verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: E. Schrecker in Hanau,
Ml. 146 Aernsprechanschlutz Nr. 230.
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• Amtliches.
Stadtkreis F)anau.
Mit Rücksicht auf den Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in den Gemeinden Hörstein, Dettingen und Kleinostheim wird hiermit, um der Gefahr einer Seuchenverschleppung vorzubeugen, die Abhaltung des Viehmarktes in der Stadt Hanau am 26. d. M. untersagt. Hanau den 24. Juni 1912. ?. 6855
Königliche Polizeidirektion. Frhr. Laur.
Bekanntmachung.
Huf Grund der Beschlüsse des Eesamtvorstandes und Ausschusses unserer Anstalt vom 23. November und 8. De- jember v. Js. wird in
Hanau
für die Kreise Hanau-Stadt und -Land sowie Gelnhausen eine Versicherungs-Kontrollstelle vom 1. Juli d. Js. ab errichtet.
Mit der Führung dieser Stelle ist unser Sekretariats- beamter Löwer beauftragt worden, welchem für die Dauer seiner dortigen Amtsführung die Dienstbezeichnung
Landesverficherungs-Jnspektor ^usteht.
Diesem Beamten liegt als Hauptaufgabe seines neuen Amtes ob, die rechtzeitige und vollständige Entrichtung der Beiträge für die Invaliden- und Hinterbliebenenverfiche- rung aller versicherungspflichtigen Personen seines Kontrollstellenbezirks zu überwachen. Daneben ist ihm außer anderem noch die Ueberwachung der Markenverkaufsstellen und der Rentenempfänger übertragen, sowie die Unterstützung der Quittungskarten-Ausgabestellen empfohlen. Er wird mindestens an einem noch näher zu 'bestimmenden Werktage einer jeden Woche in seinem Amtszimmer während der gewöhnlichen Dienststunden für Auskunftsuchende zu sprechen sein und außerdem an anderen Orten seines Kontrollstellenbezirkes, soweit nötig, auch Sprechtage in Verbindung mit der Ausübung der Kontrolle abhalten.
Der Landesversicherungs-Jnspektor wird sich bemühen, sein Amt so zu führen, daß er nicht nur als Kontrollbeamter betrachtet, sondern als gern gesehener Ratgeber bei Arbeitgebern und Versicherten begrüßt wird.
Die Versicherungs-Kontrolle ist Organ unserer Anstalt und besitzt die Eigenschaft einer öffentlichen Behörde.
Castel den 26. April 1912.
Der Vorstand.
Riedes el Freiherr zu Eisenbach. Landeshauptmann der Proo. Hessen-Nassau.
Kunst und Leben.
Französische und deutsche Sittlichkeit. Die „Köln. Ztg." schreibt: Französische Blätter ereifern sich oft sehr gegen die Meinung des Auslandes, die Paris als das „moderne Babel" bezeichnet, das sich vor den anderen europäischen Hauptstädten durch seine herrschende Unsittlichkeit hervortue. Mit besonderer Genugtuung greifen sie deshalb auch die Nachrichten insbesondere von jenseits des Rheins auf, die von der „deutschen Jugend und -Sitte" leider in der Tat zuweilen seltsame Lieder singen, wie erst jüngst wieder von den Frauen und Töchtern an der Alster und der Spree, deren Moralität und Selbstachtung bei den Hagenbeckschen Beduinen sich so traurigerweise bekundete. Wenn der Pariser dann diese Vorkommnisse für sein Urteil über die deutsche Moralität verallgemeinert, so kann man ihm das nicht sehr übelnehmen. Denn er tut damit nur, was auch der Fremde, insbesondere der Deutsche tut, der aus meistens sehr oberflächlichen Beobachtungen oder Schilderungen Paris als einen einzigen weiten Pfuhl des Lasters ansieht und jede Pariserin womöglich für eine Eva, die Adam den verführerischen Apfel hinhält. So ist es ganz und gar nicht. Paris hat auch seine sehr tugendhaften Frauen und Mädchen, namentlich in dem mittleren Bürgerstande und unter den kleinen Leuten, deren Arbeitsamkeit und Sparsamkeit den Deutschen derselben Kreise nur zum Muster dienen könnte. Und was die Häuslichkeit dieser Pariser Familien des Mittel- und Kleinbürgerstandes angeht, so ist es ihnen ganz undenkbar, darin ein Vergnügen oder gar eine Erholung zu finden, daß sie am Abend nach vollbrachtem Tagewerk, wie es sich als deutsche Unsitte jetzt auch selbst in den deutschen Provinzstädten herausgebildet hat, Vater, Mutter, Töchter, Söhne und sonstiger Anhang stundenlang hinter dem Bierglas im rauchigen Wirtshause sitzen, um den Klatsch der Stadt zu erörtern und die Mitmenschen
Diciistaq den 25. Juni
Stad> und Candkreis Fjanau.
