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— Amtliches Organ für Statt- und Faudkreis Hanau.
Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des
verein, ev. Waisenhauses in Hanau. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: E. Schrecker in Kanan.
Nr. 145
Aernsprechanschltttz Nr. 230.
Montaq den 24. Jnni
Ferttsprechanschluß Nr. 230.
1912
Amtliches.
Stadt- und Candkreis Fjanau.
In der letzten Zeit sind aus dem Publikum häufig begründete Klagen über das Verhalten der Radfahrer geführt worden. Abgesehen von dem zu schnellen Fahren und dem Fahren ohne Laterne nach Einbruch der Dunkelheit, sowie unrichtigem Ausweiche« und Ueberholen, wird am meiste« das Verbot des Befahrens der Bankette nicht beachtet, insbesondere weicht auch ein großer Teil der Radfahrer de« auf den Banketten gehende« Fußgängern nicht aus.
Ich nehme hieraus Veranlassung, die Radfahrer erneut auf genaues Jnuehalte« der für de« Radfahrverkehr bestehenden Vorschriften hinzuweisen. Die Polizeiorgane sind angewiesen, auf die strikte Innehaltung dieser Vorschriften ihr besonderes Augenmerk zu richten.
Die Herren Bürgermeister des Landkreises ersuche ich, Verstöße gegen die Polizeiverordnung über de« Nadfahr- verkehr vom 2. Juni 1908 nachdrücklich zu bestrafen.
Hanau de« 20. Juni 1912.
Der Königl. Landrat und Polizeidirektor.
Frhr. Laur.
Stadtkreis Hanau.
Mit Rücksicht auf den Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in den Gemeinden Hörstein, Dettingen und Kleinostheim wird hiermit, um der Gefahr einer Seuchenver- schleppung vorzubeugen, die Abhaltung des Viehmarktes in oer Stadt Hanau am 26. d. M. untersagt.-
Hanau den 24. Juni 1912. P. 6855
Königliche Polizeidirektion.
Frhr. Laur.
Der Bahnhofsverwalter Max Boehme, wohnhaft kn Hanau, der Eisenbahn- und Kontroll-Assistent Friedrich Zarske, wohnhaft in Hanau, und der Eisenbahnassistent Eduard Beckmann, wohnhaft in Langendiebach, wurden zu Kleinbahnpolizeibeamten ernannt und als solche bestellt. Hanau den 20. Juni 1912. P. 6678
Königliche Holizeidirektion.
Frhr. Laur.
Bekanntmachung.
Auf Grund der Anweisung des Herrn Ministers für Handel und Gewerbe vom 20. November 1911, betreffend
Das Heidelberger Schloß. (Vom inneren Schloßhofe aus betrachtet.) „Alt Heidelberg, du feine Du Stadt an Ehren reich; Am Neckar unb am Rheine, Kein' andre kommt dir gleich."
Don Westen her betreten wir den herrlichen Schloßgarten mit seinen alten Bäumen, seinen prächtigen Wegen und gelangen in die Mauern des altehrwürdigen Schlosies. Früher standen hier mitten im Grünen kleine Häuser und Hütten den Vergabhang hinauf bis dicht an die Mauern des Schlosses. Das war die sogenannte Vergstadt, Burgstadt auch Burgfreiheit genannt, die bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts ein selbständiges Gemeinwesen mit eigner Gerichtsbarkeit bildete. Anfänglich war sie von den im Schloß Bediensteten bewohnt. Der Weg in den ehemaligen Vorhof des Schlosies und den jetzigen Schloßgarten führt über eine schmucklose, steinerne Brücke, unter der sich der zum Teil ausgefüllte Burggraben hinzieht, zum westlichen Haupttor. Dieses war wohl von Anfang an der Eingang, der Hauptzugang zum Schloß. Sind wir nun im Innern des Schloßgartens angelangt, machen wir erst noch rasch einen kleinen Abstecher nach links in den Stückgarten. Von hier aus sandten einst die Belagerten die Feuerschlünde (Stücke) über die Stadt hinweg. So erklären wir uns den Namen Les Gartens. Ursprünglich stand im Stückgarten noch eine Mauer, die diesen von dem südlich davorliegenden Teil des jetzigen Schloßgartens, dem Vorhofe der Burg, abgrenzte. Ein Rest dieser Mauer, die Clisabothpforte, ist noch zu sehen. Dieses prächtige Tor steht heute einsam und zum Teil verstümmelt mitten in der herrlichen, grünen Parkanlage. Wir verlassen nun den Stückgarten und wenden uns nach Osten dem Haupteingang des Schlosies Hu. Wir gehen noch einmal zurück zu dem Brückenhause. Dieses, ein schmuckloser, zweistöckiger Bau. wurde wie der Stückgarten und andere
die Ausgabe von Quittungskarten in Gemäßheit der §§ 1413. 1415 und 1421 der Reichsversicherungs-Ordnung hat die Ausstellung und der Umtausch der Quittungskarten sowie die Erneuerung verlorener, unbrauchbar gewordener oder zerstörter Quittungskarten vom 1. Januar 1912 ab durch die Ortspolizeibehörden, in Gemeinden mit Königlicher Polizeiverwaltung auch durch die Eemeindevorstände, zu erfolgen.
