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EinrückungsgeLLHr;
Die bgespattene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. im Reklameteil die Zelle 50 Pfg.
Rotationsdruck und Verlag der Vuchdruckerei des
verein. ev. Waisenhauses in Hanau.
Orga» 1 für Ltadt- und Landkreis Kauau.
Bezugspreis:
Mettefiâhrlich 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg., füt Post- bezug vierteljährlich 2.10 Mk., monatlich 70 Pfg.
Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: E. Schrecker i» Hamm,
Nr. 138
^ernsprechanfchlutz Nr. 23V.
Samstag den 15. Juni
Fernsprechanschlutz Nr. 230.
*
Die leidige Mummet mW nutzn lem DnterlolhmgsMntt
14 Seiten.
Amtliches.
Landkreis Hanau.
An die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises.
Die Reichsversicherungsordnung hat Len Kreis der gegen Krankheit zu versichernden Personen beträchtlich erweitert. Der Versicherungszwang ist namentlich ausgedehnt worden auf:
1. Alle Arbeiter, Gehilfen und Lehrlinge solcher Betriebe, die sich nicht gewerbsmäßig vollziehen. (Dadurch werden z. B. die Bediensteten der Reichs-, Staats- und Gemeindebehörden wie Schreiber, Kanzlisten, Attenhester, Boten, Aufwärter, Heizer versicherungspflichtig. Ferner sind die bei Notaren und Gerichtsvollziehern beschäftigten Personen, die im Privathaushalte tätigen Schneiderinnen, Büglerinnen, Waschfrauen, Aufwartefrauen und die Kutscher, Kraftwagenführer der Aerzte usw. für die Folge gegen Krankheit zu versichern.)
2. Angestellte in gehobener Stellung sofern diese Beschäftigung ihren Hauptberuf bildet.
(Hierunter fallen z. B. die Expedienten, Gemeinde- sthreiber,^ Erheber, Hausväter an Wohltätigkeitsanstalten, K inderfräuleins, Gesellschafterinnen.)
3. Gehilfen und Lehrlinge in den Apotheken.
4. Lehrer und Erzieher (z. B. Handarbeitslehrerinnelf).
Dergl. jedoch § 169 Reichsversicherungsordnung. —
5. Bühnen- und Orchestermitglieder ohne Rücksicht auf den Kunstwert ihrer Leistungen.
6. Die im Wandergewerbe beschäftigten Personen.
7. Dienstboten.
Voraussetzung der Versicherungspflicht all dieser Personen mit Ausnahme der Lehrling? ist, daß sie gegen Entgelt beschäftigt werden »und für die unter 2—5 Genannten, daß ihr regelmäßiger Iahresarbeitsverdienst 2500 Mark nicht übersteigt.
Wenngleich über den Zeitpunkt, zu dem das 2. Buch der Reichsversicherungsordnung (Krankenversicherung) in Kraft treten soll, eine bestimmte Entschließung noch nicht gefaßt ist, so hat der Herr Minister für Handel und Gewerbe doch die Anstellung von Ermittelungen über die Zahl der nach der Reichsversicherungsordnung versicherungspflichtigen
Touristische Plauderei.
Von einem Wandersmann.
Ein großes Buch ist aufgestellt, Kein schöneres gibts auf weiter Welt, Mit Bildern ist es ausgeschmückt,
v Die herrlicher man nie erblickt.
Und fragst du, wer dies Buch verwahrt, Das soviel Wunder offenbart?
O geh' hinaus in Wald und Flur, Das Wunderbuch, es heißt Natur.
Wem steigt nicht beim Namen „Spessart" ein Bild herauf, so herzwarm und waldfrisch, so voll heiterer Anmut, daß ein heimlich Sehnen über seine Seele schleicht, wieder einmal dorthin zu wandern, wo sich in des Waldes Weben das Rauschen der Bäche mischt, wo ein schier unübersehbares Wäldermeer uns mit jeder Luftwelle Gesundheit predigt.
Der Spessart ist ein köstliches Waldjuwel, ein nie auszuschöpfender Jungbrunnen für Leib und Seele.
Von allen Seiten kommen ozonbedürftige Menschenkinder herbeigeströmt, den herbfrischen Würzehauch dieser unermeßlichen Wälder in tiefen sehnsuchtsvollen Züg"n zu trinken, den Leib wieder aufzustryffen und der abgehetzten Seele neue Schwingen zu leihen.
Mit jedem Jahre wallen stärkere Wogen von Gästen und Wandervögeln in den Spessart. Zu denen, die für einige Wochen vor Anker gehen, Stammgäste, welchen die ewig junge Waldnatur es angetan hat, kommen Hunderte von Touristen, die mit Rucksack und Stock über das Gebirge ziehen, um dann daheim noch lange von der Waldespracht des Spessarts zu schwärmen, im Herzen die Sehnsucht nach einem Wiederkommen tragend.
