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General-Anzeiger
Kotottonsbrud und Verlag der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau,
Amtliches Organ für StaM= und Landkreis Kanan.
Vierteljährlich 1.80 Mt.. monatlich 60 Pfg., für Post- bezug vierteljährlich 2.10 Mk^ monatlich 70 Pfg.
Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. Verantwort!. Redakteur: E. Schrecker in Hanau.
Nr. 147
^ernsprechanfchltth Nr. 230
Mittwoch den 26. Juni
Fernfprechanschlich Nr. 230
1912
Amtliches.
Landkreis Ranau. Bekanntmachung.
Wegen Vornahme von Dampfwalzarbeiten wird die Hanau—Fuldaerstraße von Station 6,4 bis 7,3, d. i. von der Weiche unterhalb Rückingen bis zur Einmündung des Landweges von Langendiebach nach Rückingen für Fuhrwerke mit einem Ladegewicht von über 20 Ztr. und für Kraftfahrzeuge jeglicher Art polizeilich gesperrt.
Hanau den 26. Juni 1912.
Der Königliche Landrat.
Frhr. Laur.
An die Herren Bürgermeister des Kreises.
Unter Bezugnahme auf meine Kreisblattbekanntmachung vom 12. Juni 1912, V 3568, (abgedruckt: in Nr. 188 des „Hanauer Anzeiger") betr. die diesjährige Körung und Revision der. Zuchtbullen im Landkreise Hanau, bringe ich hierdurch zur allgemeinen Kenntnis, daß die Termine für den III. Bezirk (Langenselbold) und den IV. Bezirk (Windecken) anderweitig, wie folgt, festgesetzt worden sind:
Im III. Bezirk (Langenselbold).
Körungs-Kommissionsmitglieder: Landwirt Friedrich Wilh. F u ch S-Langenselbold, Bürgermeister C l a u ß-Ravolzhausen and stellvertretender KreiStierarzt Tierarzt Hufnagel.
Am 28. Juni, vormittags 7 Uhr, in Langendiebach,
, 28.
ff ff
7'/' ff
„ Ravolzhausen,
, 28.
ff ff
9 ff
ff Hüttengesäß,
, 28.
ff ff
9'/. ff
, Neuwiedermuß,
, 28.
ff ff
IO1/, ,
, Langenselbold
„ 88.
ff ff
ll1/» ff
„ Oberrodenbach
, 28.
„ mittags
12 ff
, Niederrodenbach,
, 28.
„ nachmittags
12^ „
„ Rückingen.
Im IV. Bezirk (Windecken).
Körungs-Kommifstonsmitglieder: Bürgermeister B r o d t- Ostheim, Bürgermeister Stroh-Marköbel und stellvertretender KreiStierarzt Tierarzt Hufnagel.
Am 29.
Juni, vormittags 8
Uhr, in Erbstadt,
r 29.
, ff 8'/,
ff * Eichen,
ff 29.
ff * 9
ff ff Ostheim,
, 29.
. . 9»/.
, „ Windecken,
. 29.
ff ff 10'/,
„ „ Kilianstädten,
, 29.
. . 11
, „ Oberdorfelden,
. 29.
„ mittags 12
„ „ Marköbel,
ff 29.
, nachmittags 1'/,
, , Butterstadt,
• 29.
ff ff 2
.. n 5n o^borf.
Die Herren Bürgermeister ersuche ich, vorstehende
Der Kroat.
Von Hedwig Stephan.
„Aber, meine gnädigste Frau!-
Der Rittmeister echauffierte sich beinahe, was sonst gar nicht seine Sache war. „Sie werden doch den Sekt nicht verschmähen? Daß es französischer ist, dafür garantier' ich in diesem Hause — also, falls dies etwa der Grund--“
Frau Dorothea unterbrach ihn mit einem Kopfschütteln.
„Ach nein, gewiß nicht. Aber ich trinke niemals Eham- pagner — niemals."
