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* Kurort Wilhelmsbad. Morgen nachmittag von * Uhr ab Konzert der Hanauer Stadtkapelle, unter Leitung des Kapellmeisters Herrn R. Meißner.
* Die Zigeuner Ebender, die Mörder des Försters Romanus, sind noch nicht ergriffen. Die vorgestern in der Nähe von Groß-Gerau ergriffenen Zigeuner sind gestern mach Fulda gebracht und dem Untersuchungsrichter vorgeführt worden, wobei sich bei den Konfrontationen ergab, daß man eS nicht mit den gesuchten Brüdern Ebender zu tun hat.
Jg. Der Gesangverein „Harmonie" in Großauheim hält morgen, Sonntag den 9. Juni, von nachmittags 3 Uhr ab, als Nachfeier des am letzten Sonntag verregneten Sänger- festes auf dem Festplatz „Zur Lindenau" ein Sommerfest ab. Ville Vereine und Korporationen, sowie unsere auswärtigen Freunde von Hanau und Umgegend, werden freundlichst gebeten, sich recht zahlreich an dieser Nachfeier zu beteiligen. An Unterhaltung (Musik und Gesang re.) soll und wird es nicht fehlen. Also auf zur Nachfeier morgen, Sonntag, auf den Festplatz „Zur Lindenau" in Großauheim.
* Spielriege der Turngesellschaft Hanan, gegr. 1881. Unser diesjähriger Ausflug findet am 30. Juni 1912 in das Gasthaus zum goldnen Stern in Großauheim statt. Wie in jedem Jahre, so auch diesmal ist für Unterhaltung gesorgt, so daß die werten Besucher ein paar recht vergnügte Stunden bei der Spielriege genannten Vereins verleben können, worauf wir jetzt schon unsere Freunde und Gönner sowie die Mitglieder der Tumgeseüschaft aufmerksam machen.
* Zum Verschwinden der Anna Koch in Bergen. Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, ist die von auswärtigen Blättern verbreitete Nachricht, der Vater der Verschwundenen, der Arbeiter Joseph Koch, befinde sich im hiesigen Landgerichtsgefängnis und habe ein Geständnis abgelegt, unwahr. Koch befindet sich noch in Bergen in Haft und bleibt bei seiner Behauptung, seine Tochter sei an der fionstabler Wache in Frankfurt verschwunden und von ihm Richt wiedergesehen worden.
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pt. Langendiebach, 7. Juni. (Kreiskri egerfest.) DaS Kreiskrieger-Verbandsfest wird am 16. und 17. Juni hier abgehalten. Der Festausschuß ist seit Wochen in Tätigkeit und hat es an nichts fehlen lassen, um den vielen Kameraden und Gästen den Aufenthalt in unserem gastfreundlichen Orte so angenehm wie nur möglich zu machen. Bereits Bl Vereine des KreisverbandeS haben ihre Beteiligung zugesagt. Unser Ort ist hinlänglich bekannt, daß er auch größere Feste zu feiern versteht. Die früheren glänzend verlaufenen größeren Festlichkeiten (Gan-Turnfeste, Gesangsweltstreite rc. tehen allen Teilnehmern sicher noch in bester Erinnerung und o hoffen wir, daß sich auch das Krieger-Verbandsfest glanzvoll gestalten wird, sofern uns Jupiter Pluvius verschonen wird. Die Direktion der Kleinbahn hat am Hauptfesttage, Sonntag den 16. Juni, zwei Extrazüge eingelegt, die in folgender Weise verkehren werden. Ab Hanau 1.25 nachm., in Langendiebach 1.45 nachm. Namentlich wird dieser Zug für die Vereine aus Hanan, Großkrotzenburg, Großauheim, Hochstadt, Dörnigheim, Fechenheim, Bergen rc. sehr passend sein. Der zweite Extrazug verkehrt abends ab Langendiebach bezw. Festplatz 9.30 Uhr in Hanau 9.50 Uhr. Auch für die leiblichen Bedürfnisse ist reichlich Sorge getragen. Außer einem vorzüglichen Nikolaybier, wird eine bayerische Bierhalle und ein Cafè mit den nötigen Leckerbissen ihre Pforten öffnen. Der Juxplatz ist ebenfalls gut bestellt. Die Musik stellt die gesamte Ulanenkapelle aus Hanau. Der herrlich gelegene Festplatz bei den vier Linden wird vom hiesigen Elektrizitätswerk aus mit einer Lichtanlage versehen. Ferner gelangt eine offizielle Festpostkarte zur Ausgabe und auf dem Festplatze selbst wird zur Bequemlichkeit des Publikums eine amtliche Verkaufsstelle für Freimarken errichtet und ein Briefkasten aufgestellt. Wir sehen hieraus, daß der Festausschuß für alles bestens Sorge getragen hat. Auf das ausführliche Programm kommen wir später zurück.
