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Erstes Dlâ

Einrückungsgevvh«

Me 6gcfpaTtene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. im RellameteU die Zelle 60 Pfg.

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- md Fandkreis Kaaan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Bezugspreis:

Vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60 W, Mr Post» bezug vierteljährlich 2.10 Mk^ monatlich 70 Pfg.

Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: E. Schrecker in Hanau.

J?L 126 Fernfprechanschlutz Nr. 230.

Freitag den 31. Mai

Fernsprechanfchlatz Nr. 230. 1912

Sie deullge Rmmer mW Mer dm HMoKwM 14 Seiten.

Amtliches.

Königliches Gymnasium.

Wiederbeginn des Unterrichts der Klassen Unterprima bis Sexta Mittwoch den 12. Juni, vormittags 7^ Uhr, im alten Landgerichtsgebäude (Bangert 2/4). Am 13. Juni fällt der Vormittagsunterricht in diesem Jahre nicht aus. Hanau den 31. Mai 1912. 13609

Der Kgl. Eymnafialdirektor.

Dr. B r a u n.

In das hiesige Handelsregister Abteilung 8 5 ist einge­tragen:

Firma: Diskuswerke Frankfurt a. M., Präzisions- maschinenbau-Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Frankfurt a. M., Zweigniederlassung Fechenheim.

Gegenstand des Unternehmens ist: Herstellung, Vertrieb und die sonstige Verwertung (z.B. Vermietung, Verpachtung oder dergleichen) von Werkzeugen, Präzisionsmaschinen, Instrumenten und maschinellen Apparaten aller Att, sowie aller hierbei vorkommenden Neben- und Hilfsgeschäfte.

Das Stammkapital bettägt 70 000 Mk. Geschäftsführer ist Kaufmann Otto Lindheimer in Frankfurt a. M.

Der Gesellschaftsvertrag ist am 26. Oktober 1911 festge­stellt.

Die Vertretung der Gesellschaft erfolgt, wenn mehrere Geschäftsführer bestellt sind, gemeinschaftlich durch je zwei Geschäftsführer oder durch einen Geschäftsführer mit einem Prokuristen, oder durch zwei Prokuristen. Durch Gesell- fchaftsbeschluß kann jedoch jederzeit einem Geschäftsführer oder Ctellvertteter die Befugnis beigelegt werden, für sich allein die Gesellschaft zu vertreten.

Bergen, Kr. Hanau, den 21. Mai 1912.

Königliches Amtsgericht. 13355

Gefunden: 1 Mülleimer. Abzuholen auf dem Ge­schäftszimmer der Armenverwaltung.

Hanau den 29. Mai 1912. 13595

Mâlle und oerlorene keMände L

Gefunden: 1 dunkelblaue Pferdedecke, 1 schwarze Frauenhandtasche, 1 gelber Halbschnürschuh, 10 Invaliden-

Gin W her EisengMe« in Bieber bei Gelnhausen.

Vielleicht manchem wird es unbekannt sein, daß in unserer ländlichen Heimat außer Land- und Waldwirt­schaft auch Bergbau betrieben wird und zwar durchaus nicht in ganz so kleinem Maßstabe, wie vielleicht geringschätzig Leute behaupten, die schon was Großes anderswo gesehen haben wgllen, und bei denen die Heimat so wenig gilt. Nachdem wir von der GewerkschaftBiederer Gruben" und der Leitung in Bieber selbst die längst herbeigewünschte Erlaubnis in den Händen hatten, machten wir uns daran, jene Gegend auch einmal unterirdisch kennen zu lernen, in deren Wiesen wir so oft gewandert waren und in deren rau­schenden Hochwäldern wir so manches mal in der neblichten Frühe dem streifenden Wilde gelauscht.

