General-Anzeiger
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Notattonsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein. ev. Waisenhauses in Hanau.
Amtliches Organ für AM- and Landkreis Hanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme de^Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Vellage.
Bezugspreis:
DiertelfShrlich 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg., für Post- bezug vierteljährlich 2^0 Mk., monatlich 70 Pfg- Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: E. Schreck« is Kamm.
Nr. 118 K«rnsprecha«schl,ch Nr. 830.
Dienstag den 21. Mai
Fernsprechanschltttz Nr. SSO.
1912
1
91t AM Ihimmtr mW Ml dm WnWtiWbM
14 Seiten.
Amtliches.
Stadt- und Landkreis Ranau.
Beurlaubung des Kreisarztes.
Der Kreisarzt Dr. Sauberzweig hier ist vom 21. bis 31. d. Mts. beurlaubt und wird durch Herrn Dr. med. Am- brostus hier vertreten.
Hanau den 20. Mai 1912. V. 3135
Der Kgl. Landrat und Polizeidirektor.
Frhr. Laur.
Stadtkreis Ranau.
Bekanntmachung.
Die mit dem Aufsuchen und Unschädlichmachen der Schnakenbrutplätze beauftragten Trichinenschauer Mackenroth, Schaack und Weins haben den Auftrag, in regelmäßigen Zwischenräumen auf allen bewohnten und unbewohnten Grundstücken der Stadt solche Brutstätten aufzusuchen und unschädlich zu machen, oder aber den Grundeigentümern, welche die Vertilgung des Ungeziefers selbst vornehmen wollen, mit geeignetem Rat an die Hand zu gehen. Wir dürfen erwarten, daß den Beamten bei ihrer Arbell keine Behinderungen gemacht werden.
Hanau den 10. Mai 1912. 12291
Der Magistrat.
Hild.
Bekanntmachung.
Für die alljährlich stattfindende Prüfung der Beleuchtungseinrichtungen in öffentlichen Versammlungsräumen, Theatern und Konzertsälen durch Beamte der Gas- und Elektrizitätswerke wird für die Folge eine Mindestgebühr von 5 Mk. für eine einmalige Untersuchung erhoben werden. Hanau den 18. Mai 1912. 12831
Der Magistrat.
Dr. E e b e f ch u s.
GesmAne und otttorent ©egenftönbe :l
Gefunden: 1 Aluminium-Kettenarmband, 1 Zirkel mit Etuis.
Zugelaufen: 1 weißer Foxterrier mit schwarzem Fleck auf dem Rücken, m. Eeschl.
MnMs Dam Spargel.
Eine Studie von Oskar Wiener, Prag.
Auf dem Grünmarkt zu Theben — so erzählt ein alt- ägyptisches Volksmärchen — stritten sich die Gemüfe um den Vorrang ihres Wertes. „Mir kommt keiner gleich," sagte die Zwiebel, „denn ich entlocke den Menschen Tränen der Rührung". — „Das kann ich auch", brummte der Kren, und sie zantten miteinander. So prunkte ein jedes der Gemüse mit seinen Vorzügen; nur der Spargel schwieg in stolzer Vornehmheit. Denn er wußte, daß er der König der Gemüse sei, und das wußten auch die Feinschmecker, die ihre Köche auf den Markt sandten, um den schön gebundenen zartgrünen Spargel für teures Geld zu kaufen. Die Aegypter müsten große Gemüsefreunde gewesen sein, denn auf den Wänden ihrer Grüfte sind heute noch unverblaßt die Abbildungen aller Feldfrüchte zu sehen, hochgetürmt, als ob sie zum Verkäufe da ausgestellt wären. Gurken und Melonen, Mohrrüben und Bohnen, Rettich und Knoblauch in schier unerschöpflicher Fülle, und auch den Spargel hat der Maler nicht vergeßen. Der Spargel wächst in allen Mittelmeerländern vüld und war bei den klassischen Völkern des Altertums hochgeschätzt: kein Wunder also, daß auch an den Ufern des
sorgsam gepflegte Spargelkulturen zu finden waren, 1 r "Wohlige Denkmäler beweisen uns, daß er dort zu den beliebtesten Gemüsen gehört hat. Man wird nicht irre gehen, oen Anfang der Spargelzucht im Lande der Pharaonen bis
^rerte Jahrtausend vor Christi zurückzuverlegen, aber welche seiner Sitten dort gebaut wurden, läßt sich heute kaum mehr feststellen. Sicher ist nur, daß er im ganzen Altertum vielfach verordnet wurde. Plinius sieht im Spargel ein treffliches Mittel gegen Zahnschmerzen, und andere empfehlen seine Triebe mit Weißwein vermischt für Nieren- leidende. Die Hellenen waren gleichfalls begeisterte Spargel
Zugeflogen: 1 blaue Brieftaube (mit folgenden Zeichen: C. L. 8., VI C. R. 05 X. 18).
