MM Mâtt.
Einruckungsgebühr:
Die Sgespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. im Reklameteil die Zeile 50 Pfg.
Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, eo. Waisenhauses in Hanau.
Aintlihes Organ für Lindt- und Landkreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Bezugspreis?
Vierteljährlich 1.80 Ml., monatlich 60 Pfg., für Post» bezug vierteljährlich 2.10 Mk^ monatlich 70 Pfg.
Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: 6. Schrecker in Hanau.
Nr. 114 K<rr»?PrechaEl«tz Nr. 330.
Mittwoch den 15. Mai
Fernfprechanschlittz Nr. 230* 1912
Jie heutige Kammer mW Met dem Suiekhgttuugsdlotl
14 Seiten.
Amtliches.
Candkreis kssnau.
Der bisherige Vizefeldwebel Robert Krause ist als Kreisvollziehungsbeamter auf Probe angestellt worden und hat seinen Dienst heute angetreten.
Hanau den 15. Mai 1912.
Der Königliche Landrat.
F r h r. L a u r.
Dienstnachrichten.
Der Taglöhner Heinrich Drohbach zu Bruchköbel ist als Nachtwächter und Schweinehirt der Gemeinde Bruchköbel bestätigt und verpflichtet worden.
Hanau den 14. Mai 1912. V. 2706
Unter dem Schweinebestande des Gastwirts Ludwig Blumenschein, Frankfurt a. M., Falltorstrahe 27, ist die Rotlaufseuche erloschen. 1
Hanau den 14. Mai 1912. V. 2960
kkluudkue und oeilorene Tegenitünde 2t
Gefunden: 1 Portemonnaie mit 2 Mark, 1 Taschen- meßer und 1 Füllfederhalter.
Verloren: 1 weißes llmhängetuch (auf dem Wege nach Wilhelmsbad), 1 Paar neue braune halbseidene Damenhandschuhe, 1 braunes Portemonnaie mit 2 Mark.
Zugelaufen: 1 grauer Wolfshund, m. Eeschl.
Hanau den 15. Mai 1912.
Politische Rundschau.
Der Kaiser und Elsaß-Lothringen. In ziemlicher Uebereinstimmung meldeten gestern Pariser, Straßburger und/ Berliner Blätter, der Kaiser habe im Verlauf des vorgestrigen Nachmittags bei Gelegenheit des Essens, das im Palais des Staatssekretärs Zorn von Bulach stattfand, den Bürgermeister Dr. Schwander in ein Gespräch über die politische Lage in Elsaß-Lothringen gezogen. In sehr ernster Weise und in nachdrücklichem Tone habe dabei der Kaiser gesagt: „Hören Sie einmal, Sie haben uns bis jetzt hier nur von der guten Seite kennen gelernt. Ich. kann Ihnen aber sagen, daß Sie uns auch von der andern Seite kennen lernen
Rmebnrz, NNlk Biidiiigeii.
Eine Maiwanderung.
Die Sonn' ist auf; des Frühlings Strahlen rinnen Klar um der Ronneburg zerfallne Mauerzinnen;
Ein Maienmorgen, deßen frischer Hauch Unweht das erste Grün von Wies' und Strauch:
Denn warmer Abend, nächtlich lauer Regen
Lieh sanftes Dorgelcit dem Lichtessegen.
Kristall'ne Klarheit rings, daß Berg und Saum
Sick fernesscharf abhebt am Himmelsraum;
Balsamisch atmen linde Frühlingslüfte,
Der Hütten Rauch durchwirbelt schlank die Lüfte, Und deutlich wohl vernimmt des Ohres Lauschen
Am Rasengrund der Quellen junges Rauschen: — Ein Landschaftsbild — mit Himmel, Wald und Erde Dem holden Antlitz gleich, ftoh lächelnd an Geberde.
