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Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des

General-Anzeiger

Amtliches Orga» für 5M- und Landkreis Sava».

MsrteljShrlich 1.80 Mk.» monatlich 60Pfg^ für Post, bezug vierteljährlich 2J.0 Mk., monatlich 70 Pfg.

Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.

verein, eo. Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: E. Schrecker ta Hanau.

Nr. 144

Z^ernsprechanschluH Nr. 230

Samstag den 22. Juni

Fernsprechanschlutz Nr. 230» 1912

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Mr Mt tarnet mW nutz» dem MOItWrM

18 Seiten.

Amtliches.

Stadtkreis Hanan.

Nach der landespolizeilichen Anordnung des Herrn Re­gierungspräsidenten zu Cassel vom 26. März d. Is. ist alles Klauenvieh, welches aus verseuchten Regierungsbe­zirken oder diesen gleichstehenden Verwaltungsbezirken des deutschen Reiches in den Regierungsbezirk Cassel auf dem Sandwege eingeführt wird, bei der Einfuhr einer amts- tierärztlichen Untersuchung zu unterziehen. Zur Ausfüh­rung dieser Anordnung bestimme ich als Untersuchnngs- stellen für das auf dem Landweg eingebrachte und zum Auftrieb auf die hiesigen Viehmärkte bestimmte Vieh und ;war für das aus Bayern eingebrachte den Schnittpunkt Leipzigerstrahe-Auheimerweg, für das aus Hessen einge­führte Vieh die Kreuzung Steinheimerstrahe-Neue Anlage. Alles Vieh ist danach, soweit es nicht schon tags vorher kreistierärztlich untersucht worden ist, an diesen Kontroll- plätzen am Morgen des Markttages vorläufig so zeitig auf­zutreiben, daß die amtstierärztliche Untersuchung an dem Schnittpunkt Leipzigerstraße-Auheimerweg spätestens um "45 Uhr und an dem Kontrollplatz Steinheimerstraße-Neue Anlage spätestens 5K Uhr stattfinden kann.

Ich ersuche die Interessenten, insbesondere die Vieh­händler, bei Einfuhr von Vieh am Markttage diese Anord­nung im Interesse der Durchführung einer geregelten Kon­trolle streng zu beachten.

Hanau den 21. Juni 1912. P. 6543

Königliche Polizeidirektion.

Frhr. Laur.

Landkreis Hanau.

Da die Ladungen der Militärpflichtigen zum Aus- Hebungsgeschäft den Herren Bürgermeistern und Gutsvor­stehern erst in den nächsten Tagen zugehen, wird der in meiner Kreisblattbekanntmachung vom 12. d. Mts. betr. das diesjährige Aushebungsgeschäft (s. Nr. 136 und 137 Dieses Blattes) festgesetzte Termin zur Anzeige über die er­folgte Aushändigung der Ladungen hiermit auf den 30. d. Mts. festgesetzt.

Hanau den 22. Juni 1912. M. 1678

Der Königliche Landrat.

I. V.: Scheelhaase, Kreissekretär. eg»w 1 ..... ... 2L-J'"

Rosenmonat.

Aus Eduard Mörikes friedvollem Pfarrgärtchen in Cleversulzbach weht noch immer ein stiller Glückshauch in die Herzen der Schönheitsfrohen. Die heißen Sehnsuchts­träume der Frühlingsnächte kehren aus ungeschauten Him­melsfernen leise auf die Erde zurück und spinnen ihre gol­denen Zauberfäden um alle Gärten, daß das schönste Wun- oer der Natur den Werderuf des ewigen Meisters im hei­ligen Schlafe vernimmt und über Nacht die unaussprechliche Herrlichkeit feiner samtenen Vlütenschätze entfaltet, llud Flora, die nie Alternde, geht leise, leise von Strauch zu Sttauch und unter ihrem singenden Segen geben alle Kelche im seligen Beglückungsrausch das göttliche Gut ihrer Düfte her, die ewig betrogene und ewig betrügende Welt auf kurze Zeit von aller Not zu erlösen und aus der Erdenstaubtiefe emporzuheben. Ein schöneres Preisgebet wußte auch der Herrliche im Pfarrgärtchen nicht, als den Duft einer frisch- erschlossenen Rose mit verträumtem Lächeln in die reiche Seefe einzusaugen. Ist es nicht, als ob die Nähe einerRose den Menschen entsündige und reif mache zumElück derEinsamkeit?

Rosenmonat! . . . Wir lieben unsere Gärten nie mehr, als wenn die weißen, gelben, dunkelroten Rosen durch das frische Frühsommergrün zu leuchten beginnen, wenn die tauige Morgenstunde uns die ersten feinen Duftwellen zu­trägt, die sich leise beschwichtigend um die Seele legen. Und jedes abfallende Rosenblatt weckt ein stilles Bedauern, daß alle die Herrlichkeit nur von kurzer Dauer sein soll, daß wir nicht jeden Tag des Jahres diese köstlichsten Werke der Natur um uns sehen und mit uns tragen dürfen.