Schon zeitig brachte uns das schwerfällige, rüttelnde Kleinbähnchen mit seiner malerisch gestrichenen Lokomotive nach Station Lochmühle, von wo aus wir von einem Ar­beiter in liebenswürdiger Weise abgeholt wurden und in einer halben Stunde die Stelle unserer Einfahrt erreichten. Kettengeraffel, das Aneinanderschlagen der Kippwagen, das wallende Arbeiten der Dampfmaschinen in den Zechen- Häusern, der dumpfe Ton der Förderglocke, alles dies in­mitten der friedlichen Waldeinsamkeit hinten im Bieberer Grunde, da wo das plätschernde Talbächchen entspringt.

Und gerade dieses wird in sehr sinnreicher Weise ausge­nutzt indem es nämlich eine Dampfmaschine ersetzt, die Dampfmaschine, die an einem bestimmten mittleren Schacht die Körbe fördert: Aus einem Bassin, das durch das zu­fließende Waffer immer - nachgefüllt wird, gelangt dieses in den sogenannten Wafferkasten, der durch sein Gewicht, indem er nach unten geht, den gefüllten Förderwagen hebt, sich automatisch leert und durch den schwereren, nunmehr geleerten Hund, wieder in die Höhe getrieben wird. Das unterirdisch ausgegoffene Waffer fließt ab und kommt als Quelle bei Lochborn wieder zum Vorlckein.

Versicherungsmarken ä 24 Pfg., 1 schwarzer Damensamt- gürtel.

Verloren in der Bulau: 1 silbernes Zigarettenetui mit Gravierung in Esperantosprache.

Hanau den 31. Mai 1912.

Politische Rundschau.

Rücktritt des Ministers v. Heeringen. Das führende schlesische Zenttumsblatt, dieSeefische Volkszeitung", will wissen, daß der Kriegsminister v. Heeringen nach den Herbstmanövern seinen Abschied einreichen wird und sich dann in Wiesbaden niederzulaffen gedenkt.

Die Reichstagsersatzwahl in Saarburg. Bei der Reichs­tagsersatzwahl in Saarburg-Merzig-Saarlouis (für Roeren) erhielten Amtsrichter Werr (Zentrum) 15 894, Stauch (inoffizieller Zentrumskandidat) 7138, Pick (natl.) 15*40, Krämer (Soz.) 739 Stimmen. Werr ist also gewählt.

Die Reichstagsnachwahl im ersten mecklenburgischen Wahlkreis Hagenow-Erewesmühlen ist auf den 20. Juni d. Zs. festgesetzt.

König Christtan X. von Dänemark ist, wie vorauszusehen war, zum Cchef des in Gaffel stehenden Husarenregiments Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg (2. Kurheff.) Nr. 14 ernannt worden, bei dem er seit 1906 ä la suite geführt wurde, während sein Vater, der jetzt verstorbene König Friedrich VIEL, seit 22 Jahren Chef des Regi­ments war.

WeiterePolitische Rundschau", ~ in der Beilage.

Aus Hanau Stadt und Land.

Hanau, 31. Mai.

Ernannt wurden die Landrichter Dr. Heldmann und Dr. Freytag in Hanau zu Landgerichtsräten.

* Erteilt ist dem Landgräflichen Wildmeister Schneider in Fasanerie bei Hanau die Erlaubnis zur Anlegung des dem Großherzoglich Hessischen Verdienstordens Philipps des Großmütigen zugehörigen silbernen Kreuzes.

* In den Hochspeffart unternimmt am nächsten Sonn­tag den 2. Juni die hiesige Abteilung des Vereins der Hospeffartfreunde Rothenbuch die 6. Wanderung. Hanau- Ostbahnhof ab 5.45 Uhr, Fahrt bis Wiesthal. Hier be­ginnt die Wanderung, führt über, die Weikertshöhe nach Lohrerstraße (Frühstück). Ueber den Niklas nach Rothen­buch. Ein- und Ausmarsch in Rothenbuch mit Musik. Nach 2stündiger Rast Weitermarsch über den Kreuzberg (2stün-

Blaue Hosen und Kittel, Halstücher, ein Schlapphut und als Hauptsache die Acetylenberglaternen waren unsere Ausrüstung. Der Steiger übernahm die Führung. Zunächst wurde ein fast horizontaler Stollen befahren. Die triefenbe Zimmerung war hier und da mit Büscheln weißer lang­stieliger Pilze bestanden; der Boden nur teilweise mit Brettern gedeckt, zum andern mit fließendem Waffer über­spült. Immer vorwärts, teils Kurven beschreibend, führte der Förderstollen den Arbeitsplätzen und Abbaustellen näher. Da, wo die Zimmerungen an der Seitenwand abge­schlagen war, machten wir Halt. Hier begann unser Steiger seine wirklich intereffanten Erklärungen.