In frischer Jugendkraft pulst die Natur;
Vom Sang der Vögel Himmel tönt und Flur, Frohlockend huschen sie durch's Laubgezweig, Als täten sie's den mimtet« Städtern gleich, Die, froh gesellt, hinwogen durch's Geheg, Der Sicht entschwindend, wo sich biegt der Weg. —
Ich bin allein und verlasse in Ravolzhausen den um 6 Uhr in Hanau abgehenden Kleinbahnzug, um der Ronneburg entgegenzuwandern. Markierung gelbes Kreuz über den Hohnstein (schöne Aussicht in Kinzigtal) und Schmarzhaupt nach Altwiedermuß (Gastwirtschaft Heym), Ronneburg an 1/»12 Uhr. Heute nur kurze Erfrischungsrast, Weilermarsch den blauen Strichen folgend nach Vonhausep. Anfänglich Wald, später durch Feld. Von weitem grüßen mir die eigentlichen Ziele der heutigen Wanderung, der Herrnhaag und die Hardegg, entgegen, auf ersterem weithin sichtbar seine hell getünchte Kirche, letztere durch ihre steile bewaldete Kuppe auffallend. Um ’/4 Uhr ist Vonhausen erreicht, Wirtschaft „Zum Stern". Eine Markierung über Herrnhaag und Hardegg ist nicht vorhanden, man ist auf Karte bezw. Kompaß angewiesen. Die Dörfer Diebach am Haag, Vonhausen und Lorbach bilden das Kirchspiel Herrnhaag. Von der Wirtschaft zum Stern in Vonhausen gehe man durch die Kegelbahn auf dem sog. Kirchweg direkt auf die Kirche zu, welche aus dem Jahre 1835 stammt. Die ersten, geschichtlich bekannten Baulichkeiten auf dem Herrnbaag
können. Das kann so nicht weiter gehen hier. Wenn die Dinge aber so weitergehen, dann heben wir einfach die Verfassung auf und verleiben Sie Preußen ein." Der Kaiser soll diese Worte so laut gesagt haben, daß sie auch in der weiteren Umgebung gehört sind. So ist es zu begreifen, daß diese Worte, die natürlich in keiner Weise für die Oeffent- lichkeit bestimmt waren und die — ihre Echtheit vorausgesetzt — besonderes Aufsehen erregen werden, gestern in die Zeitungen gekommen sind.
Der Kaiser ist um 7 Uhr 20 Min. gestern abend im Automobil von Straßburg kommend, nachdem er vorher noch eine Reihe von Forts der Festung Metz besichtigt hatte, vor dem Generalkommando in Metz angelangt und dort abgestiegen.
Der bisherige deutsche Botschafter in Konstantinopel Freiherr Marschall von Bieberstein ist zum deutschen Botschafter in London ernannt worden. — U^er den Botschafterwechsel in London ist in Karlsruhe die letzte Entscheidung gefallen. Der Kaiser hat das Rücktrittsgesuch des Grafen Metternich unter Anerkennung der guten Dienste, die der bisherige Botschafter mehr als ein Jahrzehnt unter zum Teil recht schwierigen Verhältnißen in London geleistet hat, genehmigt und den Botschafter in Konstantinopel, Frhrn. v. Marschall, zum Nachfolger ernannt.
Strafanträge gegen die sozialdemokratischen Abgeordneten.
