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Erste» Statt

im Reklameteil die Zeile 50 Pfg.

eneral-Anzeiger

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein. eo. Waisenhauses in Hanau.

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Bezugspreis:

Vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg., für Post­bezug vierteljährlich 2.10 Mk^ monatlich 70 Pfg,

Die einzelne Nummer tostet 5 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: E. Schrecker in Hanau

Nr. 122

Aernsprechanschlittz Nr. 230.

Samstag den 25. Mai

Fernsprechanfchlutz Nr. 230.

1912

Die heutige ferner Mw nutzer Dem Merhaltuugrbluü

Seiten.

Amtliches. Stadtkreis Fyanau.

Bekanntmachung.

Arbeitsuchende: 3 Dienstmädchen, 1 Bäcker, 1 Eisendreher, 1 Glaser, 1 Schmied, 2 Silberschleifer, 2 Tapezierer, einige Taglöhner, Hausburschen, Fahrburschen und Fabrikarbeiter.

Offene Stellen. Gesucht werden: 2 Dienstmädchen nach Eroß-Steinheim, 1 Glaser nach auswärts, 1 Küfer, 1 Putzfrau, 1 j. Schmied, 1 Schneider, 1 landw. Tag- löhner, 2 Tapezierer, 1 Weißbinder, 1 Friseurlehr­ling und 1 Schlosserlehrling.

Hanau den 25. Mai 1912. 13223

Städtische Arbeitsvermittelungsstelle.

Königliches Gymnasium.

Danksagung.

Allen denen, die bei dem gestrigen Brande des Eym- nastalgebäudes durch Löschen, Bergen und Retten oder sonst in selbstverleugnender Weise und zum Teil unter Lebens­gefahr hilfreiche Hand geleistet haben, insbesondere der freiwilligen Feuerwehr, den Herren Offizieren, Unteroffi­zieren und Mannschaften des Militärs, den Herren Beam­ten der Polizeiverwaltung, meinen Herren Kollegen, ehe­maligen und jetzigen Schülern der Anstalt sage ich hier­durch namens der Anstalt aufrichtigen Dank.

Hanau den 25. Mai 1912. 13265

Der Königliche Gymnafialdirektor.

Dr. Braun.

Königliches Gymnasium.

Wiederbeginn des Unterrichts.

Für die Oberprimaner der Anstalt wird der Unterricht von Montag den 3. Juni ab vorläufig in dem Konfir­mandensaale des Herrn Superintendenten Fritsch, Dia- konifienstraße 6, abgehalten. Für die übrigen Klassen wird er voraussichtlich Montag den 10. Juni wieder be­ginnen. Genauere Mitteilung bleibt vorbehalten.

Hanau den 25. Mai 1912. 13263

Der Königliche Gymnafialdirektor.

Dr. Braun.

Verdingung.

Die Tüncher- und Anstreicherarbeiten zum Neubau eines Arbeiter-Doppelwohnhauses auf der Kreissammel­wasenmeisterei bei Bruchköbel sollen öffentlich verdungen werden.

Verdingungsunterlagen können, solange der Vorrat reicht, gegen Erstattung der Selbstkosten von je 1 Mk. von dem Unterzeichneten bezogen werden. 1

Die Eröffnung der Angebote findet in dem auf Samstag den 1. Juni, vormittags 8 Uhr, im Dienst- zimmer des Unterzeichneten, Hainstraße Nr. 8, festge­setzten Termine statt. 13235

Zuschlagsfrist 2 Wochen.

Hanau den 24. Mai 1912

Der Kreisbaumeister.

Stübing.

Kreissparkaffe zu Hanau.

Die Kreissparkaffe verzinst Spareinlagen mit 3*/< °/o.

Die in den ersten drei Tagen eines Monats bewirkten Einlagen werden vom 1. des betr. Monats ab verzinst und Einlagebücher kostenftei ausgestellt.

__ Der Vorstand. 653

GefunDetie und »etlorene Geienllänöc it.

Gefunden: 1 silberner Siegelring mit Monogramm A. 's., 2 Hausschlüssel.

