Einrückungsgebühr:
Die Vgespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. tm Rellameteil die Zeile 50 Pfg.
Rotationsdruck und Verlag der Vuchdruckerei des verein, eo. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger
Amtliches Organ str AM- ml) Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Bezugspreis:
Vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg., füt Post. bezug vierteljährlich 2.10 Mk., monatlich 70 Pfg.
Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.
Verantwortl. Redakteur: E. Schrecker in Hanau.
NN 117 Mernsprechanschlutz Nr. 330.
Montag den 20. Mai
Fsimsprechair?chlich Nr. 230
1912
Amtliches.
Landkreis Hanau.
Zum Zwecke der Walzung sind von dem Großherzoglichen Kreisamt in Büdingen für jeden Fuhrwerksverkehr gesperrt worden: Himbacher Kreuz—Langenbergheim vom 16. Juni bis 4. Juli, Altenstadt-Rommelhausen vom 1. bis 12. Juli und Ortsdurchfahrt Altenstadt vom 9. bis 20. Juli l. Js.
Hanau den 11. Mai 1912. V. 1800
Der Königliche Landrat.
Frhr. Laur.
Wegen Vornahme von Dampfwalzarbeiten wird der Landweg Nr. 37 von Fechenheim nach der Frankfurterstraße (sog. Wiesenweg) vom Montag den 20. bis Freitag den 24. d. Mts. für sämtliches Fuhrwerk polizeilich gesperrt.
Hanau den 17. Mai 1912. V. 3090
Der Königliche Landrat.
Frhr. Laur.
Stadtkreis Hans«. Bekanntmachung.
Der Bedarf der nachstehend aufgeführten Naturalien für die hiesige Kinderkrippe und Kleinkinderschule ist für die Zeit vom 1. Juli bis 31. Dezember d. J. im Wege des öffentlichen Angebots zu vergeben.
Für den obengenannten Zeitraum sind erforderlich:
ca. 250 Pfd. Ochsenfleisch,
ca. 450 Pfd. Rindfleisch,
ca. 100 Pfd. Kalbfleisch,
ca. 250 Laib Brot
ca. 3650 Stück Brödchen.
Angebote mit der Aufschrift „Naturâlienbedarf für die Kinderkrippe und Kleinkinderschule" versehen, find bis 10. Juni 1912 einzureichen.
Hanau den 15. Mai 1912 12731
Der Magistrat.
Hild.
Zwangsversteigerung.
Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in der Gemarkung Hanau belegenen, im Grundbuche von Hanau in Band 18 Blatt Nr. 1074 Abteilung I unter lfde. Nr. 256, 257, 264 zur Zett der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Ramen des Architekten Friedrich Keunecke zu Hanau am Main eingetragenen Grundstücke:
I. Kartenblatt GG Parzelle Nr. 356/63a = 4 ar Wohnhaus mit kleinem Hofraum mit Hausgarten Uferstraße Nr. 2,
II. Kartenblatt GG Parzelle Nr. 357/64 = 30 qm Hofraum,
III. Kartenblatt GG Parzelle Nr. 355/62 = 4 ar 17 qm Hausgarten,
, Erundsteuermutterrolle Artikel Nr. 1951, Gebäudesteuerrolle Nolle Nr. 2441,
Fünftausend Mark Nutzungswert, am 17. Juli 1912, vormittags 9 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht — an der Gerichtsstelle, Nußallee Nr. 17, Hochparterre, rechter Flügel, Zimmer Nr. 13 — versteigert werden.
Hanau den 8. Mai 1912. 12723
Königliches Amtsgericht 2.
Geholte« imd verlorene GeoenMate il
Gefunden: 1 Brille mit Futteral, 1 Kneifer mit Futteral.
Liegengeblieben bei Wiederfum Nachf.: 1 Mark bar; Empfangnahme dasebst.
Verloren: 1 silberne Damenuhr, 1 Karton mit Kleidungsstücken (auf dem Friedhof), 1 rundes Körbchen (mit 2 Kinderhosen, 1 Kinderunterrock und 2 Lätzchen).
Entlaufen: 1 weißer Foxterrier mit schwarzem Kopf, 1 schwarzer Hund mit gelben Füßen m. Geschl.