Dabei schauerte sie leicht zusammen und legte einen Moment die Hand über die Augen. Und dann, als fühlte sie den befremdeten Blick des Nachbars, fügte sie entschuldigend hinzu: „Eine häßliche Erinnerung — ich — ich kann mich noch immer nicht überwinden — es ist vielleicht töricht" —
»Aber gerade gegen unliebsame Erinnerungen ist doch dieser Göttertrank das beste Heilmittel!" beharrte der Rittmeister. „Glücklich ist, wer vergißt — also ich darf Ihnen einschenken lassen, gnädige Frau?"
Er ergriff den breiten Kelch mit den eingeschliffenen Lotosblumen und winkte einem Diener.
Um Frau Dorotheas Lippen zuckte es — sie sah verwirrt zu ihrem Gatten, dem Bauinspektor Lahusen, hinüber, der, die Sachlage sofort erfaßend, sich vorbeugte und über den Tisch rief: „Nicht zureden, lieber Pahlen — ich bitte sehr!"
Es Rang trotz des gedämpften Tones so dringend, daß der Rittmeister ohne weiteres das Elas wieder hinsetzte und irgend ein harmloses Gespräch begann, auf das Frau Dorothea, sichtlich erleichtert, auch sofort einging.
Aber daß sie ein wenig blaß und einsilbig blieb, konnte dem aufmerksamen Beobachter nicht entgehen.
Nach aufgehobener Tafel sammelten sich die Vereherer der »heiligen Eaeilia ‘ um den Flügel, während der unmu- stkaltsche Teil der Gesellschaft — in der Mehrzahl waren es
Aenderungen umgehend in ihren Gemeinden ortsüblich bekannt zu geben.
Hanau den 24. Juni 1912. V 3796
Der Königl. Landrat.
Frhr. Laur.
Stadtkreis Fjanau.
Zwecks Ausführung von Pflasterarbeiten wird die Ostbahnhofstraße zwischen Neue Anlage und Akademiestraße vom 25. d. Mts. ab auf die Dauer von 7 bis 8 Wochen für den öffentlichen Fuhrverkehr gesperrt. Hanau den 22. Juni 1912. P 6959
Königliche Polizeidirektion.
J. A.: Karbe.
Bekanntmachung.
Die öffentlichen Arbeitsnachweise des jetzt 3 Jahre bestehenden Mitteldeutschen Arbeitsnachweisverbandes, der das Eroßh. Hessen, die Provinz Heßen-Raßau, das Fürstentum Waldeck und die Kreise Kreuznach und Wetzlar umfaßt, werden in steigendem Maße von den Interessentenkreisen, besonders der Landwirtschaft und des Handwerks, in Anspruch genommen und erfreuen sich dank der Mitwirkung und Unterstützung staatlicher und kommunaler Behörden, sowie öffentlicher Körperschaften, insbesondere der Land- wirtschaftskammern, immermehr des Vertrauens der Jn- tereßenten. Insonderheit ist es, wie die Tätigkeitsberichte des Verbandes und der einzelnen Arbeitsnachweise beweisen, gelingen, den Arbeitsnachweis auf dem Lande zu organifiem^ unb den besonderen Bedürfnissen des Landes schon jetzt in erheblichem Umfange gerecht zu werden. Während im Jahre 1908/1909 von den Arbeitsnachweisen in Kleinstädten im Verbandsgebiet 2440 Stellen besetzt wurden, wuchs die Zahl im Jahre 1909/16 bereits auf 10 572, das ist ein Zehntel aller besetzten Stellen im ganzen Verbandsgebiet. Diese Tatsache ist darauf zurückzuführen, daß die landwirtschaftliche Vermittlung immer mehr von den Großstädten auf die Kleinstädte übergeht.