Direkt auf dem Grund- und Urgebirge, dem sogen. Glimmerschiefer, wie er ja am Hahnenkamm zu Tage tritt, find Kupferletten aufgelagert: Schwarze, sich fettig an­fühlende, ca. 1 Meter mächtige Schichten. Stark verfaltet ist das ganze Gebirge nicht nur äußerlich, oben, wo wir die mehr oder minder steilen Berge erklimmen, sondern bis in Tiefen von 150 Meter, wo noch abgebaut wird. Die ein­zelnen Schichten, die sich schon durch die Farbe unterscheiden, liegen schräa durchschnittlich wohl unter einem Winkel von 20 Grad. So ist es erklärlich, daß das Eisenlager z. V. jetzt ganz unten, neben an der Stollenwand erscheint, wäh­rend wir, 100 Meter weiter, es oben an der Decke wieder antreffen und allmählich ganz verschwinden sehen. Da aber, in der Natur der Faltung liegend, diestreichende Rich­tung" des Lagers sich wieder nach unten wenden muß, so werden wir nun, nachdem wir eine Zeitlang im Urgestein gefahren, plötzlich an der Decke die erwähnten Kupferletten, dann den Zechsteinkalk und schließlich den Braun- und Spat- eisenstein wieder antreffen. Danach folgt nach oben der obere Zechsteinkalk, der Vröckelschiefer und schließlich der Buntsandstein, der zu Tage liegt und an manchen Stellen bis zu 20 Meter mächtig ist.

Was die Geschichte der Gruben anlangt, so liegen Ur­kunden vor, die bis in die Römerzeit zurückgehen und die teils schriftlich, hauptsächlich aber an dem unterirdisch au vielen Stellen angetroffenen, schwarzen Zimmerholz.

dige Waldrast) Steiger Weiberhöfe, alsdann zur Schlußstation Hösbach (Einkehr im Gasthauszur Sonne"). Die Wanderzeit beträgt 5% Stunden. Frisch auf nach Rothenbuchl

* Sommerfest des Vaterländischen Frauevvereins. In dem Programm ist insofern eine kleine Aenderung ein­getreten als das jeu de rose, geritten von Offizieren deS hiesigen Ulanen-RegimMtS, auf vielseitigen Wunsch, bereit- um 7 Uhr stattfindet.

* Kriegsfpiel des Trum- u. Fechtklubs. Wie an dieser Stelle bereits mitgeteilt wurde, veranstaltet der Verein am kommenden Sonntag ein Kriegsfpiel in größerem Maß­stabe. Die Teilnehmer versammeln stch */,7 Uhr morgens auf dem Turnplätze, Grüner Weg 1, von wo aus der gemein­schaftliche Abmarsch beider Parteien erfolgt. Mitglieder, die sich noch nicht zur Teilnahme angemeldet haben, können bei rechtzeitigem Erscheinen noch eingestellt werden. Am gleichen Tage unternimmt die Turnerinnenabteilung einen Spazier­gang in das Kriegsspielgelände. Abfahrt 9 Uhr vormittag- vom Ostbahnhof nach Niederrodenbach, von da Marsch nach dem Platz des HaupttreffenS. Nach Schluß der Uebung findet Frühstückspause statt, für Proviant muß jeder Teilnehmer selbst sorgen, da die erbetene Erlaubnis zu dem vorgesehenen Abkochen nicht erteilt wurde. Nachmittag- vereinigen sich Turnerinnen und Turner zu einem gemütlichen Zusammensein in Langenselbold, ^Asenburger HoM, woselbst der große Saal für den Verein reserviert ist. Es ist dadurch auch den Eltern und den Mitgliedern, bk sich nicht an den Uebungen be­teiligen, Gelegenheit geboten au der Nachfeier teilzunehmen, wovon wohl gerne Gebrauch gemacht werden wird, da auch für Tanzmusik gesorgt ist. Für die Rückfahrttist auf der Klein­bahn ein Extrazug um 9 Uhr bereit gestellt.