Hanau den 20. Mai 1912.
Politische Rundschau.
Der weitere Vorstand der deutschkonseroativen Partei hielt gestern unter zahlreicher Beteiligung aus allen preu- ßischen Provinzen und allen deutschen Bundesstaaten eine Versammlung im Abgeordnetenhause ab. Auf Antrag des Oberbürgermeisters von Dresden, Geheimrat Beutler, wurde der Parteileitung und insbesondere Herrn v. Heydebrand vollstes Vertrauen ausgesprochen.
Ueber das Befinden des Fürstbischofs D. Kopp wurde gestern vormittag laut „Schlesischer Volkszeitung" folgendes Bulletin ausgegeben: „Bei langsam fortschreitender Beffe-
rung des Lokalbefundes macht sich die Rückwirkung der längeren Krankheitsdauer auf das Allgemeinbefinden etwas mehr bemerkbar, jedoch nicht in besonders beunruhigender Weise." — Der Kaiser erkundigte sich in einem herzlichen Telegramm nach dem Befinden des Fürstbischofs Dr. Kopp. Auch vom Kronprinzen und einer Reihe anderer deutscher Fürstlichkeiten sind Telegramme eingelaufen.
Die Verluste der Türken. Nach einer im türkischen Kriegsministerium eingegangenen Depesche haben die Türken auf Rhodos nach einem heftigen, angeblich 48stündigen Kampf über 200 Tote verloren, der Rest der Türken, 1200 Mann, mürbe gefangen genommen.
Die Tätigkeit der Italiener im Aegäischen Meer. Der „Meffaggero" sagt: Gewöhnlich befindet sich in Marmaritza eine kleine türkische Besatzung, die letzthin bettächtlich verstärkt wurde. Die Türken vers- jten zweifellos vermittelst kleiner Boote auf einer der S" 'deninseln eine Landung auszuführen. Das Schlachtschiff „Regina Margherita" bombardierte die Kaserne von Marmaritza in der Absicht, den Konzentrationspunkt der feindlichen Streitkräfte zu zerstören. Man darf nicht glauben, daß Italien an eine Landung an der Küste Asiens denkt; man will im Gegenteil jeden Verbindungsweg zwischen den Inseln und dem Festland unterbrechen. Außerdem versucht man durch Beunruhigung verschiedener Punkte Kleinasiens auch die inneren Verbindungen der Türkei zu erschweren. Die Tättgkeit Italiens im Aegäischen Meere wird sich weiterhin in der Besetzung anderer Inseln zeigen.
Die schwedische Erste Kammer verwarf nach langer Debatte mit 86 gegen 58 Stimmen den Gesetzentwurf der Regierung über die Einführung des Frauenroahlrechts zum Parlamsv . Die zweite Kammer nahm dagegen nach längerer Debatte den Gesetzentwurf mit 140 gegen 66 Stimmen an. Der Gesetzentwurf ist bamit Mr diesmal verworfen.
Zu dem spanisch-französischen Marokkovertrag wird gemeldet: Die spanische Regierung habe sich gegen den englischen Vorschlag betreffend die Aufteilung des Uergagebiets hauptsächlich deshalb ausgesprochen weil dadurch eine zweckentsprechende Verbindung zwischen Spanisch - Gharb und den Rifzonen verhindert würde. Poincars hatte diesbezüglich eine Unterredung mit dem englischen Botschafter in Paris Bertie, und ssü die Dereitwilligkett ausgedrückt haben, durch eine an Ort und Stelle vorzunehmende Prüfung feststellen zu lassen, ob der spanische Einwand begründet sei.
