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Sr߫S Statt

Elnrückungsgebühr;

Die 6gespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. im Reklameteil die Zeile 50 Pfg.

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein. eo. Waisenhauses in Hanau.

Amtliches Organ für StaM= und Fandürris Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Bezugspreis:

vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg., für Post- bezug vierteljährlich 2.10 Mk., monatlich 70 Pfg, Die einzelne Nummer kostet 8 Pfg.

Verantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Nr. 135 Rernfore*aiiMihi6 Nr. 230.

Dienstag den 11. Juni

Fernsprechanschluß Nr. 230. 1912

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13 Seiten.

Hi««,« Amtliche Beilage Nr. 5".

Amtliches.

Stadtkreis Fjanau.

Wegen Verlegung unterirdischer Leitungen in dem Durchbruch der Sandelmühle wird der Durchgang durch die Sandelmühle am 12. und 13. d. M. während der Tages­und der Nachtzeit für den durchgehenden Fuß - gSngerverkehr gesperrt

Hanau den 10. Juni 1912. P. 6416

Königliche Polizeidireklion.

Frhr. Saut.

Bekanntmachung.

Es werden voraussichtlich in der Zeit vom 24. bis 29. Juni cr. hier größere Einquartierungen stattfinden. Per­sonen, die mindestens 6 Soldaten ein geeignetes Quartier bieten können, werden ersucht, sich auf dem Rathause, Zim­mer 87, zu melden, woselbst weitere Auskunft erteilt wird. Hanau den 10. Juni 1912. 14467

Der Magistrat.

Hild.

Städtische Sparkasse

Das am 21. Mai 1907 für Fräulein Dora Brech, Tochter des Herrn Georg Brech hier, ausgeferttgte Einlage­buch Nr. 7585 ist angeblich abhanden gekommen. Der et­waige Besitzer des Buches wird gemäß § 26 der Satzungen aufgefordert, sich zu melden und seine Ansprüche auf das Guthaben beim Vorstande der Sparkasse geltend zu machen, widrigenfalls nach Ablauf von drei Monaten ein neues Einlagebuch der Verliererin ausgefertigt wird.

Hanau den 8. Juni 1912.

14465 Der Vorstand.

Zwangsversteigerung.

Zum Zwecke der Aufhebung der Gemeinschaft, die in Ansehung des in der Gemarkung Langendiebach belegenen, im Erundbuche von Langendiebach Art. 426 in Abt I unter Rr. 129 zur Zeit der Eintragung des Versteige­rungsvermerkes auf den Namen der verstorbenen Ehefrau des Johannes Schäfer VL, Katharina geb. Kegelmann in Langendiebach eingetragene Grundstück:

Krtbl. 22 Nr. 384, im Dorf, Wiese, jetzt Garten, 5,08 ar, 1,80 Tlr. Reinertrag, besteht, soll dieses Grundstück

am 16. August 1912, nachmittags 4 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht in Langendiebach in der Dückhard'schen Wirtschaft versteigert werden.

Langenselbold den 7. Juni 1912. 14495

Königliches Amtsgericht.

Sthmiient md ottltrtnt StrtMe 2t.

Gefunden: 1 Radiermesserchen mit Perlmutter­schalen, 1 Anhänger mit Kinderphotographie, 1 weißgraue kleine Krawatte, 1 Quittungskarte für freiwillige Mitglie­der der Hanauer Ortskrankenkasse für Karoline Jhl.

Verloren: 1 weißes Taschentuch (gez. L. S.), 1 sil­berne Busennadel mit ovalem Stein.

Hanau den 11. Juni 1912.

Politische Bundschau.

Das deutsche Geschwader in Newyork.

Newyork, 10. Juni. Die Stadt steht vollständig unter dem Zeichen des Besuchs des deutschen Geschwaders, durch das heute wieder Hunderttausende angelockt wurden. Nach Schätzung der Polizei drängte sich gestern an den der Flotte benachbarten Flußufern eine Menschenmenge von etwa einer Million. Die allgemeine Stimmung geht dahin, daß durch den Flottenbesuch die amerikanisch-deutschen Be­ziehungen sich weiter befestigen. Etwa 10 000 Personen be­suchten denMoltke". Die Blätter widmen der Flotte seitenlange Artikel. Sie betonen die Herzlichkeit des Emp­fanges und das Interne des Publikums, das größer sei.

als es bei der letzten amerikanischen Flottenschau gewesen sei. Die Botschaft des Admirals von Rebeur-Paschwitz an die Newyorker, in der er ausführt, er habe dem Präsidenten Taft die Grüße des Kaisers überbracht und überbringe Grüße des Prinzen Heinrich an seine Newyorker Freunde der Prinz gedenke mit Freuden des Empfanges, den er in Newyork genoffen habe, und in welcher v. Rebeur- Paschwitz schließlich Dank für die herrliche Gastfreundschaft ausspricht, erreichte hier den herzlichsten Widerhall. Auf zahlreichen Wolkenkratzern, so vom Singerturm, weht die deutsche Flagge.