* Der Verein der Hanauer Haus- und Grundbe­sitzer (e. V.) hatte auf gestern abend in den Saal der Concordia" eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen, welcher der Entwurf einer Ordnung betreffend Deckung der Kosten der Entwässerungsanlage der Stadt Hanau zur Beschlußfassung vorlag. Der Vorsitzende des Vereins erstattete zunächst Bericht über die bekannten Schritte, welche im neuen Geschäftsjahr seitens des Vorstandes des Vereins in Sachen der Entwâfferungsordnung unternommen worden sind. Hierauf ging Herr Jean Wörner satz­weise auf die gedruckt vorliegende Begründung ein, welche der Magistrat dem von ihm vorbereiteten Entwäsierungsstatut beigegeben hat, am Schluffe seiner Ausführungen betonend, daß der Verein der Haus- und Grundbesitzer alles was in seinen Kräften stehe daransetze, um zu verhindern, daß eine solche, mit seinen Rechtsanschauungen in Widexspruch stehende Ordnung

dem sogen,alten Mann" uns Zeugnis von ihrem ehr­würdigen Alter ablegen. Zu längst entschwundenen Zetten wurde hier von fleißigen Händen auf die Kupferletten ge­graben, das wertvolle Metall ausgeschmolzen und zu Mün­zen verprägt. Als jedoch durch die Entdeckung Amerikas und durch die Erforschung anderer Länder, uns das Kupfer in weit größeren Mengen brachte, wurde dieser Betrieb ein­gestellt. Aehnlich ging es dem Bau auf Silber, der, teil­weise durch Kriege unterbrochen, bis zu Anfang des vori­gen Jahrhunderts noch in voller Blüte stand. Mancher Münzensammler besitzt noch ein Bieberer Guldenstück. Sehr charakteristisch ist es, daß immer nur auf ein einziges Metall zu gleicher Zeit gegraben wurde. So kann man noch heute auf alten, verlassenen Halden, von der sogen. Kupferzeit herstammend, Klumpen ausgeschmolzenen, gediegenen Sil­bers und auf Halden, aus der Zeit, da man Silbererze ausbeutete, Kupferklumpen finden. Bis vor 20 Jahren wurde auf Kobald gegraben, den man zur Farbenfabri- kation verwandte. Heute aber, und besonders seitdem Krupp Eigentümer, wird nur noch Eisenerz gefördert, das zuweilen bis zu 50 Prozent eisenhaltig, andererseits stark manganhaltig ist.

Nicht nur für den ausbeutenden Bergmann ist dort zu finden, auch der Sammler seltener Mineralien kann in Bieber reich werden: Kupferlasur, schöne, radialfaserige Malachitstücke, Kupferkies, Buntkupfererz, prachtvolle Braun- und Roteisensteindrusen, Speis- und Elanzkobalt, Rotgültigerz, Auripigment und Realgor, die verschiedensten Silbererze, endlich Schwerspat- und Kalkspatspaltrhom- boeder n. v. a. werden angetroffen.

Die GewerkschaftBieberer Gruben" zerfällt in drei Abteilungen mit je einem Steiger. Der Betriebsführer hat seinen Sitz in Bieber, wo sich die eine Abteilung befindet; die zwette ist etwas talabwärts, bei Roßbach, und die dritte, die wir befahren haben, bei Lochmühle. Die Erze werden direkt auf Bahnwagen verladen und zu den Hoch­öfen versandt. Zur Zeit find 300400 Leute beschäftigt.