Stimmungsbild aus dem Reichstag.
ni. Berlin, 18. Mai. Dem gestrigen Sturm folgte heute eine ruhige, fast behagliche Sitzung. Die von den Sozialdemokraten veranlaßten Szenen hatten gestern zur Folge gehabt, daß man nach Erledigung der Grafenfladener Angelegenheit mit der ganzen innerpolitischen Aussprache bei dem Etat des Reichskanzlers kurzweg ein Ende machte; heute stand die auswärtige Politik auf der Tagesordnung, und hierzu war mit dem Reichskanzler der Staatssekretär des Aeußern erschienen. In der einen freilich nicht kurzen Sitzung gelang ei, auch die auswärtigen Angelegenheiten und damit den ganzen Etat in zweiter Lesung zu erledigen, so daß jetzt für die zweite Lesung nur noch die Deckungsvorlagen aus- stehen und dann die dritten Lesmrgen der Wehr- und Deckungs- vorlagen und des Etats die Arbett des Reichstags abschließen. Es ist nicht ausgeschloffen, daß das übermüdete HauS schon am Mittwoch ober gar am Dienstag seine Pforten zumacht. Die heutige Aussprache leitete der Sozialdemokrat Dr. David ein; er verfiel nicht in den Ton Scheidemanns. Neues brachte er nicht vor, die Kritik der Sozialdemokraten an der deutschen Diplomatie und der auswärtigen Politik ist ja bekannt. Aber selbst aus dem Munde des sozialdemokratischen Redners erregte doch Verwunderung seine Auffassung von der Schuld Deutschlands an dem gespannten Verhältnis mit England; sogar die Aufrechterhaltung des Seebeuterechts, sas bekanntlich eine unbedingte Forderung Englands ist, will er^dem Deutschen Reich aufs Konto setzen. Herr Spahn, der Führer des Zentrums, vermag sich, leider nicht verständlich zu machen, außer den vordersten Bänken am Rednerpulte; man hörte nur Stichworte, die augenblicklick aktuellen Fragen der auswärtigen Politik, über die er bett Staatssekretär um Aus- kunft ersuchte. Recht beifällig ausgenommen wurde die durch ihren schlagfertigen Humor vielfache Heiterkeit entfesselnde Rede des Herrn Dr. Oertel von der Deutschen Tageszeitung; die Anerkennung, die er unserem Auswärtigen Amt zollte, namentlich war die geschickte Art, in der es in den überaus schwierigen Verhältnissen des italienisch-türkischen Krieges sich eingerichtet hat, sand ein Echo auch bei den späteren Rednern. Insbesondere erörterte dann eingehend der Abg. Wasserman die auswärtige Politik. Seine Ausführungen gipfelten in der Betonung einer friedlichen, aber zielbewußten Politik, die frei von allen Plötzlichkeiten ist. Die Ausbildung und Auswahl unserer Divlomaten spielte auch in der beutiaen Verbandluna
eine erhebliche Rolle und Herr Bassermann sowie nachher der Volksparteiler Dr. Heckscher brachten eine von diesem und dem Fraktionsfreund Bassermanns, dem im diplomatischen Dienste erfahrenen Frh. v. Richthofen gestatte Entschließung durch, die durch Emstelking von Etatmitkln in das nächstjährige Budget Vorsorge dafür treffen will, daß bei der Auswahl der jungen Diplomaten und Konsulatsbeamten nicht wie bis jetzt finanzielle Rüstchten genommen zu werden brauchen. Herr v. Kiderlen-Waechter nahm noch mehrere Mal« das Wort, um in seiner kurzen und etwas launigen Art die im Laufe der Aussprache angesammelten Anfragen etwa in dem Stile zu beantworten, wie die Antwort der Regierung auf die neuen kurzen Anfragen fich abspielt.
In einigen Punkten, wo es fich um schwebende Verhandlungen handelt, eine Ablehnung der Auskunft, in anderen eine negative Antwort, beides ganz wie in England. So erklärte der Staatssekretär, dem Wunsche nach Wiederholung seiner vertraulichen Erklärungen aus der Kommission über das Verhältnis zu England, da- er als die wichtigst« bei auswärtigen Fragen bezeichnete, nicht entsprechen zu können. Bei Reklamationen komme es darauf an, ob fie im allgemeinen Interesse liegen und politisch passen oder nicht; das sei englische und sei auch gute BiSmarck^sche Politik; aber bii deutsche Regierung unb Diplomatie erheb« jedenfalls nachdrückliche Vorstellungen und tue daS Nötige, wo eS fich um berechtigte Beschwerden von Deutschen im Ausland« handele. Go seien in Sachen des Ueberfalls auf die Farm der Gebrüder Renschhausen in Marokko zweifellos Uebergriffe vorgekommen; die Verwahrung ist eingelegt und die deutschen Rechte werden gewahrt werde«. Ein« Entschließung i« Sach«« der diplomatischen Ausbildung hält H«rr v. Lider!«« im Hinblick auf die Verfchiedenattigkett ber Vorschläge «och für verfrüht.