Weitere Berichte „Aus Stadt Und Land" im zweiten Blatt.
Marktbericht.
Hanau, 8. Juni. (Lebensmittelprei se.) Geflügel: Tauben, das Pärchen 0.90 bis 1.20 Mark, tin aller Hahn 1.80 bis 2.20 M.; ein junger Hahn 0.00 bis 0.00 Mark ein Huhn 1.50—1.80 Mark; eine Ente 0.00—0.00 Mark; eine Gans, junge, 3.00—4.00 Mark; Gans, gerupft, 00—00 Pfg., i/a Kilogramm. Fische: gewöhnl. Sorte 00—40 Pfg., bessere Sorte 50—00 Pfg., Aal 0.80—1.00 Mk., Hecht 1.10—0.00 Mk., Bresem 60—00 Pfg., Barben 60—00 Pfg., Barsch 00—00 Pfennig Karpfen 00—00 Pfennig., Kabeljau im Ausschnitt */S Kilogramm, 00 Pfg., Gemüse: Meerrettich die Stange 00—00 Pfg., Spargel, Pfd. 0.50—0.70 Mk., Blumenkohl d.St. 0.40—0.60 M., Kopfsalat d.St. 5—0 Pf., Endivien, St. 00—00 Pfg.; Rettich, daS St. 0—10 Pfg.; Ober- Kohlrabi, St. 8—10 Pfg.; Unter-Kohlrabi, St. 00—00 Pfg., Wirsing, das Stück 2Ö—00 Pfg; Weißkraut, das Stück 00—00 Pfg., Rotkraut, d. St. 0.00—0.00 Pfg., Sellerie das Stück 00—00 Pfg.; Gurken d. St. 30-50 Pfg., Gurken zum Einmachen das Hundett 0—0 Mk.; gelbe Rüben das Bündel 6—8 Pf.; neue Erbsen, Pfd. 25—30 Pfennig, neue Bohnen, Pfd. 35—40 Pfg.; Braunkohl Pfd. 00-00 Pfg., Schnittkohl, Port. 00-00 Pf., Schwarzwurzeln, 1 Pfund 00—00 Pf., Spinat 1 Pfund 10-15 Pf.; Lattig, Pt. 00-00 Pf.; Schmalzkraut, die Port. 00—OÖ Pfg.; Kartoffeln, das kg 17 bis 20 Pfg. — Obst: Kirschen, das Pfund 40 bis 50 Pfg., Stachelbeeren daS Pfund 40 bis 00 Pfg., Johannistrauben, d. Pfd. 00- bis 00 Pfg., Trauben, d. Pfd. 0.00 Pf., Erdbeeren, das Pfd. 0.80—1.20 Mk., Himbeeren, das Pfund 00—00 Pfennig, Heidelbeeren, das Liter 00 bis 00 Pfennig, Aepfel, das Pfund 0.00—0.00 Mk., Birnen, d. Pfd. 00—00 Pfg., Pflaumen, d. Pfd. 00 ^S 00 Pfg.; Zwetichen, das Pfund 00—00 Pfennig;
_________ Bam-taq __________________
Nüsse daS Pfund 00-00 Pfg., Pfirsiche, das »/> Kg. 00—00 Pf., Citronen, das Stück 7—10 Pfennig, Apfelsinen daS Stück 5—10 Pfennig; Paradiesäpfel, daS Pfund 60-00 Pfg. Bohnen d. Pfd. 00 Pf., Linsen d. Pfd. 00 Pf. Bersch.: Butter, daS Pfd. 1,30 bis 1,60 Mk.; Käse, 1 Stück 4-6 Pfg.; Eier, daS Stück 6—9 Pfg.; Gänseeier, St.00-00 Pfg., Zwiebeln, 1 Pfd. 10-00 Pf.; Welschkorn, 1 Pfd. 00 Pfg., Radieschen, Bündel 3—5 Ps.; Kastanien Pfd. 00-00 Pfg.; Weizenmehl, 1. Sorte 00 Pfg., 2. Sorte 00 Pfg., 3. Sorte 00 Pfennig; Spansau, Pfd. 0.00-0.00 Mk.
