Erstes Blatt.
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Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.
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Die siuzelne Nummer kostet 5 Pfg.
verein, eo. Waisenhauses in Hanau
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwortl. Redakteur: G. Schreie ta Hanau.
Nr. 115
Fernfprechanschliitz Nr. 230» ^»^»»»»^»■»^»^gWWm
Freitag den 17. Mai
Feritfprechanfchlutz Nr. 230»
1912
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14 Seiten.
*
Amtliches.
Eandkreis Hansa, viehseuchenpolizeiliche Anordnung, betreffend die Be- iampfung der Maul- und Klauenseuche im Landkreise Hanau
Meine landespolizeiliche Anordnung vom 23. April 1912 — A. in. 2720 — betreffend die Bekämpfung der im Landkreise Hanau aufgetretenen Maul- und Klauenseuche — Amtsblatt Nr. 17, S. 211/2 — wird hierdurch mit Wirkung vom 18. d. M. aufgehoben.
Der Landkreis Hanau ist demnach wieder ohne Sperr- unb Beobachtungsgebiet. (A. Hl. 3209 IL)
Easfel den 15. Mai 1912.
Der Regierungspräsident.
Graf von Bernstorff.
Infolge Erlöschens der Maul- und Klauenseuche in der Stadt Windecken werden die von mir unterm 25. v. M. — V. 2571 — erlassenen Anordnungen mit Wirkung vom 18. ds. Mts. ab aufgehoben.
Hanau den 17. Mai 1912. V. 3044
Der Königliche Landrat.
Frhr. Laur.
Der KM M die MMM.
Die Aeußerung deS Kaisers über die reichsiändifchen Parla- mentsverhältnisse wird am Freitag im Reichstag zur Sprache gebracht werden, und zwar zunächst auf Grund einer kurzen Anfrage und sodann auch beim Etat des Reichskanzlers:
Der Welfe Colshorn hat folgende „kurze Anfrage" eingebracht: „Ist dem Herrn Reichskanzler der authentische Wortlaut der Kundgebung Sr. M. des deutschen Kaiser«, Königs von Preußen vom 13. Mai d. I. an den Bürgermeister von Straßburg i. E. Dr. Schwander bekannt, welche eine eventuelle Einverleibung Eksaß-Lothringens in Preußen zum Gegenstand haben soll? Ist der Herr Reichskanzler in der Lage, dem Reichstag den authentischen Wortlaut dieser kaiserlichen Kundgebung bekannt zu geben und übernimmt der Herr Reichskanzler die verfassungsmäßige Verantwortung für dieselbe?"
Inzwischen ist offiziös eine Erklärung des Bürgermeisters Schwander über die Aeußerung des Kaisers verbreitet worden t Straßburg, 15. Mai. Mit Bezug auf die vielen Besprechungen über die Aeußerungen des Kaisers gelegentlich des Empfanges am Montag im Zorn von Bulachschen Palais und angesichts der Aufbauschung der Worte des Kaisers in der Presse hat Bürgermeister Schwander dem „Wölfischen Telegraphen-Bureau" folgende Erklärung zur Veröffentlichung übergeben: „Dem Sinne nach sind die Aeußerungen Sr. M. des Kaisers zutreffend, der Wortlaut ist jedoch in der Presse nicht authentisch wiedergegeben. Jedenfalls hat der Kaiser, wenn er gegenüber ge- wiffen Bestrebungen, das Land nicht zur Ruhe kommen zu lassen, die Möglichkeit einer Einverleibung des Landes in Preußen erwähnte, dies nur in dem Sinne gemeint, daß sie auf die legalen Wege durch die gesetzgebenden Faktoren des Reiches erfolgen müßte."
Wie der „Voss. Ztg." aus Straßburg berichtet wird, hat sich der Kaiser auch $u einer Reih« anderer Persönlichkeiten sehr mißbilligend geäußert. Dem Präsidenten der zweiten Kammer des Landtages Dr. Ricklin bemerkte er mißbilligend: „Und Sie haben auch für die Kürzung des ReprSfentationsfonds des Statthalters gestimmt", worauf er ihn dann förmlich bei dem Frühstück des Staatssekretärs von Bulach schnitt.