Ueber den Kamm des Spessarts, den Wellenlinien des Gebirges teilweise folgend, zieht eitz uralter Pfad, die „Birkenhainer Straße", die Grenze zwischen Preußen und j Bayern. i
Wer denselben wandert, dem raunen die Baumwipfel , geheimnisvoll au. er blickt. reifet einmal der stille Hochwald
Personen angeordnet, um einen Ueberblick über die künftige Organisation der Krankenkassen zu gewinnen.
Ich ersuche daher bis spätestens zum 25. ö. Mts. ein Verzeichnis einzureichen, aus dem die Zahl der im dortigen Gemeindebezirk vorhandenen unter 1—7 bezeichneten Personen zu ersehen ist. In dem Verzeichnis sind die Angaben nach den einzelnen Gruppen getrennt aufzuführen. Den Erhebungen ist der Stand vom 15. d. Mts. zu Grunde zu legen.
Ich bemerke, daß über die weiter der Krankenversicherungspflicht nach der Reichsversicherungsordnung neu unterworfenen, in dieser Verfügung aber nicht erwähnten Personenkreise (die land- und forstwirtschaftlichen Arbeiter und die Hausgewerbetreibenden und umstandig Beschäftigten) anderweil Ermittelungen angestellt worden find.
Hanau den 13. Juni 1912. V 3471
Der Königliche Landrat.
Frhr. Laur. '
Stadtkreis Hanau.
Bekanntmachung.
Die Badeanstalt in Bangertstraße Nr. 2 ist vom Mont- tag den 17. d. Mts. wieder geöffnet.
Hanau den 14. Juni 1912. 14811
Der Stadtbaurat.
Ehrich.
Bekanntmachung.
Am Montag den 17. d. Mts^ oormittzrgs^ Uhr, findet im unteren Saal des Neustädter Rathauses, Zimmer 1, öffentliche Sitzung des Gewerbegerichts statt.
Hanau den 11. Juni 1912. 14813
Der Vorsitzende des Gewerbegerichts.
I. V.: Bartmuß.
Bekanntmachung.
Arbeitsuchende: 1 Bäcker, 1 Fahrbursche, 1 Former, 1 Glaser, 2 Monatsfrauen, 1 Modelleur, 1 Schneider, mehrere Taglöhner, Hausburschen unb Fabrikarbeiter.
Offene Stellen. Gesucht werden: 3 Dienstmädchen, 1 Drechsler, 2 Friseure, 1 Küfer, 1 Schmied, 2 Schneider, 3 Schreiner, 2 Schuhmacher, 1 Tapezierer und Polsterer, 3 Weißbinder, 3 Zigarrenmacher, 3 Wickelmacher und 2 Schlosserlehrlinge.
Hanau den 14. Juni 1912. 14791
Stadt. Arbettsvermittelungsstelle.
seitlich auf, in tief eingefurchte Täler, in denen malerische Dörfchen ruhen. Ab und zu wechselt aufgescheuchtes Wild über die grüne Bahn, ein Raubvogel zieht seine stillen Kreise hoch in der Lust, um dann plötzlich irgendwo einzufallen.
Fernes Glockengebimmel klingt aus der Tiefe. Wollen ziehen über den Kamm; Winde blasen uns um die Ohren.
Und dann wirst man sich am Wegrande nieder, zwischen Moos und halbmannshohem Deerengebüsch, schiebt den Rucksack unter den Kppf und träumt oder horcht auf, was die bemoosten Grenzsteine uns alles erzählen, was hier im Laufe der Jahrhunderte kam und ging.
Dann ist der Sttmmungszauber des Spessarts um uns und nimmt all unser Fühlen in seinen Bann. Buchenwälder schlagen ihren fonnengolddurchfluteten Mantel um uns, bis die Dämmerung sich leise in die Täler senkt.
Immer, immer ist es in dem Spessatt schön. Im Lenz, wenn Vogellärm die Wälder durchhallt und die Buchen ihre lichtgrünen Augen aufgeschlagen haben.
Schön zur Sommerszett, wenn die weiten Wälder Frische und Schatten bieten und die Waldwiesen in Blüte stehen.
Schön, wenn der Herbst im farbigen Mantel über die Höhen reitet, sein Hauch die Wipfel leert und die Rebel brauen.
Und endlich wenn der Winter alles in seinen eisigen Bann legt, in unsagbar weißer Majestät die Hermelinmäntel von den Bergen schimmern, die Wälder Marmor- ! hallen aufgebaut haben und wenn in hellen Tagen Millionen von Rauhreifkristallen in der Sonne glitzern.
Dann strömen wieder Männlein cknd Weiblein herbei, um sich rote Backen, helle Augen und ein lichtes Frohgemüt > zu holen.
Wer einmal dem Spessart, diesem grünen, steundlichen Matt im Herzen Deutschlands, so recht ins Auge sah, der hat ihn liebgewonnen, der nimmt ein heimlich Sehnen mit heim nach einem Wiederkommen.