Stehengeblieben bei Lossow, Marktplatz 13: 2 Herren- und 1 Damenschirm; Empfangnahme auf dem Fundbureau.

Verloren: 1 vergoldete Hutnadel mit grünem Stein, l blauer Kinderüberzieher und 1 Lesebuch mit dem Namen Heinrich Beck.

Zugelaufen: 1 Kriegshündin.

Hanau den 25. Mai 1912.

Politische Rundschau.

Zu der Zweiten elsaß-lothringischen Kammer kam es gestern wieder zu einem Zusammenstoß mit der Regie­rung. Auf der Tagesordnung stand die Wahl von drei Mitgliedern für den Beirat für die Verwaltung der kaiserlichen Tabakmanufaktur und die Kommission für die Verteilung der Winzerbeihilfen. Der Statthalter hatte für die Zusammensetzung dieses Beirates und der Kommission schon eine Verordnung erlaffen. Dor Zen­trumsabgeordnete Hauß drückte seine Verwunderung da­rüber aus, daß dies geschehen sei, ohne daß eine Ver­ständigung mit dem Landtage angestrebt worden sei, zu­mal doch die Winzerbeihilfen unter der ausdrücklichen Be­dingung gewährt worden seien, daß ihre Verteilung durch eine Kommission von 6 Mitgliedern der Zweiten Kammer vorgenommen werde. Es sei ganz und gar nicht an­gängig, daß nun Mitglieder bereiften Kammer hinein- gewählt würden und drei Sachverständige, die dem Land­tag überhaupt nicht angehörten. Es sei nötig, festzu­stellen, ob der Statthalter die Angelegenheit in so ein­seitiger Weise erledigen könnte, weshalb die Sache zur Prüfung der Geschäftsordnungskommission zu überweisen sei. Dem ersten Redner schlossen sich die Vertreter des Lothringer Blocks, der Sozialdemokraten und der liberal- demokratischen Fraktion an. Unterstaatssekretär Petri wollte die Verfügung des Statthalters als ein Entgegenkommen auf- gefaßt wissen. Mit dem Budgetrecht habe die Sacke nichts zu tun. Demgegenüber erklärten die Abgeordneten Welterlö, Emmel und Dr. Schott, es liege tatsächlich eine Verletzung des Budgetrechts der Kammer vor, denn die Winzerbeihilfen seien unter her ausdrücklichen Bedingung bewilligt worden, daß sechs Mitglieder aus der Ziveiten Kammer gewählt würden. Staatssekretär Zorn v. Bulach meinte, die Debatte ^le darauf hinaus, einen Zwist zwischen der Exekutive und

der Legislative herbeizuführen. Die Erste Kammer habe das gleiche Recht wie die Zweite Kammer, in der Kommission tätig zu sein. Er hoffe, daß man noch zu einer Verständi­gung gelange. Trotz der Mahnung des Präsidenten Dr. Ricklin, die Debatte beizulegen, bestand das Haus auf einer weiteren Aussprache, an der sich die Abgeordneten Wetterlä, Dr. Schott, Hauß und Peirotes, sowie Staatssekretär Zorn v. Bulach beteiligten.. Die ersteren beharrten bei ihrer Auf­fassung, daß hier die Regierung ungesetzlich vorgegangen sei und sie, die Abgeordneten, die Rechte des Parlaments ver­teidigten. Schließlich wurde ein Antrag angenommen, die Angelegenheit einer Kommission zu überweisen, wogegen die Regierung keinen Einspruch erhob. Nächste Sitzung Diens­tag, 4. Juni.

Der österreichisch-ungarische Minister des Aeußern ist gestern in Berlin eingetroffen.

Rem SWeilkrtlwMe in MM.