Hanau den 21. Mai 1912.
Politische Rundschau.
Der Reichstag nahm gestern in zweiter Lesung die Vranntweinsteuernovelle in der Fassung der Kommissions- beschlüße an. (Den Bericht siehe in der Beilage.)
Das Preußische Abgeordnetenhaus hatte gestern eine Wahlrechtsdebatte. Von der Regierung war niemand anwesend, Die Abänderungsanträge der Freisinnigen und der Nationalliberalen wurden abgelehnt. Heute steht u. a. die strafrechtliche Verfolgung des Abgeordneten Leinert auf der Tagesordnung.
Eine Finanzministerkonferenz in Berlin. Nach Pfingsten findet in Berlin eine Zusammenkunft der Finanzminister der Bundesstaaten statt. Die Konferenz hat offenbar den Zweck eine Verständigung der Bundesstaaten über das De- fitzsteuerkompromiß, das in der Kommission schon angenom- men und voraussichtlich auch vom Reichstag bestätigt werden wird, zu erzielen.
Für die Reichstagsersatzwahl in Saarburg-Merzig- Saarlouis, dem bisherigen Wahlkreise Roerens, der sein Mandat niedergelegt hat, stellen die Nationalliberalen als Kandidaten den Bergmann Otto Vick aus Saarbrücken auf. Es handelt sich nur um eine Zählkandidatur, da das Mandat ein sicherer Zentrumsbesttz ist.
Deutsch Flottenvereine im Auslande. Der ^»auptverband deutscher Flottenvereine im Auslande hielt tm Reichstag unter dem Vorsitz seines Präsidenten, des Großadmirals v. Köster, seine diesjährige Mitgliederversammlung ab. Großadmiral v. Köster begrüßte die Versammlung und gab einen Ueberblick über die Ziele des Vereins und über' die Lage des Deutschtums im Auslande. Der Flottenverein hat auch in diesem Jahre eine erhebliche Zunahme seiner Mitglieder zu verzeichnen, die im Reiche selbst 20 Prozent und im Auslande 40 Prozent betrug. Großadmiral v. Köster beschäftigte sich mit der ausländischen Preße, die viel zu wenig über Deutschland unterrichtet ist. Sehr bedauerte es der Redner, daß die neue Flottenvorlage nicht die erhoffte Vermehrung der Auslandskreuzer gebracht hat, obwohl sich deren Notwendigkeit von Tag zu Tag bei der außerordentlichen Steigerung unseres Außenhandels, der seit der Schaffung des Flottengesetzes von 7 auf 12 Milliarden gestiegen ist, zeige; die Ergänzung durch ein fliegendes Geschwader sei'geboten. Dann sprach noch Freiherr v. Gayl über das Deutschtum im Auslande. Von den Vereinen im Auslande waren viele Vertteter geschickt worden.
verehrer, und von den Voeotiern wird berichtet, daß sie die Neuvermählten mit Spargelkränzen krönten, um damit symbolisch anzuzeigen, daß auch das Roheste durch die Kultur milde werden könne: Wie der blätterlose, überaus dornige Asparagus horridus, der Wildspargel, durch die Kunst des Gärtners zum edelsten Küchengewächs wird, so soll der brutale Sinnenrausch durch die Ehe zur tteubehüteten Liebe werden. Darum wurden in Griechenland auch Spargel- sprossen als Amulette getragen.