Um den verschiedenartigsten Bedürfnissen in den verschiedenen Teilen des Verbandsgebietes beßer gerecht werden zu können, wurden fast in aüen Kreisen Arbeitsnachweise ins Leben gerufen. Diese haben sich durchweg sehr gut bewährt, wo der Arbeitsnachweis an verkehrsreiche Orte gelegt wurde und wo der ländliche Arbeitsnachweis die Unterstützung und die Benützung der interessierten Kreise gefunden hat. Nach den vorliegenden Erfahrungen konnten eine Reihe von Arbeitskräften der heimischen Produktion erhalten werden, während sonst der stellenlose Arbeiter bei dem Fehlen einer Organisation des Nachrichtenverkehrs
Herren — sich zu zweien und dreien im Wintergarten oder in der „Bildergalerie" zusammentat. '
Dort säßen jetzt auch der Rittmeister und Bauinspektor Lahusen bei einem Glase Münchener gegenüber. Lahusen zündete sich an der auf dem Tische stehenden Kerze eine Zigarette an und sagte, während er sich ein wenig aus dem tiefen Klubsestel aufrichtete: „Sie haben sich vorhin gewiß über meine Frau gewundert, lieber Pahlen, nicht wahr?"
Pahlen lächelte nachsichtig.
»Mein Gott, die Frauen! So was kennt man ja. Sie pflegen leicht etwas allzu tragisch zu nehmen. Zartbesaitete Geschöpfe, um mich poettsch auszudrücken."
„Ach nein, das trifft doch nicht zu!" erwiderte Lahusen mit einem gewissen Eifer. „Dorothea ist glücklicherweise nicht im mindesten nervös — bis auf den einen Punkt. Und an den knüpft sich auch ein nicht alltägliches Erlebnis."
„Also, was weniger gelaßene Leute als eine Mordsgeschichte bezeichnen würden," ergänzte Pahlen. „Und ich brenne darauf, Näheres zu erfahren — im Fall es nicht indiskret ist."
„Keineswegs. Die Geschichte — oder wenigstens das gerichtliche Nachspiel ging ja seinerzeit durch alle Blätter. Vielleicht besinnen Sie sich sogar noch darauf — allerdings zehn, zwölf Jahre ist es wohl her, aber mir ist die Erinnerung noch so frisch, als wärs gestern erst passiert.
Ich war erst seit kurzem in Amt und Würden damals, sehr tatendurstig und von einem löblichen Eifer beseelt, dem Staate zu beweisen, was für eine tüchtige Kraft er m mir besaß. -Da kam mir nun natürlich der Auftrag, den großen Schleusenbau im Zuge der Lippe zu leiten, gerade gelegen, und Dorothea tat mir zuli-be, als freute sie sich ebenfalls, obwohl das Kohlenrevier, „die schwarze Ecke", wie wirs immer nannten, ihr wohl kaum sehr verlockend erscheinen konnte. Dazu kam noch, daß unser Junge knapp 6 Monate alt war und eine größere Reise mit ihm nicht eben zu den Lichtpunkten des menschlichen Daseins zählte.
über die offenen Stellen im Kreise, gezwungen worden wäre, den städtischen Arbeitsnachweis, in erster Linie den großstädtischen Arbeitsnachweis, aufzusuchen.
Bei der großen Bedeutung einer geordneten Arbeitsvermittlung für die Stetigkeit der gesamten Produktionsver- hältniße, ist es notwendig, daß alle Jntereßenten am Ar- beitsmarkt sich eines zuverlässigen und unparteiischen Organes bedienen und das ist der öffentliche Arbeitsnachweis.
Indem wir Vorstehendes zur Kenntnis bringen, ersuchen wir die Herren Arbeitgeber, sich bei Bedarf von Arbeitskräften jeder Art der hiesigen städtischen Arbeitsvermitte- lungsstelle — Langstraße 41 — bedienen zu wollen.
