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Elnrückungsgebührt
DK ggespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. im Reklameteil die Zeile 60 Pfg.
-lotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. B°--ntw°-tl. Redatteur: S. Schâ in Sanau.
Nr. 120 ffer»sprecha»schl«si Nr. 330.
Donncrstag den 23. Mai
Fernsprechanschlutz Nr^ 23V.
1912
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16 Seiten.
Amtliches.
Stadt- und Landkreis Fjanau.
Nachdem Stadt- und Landkreis Hanau wieder seuchenfrei sind, wird die Abhaltung der Viehmarkte einschließlich der Schweinemartte in den beiden Kreisen vom
1. Juni ds. Js. ab wieder freigegeben.
Hanau den 22. Mai 1912. P. 5723
Der König!. Landrat und Polizeidirektor.
Frhr. L a u r.
Landkreis Hanau.
An die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises.
Um die Gefahr einer Entzündung durch Funkenauswurf der Lokomotiven oder durch Fahrlässigkeit der Reisenden zu verhüten, ersuche ich die in Frage kommenden Ortspolizeibehörden, bei den Landbesitzern auch in diesem Jahre darauf hinzuweisen, daß die Lagerung von Heu und die Aufstellung der Eetreidegarben in der Nähe des Bahnkörpers möglichst eingeschränkt und nicht länger ausgedehnt wird, als zum Trocknen unbedingt erforderlich ist.
Hanau den 21. Mai 1912. V. 3131
Der Königliche Landrat.
Frhr. Laur.
Wegen vorzunehmenden Dampfwalzarbeiten wird der Landweg Nr. 28 von Bischofsheim nach der Frankfurterstraße von Station 9,8—10,4 vom 23. d. Mts. bis einschließlich 29. d. Mts. für Kraftfahrzeuge aller Art, sowie für Lastfuhrwerke von mehr als 20 Zentner Ladegewicht polizeilich gesperrt.
Hanau den 22. Mai 1912. V. 3173
Der Königliche Landrat.
Frhr. Laur.
Straßensperre.
Straße Frankfurt—Aschaffenburg.
Wegen Ausführung von Walzarbeiten bleibt die Ortsdurchfahrt Froschhausen vom 22. Mai d. Z. bis auf weiteres gesperrt.
Die bei der Tannenmühle und am Bahnübergang Seligenstadt aufgestellten Warnungstafeln sind zu beachten.
Offenbach den 20. Mai 1912. V. 3158
Eroßh. Kreisamt.
Lochmann.
6eMne md otrlortnt SehmMe 2t.
Gefunden: 1 weiße Brosche m. Herren-Photographie, 1 Drille mit Futteral und 2 Stopfnadeln, 1 kleiner weißer Rosenkranz, 1 Brille mit braunem Futteral (auf diesem der Name E. Trabert, Optiker in Fulda).
Liegengeblieben bei K. I. Cahn: 1 längliche Brosche mit Similisteinen, 3 Eßlöffel und 5 Stränge graue Strickwolle; Empfangnahme auf dem Fundbureau. Desgl. bei Escher: 1 Touristenstock; desgl.
Verloren: 1 goldene herzförmige Brosche, 1 kleine goldene Brosche in Form einer Reitpeitsche (in der Mitte ein kleines Hufeisen mit Saphir).
Zugeflogen: 2 Kanarienvögel.
Hanau den 23. Mai 1912.
Politische Rundschau.
Der Dank des Kaisers für die Wehrvorlagen. Der Kaiser l>at dem Reichskanzler v. Bethmann Hollweg das Kreuz der ^roßkomture des Kgl. Hausordens von Hohenzollern, dem Staatssekretär des Reichsmarineamts, Staatsminister n. Trrpitz, die Brillanten zum Schwarzen Adlerorden, dem Kriegsminister v. Heeringen den Schwarzen Adlerorden und dem Staatssekretär des Reichsschatzamts, Kühn, den narben 1. Klasse verliehen. — Der Reichsanzeiger c Staatssekretär des Reichskolonialamtes Dr. Solf der Stern zum Kronenorden 2. Klasse verliehen worden.
Marokko.
Fez, 22. Mai. Anläßlich der Wiederkehr des Tages, an dem dre französischen Truppen im Jahre 1911 in Fez etn-
zogen, hat der Sultan gestern in seinen Gärten ein Fest veranstaltet. Unter den Gästen befanden sich sämtliche Franzosen, vor allem der Generalstab der Militärmission. Der Sultan sprach seine Genugtuung über die Dienste aus, die Frankreich ihm erwiesen habe. Er war in ausgezeichneter Stimmung. — Hier herrscht die Meinung, daß, falls ni2st binnen acht Tagen eine Erhebung der Stämme ausbricht, diese zur Ernte in ihre Dörfer zurückkehren.