Oeffentlichcr Wetterdienst. Beobachtungen des Physikalischen Vereins, Frankfurt a. M. voranssichtliche Witterung für die Zeit vom Abend des 8. Juni bis zum nächsten Abend.
Ziemlich heiter, mäßig warm, vereinzelt noch Gewitter.
Fuhballsport.
* Turngesellschaft Hanau — Turngesellschaft Damm, Kommenden Sonntag findet auf dem Exerzierplatz zwischen den ersten Mannschaften obengenannter Vereine ein Wettspiel statt. Da beide Mannschaften augenblicklich in guter Verfassung sind und ein faires Spiel zu erwarten ist, so ist ein Besuch des Platzes sehr zu empfehlen. Die 3. Mannschaft der Turngesellschaft spielt gegen die zweite der Germania Groß-Steinheim. — Am vergangenen Sonntag spielte die 2. Mannschaft gegen die gleiche des Turnvereins Wiesbaden und gewann 5 : 0. Morgen spielt dieselbe Mannschaft gegen Viktoria 3 auf dem Viktoria-Sportplatz.
Aus Nah und Fern.
Homburg D. d. Höhe, 7. Juni. Ein tödlicher Nn- glücksfall trug sich heute nachmittag in der Kuranlage zu. Der 9 Jahre alte Volksschüler König wollte sich in den Schacht der Viktoriaquelle begeben, um seine dort hineingefallene Mütze herauszuholrn. Er wurde hierbei von den Kohlensäuregasen getötet.
Aus der Wetterau, 7. Juni. Heute nachmittag gegen 4 Uhr ging ein furchtbares Gewitter mit starkem Hagelschlag und wolkenbruchartigem Regen nieder, das auf den Feldern und in den Gärten großen Schaden anrichtete.
h. Darmstadt, 7. Juni. Die Folgen deS Zusammenbruchs deS „Spar« und Kreditvereins" zu Nieder-Modau übertreffen, wie sich jetzt herausstellt, die schlimmsten Befürchtungen bei weitem. Das Amtsgericht Reinheim hat am Dienstag die Höhe der Zubuße für jedes einzelne Mitglied festgesetzt. Jeder der 196 Genoffen hat 200 000 Mk. aufzubringen. Das ganze Modautal ist in der größten Verzweiflung.^ Einst wohlhabende, ja reiche Familien, sind jetzt bettelarm, Haus, Hof, Acker und Vieh sind vom Gerichtsvollzieher gepfändet. Einem alten gelähmten Manne ist das gesamte Vermögen in Höhe von 70 000 Mark fortgenommen worden. Herzzerreißende Szenen spielen sich täglich, stündlich in fast allen Familien des Tales ab, wenn der Gerichtsvollzieher blutenden Herzens seines schweren Amtes walten muß. Die armen Bauern trauen sich kaum noch vor die Türen, so schwer lastet das Verhängnis über dem einst so blühenden Tale. Nur dann kann eine kleine Wendung zum bessern eintreten, wenn die geplante Hilfsaktion sofort in Kraft tritt.
Von der Findigkeit der Post.
Von Paul Thielemann.