Besonders weisen wir noch darauf hin, daß die gedachte Stelle auch weibliches Personal, als Dienstmädchen, Putz- und Monatsfrauen, Fabrikarbeiterinnen, Taglöhnerinnen, Kochfrauen rc., für Haus-, Land- und Gastwirtschaftsbetrieb vermittelt und diesbezügliche Aufträge jederzeit gern entgegennimmt.
Die Vermittlung erfolgt kostenfrei.
Hanau den 14. Oktober 1910. 1023
Der Magistrat.
Hild.
Bekanntmachung.
In der Badeanstalt am Steinheimertor — 1. Stock — werden täglich Kohlensäurebäder abgegeben.
Hanau den 25. April 1912. 11699
Der Magistrat.
J. A.: Ehrich, Stadtbaurat.
8*ittjMMtr Kmsmm Ham.
Am 30. d. Mts. findet eine Besichtigung der Domänen Kinzigheimerhof und Wilhelmsbaderhof statt. Nach der Güterbesichtigung finden sich die Teilnehmer in den Anlagen in Wilhelmsbad zu gemütlichem Beisammensein und Anhörung des Militärkonzerts zusammen.
Die Mitglieder des Vereins mit ihren Damen werden hierzu mit dem Ersuchen freundlichst eingeladen, die Teilnehmerzahl gefälligst bis zum 28. d. Mts. bei dem Schriftführer des Vereins, Herrn Domänen-Rentmeister Rein, Hardt, anzumelden.
Zusammenkunft am 30. b. Mts., nachmittags 2 Uhr, auf der Domäne Kinzigheimerhof.
Die Herren Bürgermeister werden ersucht, die vorstehende Bekanntmachung in ortsüblicher Weise wiederholt bekannt zu machen.
Hanau den 17. Juni 1912.
Der Vorsitzende.
Frhr. Laur, Landrat.
Aber, wie ich schon sagte, meine Frau fand sich ohne weiteres mit der Tatsache ab, packte unsere sieben Sachen, und nach 14 Tagen waren wir an Ott und Stelle.
Kennen Sie die Gegend da unten zwischen Ruhr unb Lippe? Na, trösten Sie sich — Sie haben nichts verloren! Reichtum ist ja wohl ins Land gekommen durch die Zechen und die Eisenwerke — verschönt haben sie's wahrlich nicht! Im Handumdrehen sind aus den Dörfern Fabrikstädte geworden mit abscheulichen Arbeiterhäusern und Kneipen im Stil von Berlin N., und dazwischen steht dann hier und da noch wie ein steingewordener Anachronismus ein westfälisches Bauernhaus mit der offenen Diele und den gemütlichen grünen Fensterläden.
Aber schließlich, wir hätten Schmutz und Häßlichkeit noch mit in Kauf genommen, denn es gab doch wenigstens Menschen da, und Läden, wo man für des Leibes Nahrung und Notdurft das Wesentlichste zu kaufen bekam. Unser Wohnsitz aber — Lu Reber Himmel — der war so gänzlich von aller Kultur verlaßen, daß ich Dorotheas entsetztes Gesicht bei der Ankunft nur zu gut begreifen konnte.
So eine Art Dilla wars, die irgend ein wunderlicher Naturschwärmer sich hier mal hat hinsetzen laßen — reichlich baufällig, mit kahlen, unwohnlichen Räumen; von der nächsten Ortschaft gut 10 Kilometer entfernt, von der Baustelle und ein paar in der Nähe liegenden Gehöften eine halbe Stunde.
Na, glücklicherweise gings zum Sommer, die Gegend präsentierte sich von der vorteilhaftesten Seite; in dem großen parkartigen Garten konnte unser Kerlchen ben ganzen Tag in der Sonne liegen, dicht hinter unserem Haus begann schöner Laubwald, der bis aus Lippeufe: reichte — das tröstete Dorothea ein wenig.
Wir richteten uns also ein, so gut es ging — das heißt, eigentlich mutzte ich das meiner Frau überlaßen, denn ich selbst steckte vom ersten Tage an so bis über beide Ohren in