Wons X. AronWeimz.
Kopenhagen, 15, Mai. Auf dem Amalienborger Schloßplatz hatte sich eine Volksmenge von 30—40 000 Personen versammelt, als Ministerpräfident Berntsen auf den Balkon deS Palastes des bisherigen Kronprinzen trat und mit lauter Stimme auörief:
„König Frederik VIII. ist tot, es lebe König Christian X." Die Menge begrüßte die Erklärung des Mmisterpräst- deuten mit Hurrarufen.
König Christian trat darauf in Generalsuniform mit dem Blauen Bande des Elefantenordens auf den Balkon, während der Ministerpräsident sich zurückzog. Der König trat vor, entblößte sein Haupt und hielt folgende von Beifallskundgebungen oft unterbrochene Rede:
„Eine traurige Botschaft hat alle Dänen betroffen. Der König, mein hochgeliebter Vater, der selbst hoffte, gesund und frisch zurückzukehren, ist plötzlich gestorben. Tiefe Trauer hat meine vielgeliebte Mutter und alle seine Nächsten sowie jeden Dänen betroffen. Eine schwere Verantwortung ist nun auf meine Schultern gelegt, aber ich hoffe, daß das gleiche Vertrauen, das meinem vielgeliebten Vater entgegengebracht wurde, nun auch mir entgegen» gebracht wird. Dänemarks Glück, Freiheit und Selbstständigkeit wird mein Ziel sein, und alle dänischen Männer, die dasselbe wollen, mögen sich darauf die Hand reichen. Gott schirme und segne unser altes Vaterland.
Es lebe Dänemark!"
Die Volksmenge brach in anhaltende, begeisterte Hurrarufe aus, die Flagge auf dem Palais, die auf Halbmast geweht hatte, ging in die Höhe, die Forts feuerten den Königs- salut. Aks die Hurrarufe anhielten, traten auch die Königin, Kronprinz Frederik und Prinz Knud auf den Balkon, die gleichfalls mit Jubel von der Volksmenge begrüßt nmrden. Nach einigen Minuten zogen sich die königlichen Herrschaften zurück. Mehrere Gesangvereine stimmten die Nationalhymne an, in die die Volksmenge einstel. Der König und seine Familie traten abermals auf den Balkon und hörten den Gesang an.,, Es erfolgten neue begeisterte Kundgebungen und Gesänge vaterländischer Lieder. Nachdem sich die königliche Familie zurückgezogen hatte, leerte sich der Platz allmählich.
Der neue König
König Christian ist am 26. September 1870 geboren, steht also im 42. Lebensjahr. Er hat bisher impolitischsn Leben keine Rolle gespielt, fit aber im dänischen Volke wegen seines anspruchslosen und freundlichen Wesen? sehr beliebt, hat sich auch an fremden Fürftenhöfen in Ausübung feiner Repräsen- tationspflichten vielfach Sympathien erworben. In das dänische Heer ist König Christian mit 18 Jahren eingetreten und ist allmählich zum Generalmajor der Infanterie aufge- rückt; zuletzt stand er zur Disposition des 1. Gardekommandos. Er ist feit 26. April 1898 mit ber Herzogin Alexandrine von Mecklenburg, der älteren Schwester der deutschen Kronprinzessin vermählt. Die jetzige Königin steht im 33. Lebensjahre, ist also nahezu sieben Jahre älter als Kronprinzessin Cecilie. Der Ehe sind zwei Knaben entsprossen, der nunmehrige Kronprinz Friedrich, der am 11. März 1899 geboren, also 13 Jahre alt ist und der um ein Jahr jüngere Prinz Knud. Durch seine Ehe ist König Christian in nahe Beziehungen zu unserem Kronprinzenpaar getreten, und eS hat sich zwischen ihm und dem deutschen' Kronprinzen ein freundschaftliches Verhältnis herausgebildet. König Christian war im vorigen Jahre einige Zeit hindurch mit dem Kronprinzenpaar in St. Moritz. Sein jüngerer Bruder Prinz Harald hat im Jahre 1905 als König Haakon den norwegischen Thron bestiegen. Außer diesem besitzt der König noch zwei Brüder, den Prinzen Friedrich Karl, der mit einer Prin- -efsin zu Schleswig-Hofitem-Sonderburg-GlückSburg, einer Schwester her Prinzessin August Wilhelm von Preußen, ver- mäPt ist und bett Wjährigen Prinzen Gustav. Ferner ftnb noch drei Schwestern vorhcmden, von denen die älteste mit dem Prinzen Karl von Schweden, Araber deS Königs, vermählt ist.