Stolzer mag manch anderes deutsche Waldgebirge aussehen, aber wohl nirgends gibt es anmutigere heimlich süßere Täler, wie im Spessart. Wo ein Bächlein zu Tal
Gutes Pferdeheu diesjähriger Ernte, wenn es vollständig froren ist, kauft schon jetzt 14347
Proviantamt Hanau.
Gefunden: 1 Kragen, 1 Vorhemd, 1 Schlips auf dem Friedhof; abzuholen auf dem Geschäftszimmer 8er Armenverwaltung.
Hanau den 14. Juni 1912. 14789
Wundem und oerlotene Weullünde il
Gefunden: 1 kleiner Kinderschubkarren.
Verloren: 1 silberne Herrenuhr mit Doublekette.
Zugelaufen: 1 dunkelbrauner kleiner Rehpiuscher mit Hellen Abzeichen.
Entlaufen: 1 schwarze Dobermannhündi».
Gefunden im Lamboywald: 1 Herrenschirm.
Verloren im Lamboywald: 1 Damenschirm« Zugelaufen im Lambo ywalL: 1 schwarze Dachshündin.
Hanau den 15. Juni 1912.
Politische Rundschau.
Die bisherige Deuts«^ Feldarbeiter«Zentralstelle ta Berlin bittet uns, unseren Lesern mitzuteilen, daß sie gemäß einem Beschlusse der Mitgliederversammlung vom 18. Dezember 1911 und mit Genehmigung der preussischen Regierung ihren Namen in „Deutsche Arbeiterzentrale" geändert hat.
Das Ende des Falles Kraatz. Pastor Kraatz, von der Luisenkirche in Charlottenburg, der wegen des Verhaltens des Militärs während seines Gottesdienstes verschiedentlich versucht hat, Klage gegen den Hauptmann Frhrn. o. Bredow und den Oberleutnant Frhrn. v. Buddenbrock wegen vorsätzlicher Störung des Gottesdienstes einzureichen, ist am Donnerstag endgültig vom ReichsmilitSrgericht mit seiner Klage abgewiesen worden. Vorher hatte bereits Las Gericht des Gardekorps die Anzeige nicht angenommen. Der militärische Instanzenweg ist damit erschöpft. Die Entscheidung butiert vom 20. Mai.
Das dritte Geschwader unserer Schlachtflotte soll, wie die „Tägl. Rundsch." mitteitt, bereits im Herbst in Wilhelmshaven gebildet roetben. Das dritte Geschwader wird u. u„ wie das Blatt wetter mitteitt, die Linienschiffe „Kaiser" und „Friedrich der Große" enthalten. „Kaiser" ist am 22. März 1911, „Friedrich der Große" am 10. Juni 1911 vom Stapel gelaufen. Die beiden Schiffe dürften im
eilt, fehlt selten ein Wiesenstreifen an seinen Ufern, der mit seinem saftigen Grün und von hohen Bäumen und Bergen umrahmt, eine Erguickung für Nerven und Augen vermittelt.
Eins der unmutigsten Waldtäler im Spessart, welches sich in den letzten Jahren eines steigenden Besuches erfreut, ist die Lützel.
Von der Station Lanzingen der Spessartbahn (Geln- hausen— Lochborn) zieht sich das.köstlich friste Tal der Lützel südlich nach der Birkenhainerstraße durch prachtvolle Salbungen, die sich stundenlang über die Höhenrücken dehnen.
Wer der Stadt mit ihrem Gehaste und (Betriebe ent* fliehen und auf waldgekrönten Bergen den beglückenden Frieden einer zum Herzen brechenden Natur genießen möchte, wer seinen abgespannten Nerven Ruhe gönnen, wer sich in heilkräftiger Waldluft Erholung verschaffen und sich neuen Lebensmut erwerben will, für den ist die Lützel bei rechte Drt Eine Fülle lauschiger Reize ist über dieses Tal ausgegossen.
Frei vom Geräusch belebter Verkehrsst raßen, liegt die Lützel bergumschlossen, von prächttgen Wäldern umrauscht. Infolge dieser günstigen Lage ist die Luft äußerst rein, frisch belebend und durch die Nähe der riesigen WälLer außerordenttich reich an Ozon.
Die Temperatur ist gleichmäßig angenehm und au er- frischenden Brisen fehlt es selbst bei großer Hitze nicht. $n ben bequemen, dicht am Orte beginnenden Waldwegen zwanglos sich zu ergehen und die würzige Waldluft einzuatmen oder an heißen Tagen in Hängematten oder im Moos zu liegen und dem Raunen und Rauschen 8er Baum- wipfel zu lauschen, das ist ein hoher Genuß.
Der Sommerftischler, der sich am liebsten auf Wegen mit mäßiger Steigung bewegt, findet ebenso wie derjenige, welcher lieber Berge erklimmt, die ihm zusagenden Wege, und ein treuer Stamm aller Gäste kehrt Jahr für Jahr freudig in dem Jagdhaus zur Lützel ein, in welchem eint freundliche Wirtin bei mäßigen Preisen gute Pension bietet