In der ICjL ü Zeit sind aus dem Publikum häufig begründete Klagen über das Verhalten der Radfahrer geführt worden. Abgesehen von dem zu schnellen Fahren und dem Fahren ohne Laterne nach Einbruch der Dunkelheit, sowie unrichtigem Ausweichen und Ueberholen, wird am meisten das Verbot des Befahrens der Bankette nicht beachtet, insbesondere weicht auch ein großer Teil bet Radfahrer den auf den Banketten gehenden Fußgängern nicht aus.
Ich nehme hieraus Veranlassung, die Radfahrer erneut auf genaues Jnnehaltcn der für den Radfahrverkehr bestehenden Vorschriften hinzuweisen. Die Polizeiorgane sind angewiesen, auf die strikte Innehaltung dieser Vorschriften ihr besonderes Augenmerk zu richten.
Die Herren Bürgermeister des Landkreises ersuche ich, Verstöße gegen die Polizeiverordnung über den Radfahr- verkehr vom 2. Juni 1908 nachdrücklich zu bestrafen.
Hanau den 20. Juni 1912.
Der Königl. Landrat und Polizeidirektor.
F t h r. Laur.
Zwangsversteigerung.
Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in Großauheim belegenen, im Grundbuchs von Großauheim Blatt 1918 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des
1. Bäckermeisters Georg Heeg,
2 dessen Ehefrau Eva geb. Eckrich, früher ir^^roßauheim, jetzt in Sandusky — Lhio Nr. 1328
Jeffersonstraße U. S. v. A. — je zur ideellen Hälfte eingetragenen Grundstücke:
Krtbl. 0 Nr. 599/297a
Krtbl. 0 Nr. 296
Krtbl. 0 Nr' 297
a) Wohnhaus Hauptstraße Nr. 43 mit 4,68 ar, Hofraum und 2,33» ar, Hausgarten 2,39 ar,
Krtbl. 0 Nr. 599/297a b) Scheuer mit Stall (B), c) Waschküche mit Stall und Abtritt (A), d) Schlachthaus,
e) Wurstküche mit Wohnung darüber, links (D),
Krtbl. 0 Nr. 296 f) Restaurationshalle
— jährl. Nutzungswert 865 Mark —
am 24. September 1912, nachmittags 4 Uhr,
durch das unterzeichnete Gericht — in Großauheim in der Gastwirtschaft „zum Engel" versteigert werden.
Hanau den 19. Juni 1912. 15479
Königliches Amtsgericht, Abt. 2.
durchzuhecheln. Könnte man eine Statistik veranstalten, welche Zeit und Geld gegenüberstellte, die auf diese und ähnliche Weise von deutschen und französischen Familien außerhalb des Hauses für Vergnügen und Unterhaltung alljährlich verplempert werden, man würde erstaunt sein, wieviel Zeit und wieviele Millionen mehr auf deutscher Seite dabei herauskämen, die ein Verlustkonto darstellen, das, was keine Zahlen andeuten können, auch noch eine große Summe verlorener moralischer und ethischer Werte in sich birgt. Man begeht in Deutschland auch noch immer den großen Fehler, Paris und seine äußeren Lebenserscheinungen als vorbildlich für ganz Frankreich anzusehen, wenigstens nach ihnen das übrige Frankreich anzusehen, wenigstens nach ihnen das übrige Frankreich als ziemlich gleichartig zu beurteilen. Vorbildlich und maßgebend ist Paris dem übrigen Frankreich für Mode, Kunst, Wisten- schaft und die Formen des gesellschaftlichen Lebens. In ebenso vielen anderen Punkten ist aber die französische Provinz das genaue Gegenteil von Paris. So viel kosmopolitischer Luxus, nicht französische, sondern kosmopolitische Ueppigkeit und Verschwendung hier, so viel echt französische Sparsamkeit und Einfachheit des Lebens dort. So viel sinnverwirrende Augenweide, Verlockungen und Fülle der Genüsse jeder Art, der schlechten und der guten, so viel Aufreibung der Nerven und Lebenskräfte hier, so viel nervenschonende Eintönigkeit und in sich gekehrte Beschaulichkeit des Lebens, so viel Langeweile und Beschränktheit der geistigen und ethischen Anregungen noch mehr wie der materiellen Lebensgenüsse dort. Für den Pariser und den in Paris einheimischen Fremden besteht die Kunst des Lebens darin, ein erfahrener Eklektiker zu sein und sich nicht von der Fülle dessen, was seinem Geiste und Körper geboten wird, zu hypertrophischer Lebensblasiertheit übersättigen zu lasten. Der französische Provinzler dagegen, von den durch ihr südliches Temperament zu lebhafterem Celellschaktsdaleiu veranlagten Bewohnern einiger größe
Ferttsprechanschlutz Nr. 230. 1912
AndmrtslWilher Kreisverei« Ham.