Newyork 10. Juni. Admiral v. Rebeur-Paschwitz nebst Stab stattete dem Mayor Gaynor einen Besuch in der City Hall ab, wo die Deutschen von einer gewaltigen Volks­menge enthusiastisch begrüßt wurden. Es folgten dann wei­tere offizielle Besuche. Gaynor sprach halb humoristisch. Er wies auf die große Menge der zu Ehren der Deutschen arrangierten Festlichkeiten hin und sprach die Hoffnung aus, daß die deutschen Besucher aushalten würden. Deutsche und amerikanische Offiziere besichtigten die Sehenswürdig­keiten zusammen. Die deutschen Schiffe hatten auch heute Tausende von Besuchern und zwar stundenlang, so viele wie nur Platz hatten. DieEvening-Post" erklärt, das deutsche Geschwader werde finden, daß das amerikanische Volk im Herzen nichts als Freundschaft für Deutschland hege.

WeiterePolitisch: Rundschau" tm zweiten Blatt.

Die^Parlamentskrise in Ungarn.

Budapest, 10. Juni. Zu Beginn der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses, in der die Opposition aber­mals erschien, ließ Präsident Tisza 70 Abgeordnete von der Polizei entfernen. Bevor sie dem Befehl Folge leisteten, kam es zu einer langen Auseinandersetzung zwischen der Opposition und dem Polizeikommissar Pavlik. Die Opposition weigerte sich heute, der ersten Aufforde­rung zum Verlaffen des Sitzungssaales zu folgen. Die Abgeordneten riefen:Wir gehorchen nur dem gesetz­lichen Befehl. Der Präsident ist unrechtmäßig gewählt und mißbraucht sein Amt." Justh gab im Namen der ganzen Opposition die Erklärung ab, sie leiste dem Aus­weisungsbefehl nicht Folge, weil er von einem ungesetz­lichen Präsidenten ausgegeben wurde, und weil auch ein gesetzlicher Präsident zur Ausweisung von Abgeordneten kein Recht hätte. Julius Horvath rief :Ein Schurke, wer den Befehl gegeben und ein Schurke, wer ihn voll­zieht !" Huszar rief der Polizei zu:Denkt an den Verfaffungseid, den ihr abgelegt habt!" Ein anderer ruft:Sie treiben das Land in die Republik!" Polonyi ließ sich in eine Erörterung mit Pavlik èin und führte aus, die Polizei habe nur zu gehorchen, wenn die gesetz­lichen Vorgesetzten ihr im gesetzlichen Wirkungskreis Be­fehle erteilen. Tisza sei kein Vorgesetzter der Polizei. Wenn diese ihm doch gehorche, vollziehe sie wissentlich eine ungesetzliche Handlung. Als Pavlik erklärte, er habe den Befehl, nicht zu prüfen, sondern zu vollziehen, erklärte Polonyi, das sei eine Verletzung der ungarischen Verfassung. Als Pavlik ihn an den Schultern berührte, stürzte Rath auf die Polizei und rief laut:Rührt ihn nicht an P Andere Abgeordnete hielten ihn zurück. Pavlik bat die Abgeordneten, sich friedlich zu entfernen. Don allen Seiten tönte ihm der Ruf entgegen:Wir gehen nicht!" Polonyi forderte Pavlik auf, er solle seinen Vorgesetzten sagen, daß er lieber sein Amt niederlege, als ungesetzlichen Befehlen zu folgen. Er werde sich dadurch den Dank des Landes verdienen. Endlich ließ sich Justh bewegen, den Saal zu verlaffen. Die Andern folgten ihm, ohne Wider­stand zu leisten. Da sie in den Wandelgängen blieben, schickte Tisza auch dort die Polizei zu ihnen, und die unlieb­samen Erörterungen wiederholten sich. Vier Abgeordnete, die sich im Büfettsaal befanden, wurden ebenfalls mit Ge­walt entfernt, wobei Huszar Widerstand leistete. Endlich eröffnete Tisza die Sitzung. Er wurde von den zurück­gebliebenen 47 Oppositionellen mit Pfeifen und ohren­betäubendem Lärm empfangen. Zwischen Rakovsky und der Mehrheit kam es zu leidenschaftlichen Auftritten, weil Ra­kovsky die Mehrheit eine Partei gekaufter Leute, Defrau­danten und Handlanger nannte. Tisza ließ hierauf die weitern oppositionellen Abgeordneten hinausführen.

Budapest, 10. Juni. Auf der Liste der zur Entfernung bestimmten Abgeordneten befinden sich abermals 19 Namen. Zwölf lassen sich nach der Berührung durch den Polizei- kommiffar Pavlik entfernen. Der dreizehnte, Zoltan Pap, verweigert den Gehorsam. Es kommt infolgedessen zu folgen­der Auseinandersetzung:

Pavlik: Ich muß den auf Grund des militärischen Dienstreglements erhaltenen Befehlen gehorchen.

Pap: Ich kenne das Dienstreglement. Es steht nicht darin, daß man den Befehlen eines Wahnsinnigen gehorchen muß.