Griechische Kolonisten brachten den Spargel nach Italien, und die Römer lernten dieses köstliche Gemüse bald schätzen; wenigstens erwähnt der ältere Cato in seinem landwirtschaftlichen Schriften schon Mei Jahrhunderte vor Christi, daß in Süditalien ausgedehnte Spargelplantagen angelegt und betrieben wurden. In der römischen Kaiserzeit stand der Spargel zu Rom hoch im Ansehen — und selbst in den Küchengärten der großen Militärlager an der Donau und am Rhein gab es stets ein Spargelbeet. Auf den pompe- janischen Wandgemälden ist der Spargel als reizendes Ziermotiv verwertet; Zwiebeln, Rettiche und eine Att Zwergkürbis vereinigen sich mit ihm dort zu appetttlichen Stilleben, die ein beliebter Wandschmuck waren, in den Epeisesälen reicher Römer. Kaiser Tiberius soll das Gemüse für seine Hoftafel aus der Rheinprovinz bezogen haben, aber die Germanen gewöhnten sich nur zögernd an die Pflanzenkost und zogen ein saftiges Stück Fleisch den erlesensten Küchengewächsen vor. Erst als das Christentum die deutschen Gaue eroberte unb mit ihm die Fastenzeit ^en Anhängern des Kreuzes zu alljährlichen Pflicht gemacht wurde, ließen sich die Germanen von ihren geistlichen Hirten überzeugen, daß neben einem Fischgericht auch eine Schüße! voll Gemüse sehr zu loben sei. Doch der Spargel wurde darum noch lange nicht heimisch in der deutschen Küche, und manches Jahrhundert mußte verstreichen, ehe der Mönch Hieronymus Bock in seinem „31 ew Kräutterbuch" schreiben durfte: „Ich lob den gemeinen Salat, der Walen und Hispanier. der nun
Die Besteuerung von Junggesellen und kinderlosen Ehepaaren. Der Nationale Kongreß amerikanischer Mütter, der zur Zeit in Chicago tagt, hat, wie die Londoner Zeitungen berichten, eine geharnischte Resolution gegen die Selbstsucht der Junggesellen und kinderlosen Ehepaare gefaßt. In dieser Resolution werden die gesetzgebenden Körperschaften aller Einzelstasten aufgefordert, Gesetze zu erlassen, nach denen jeder Junggeselle und jedes kinderlose Ehepaar mit einem Mindesteinkommen von 80 Mk. wöchentlich gezwungen sein soll, ein schutzloses Kind zu erhalten. Bevor diese Resolution angenommen wurde, hielt Dr. Ernest Coulter, der früher Besitzender des New-Aork« Jugendgerichtshofes «ar, und als Autorität in Erziehungsfragen gilt, einen Vortrag, in dem er die Forderungen der Resolution begründete. Er sagte: „Es gibt keine schreiendere Ungerechtigkeit, als daß ein Mann, der nicht heiratet, dasselbe Einkommen hat, wie sein Kamerad, der für Frau und mehrere Kinder zu sorgen hat. Der erstere ist vom sozialen Gesichtspuutt ein Droh«, der andere em nützlicher Staatsbürger, der eine muß verzweifelt um seine Existenz kämpfen, der andere kann das Geld, das der Kamerad für die Ernährung und Erziehung seiner Familie ausgibt, für hübsche Krawatte« und guten Whisky verwenden. Hier sollte der Staat wenigstens in kleinem Maße einen Ausgleich herbeiführen. ES soll dem Junggesellen, der ein bestimmtes Alter erreicht und ein genügendes Einkommen besitzt, die Wahl gestellt werden, ein heimatloses armes Kind zu sich zu nehmen, oder, wenn er das nicht will, 800 Mk. jährlich für die Unterbringung des Kindes zu zahlen. Genau so soll man mit Ehepaaren verfahren, die nach etwa zchn" jähriger Ehe kein Kind haben. DaS wäre für viele Ehepaare, die ihrer Kinderlosigkeit halb« schrullige ungeuießbmcr Menschen werden, ein Segen, eine Wohltat für die Kind« und zugleich daS beste Mittel, um dem zunehmenden „Staffen- selbstmord* in Amerika zu steuern. * — Da dem Kongreß sehr viele hervorragende Amerikaner beiwohnen, so ist eS wahrscheinlich, daß demnächst in einzelnen Staaten derartige Besteuerungen eingeführt werden.
