegnung des deutschen Kaisers mit dem Kaiser von Rußland: „Die Beziehungen zwischen Deutschland unb Rußland bieten einen guten Beleg für die These Bülows, daß eine Gruppierung der MäAe vereinbar sei mit den freundlichsten Beziehungen zwischen den Mitgliedern verschiedener Gruppen. Niemand, dem der Friede am Herzen liegt, wird wünschen, diese Beziehungen gestört zu sehen. Deutschland und Rußland haben so viele gewichtige tatsächliche Gründe, den Frieden zu erhalten und Unruhen an ihren Grenzen zu verhindern, daß es nicht im geringsten wahrscheinlich ist, daß sie sich ohne die dringendste Notwendigkeit in Streitig- keiten Dritter verwickeln lassen werden. Das dadurch begründete Gleichgewicht entspricht beiden Interessen und hält die unversöhnlichen Geister beider Lager im Zaum. Die Engländer und Deutschen mögen sich füglich fragen, warum nicht auf einer ähnlichen Grundlage ein gleich gutes Einvernehmen zwischen beiden Ländern bestehen sollte." Das Blatt bespricht sodann die Begegnung in Bezug auf Len italienisch-türkischen Krieg und die Lage in der Türkei und fährt fort: „Wir wollen nur sagen, daß rott in England etwaige Bestrebungen Deutschlands, Rußlands und Oesterreich-Ungarns, in der Frage der Orientpolittk zusammenzuhalten, mit den herzlichsten Wünschen begleiten. Nur so dürfen wir hoffen, daß das europäische Konzert wiederhergestellt wird und mögliche unheilvolle Folgen des Krieges verhindert werden."
Auszeichnungen und Ordensverleihungen.
Der deutsche Kaiser hat dem Ministerpräsidenten Kokowzow den Schwarzen Adlerorden und dem Minister des Aeußern, Sassonow, den Verdienstorden der preußischen Krone verliehen. Kaiser Nikolaus verlieh dem Reichs, kanzler v. Bethmann Hollweg und dem Oberhof- und Haus- Marschall Grafen zu Eulenburg seine Büste. Außerdem wurden zahlreiche Orden an das Gefolge Les Kaiser« ne*# liehen.