Aus aller Welt.
Eisenbahnunglück bei Parts.
Ein schweres Eisenbahnunglück ereignete fich SmaSlag abend gegen halb 10 Uhr am Gar« du Kord in der Nähe von Marcadet an der Pariser Rordblchn. éin Passagirrzug von Pontoise stieß infolge falscher W«tthrustellu«g mit einem Zuge vom Gare du Nord zusammen. Der Anprall war entsetzlich. 6 Wagen wurden auS den Gleisen geworfen, 3 vollständig ineinandergeschoben. Die Hilferufe der Verletzten gellten durch die einbrechende Nackt. Von allen Seiten stürzten Perlonen herbei, um den Bedrängten Hilf« zu bringen. Bald herrscht« grö^e Verwirrung, di« es den Rettungsmannschaften auch noch erschwerte, ihr Werk auS- zuführen. Die Trümmer fingen Feuer, das erst gelöscht werden mußte, ehe man an das eigentliche RettungSwerl gehen konnte. Unter den Trümmern wurden 11 Tote und 40 zum Teil sehr schwer Verletzte hervorgezogen. Bon den letzteren dürften, nach Ansicht der Aerzte, noch eine große Anzahl sterben. — Es war genau 9 Uhr 30 Minuten, alâ der Unterchef das Zeichen gab, daß der um 9 Uhr 31 Min. fällige Zug nach Pontoise abfahren könne. Dieser Zug hält in Enghien, wohin fich zu dieser Stunde zahlreiche vornehme Pariser begeben, um den Abend im Kastno am Spieltisch zu verbringen. Der Zug war überfüllt, auch die anderen Klaffen, da sich auch Abteilungen bei 4. und 51. Infanterie- Regiments darin befanden, deren einzelne Bataillone in der Umgegend von Siffonne Schießübungen abhalten. Die Soldaten hatten für Samstag und Sonntag Urlaub bekommen, waren kurz vorher in Paris angekommen und wollten nun nach Pontoise weiter. Der Zug fuhr mit außerordentlicher Geschwindigkeit und hatte bereits um 9 Uhr 34 Min. die Brücke von Doudeauville erreicht. Dies ist auch jedenfalls die Ursache an dem Unglück. Kurz vor der Brücke ereignete fich der Zusammenstoß. Der Anprall war so heftig, daß die Lokomotive des einen Zuges vollständig in Trümmer ging. Der letzte Wagen der ersten Klaffe und drei Wagen der 3. Klaffe wurden vollständig ineinander geschoben. Von der in der Nähe befindlichen Station Marcadet eilten sofort Hilfsmannschaften herbei und der Bahnhofschef Mallet ließ sofort Rettungswagen aus dem Krankenhaus Lariboistr holen. Die Rettungsarbeiten gingen mit großer Schnelligkeit vor sich. Die Leichen waren zum größten Teil furchtbar verstümmelt. Die meisten Verletzten hatten Beinbrüche und Kopfverletzungen. Bald nach dem Ereignis trafen Polizei, Präsident Lepine und der Minister Dupuy ein und leiteten persönlich die Rettungsarbeiten. Bis 12 Uhr nachts war die Unfallstelle von allen Trümmern geräumt und die Toten und Verwundeten hinweggeschafft. — Amtlich wird bekannt gegeben: Drei Wagen des Zuges 31 wurden von der Lokomotive des Zuges 434 zermalmt. Von den Reisenden in diesen Wagen wurden 11, darunter 3 Militärpersonen, getötet und 39 verwundet. Der Zusammenstoß soll durch fehlerhafte Weichenstellung verursacht worden sein. Während der zurzeit noch andauernden Ausräumungsarbeiten ist der Verkehr das verschiedenen Linien der Rordbah« uutubroLâ