In Ausführung der vorstehenden Anweisung bringe ich nach Vereinbarung mit dem hiesigen Magistrat hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß vom 15. März d. Js. ab zwei Quittungskarten-Ausgabestellen bestehen und zwar:
1. Im Kreishaus — Polizeidirektion, Zimmer 4 — für die Bewohner des gesamten Stadtbezirks rechts der Kinzig, einschließlich Kesielstadt; ferner auf dem linken Kinzigufer für die Bewohner des Stadtbezirks, der abgegrenzt wird durch die Katharina Belgika- straße, Nußallee bis zur Bleichstraße, Sternstraße, Paradeplatz, Mühlstraße, Mühltorweg, Sandeldamm, Jahnstraße, Rhonstraße (verlängert)' bis zur Kinzig.
2. Im Rathaus — städtische Polizeiverwaltung Langstraße 41 — für die Bewohner des übrigen Stadtbezirks.
Zur Vermeidung von Irrtümern weise ich noch ausdrücklich darauf hin, daß nach vorstehender Einteilung die nördlichen Häuserreihen der unter 1 bezeichneten Grenzstraßen zum Bezirk der Ausgabestelle im Kreishaus, die südlichen Häuserreihen zum Bezirk der Ausgabestelle im Rathaus gehören.
Als G^schäftsstunden für die Ausgabe der Quittungskarten in. Kreishause bleiben wie bisher die Tagesstunden von 10—12 Uhr vormittags und von 3—5 Uhr nachmittags bestehen. Im Rathaus werden die Quittungskarten von 10—12% Uhr vormittags und von 3—5 Uhr nachmittags ausgegeben.
Hanau den 15. Februar 1912. P. 1690 Königliche Polizei-Direktton.
J. A.: Karbe.
Bekanntmachung.
Diejenigen Personen, welche für die in der Zeit vom 24. bis 29. d. Mts. erwarteten Einquartierungen Quartier angemeldet haben, werden darauf aufmerksam gemacht, daß nach Mitteilung der Militärbehörde in absehbarer Zeit in Hanau keine Einquartierungen stattfinden.
Hanau den 22. Juni 1912. 15443
Der Magistrat.
Hild.
Vefestigungsteile von Ludwig V. (1508—1544) erbaut. Mit der Rückseite erhebt sich das Gebäude unmittelbar über dem Rande des großen Schloßgrabens und ist auf den 3 übrigen Seiten von einem niedrigeren Graben umgeben. Gehen wir nun durch den Torweg des DrÜckenhauses hindurch, so gelangen wir auf die sich schräg anschließende Brücke. Ueber die breite Brüstung hinweg fd)tiuen wir in die schattige Tiefe des Schloßgartens; rechts im Garten sieht man noch die Trümmer eines zweistöckigen Gebäudes, in dessen Mauern Schießscharten für Handfeuer und Geschütz gebrochen sind. Im Norden schließt sich an die Brücke ein massives, schmuckloses Bauwerk, der viereckige Torturm, an. Auch er scheint unter Ludwig V. entstanden zu sein; zwei Jahreszahlen verbürgen uns wenigstens die Zeit seiner Erbauung: die eine (1531) im Kreuzgewölbe des Durchganges, die andere (1541) ist oben am Dachgesims eingemeißelt.' Ueber dem Eingänge stehen noch die zwei „Torriesen", Schildknappen, in voller Rüstung, allerdings etwas verstümmelt. Die Rechte hielt den langen Spieß, die Linke war an das Schwert gelegt. Beide Figuren, roh und schwerfällig gearbeitet, schließen eine Sandsteintafel ein, die ehemals in ihrer Mitte das kurpfälzische Wappen enthielt. Dieses ist aus der Tafel verschwunden; aber die beiden Löwen stehen als Wappenhalter noch aufrecht daneben und halten seit über 3 Jahrhunderten Schwert und Reichsapfel in den Klauen. Im übrigen ist der Torturm auf allen vier Seiten schmucklos. Die einzige Gliederung bilden èin das 1. Stockwerk ab- grender Bogenfries und zwei einfache Simse für die beiden obersten Stockwerke. Oberhalb eines jeden Simses weicht das Mauerwerk ein wenig nach innen zurück. An der Vorder- und Hinterfront des Turmes sind hoch oben zwei kreisrunde ^Vertiefungen für die Schloßuhr eingemeißelt. Der untere Teil des Turmes besteht im Innern aus einem einzigen gewölbten Raum, der wohl als Burgverließ diente. Das geschweifte Dach war ursprünglich achteckig.