Seiten Tirml-Wm im w*n MMnetenWt.
Die politische Lage in Ungarn ist durch die Tumultszenen der Vertreter der Opposition im ungarischen Abgeordnetenhaus«, die den ordentlichen Gang der Geschäfte mit Gewalt stören wollen, äußerst ernst geworden. Die Regierung ist aber nicht gewillt, nachzugeben. Der Ministerpräsident erklärte auf der Parteikonferenz, er verwahre sich gegen die Unterstellung, daß er nicht beabsichtige, eine Wahlreformvorlage zu unterbreiten, weil die Vereinbarung mit der Justh- partei gescheitert sei. Die Regierungspartei werde die Verpflichtung, die sie ihrem Programm gemäß übernommen habe, einlösen, hoffentlich unter ruhigeren Verhältnissen, iirdem ihr nicht das Messer an die Kehle gesetzt werde, um Forderungen zu erzwingen, die sie für schädlich erachte. In der Sitzung am Mittwoch nun wurden die Lärmszenen fortgesetzt.
* Der Verlauf der Sitzu.rg.
Budapest, 22. Mai. Im Parlament ist seit 10 Uhr vormittags unter fortgesetzten Tumulten und wütender Obstruktion die Wahl des Grafen Stefan Tisza zum Präsidenten des Reichstages im Gange. Die Opposition will aber diese Wahl mit allen Gewaltmitteln vereiteln. Mehrere oppositionelle Abgeordnete sind bewaffnet ins Parlament gekommen. Auf Anordnung des Präsidiums find vor Beginn der Sitzung sämtliche Tintenfäßer und Federhalter aus dem Sitzungssaal« entfernt worden, damit sie der Opposition nicht zu Wurfgeschoßen dienen können. Man befürchtet jeden Moment Tätlichkeiten. Die Reichstagssitzung bietet einen trostlosen Anblick. Die Regierung ist zur gewaltsamen Durchführung der Präsidentenwahl entschloßen, selbst wenn die Sitzung auch die ganze Nacht ununterbrochen andauern sollte. Es gibt kein Pardon mehr gegenüber der Opposition.
Justh und Lovascy sollen Abbitte leisten.
Der Jmmunitätsausschuß des ungarischen Abgeordnetenhauses verurteilte die Abgeordneten Justh und Lovascy, die die die Weisungen des Präsidenten mißachtet hatten, bo^u, in öffentlicher Sitzung Abbitte zu leisten.
Generalstreik in ganz Ungarn.
Budapest, 22. Mai. In Budapest und ganz Ungarn ist für morgen Donnerstag früh 6 Uhr der Generalstreik aller arbeitenden Menschen proklamiert worden. Auch sämtliche Setzer werden streiken, sodaß sogar die Zeitungen das Erscheinen einstellen werden. Der Generalstreik soll bis nach Pfingsten, eventuell noch länger andauern. Die weiteren Folgen find noch gar nicht abzusehen.
Die Präsidentenwahl.
Budapest, 22. Mai. Unter fortwährenden Wutausbrüchen der Opposition nahm der Reichstag um 4 Uhr nachmittags die Abstimmung über die Präsidentschaftswahl Tiszas vor. Trotz aller Skandalszenen wurde sie auch zu Ende geführt. Graf Tisza wurde mit 210 Stimmen zum Präsidenten gewählt. Damit ist heute ein voller Sieg über die Obstruktion errungen worden. Julius Justh nannte den Präsidenten des Reichstags wegen der Forcierung der Wahl Tiszas einen Schurken, weshalb das Haus Justh dem Jmmunitäts- ausschuß überwies. \
Warnung vor den sozialistischen Straßendemonstrationen.
Budapest, 22. Mai. Der Budapester Polizeipräsident hat eine Kundmachung veröffentlicht, in der die Bevölkerung davor gewarnt wird, an den bevorstehenden sozialistischen Straßendemonstrationen teilzunehmen, da leicht auch Unschuldige von den Kugeln getroffen werden können. Polizei uns Militär haben den Befehl erhalten, scharf zu schießen, falls auf dreimalige Aufforderung die Demonstranten nicht auseinandergehen. Der Polizeipräsident teilt noch mit, daß Leben und Eigentum der sich ruhig verhaltenden Bürger mit Gewalt beschützt werden.
Aus Hanau Stadt und Land.
. Hana«, 23. Mai.
lleberlMzeMle.