König Friedrichs letzte Stunden.
* Hamburg, 15. Mai. Ueber den Tod deS Königs von Dänemark werden noch folgende Einzelheiten gemeldet:
Der König weilte hier auf der Rückreise von Nizza seit Montag abend mit der Königin, den Prinzessinn«« Thyra und Dogmar und dem Prinzen Gustav. In seinem Gefolge befanden sich Hofmarschall Graf v. BrockenhauS-Schack und Leibarzt Professor Bloch. Da der König sich gestern durchaus wohl fühlte, unternahm er abends 8/*10 Uhr allein feinen gewohnten Abendspaziergcmg. Auf dem Rückwege zu seinem Hotel gegen ^ill Uhr auf dem Gänsemarkt in der Nähe des Jungfern stieget, wenige Minuten vom Hotel entfernt, überfiel den König eine Schwäche. Ein Paffant stützte ^n‘ Ein Automobil wurde herbeigehokt, imb da nienurnd ben König erkannte, würbe der Wagen nach dem Hafen- krankenhau? dirigiert. Während der Fahrt verschied der König, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Bon dem Hotel, wo man vergeblich auf die Rückkehr des Königs wartete und wo sein Ausbleiben ernste Besorgnisse weckte, unternahmen die Herren der Begleitung und Direktor Wach vom „Hamburger Hof" sofort die Nachforschungen. In vorgerückter Stunde fand Direktor Wach die Leiche des Königs im Krankenhause. Die Leiche wurde gegen 1/s4 Uhr früh in ben Hamburger Hof" gebracht, wo Üe vorläufig unter
Blumen und Kränzen aufgebahrt ist. Vormittags zog er Doppelposten des hiesigen Infanterie - Regiments vor dem Hotel auf. Zahlreiche Persönlichkeiten, Mitglieder deS Senats und der Gesellschaft und viele Mitglieder der hiesigen dänischen Kolonie haben sich in die Asien ein^ezeichnet. Außer den öffentlichen Gebäuden haben auch viele private Gebäude und Schiffe halbmast geflaggt.
Die lleberführuug dar Leiche.