Rosen, Rosen was uns an heiligen, heißen Erinne­rungen in der Seele lebt, wird wieder gegenständlich bei ihrem Duft, als ob alles Schöne des Lebens in ihre Knospen­fülle gebannt sei und nur der verstehenden Annäherung be­dürfe, um aufs Neue auf uns überzuströmen. Verrauschte Liebe, verblaßtes Glück, erstorbene Sehnsucht alles fin­de» wir in einer einzigen Role wieder, die uns auf ein

Stadtkreis Hana«. Bekanntmachung.

Arbeitsuchende: 1 Bäcker, 1 Friseur, 1 Lackierer, 1 Schrei­ner, 1 Schuhmacher, 1 Fabrikarbeiter, mehrere Tag­löhner, Hausburschen, Fabrikarbeiter und Fahr­burschen.

Offene Stellen. Gesucht werden: 2 Dienstmädchen, 1 Drechs­ler, 2 jüng. Fabrikarbeiterinnen, 1 Glaser, 1 Haus­bursche, 1 Mönatsfrau, 2 Schneider, 1 Schreiner und 2 Tapezierer und Polsterer, 1 Silberformer, 1 Poli- seuse, 2 Mädchen für leichtere Arbeit.

Hanau den 22. Juni 1912. 15385

Städt. Arbeitsvermittelungsstelle.

Dienstnachrichten.

In den Gemeinden Dettingen und Hörstein ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.

Hanau den 21. Juni 1912. V. 3701/3702

In Wächtersbach, Kreis Gelnhausen, ist die Schweine­seuche festgestellt worden.

Hanau deu 21. Juni 1912. V. 3752

In der Gemeinde Kleinostheim ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.

Hanau den 2L Juni 1912. V. 3738

Die Maul- und Klauenseuche im Schlacht- und Viehhof Frankfurt a. M. ist erloschen.

Haâ den 21. Juni 19131 V. 3751

Bekanntmachung.

Die Zwangsversteigerung der in Hanau belegenen im Grundbuch von Hanau Blatt 3785 und 3862 auf den Namen:

Blatt 8785:

a) Privatmann Bonum Nußbaum in Frankfurt a. M., b) Kaufmann Selig Nußbaum in Frankfurt a. M., c) Kaufmann Leopold Bachrach in Frankfurt a. M. je zu ^a Anteil.

Blatt 3862:

a) Privatmann Bonum Nußbaum in Frankfurt a. M., b) Kaufmann Gottfried Roosen in Gonzenheim,

c) Kaufmann Leopold Bachrach in Frankfurt a. M.

je zu */3 Anteil eingetragenen Grundstücke findet zum Zwecke der Auf­hebung einer Gemeinschaft statt.

Hanau den 19. Juni 1912. 15359

Königliches Amtsgericht, Abt. 2.

paar Stunden den seligen Traum der Unvergänglichkett alles Empfundenen vorzaubett. Und so Tag um Tag, die ganze selige Rosenzeit hindurch, immer das Gleiche und doch mit unaufhörlich wechselndem Stimmungsgehalt für alle zerschlagenen Hoffnungen und allen gestürzten Glauben gibt uns das Leben doch diese eine reiche, nie trügenbe Entschädi­gung. Und wir begreifen, daß der Mensch nie ganz arm werden kann, solange ihn Rosen umblühen.

Zur Nacht, wenn grüngoldene Lichtfünkchen durch die Gärten fliegen, geht der Rosenzauber um. Ein blasses Frauengesicht neigt sich tief über dunkelrote, halberschlossene Blüten, saugt ihren Dust ein wie glühenden Lebensodem, so süß, so berauschend süß, daß die leuchtenden Augen sich schließen müssen und ein tiefes, seliges Seufzen der wach­gewordenen Seele entquillt. Der Hauch eines Flüsterwortes liegt auf den halbgeöffneten Lippen, aber der Rosenduft streift alles Irdische ab, läßt nichts als das heilige, heiße, tiefe Bewußtsein eines stummen Menschenglücks, dem der Tag nicht hält was die Nacht verspricht. Ein seliges Jnsich- verlorensein, ein Untertauchen in die Ahnungstiefen außer­irdischer Wesensvollkommenheit, ein leises Erzittern vor der Heiligkeit der Stunde, für die alle Menschengedanken zu arm sind. Rosenzauber! . . .

Es ist etwas, das uns mit der fernsten Vergangenheit verbindet, als ob die Rose vor allen anderen Blumen die geheimnisvolle Kraft habe, aus dem Moderstaub der Erde alles gewesene Schöne wieder erstehen zu lassen und in leisen Wunderdüften auszuhauchen. Kaum erkennbares und doch so unendlich sinnvolles Walten der reichen, starken Natur.

Träume, Rose, deinen kurzen Traum!

Schicke in den leiderfüllten Raum Aller Welten, aller Sehnsuchtsfernen Endlich wieder deinen Dust einmal, Daß die Menschen all' in Not und Qual Wieder an das Leben glauben lernen.

Neige, Rose, dich der stummen Nacht! Schönhett hast du neu der Welt aebracht.

Handelsregister.