Zum beßeren Verständnis der gegenwärtig in den Ee« meinden des Landkreises Hanau zur Verteilung an die einzelnen Haushaltungsvorstände gelangten Fragebogen zwecks Feststellung des zu erwartenden Strombezuges von der geplanten elektrischen Kreisleitung mögen noch folgende Angaben dienen: Der von einer größeren lleberlandzentrale bezogene Strom wird durch den Kreis mittels eigener Freileitungen an die einzelnen Gemeinden in der Gebrauchsspannung abgegeben. Das jeweils von den Gemeinden bezogene Stromquantum wird durch dem Kreis gehörende Zähler ermittelt, die etwa am Eingang jedes Ortes in einem kleinen turmartigen Gebäude, in dem auch die Transformatoren, Schalter und Blitzschutzvorrichtungen Aufstellung finden, untergebracht werden. Der Preis für die vom Kreise bezogene Kilowattstunde wird für Kraft auf etwa 12 Pfg., für Licht auf 18 bis 20 Pfg. geschätzt. Die Mr Verteilung der Elektrizität an die Einwohner nötigen Ortsleitungen, die Installation der Lampen für die Ortsbeleuchtung, die Einführungen in die Häuser und die Ausstellung der erforderlichen Zähler in den Gebäuden übernimmt jede Gemeinde auf eigene Kosteu Es ist dabei angenommen, daß die Gemeinden ihren Abnehmern den Strom für Kraft und Kochzwecke mit 18 bis 20 Pfg., für Beleuchtung mit 40 Pfg. für die Kilowattstunde berechnen. Der einzelne Abnehmer hat somit nur die Leitungen von dem etwa im Hausflur angebrachten Zählerbrett mit Zähler in die betreffenden Stuben oder sonstige für die Beleuchtung oder Kraftabgabe in Frage kommenden Räume zu führen. Die Kosten für die Verlegung der Leitung (ohne Beleuchtungskörper und Birne) betragen für jedes Zimmer nnb jede Lampe an einem besonderen Beleuchtungskörper 15—18 Mark. Jeder weitere Lampen arm, am gleichen Beleuchtungskörper angebracht, erfordert einen Mehrpreis von etwa 5 Mark. Werden in einem Raum von verschiedenen Wandschaltungen aus Glühlampen angebracht, so kostet die Installation bei jeder Schaltung 15—18 Mark sür die erste, und etwa 5 Mark für jede weitere Lampe derselben Schaltung. Für die Beleuchtung eines Zimmers von ca. 4 auf 4 Meter genügt nach Anbringung der Lampe eine 16—25kerzige Birne. Mit einer Kilowattstunde kann man bei Verwendung von Kohlenfadenlampeu eine 16kerzige Lampe ca. 20 Stunden, eine 25kerzige Lampe ca. 13 Stunden brennen. Bei einem Strompreis für Beleuchtung von 40 Pfg. kostet demnach die Brennstunde einer 16kerzigen Kohlenfadenlampe 2 Pfg., die einer 25kerzigen Kohlenfaden- lampe 3 Psg. Die neuen Metalldrahtlampen sind sehr viel sparsamer im Stromverbrauch, und genügt eine Kilowattstunde um eine 16kerzige Metalldrahtlampe 50 Stunden, eine 25kerzige ca. 33 Stunden, eine 50kerzige ca. 20 Stunden )U betreiben. Die Brennstunde kostet bei dem obigen Strompreise für eine 16kerzige Metalldrahtlampe % Pfg., eine 25kerzige 1 Pfg^ eine 50kerzige 2 Pfg. Ob für die von den Gemeinden in den einzelnen Liegenschaften angebrachten Zähler eine Miete zu zahlen ist, bleibt der Gemeinde überlaßen. Die meisten Gemeinden werden erfahrungsgemäß von der Zählermiete von vornherein absehen bezw. dieselbe nach einigen Jahren aufheben. Wird Zählermiete berechnet, so beträgt dieselbe ca. 5—6 Mark im Jahr.
Beamten-Personalnachrichten.
Ernannt: der Pfarrer Kahler zu Vöhl zum Pfarrer in Treisbach, Klasse Wetter, der Rechtsanwalt Dr. Krück in Wächtersbach zum Notar, die Referendare Dr. Hecht, Katz, Dr. Schlitzberger und Rehn zu Gerichts- assessoren, der Rechtskandidat K o ch e n d S r f f e r -um Refe- rcnbar.
In den Ruhestand versetzt: der Kreisarzt, Medizinalrat Dr. E i ch e n b e r g in Hanau -um L Mai 1812.