Hamburg, 16. Mai. Im Hamburger Hof fanden sich heute früh am Sarge des Königs von Dänemark zahlreiche Angehörige der hiesigen dänischen Kolonie und Mitglieder der hiesigen skandinavischen Vereinigungen zusammen. Vor dem Hotel war eine Ehrenkompanie des hanseatischen Infanterieregiments Nr. 76 mit Fahne und Musik ausgestellt. Kurz vor 8 Uhr erschien der Präsident des Senates, Bürgermeister Burchard, der preußische Gesandte v. Bülow und der kommandierende General des 9. Armeekorps v. Plettenberg, in der Borhalle vom dänischen Gesandten in Berlin Heger- mau-Liliencrone und dem Oberhofmarschall Graf Broken- huus-Schack empfangen. Ergreifend war der letzte Abschied am Sarge, den die dänische Königsstandarte und Dauebrog- flaggen deckten. Die Königin, umgeben von den Prinze» Harald und Gustav und den Prinzessinnen Thyra und Dagmar, dankte in bewegten Worten für die Anhänglichkeit der dänischen Kolonie und für Vie Siebe, die der König in Hamburg gefunden habe. Dann routbe der Sarg die Treppen hinab zu dem sechsspännigen Leichenwagen getragen, während die Ehrenkompanie präsentierte und die Musik „Wenn ich einmal soll fdjeibeit* spielte. Durch die von stillgrützenv« Mensche» umsäumten Straßen bewegte sich der Zug nach dem Hauptbahnhof. Im ersten Wagen folgte die Königin und Prinz Harald, im zweite« Prinz Gustav mit seinen Schwestern, weiter die offiziellen Vertreter und Mitglieder der dänischen Kolonie. Vor dem Hauptb ahnhof erwies eine weitere Ehrenkompanie des Infanterieregiments Nr. 76 die militärischen Ehren. Der Sarg, dem die Königin mit den übrigen Leidtragenden folgte, wurde in einem Sonderraum auf einen Katafalk gefetzt. Nachdem die königliche Familie den letzten stillen Abschied genommen, wurde der Sarg in den Wagen gehoben. Hierauf begab sich die Königin mit Kindern und den offiziellen Vertretern in den Fürstensalon des Bahnhofs, um hier bis zur Abfahrt des Sonderzuges zu verweilen. Am 9 Uhr 42 Min. fuhr der Sonderzug mit der Leiche des Königs von Dänemark unb der königlichen Familie nach Travemünde ab. Der Bürgermeister Burchard, der preutziß^ Gesandte unb die übrigen offiziellen Vertreter geleiteten die Königin an den Salonwagen. In dem Son- derzuge, in dem außer der königlichen Familie auch der dänisch« Gesandte in Berlin und das Gefolge Platz genommen, fuhr eine größere Anzahl Mitglieder der dänischen Kolonie mit.
Travemünde, 16. Mai. Der »^vanebrog", welcher die Leiche des Königs von Dänemark überführt, machte an der Postbrücke fest, während die Panzerschiffe ,,£) Isert Fischer" und „Peder Skram" unter dem Kommando des Dizeav- mirals Kofred Hansen auf der Reede vor Anker gegangen sind. Auf dem „Danebrog" zeigt der Speisesaal, in dem die Aufbahrung des Sarges erfolgt, sthwarzen Trauerschmuck. Das Schiff selbst ist schwarz drapiert. Auf Deck ist die Königskrone, von Flor unrhangen, angebracht. Um halb 11 Ahr traf der GrrHherPrg von Mecklenburg-Schwerin ein; ferner hatten sich Bürgermeister Eschenburg und Senator Fehling als Vertreter der Stadt Lübeck u. a. eingefunden. Drei Minuten »ach 11 Uhr lief der von Hamburg kommende Sonderzug unter dem Geläute der Glocken in Trackmünde ein. Auf dem Wege vom Bahnhof bis zum „Danebrog" bildete die Mannschaften der beiden dänischen Kriegsschiffe Spalier. Der Sarg wurde aus dem Wagen gehoben und von den Prinzen Harald und Gustav, sowie den Offizieren der dänischen Schiffe nach „Danebrog" getragen. Die Königin folgte, geführt von dem Eroßherzog von Mecklenburg- Schwerin, mit den Prinzessinnen, dem dänischen Gesandten iu Berlin und den übrigen Leidtragenden. Vor dem Sarge ging der Kriegerverein von Travemünde mit Fahne. Bei der Ankunft des Zuges auf der „Danebrog" gaben die Kriegsschiffe einen Salut von 27 Schüssen ab. Der Sarg wurde in den Speisesaal getragen, wo ein Kranz des neuen Königs Christians X. einen stillen Gruß aus der Heimat entbot. Kurz vor 12 Uhr ging bi« „Danebrog" in See. Die zahlreich am Ufer Versammelten entblößten stillschweigend das Haupt, während die Königswitwe mit den Prinzen und Prinzessinnen ben stillen Abschiedsgruß wehmütig ev- widerten,