Offene Handelsgesellschaft in Firma:

Zeh & Schien"

mit dem Sitze in Hanau:

Die Witwe des Kaufmanns Theodor Schien, Marke Schien, geb. Rödiger, zu Hanau, ist aus der Gesellschaft ausgeschieden. Der Kaufmann Eduard Zeh zu Hanau ist in die Gesellschaft als persönlich haftender Gesellschafter ein- getreten.

Die Prokura des Kaufmanns Eduard Zeh in Hanau ist durch seinen Einttitt als Gesellschafter erloschen.

Dem Kaufmann Gustav Schien zu Hanau ist Prokura erteilt.

Eintrag des Königl. Amtsgerichts 5 in Hanau

vom 20. Juni 1912. 15349

Sehntet md oerlomte SegeeWe x

Gefunden: 1 schwarzseidener Gürtel.

V e r lo r en : 1 Trauring (gez. Ch. Sch. Mai 1912), 1 silberne Damenuhr mit schwarzer Perlenkette, 1 braunes Kindertäschchen mit 5 Pfg. und 1 kleines Taschentuch.

Hanau den 22. Jnni 1912.

Politische Rundschau.

Der Kaiser in Kiel. Wie and Kiel gemeldet wird fand an Bord derHohenzoller«â bei dem Kaiser ein Ess« statt, an dem u. a. teilnahmen das Kronprinzenpaar, Prinz und Prinzessin Eitel Friedrich, Prinz Adalbert, Reichskanzler v. Bethmann Hollweg, Cecil Whitaker (englische Jacht Waterwitch"), Thomas I. Lipton von der englischen Jacht Shamrock", Generalsekretär Albert Grisar (öeigische Jacht Antwerpia IV*), Max Wächter von der englischen Jacht Rovenska", Vorsitzender des Direktoriums des Norddeutschen Lloyd Heineken, Careaga von der spanischen Jacht ^ifpania*, Generalkonsul Georg Waetgen, Dr. C. Vermeer von der holländischen JachtDavo", Mr. William Tranter von her englischen JachtBunty", Dr. I. Friele von der norwegischen JachtSkum II*, Mr. Myles B. Kennedy von der Jacht White Heather II*, A. Weil von der französischen Jacht Gefion IIP, Felix Simon von der englischen Jacht Namara".

Die italienische Kammer verhandelte gestern über den Gesetzentwurf der Errichtung eines Kolonialministeriums. Ministerpräsident Giolitti hob die Notwendigkeit hervor, alsbald eine planmäßige und sichere Lösung der sehr ernsten Fragen für die Kolonien anzustreben, wie die Regulierung des Famllieneigentums, der Rechtssprechung, des Abgaben« systems, des ZivilstandeS und der Schule. Der Mülister« Präsident schloß, die Erttchtung des Ministeriums entspreche

Alles Licht mußt' trunken dich umwerbe», Könige sahst du huld'gend vor brr stehn, Bettler hast du froh vor Glück gesehn Rose, sieh', nun kannst du lächelnd sterben. C. K.

Kunst und Leben.

pr. Bad Homburg v. d. H., 21. Juni. Man schreibt uns: Gestern abend veranstaltete im (Solbfaale des Kur­hauses Fräulein Sofie H e s s e m e r aus Frankfurt a. M. einen melodramatisch-deklamatorischen Abend, der sich eines guten Besuches zu erfreuen hatte. Frl. Heffemer trug G* 'dichte von Uhlcmd, Tresber, Emil Claar re. vor und Frl. Friedel Schneider aus Frankfurt a. M. brachte die zu den einzelnen Borträgen komponierte Musik am Klavier zu Ge« hör. Frl. Sofie Hessemer gelang es, dcmk ihres volle«, modukationsreichen Organs, und der äußerst scharf abgefellten Aussprache einen vollen, unumstrittenen Erfolg zu erzielen. Die feine diskrete Musikbegleitung wurde von Frl. Friedel Schneider in sehr gewandter und verständnisvoller Weise ausgeführt. Die beibén Künstlerinnen, und besonders Frl. Sofie Hessemer wurden von dem zahlreich erschienene« kunst­sinnigen Publikum mit reichem, wohlverdimtem Beifall und kostbaren Blumenspenden ausgezeichnet.

Bad-Nauheim. Sinfonie-Konzert der Kurkapelle. Heute Samstag abend gelangt als Hauptnummer des Pro­gramms die Große phantastische Sinfonie von Hektor Ber­lioz zur Aufführung. Das Werk fanb bei seinen früheren Aufführungen stets begeisterten Beifall, da es neben vielem Bizarren auch Szenen von wunderbarer Schönhett roh erinnern nur an die prachtvolle Gewttterszewe, deu ©ang zum Richtplatz, die Szene auf dem Balle aufmeift Solist des Abends ist Herr Konzertmeister Iani Skonto, welcher das herrliche Violinkonzett von Max Bruch in G=moll Nr. 1 spielen wird. Eingeleitet mirb der Abend durch den schon vor mehreren Jahren erstmalig aufgoführte« Prolog zu Björnsons DramaRiccio" von Adolf Sa»d- berger.