Frankreich und die deutsche Heeresverstärkung.
Paris, 20. Mai. Der „Mattn" hat bei mehreren Generalen des Ruhestandes eine Umfrage üb« bte deutsche Heeresverstärkung veranstaltet. General Delacroix wiederholte seine bereits im „TempS* auSgedrückte Ansicht, daß die enorme Verstärkung nicht viel zu bedeuten habe, daß jedoch die Vermehrung der Offenstvfähi gkeit des deutschen Heeres von großer Wichtigkeit sei. Die Grenzbataillon« sowie 128 andere Bataillone würden weniger Reservisten haben und dadurch besser imstande sein, die ersten Anstrengungen eines Feldzuges auszuhalten. General Bonnal sagte, Frankreich könne seine Armee nicht vermehren, doch müße eS seine Mannschaften bester verwerten. Ganz abgesehen von
mehr auch, wie andere Leckerbißleiu ins Deutschland kommen ist, ein lieblich Speis für die Leckermäuler."
Dieses Urteil stammt aus dem Jahre 1539; aber erst im siebzehnten Jahrhundert hat die fachttrndige Spargelkultur zu Deutschland dauernd Fuß gefaßt. Denn der Gemüsegärtner muß über viel Erfahrung und Sachkenntnis verfügen, um mit Glück Spargel zu ziehen. Drei Jahre muß man für die Zukunft arbeiten, ohne sofort an eine Ernte zu denke«. Solch ein neu angelegtes Beet wird im Spätherbst Mei Meter breit und einen Spaten tief ausg^oben. Dann gräbt man Rindermist, und zwar doppelt soviel wie zu einer gewöhnlichen, starken Düngung, unter und steckt in Abständen von über einem halben Meter Pfähle, an welche man von der ausgegrabenen Erde Hügel macht. Auf diesen Hügel breitet man die ein- bis zweijährigen Spargelpflanzen, die vom Gärtner Klauen genannt werden, sorgfältig aus und bedeckt sie mit Erde. Im nächsten Herbste schneidet man die Stengel sechzehn Zentimeter hoch ab, lockert das Beet und düngt es abermals. Im Frühjahr wird das Gröbere fortgenommen und der R^t mehrere Finger breit zugeworfen. Im dritten Jahre erhöht man die Beete mit fetter, sandiger Erde so stark, daß die Pflanzen sechzehn Zentimeter tief liegen. Man kann jetzt anfangen, Spargel zu stechen; doch ist es besser, nur einzelne Stengel und nur bis Anfang Juni fortzunehmen. Die Beete geben dann fünfundzwanzig Jahre laug guten Ettrag. Seit jeher war es der Stolz der Züchter, wahre Riesenexemplare an Spargelstangen zu erzielen, und nach Plinius gingen nur drei Stangen des gemästeten Spargels von Ravenna auf ein Pfund. Aehnlicher Erfolge durften sich später auch die deutschen Pflanzer rühmen, und mancher gefürstete Feinschmecker pflegte täglich in höchst eigener Person sein „Küchengärtlein" zu besuchen, um selbst bei» Spargel für den Mittagstisch zu stechen.
Erzbischof Ernst von Salzburg war ein großer Spargelfreund. In Mirabell, seiner Sommerrefidenz, gab es natür- lich auch eine ausgedehnte Spargelplantage. und der Ktr-