Hier und da begegnet man in Tageszeitungen und Zeitschriften zur Unterhaltung den Mitteilungen, daß es unsern Postbeamten wieder einmal gelungen sei, postalische Sendungen, die eine mehr oder weniger unvollständige, rätselhafte und meist auch komische Aufschrift tragen, zu enträtseln und dem richtigen Empfänger zuzuführen. Es kommen hierbei hauptsächlich solche Sendungen (Briefe, Karten und dergl.) in Betracht, bei denen der Schreiber des Lesens und Schreibens nur mangelhaft kundig oder bei denen dem Absender die Adresse des Empfängers nicht bekannt ist und derselbe seine Zuflucht zu Umschreibungen oder zu solchen Hinweisen nimmt, die seiner Meinung nach dem Postbeamten die Ermittlung des Empfängers ermöglichen. Das Vertrauen solcher Adressenschreiber auf die Findigkeit unserer Postbeamten ist im allgemeinen ein gerechtfertigtes. Die Beamten geben sich die größte Mühe, des Rätsels Lösung zu finden, und das Publikum belustigt sich bei der Mitteilung solcher „findigen Fälle".
Wer sollte sich auch darüber nicht amüsieren, wenn Guste, die Hüterin des Kuhstalls in N., auf der Außenseite ihres schriftlichen Herzensergusses an ihren Erwählten die Adresse für genügend erachtet:
An
meinen Breitjam Fihof
in Berlin, zumal wenn man erfährt, daß seitens der Post schließlich durch Nachfrage auf dem „Viehhof" in Berlin der Bräutigam in Gestalt eines aus Gustchens Wohnort gebürtigen Viehtreibers ermittelt worden ist. Daß auch Ausländer bei mangelnder Kenntnis unserer Sprache und der geographischen Begriffe unseres lieben Vaterlandes zu komischen Adressen unbeabsichtigt Anlaß geben, lehren uns die nachfolgend mitgeteilten Kuriosa. Es belustigt uns z. B. die folgendermaßen adressierte Vestellunge auf Sodener Pastillen eines Handlungshauses in Konstantinopel:
Monsieur
Fay's Sodener Mineral-Pastillen
Franko! bei Husten.
Der Briefschreiber hat offenbar das Uebel, gegen welches die betreffenden Pastillen gebraucht werden, für einen geographischen Begriff gehalten und damit das Deutsche Reich um eine Postanstalt bereichert. Es braucht wohl kaum hin-
«teilt 8
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zugefügt zu werden, daß der Brief richtig nach Code« gelangte und die Bestellung daraufhin ausgeführt wurde.
„Schreibe, wie du hörst", dachte jedenfalls der nur französisch verstehende Absender eines Briefes und adressierte:
Monsieur
R. R.
Fustle Auperndorff
frko! Allemagne.
Ein findiger Jünger Stephans traf das Richtige. Der Brief war an eine Gewehrfabrik in Oberndorf in Württemberg gerichtet.
Monsieur Harzer Roller
Berlin
Königgrätzer Straße, lautete ferner die Adresse eines Briefes, der unlängst von unserer Post einem Vogelhändler, auf dessen Schaufenster die Worte „Harzer Roller" prangen, zugestellt wurde. Man hatte den richtigen Adresiaten gefunden: das Schreiben war von einem Franzosen, der kurze Zett vorher bei dem Be- treffenben einen „Harzer Roller" gekauft hatte und nun noch einen bestellte.
Monsieur Amben
Magistrat der Stadt Berlin
(Allemagne),
so lautete die gedruckte Adresie auf Drucksachen, die der Berliner Magistrat eine Zeit lang erhielt. Die Adresie soll richtig heißen:
An den Magistrat der Stadt Berlin.
Die französischen Absender hatten gewohnheitsmäßig „Monsieur" vorgesetzt und dann versehentlich aus „An den" ein einziges Wort „Amden" gemacht.
Bei dieser Gelegenheit sei auch noch eine spaßhafte Aufschrift auf einem Feldpostbriefe erwähnt. Eine Bauersfrau schrieb an ihren bei den 1. Dragonern stehenden Sohn, unb als besorgte Mutter benutzte sie den Briefumschlag, um dem Rittmeister, über desien Strenge ihr Sohn wohl geklagt haben mochte, etwas in das Gewissen zu reben, und zugleich ihrem Sohne, wie ihrem Ehegemahl ein beide ehrendes Zeugnis auszustellen. Der vorn und hinten bemalte Briefumschlag zeigte folgenden Wortlaut:
„An min Sähn Krischan. Steiht bei de söste Gskerdon vunt erste Dreguner-Regerment in Krieg. — Jo rihtig to bestellen, un denn schall de Rittmeister Minen Sähn man nich so vel schellen. De Jung is god, blos nämiglich wat däsig, awer je kann dor nich for, dat hatt je von fin Vatter."