Am 30. d. Mts. findet eine Besichtigung der Domänen Kinzigheimerhof und Wilhelmsbaderhof statt. Nach der Güterbesichtigung finden sich die Teilnehmer in den Anlagen in Wilhelmsbad zu gemütlichem Beisammensein und Anhörung des Militärkonzerts zusammen.
Die Mitglieder des Vereins mit ihren Damen werden hierzu mit dem Ersuchen freundlichst eingeladen, die Teilnehmerzahl gefälligst bis zum 28. d. Mts. bei dem Schriftführer des Vereins, Herrn Domänen-Rentmeister Rein, Hardt, anzumelden.
Zusammenkunft am 30. d. Mts., nachmittags 2 Uhr, auf der Domäne Kinzigheimerhof.
Die Herren Bürgermeister werden ersucht, die vorstehende Bekanntmachung in ortsüblicher Weise wiederholt bekannt zu machen.
Hanau den 17. Juni 1912.
Der Vorsitzende.
Frhr. Laur, Landrat.
Gefunden: 1 Köcher von Wachstuch. Abzuholen auf dem Geschäftszimmer der Armenverwaltung.
Hanau den 22. Juni 1912. 15483
©efunbene und verlorene Seaenftönöe it.
Gefunden: 1 Brille mit Futteral.
Verloren: 1 silbernes Kollier, 1 goldene Damenuhr mit gold. Anhänger, 1 6-Markstück, 1 gold. Brosche mit kleinem Opal, 1 schwarzes Täschchen (Inhalt: 1 Portemonnaie mit 5 Mk., 1 Paar Handschuhe, ein Taschentuch und 1 Schlüssel), 1 grauleinener Herrenarbeitsrock (von einem Zaun vor dem Kanaltor weggenommen).
Zugelaufen: 1 schwarzer langhaariger kleiner Hund mit braunen Abzeichen m. Geschl., 1 brauner Jagdhund w. Geschl.
Hanau den 25. Juni 1912.
Politische Rundschau.
Ueber die Fahrt des Kaisers nach Rußland und Norwegen gelten folgende Bestimmungen: Die „Hohen-ollern" verläßt am nächsten Freitag Kiel ohne den Kaiser. Der Monarch fährt mit seiner „Meteor" nach TravemünLe und schifft sich dort zur Fahrt nach Danzig ein. Voraussichtlich geht am 7. Juli von Danzig aus die Fahrt nach den finnischen Schären. Nach der Rückkehr von Rußland wird Swinemünde angelaufen, wo sich die Gäste des Kaisers für die Nordlandreise einschiffen. Am 8. August trifft der Kaiser wieder in der Heimat ein.
rer südfranzösischer Städte wie Toulouse, Montpellier, Marseille abgesehen, hat die Kunst des Lebens darin zu suchen, in seiner vom Kastengeist trotz aller demokratischen Herrlichkeit gesellschaftlich streng abgeteilten, höchstens durch den Kampf örtlicher und politischer Jnteressenkliquen zuweilen belebten Einöde nicht zu einem Philisterdasein zu erstarren, das in dem täglichen „Aperitif" schließlich seine einzige soziale Erholung findet. Ist er aber ein Zugewanderter — Beamter, Offizier, Kaufmann, Gewerbetreibender, den das Schicksal nach kürzerer oder längerer Bekanntschaft mit der Circe des Nordens aus ihren Armen in die provinziale Einöde verschlug — so ist es gewöhnlich die Sehnsucht nach ihr, die ihn so lange beherrscht, bis es ihm gelungen ist, sich wieder aus dieser „Verbannung" in ihren Schoß zurückzuretten. Wir Deutsche haben alle Ursache, uns selbst und unser Vaterland um die glückliche Verteilung seiner geistigen, ethischen, wirtschaftlichen und politischen Kräfte zu beneiden, die jedem größeren Gemeinwesen eine sich selbst und ihren Mitgliedern genügende Lebenskraft für Geist und Gemüt, wie für ihr wirtschaftliches Wirken verleiht. Seien wir aber keine Pharisäer, die auch für unsere Allgemeinheit eine höhere persönliche und gesellschaftliche Moralität * zu haben glauben.
Albumblätter.
Hochmut ist kostspieliger als Hunger, Durst und Kälte.
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Die Erinnerung ist das einzige Paradies, auS dem roll nicht vertrieben werden können.
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Ein gut Wort, gut gesagt und auch gut ausgenommen, Dazu gut angewandt, mag uns zugute kommen.