Pavlik: Ich berühre Ihre Schulter zum Zeichen 8et Anwendung von Gewalt.

Pap: Ich betrachte eine Berührung nicht als Gewalt.

Pavlik: Dann muß ich Gewaltmaßregeln anwenden.

P ap: Ich bin Abgeordneter und habe das Recht, hier zu sitzen. Das Haus hat mich nicht ausgeschloffen.

Andere Abgeordnete mischen sich ein.

Ba ko ruft: Am besten wäre es, wenn die Polizisten unsere Sitze einnähmen.

Prof. Saghy ruft: Führt den wahnsinnigen Tisza hinaus!

Hammersberg ruft: Gemeingefährliche Menschen läßt man laufen, wir werden von der Polizei entfernt.

Als Pavlik den Abgeordneten Pap von neuem bittet, sich zu fügen, ruft dieser: Ich bin Abgeordneter und habe hier zu tun. Es ist die Sitzung einberufen, und ich will da» Wort ergreifen.

Pavlik: Ich habe Befehl erhalten, Sie zu entfernen-, ich bitte Sie, meiner Aufforderung heute noch Folge zu leisten.

Pavlik beordert zwei Polizisten, um Pap hinausführen zu lassen. Dieser sitzt jedoch zwischen Len Abgeordneten Hammersberg und dem siebzigjährigen Sipos, die die Po­lizei nicht an Pap herankommen laffen. Pavlik droht auch diesen beiden Abgeordneten, er werde sie abführen laffen. Sie weichen jedoch nicht vom Platz. Pavlik ersucht den Grafen Apponyi, Pap zum Verlaffen des Saales zu be­wegen. Apponyi spricht mit Pap. Dieser aber erklärt, daß er freiwillig nicht hinausgehe. Schließlich begibt sich Pavlik zum Präsidenten Tisza, um Meldung zu erstatten, und kehrt dann zurück mit der Weisung, auch Hammelsberg und Sipos mit Gewalt von ihren Sitzen zu entfernen. Die Opposition ist darüber äußerst aufgebracht und ruft: Wenn Tisza be­fiehlt, uns aufzuhängen, werden Sie auch Folge leisten?

Pavlik: Das ist etwas anderes.

Hammersberg und Sipos entfernen sich auf die Be» rührung ihrer Schultern hin, worauf Pavlik Pap von neuem auffordert, den Saal zu verlaffen.

Pap: Ich gehe nicht, ziehen Sie Ihren Revolver und laffen Sie Feuer geben.

Pavlik: Ich berühre Sie hiermit zum Zeichen, daß ich Gewalt angewandt habe.

Pap: Das war ein Streicheln und keine Gewalt. Ich gehe nicht fort.

Zwei Polizisten gehen in die Bank und suchen Pap hinauszudrängen. Er stemmt sich aber gegen die Bank und will nicht weichen. Drei Polizisten entfernen ihn und heben ihn in die Luft. Sie tragen ihn bis zur Mitte des Saales, wo sich Pap losreist und in einen Ministerstuhl wirft. Er wird abermals ergriffen und von vier Polizisten hinaus­geführt. Er versucht wiederholt, sich loszureißen, unL wird Schritt für Schritt bis zum Ausgang des Parlaments ge­bracht. Hierauf verlassen die zurückgebliebenen 24 Mitglie­der der Opposition freiwillig den Saal.

Budapest, 10. Juni. Das Abgeordnetenhaus schloß heute abermals 15 oppositionelle Abgeordnete aus; bisher sind im ganzen 54 Abgeordnete ausgeschloffen worden. Um eine Wiederholung der Vorfälle der heutigen Sitzung zu vermei­den, werden sie nachmittags nicht einmal in das Parla­mentsgebäude eingelaffen werden. Morgen wird der An­trag zur Verschärfung der Hausordnung endgültig ange­nommen werden, dann wird das Haus bis auf die nächste Woche vertagt. Am Samstag wird das Magnatenhaus die Wehrreform erledigen. Nächste Woche wird noch die Rekru tenbewilligungsvorlage angenommen werden, worauf dann das Haus sich bis zum Herbst vertagen wird. Julius Kovacs sandte nach einer Mitteilung der oppositionellen Blätter am Tage vor dem Anschlag auf Tisza eine Eingab. an die Kabinettskanzlei ab, worin er den König bittet, Tisza und Lukacs zu entfernen wenn er sich die Anhänglichkeit des ungarischen Volkes bewahren wollte. Er erwähnt darin wiederholt, daß er vom Rande des Grabes und von der Schwelle Les Todes schreibe, scheint somit Selbstmord ent schloffen gewesen zu sein. Die Opposition wollte gestern in Maria Therestopel und in Zenta Volksversammlungen abhalten, die aber von den Behörden mit Rücksicht auf die herrschende Aufregung verboten wurden, da zur Aufrechter­haltung der Ordnung nicht genügend bewafnete Macht vor­handen war. Trotzdem wurden Versammlungen in geschloffe­nen Räumen abgehalten,die einen sehr erregten Verlauf nah­men. Tisza, Lukacs und die Arbeitspartei wurden unauf-