Derartige komische Adresien hat es vom Anfänge der öffentlichen Briefbestellung an sicher gegeben, und auch in Zukunft werden Postbeamte noch oftmals Gelegenheit haben, Zeugnis von ihrer „Findigkeit" abzulegen.
Anders liegt aber die Sache, wenn einen vermeintlichen Spaßvogel die Lust anwandelt, absichtlich Komik in die Briefadresien zu bringen und durch rätselhafte Aufschriften unserer Postbehörde unnütze Mühewaltungen und Zeitverluste zu verursachen. Daß die Postverwaltung aber gelegentlich auch auf einen Scherz eingeht, bezeugt uns eine Ansichtspostkarte mit der Adresie:
Au
den Tyrannen
in Mottenburg.
„Tyrannen gibt's hier nicht", schrieb der Beamte daraus, „also unbestellbar". Der Herr Postvorsteher aber strich diesen Vermerk weg und schrieb darunter: „Versuchsweise dem Herrn Bürgermeister zuzustellen". — Was dann weiter geschah, entzieht sich unserer Kenntnis.
An
meine liebe Braut Hedwig
zur Zett in Bad Nauheim in D«ttfchland,
so lautete infolge einer Wette zwischen zwei Herren in Riga die Adresie einer Posttarte, deren Adresiattn sich seit einiger Zeit in Bad Nauheim befand. Aus der dickleibigen Kurliste wurden mit „heißem Bemühen" dir zahlreichen Hedwigs amtlich herausgezogen und alsdann im Briefträgerzimmer festgestellt, daß eine darunter fast täglich Briefe und Karten aus Rußland erhielt, was als Indizienbeweis „starken Verlobtseins" aufgefaßt wurde. Und richtig, diese Annahme täuschte nicht; ohne Zeitverlust gelangte dann die Katte tatsächlich in die Hände der Adresiattn.
Aehnlich verhielt es sich mit einem Briefe, der kürzlich an zwei junge Berlinerinnen von außerordentlicher Schönheit gerichtet war. Die beiden Damen, groß und üppig gewachsen, fielen selbst in dem internationalen Interlaken auf wo die Amerikanerinnen durch ihren Luxus und ihre Eleganz eigentlich die Haupttolle spielen. Wer beschreibt nun das Erstaunen der beiden Schönen, als sie eines Tages einen Brief bekamen, der folgende Aufschrift trug: „An die beiden schönsten Damen von Interlaken." Ihre Adresse war nämlich sonst nicht bekannt, da sie in dem Kurort ganz für sich lebten. Der Brief war zur Bestellung aufgegeben worden, und der Briefträger erkundigte sich gar nicht, wer überhaupt gemeint sein könnte, sondern handelte nach seinem Geschmack, der sich auch mit den Wünschen des Aufgebers deckte, denn das Schreiben gelangte in die Hände derjenigen beiden Damen, für die es bestimmt gewesen.
Liegt indessen die Absicht zutage, mit rätselhaften Bttef- aufschriften die Post zu belästigen, so haben wir es hier nicht mehr mit einem Postkuriosum, sondern mit einer Alfanzerei zu tun, die unter den Begriff „Unfug" fällt. Mögen solche vermeintlichen Ulkvögel ihre Genossen mit derartigen Spässen ohne Mitwirkung der Post beglücken, das sind dann „eigene Angelegenheiten" des Empfängers wie des Absenders. Wenn aber unsere im Dienste des nationalen und internationalen Verkehrs stehende Reichspost durch absichtliche Rätselaufgaben belästigt wird, so gibt es meines Erachtens in solchen Fällen nur die einzig richi tige Lösung: „In den Ofen mit diesen Erzeugnissen be».