Von der sozialdemokratischen Parteileitung zur Ein­stellung der Unruhen und zur Wiederaufnahme der Arbeit aufgefordert und offenbar auch ermüdet durch die tagsüber verübten groben Ausschreitungen, ließen gegen Donnerstag abend die verhetzten Mafien ab von ihrem wilden Treiben. Doch lafien sich die Geister nicht wieder so schnell bannen, wie sie gerufen sind. Der Haß und die Erbitterung such­ten sich am Freitag morgen durch weitere Untaten Luft zu machen. Darüber gehen der ,^öln. Ztg." folgende Mel­dungen zu:

Budapest, 24. Mai. Ein Teil der Arbeiterschaft hat der Aufforderung der Parteileitung, zur Arbeit zurückzukehren, nicht Folge geleistet. Es sind dies hauptsächlich die ausge­sperrten Metall- und Eisenarbeiter, die, da sie in die Fa­briken nicht Einlaß erhielten, grobe Ausschreitungen ver­übten, Straßenbahnwagen umstürzten und die Kalvarien- kirche verwüsteten. Es kam zu einem heftigen Zusam­menstoß zwischen Polizei und Ruhestörern, wobei zahlreiche Personen verwundet wurden. Ein Gastwirt, der Ausschrei­tende versteckte, wurde verhaftet. Den Metallarbeitern haben sich die Arbeiter der Schiffswerfte und die Trans­portarbeiter angeschlofien. Die ausgesperrtqn Arbeiter wollen eine Versammlung abhalten, was die Polizei be­reitwilligst gestattet, weil sie hierdurch auf eine Beschwich­tigung der Leidenschaften hofft. Amtlich wird die Zahl sämtlicher auf die Polizeiwachen gebrachten Personen auf 380 beziffert. Gegen 40 von ihnen wird ein Strafverfahren eingeleitet werden. Ein großer Teil der Verhafteten konnte noch nicht verhört werden. In der Nähe einer Schrauben- fabrtk kam es zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen den Ausständigen und Arbeitswilligen, wobei viele Schüsse ab­gegeben wurden. Viele der Teilnehmer wurden verwundet. Die Unruhestifter stürzten einen mit Mehl beladenen Frachtwagen um und errichteten mit ihm eine Barrikade. Sie steckten die Neuschlossische Fabrik in Brand, indem sie die Umzäunung mit Petroleum Begossen und dann an- zündeten. Die herbeigeeilte Feuerwehr wurde an den Löscharbeiten verhindert. Die Truppen wurden mit Stein­würfen und Schüssen empfangen. Das Parlament ist von starken Militärabteilungen umgeben; in den Wandel­gängen herrscht große Erregung. Bis 11 Uhr vormitttags hatte die Beratung noch nicht begonnen.

Budapest, 24. Mai. Vormittags nahmen die Straßen, lrawalle abermals einen bedrohlichen Umfang an. Auf der äußeren Waiznerstraße wurde von ausgesperrten Arbeitern ein Petroleumwagen geplündert, ein Teil der Petroleum- fäfisr auf der Straße angezündet, ein anderer Teil dazu verwandt, um die Wachtstuben der Fabrikräume in Brand zu stecken. Das Neuschlossische Holzlager gegenüber der Margaretenbrücke wurde angezündet und die Feuerwehr von Arbeitern an den Löscharbeiten verhindert. Im Stadt­teil Engelsfeld versuchte man ein Haus zu plündern. In einer Asphaltfabrik wurden die im Hof stehenden Teer- fäffer angezündet; längs der Waiznerstraße wurde das Stratzenbahngeleife mehrfach aufgerifien, die Gaslampen zertrümmert und das ausströmende Gas angezündet. Auch beim Zentralbahnhof vor der Ganzschen Fabrik, in Stein­bruch und in Ofen fanden große Ausschreitungen statt. Um 10 Uhr erschien der Sozialistenführer Earami im Parla­ment und ersuchte den Ministerpräsidenten v. Lukacs, die Aufhebung der von den Eisenwerken verfügten Aussperrung zu bewirken, da sonst morgen von neuem der Streik aus­brechen würde. Lukacs gab beruhigende Versprechungen, worauf die Krawalle gegen Mittag in der inneren Stadt nachließen.

Budapest, 24. Mai. Um 12 Uhr mittags dauern die Ausschreitungen im Fabrikviertel fort, «coüdb« Bdi-