Durchschreiten wir nun das Tor und treten in den
Zwangsversteigerung.
Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in Hanau belegene, im Grundbuchs von Hanau Artikel 3003 Abteilung I Nr. 1 zur Zeit der Eintragung des Ver- steigerungsvermerkes auf den Namen des Schlosiermeisters Heinrich Jung in Hanau eingetragene Grundstück: * Krtbl. SS 336/108 = 21,56 ar,
a) Wohnhaus Nr. 9 in den Türkischen Gärten mit abgesonderter Waschküche, Hofraum und Hausgarten,
b) Seitenbau rechts (A) — Diamantschleiferei und Schlosierwerkstatt — mit abgesondertem Abtritt (E),
c) Schlosierwerkstatt (B) mit Schornstein (C), d) Wohnhaus Nr. 7 mit einstöckigem Anbau,
e) Provisorischer Schuppen — Anbau an (B) eingetragen in
Nr. 2142 der Eebäudesteuerrolle,
Artikel 1852 der Erundsteuermutterrolle, 3185 Mk. Nutzungswert, am 20. September 1912, vormittags 10 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht an der Gerichtsstelle — Nußallee Nr. 17, Zimmer Nr. 13 — versteigert werden. 15409
Hanau den 13. Juni 1912.
Königliches Amtsgericht, Abt. 2,
SönWWIiter Kreisverein Haim.
Am 30. d. Mts. findet eine Besichtigung der Domänen Kinzigheimerhof und Wilhelmsbaderhof statt. Nach der Güterbesichtigung finden sich die Teilnehmer in den Anlagen in Wilhelmsbad zu gemütlichem Beisammensein und Anhörung des Militärkonzerts zusammen.
Die Mitglieder des Vereins mit ihren Damen werden hierzu mit dem Ersuchen freundlichst eingeladen, die Teilnehmerzahl gefälligst bis zum 28. d. Mts. bei dem Schriftführer des Vereins, Herrn Domänen-Rentmeister Reinhardt, anzumelden.
Zusammenkunft am 30. d. Mts., nachmittags 2 Uhr, auf der Domäne Kinzigheimerhof.
Die Herren Bürgermeister werden ersucht, die vorstehende Bekanntmachung in ortsüblicher Weise wiederholt bekannt zu machen.
Hanau den 17. Juni 1912.
Der Vorsitzende.
Frhr. Laur, Landrat.
Schlohhof ein, so bietet sich unserem Auge ein Bild unvergleichlicher Schönheit und Großartigkeit. Links ragen Lie Ruinen der drei gotischen Bauten empor: Ruprechtsbau, Bibliotheksbau und Frauenzimmerbau. Gerade vor uns liegt der Prachtbau Friedrichs IV., der Friedrichsbau, mit der stolzen Ahnenreihe der Wittelsbacher. Rechts daneben, nur durch einen schlichten Vorbau getrennt, erblicken wir die Arkaden des gläsernen Saalbaues. An diesen schließt sich rechts der weltberühmte Bau Ottheinrichs (1556—1559) mit dem Treppenturme davor. Nun folgen die verschiedenen Nutzbauten: Ritterküche, Herrenküche, Metzelhaus und Backhaus. Den Reigen schließt der Soldatenbau mit der malerisch vorgelegten Brunnenhalle. Die meisten dieser einst so stolzen Bauten liegen in Trümmern, ein Teil ist notdürftig wieder hergestellt um nicht vollständig dem Zerfalle preisgegeben zu werden.
Um einen besseren ll eberblick zu bekommen, machen wir einen Rundgang durch den Hof und wenden uns gleich links vom Eingänge dem Ruprechtsbau zu. Eine am Obergeschoß angebrachte, sehr verwitterte Jnschrifttafel sagt uns, daß Pfalzgraf Ruprecht das Haus um 1400 erbaut und Pfalzgraf Ludwig (t 1540) erneuert habe. Aeußerlich ist der Ruprechtsbau schmucklos, kahl und bis zum Hauptgesims ungegliedert. Kein Erker, kein Vorsprung, kein Zwischengesims unterbricht die glatte Wandfläche, die wohl auf Bemalung berechnet war. Sehr verschieden sind die Fenster gestaltet; wir finden dreigeteilte Fenster mit überragender mittlerer Oeffnung und rundbogig geschlosiene, mit Maßwerk verzierte, wohl aus einer späteren Zeit stammend. Um eine bessere Beleuchtung des Fußbodens zu erzielen, ist der mittlere Teil der Gangfenster soweit heruntergerückt, daß aus einem dreigeteilten Fenster drei einzelne Fenster ent« standen; das mittlere ist in flachen Bogen überspannt. Der einzige Schmuck an der Außenseite des Baues find zwei Steintafeln Wischen je 2 Fensterpaaren des 1. Stockwerkes. Die eine zeigt den Reichsadler mit 2 Schilden in feinen