Berlin, 14. Mai. Die Strafverfahren gegen die sozialdemokratischen Abgeordneten Borchardt und Leinert sind jetzt im Gange. Der Vizepräsident Dr. Krause teilt heute im Abgeordnetenhaus mit, daß folgendes Schreiben des Justizministers an den Präsidenten eingelanfen ist: „Euer Hochwohlgeboren ehre ich mich, einen Bericht des Ersten Staatsanwalts beim Landgericht I hier vom 11. ds. nebst Anlagen mit dem Anheimstellen ergebens! zu übersenden, in Gemäßheit des Artikels 84 der Verfaffungsurkunde für den preußischen Staat die Beschlußfassung des Hauses herbeizuführen. Berlin, den 11. Mai. gez. Beseler." — Das Schreiben des Ersten Staatsanwalts an den Justizminister lautet: „Belr. Einholung der Genehmigung des Hanfes der Abgeordneten zur Einleitung des Ermitilungsverfahrens gegen die Abgeordneten Borchardt und Leinert. Durch Strafantrag vom 9. Mai 1912 hat der Präsident des Hauses auf Grund der Vorgänge bei Ausschließung des Abg. Borchardt von der Sitzung am 9. Mai 1912 die Bestrafung des Abg. Borchardt wegen Hausfriedensbruchs beantragt. Nach Zeitungsberichten unb der mir soeben zugegangenen Anzeige des Herrn Polizeipräsidenten über den Hergang der Sache kommt auch Widerstand des Abg. war das 1264 gegründete Cifterzienserinneukloster, das bereits 1287 aber schon nach Marienborn verlegt wurde. Die Klostergebäude wurden niedergelegt, und die Klosterkirche fiel 1818 einem Blitzschläge zum Opfer. Von dyr ganzen Klosterherrlichkeit ist heute nichts mehr übrig als ein Teil der Klosterkirche in Marienborn.
Die Kirche auf dem Herrenhaag bietet weiter nichts besonders Sehenswertes, wenn man nicht die schönen, großen, in Sandstein gehauenen Grabsteine, welche an der Außenwand der Kirche aufgestellt sind, als solches bezeichnen will. Schöner Blick von hier auf die Ronneburg. Vor mir liegt ein Komplex Cebäulichkeiten, deren verlaßener und ruinenhafter Zustand es nicht ahnen läßt, daß hier einst eine Kolonie von ihren religiösen Ueberzeugungen durchdrungener, arbeitsamer Menschen — ca. 1000 Köpfe schließlich stark — sich niedergelassen hatte, — es ist der Herrnhaag, jetzt ein fürstlich-ysenburgisches Hofgut. Die Gebäude verdanken ihre Entstehung der Herrnhuter Seite, deren geistiger Führer Graf Zinsendorf im Jahre 1747 hier wohnte. Das erste Haus rechts, von der Kirche her, das sog. Grafenhaus, diente ihm zur Wohnung. Wenige Schritte unterhalb des Grafenhauses am Bergesabhang liegt der Herrnhuterfriedhof, den ich mit großem Jntereße in Augenschein nahm. Eine lebende Buchenhecke schließt ihn ab, die früher eingesunken daliegenden Grabsteine sind gesammelt und um den Sockel eines würfelförmigen Aufbaues aufgestellt worden, die Seiten des Würfels tragen Sprüche aus der Offenbarung und Angaben über die auf diesem Friedhof Ruhenden. Der Schwager Zinsendorfs, Heinrich XXIX. Graf Reuß- Ebersdorf, sowie 3 Kinder Zinsendorfs, hervorragende Gemeindeglieder usw. sind da genannt. Der "Friedhof steht nunmehr unter Denkmalsschutz, als die letzte Erinnerung an eine Epoche, welche längere Zeit unsere Gegend, speziell der unter ysenburgischer Herrschaft stehenden,Zeinen besonderen Stempel aufgedrückt hatte.
In den Jahren 1828—1843 wurde der Herrenhaag nochmals von einer religiösen Sekte — Separatisten — bewohnt, seit dieser Zeit erfolgte die Niederlegung der meisten Gebäude bis auf den heute noch stehenden Rest.
Ich überschreite unterhalb des Herrnhuterfrirdhoses das
Borchardt und deS Abg. Leinert gegen die Staatsgewalt in Betracht. Euer Exzellenz bitte ich ehrerbietigst, die Genehmigung dès Haufes der $16 geebneten dazu herbeizufübren, daß die Abgeordneten Borchardt und Leinert wegen dieser Handlungen zur Untersuchung gezogen werden. Berlin, den 11. Mai 1912. gez. Preuß. Oberstaatsanwalt." Vizepräsident Dr. Krause schlägt vor, beide Schreibe« der Geschäfts- ordnungSkommission zu überweisen. Das Haus beschließt demgemäß. Die Sozialdemokraten find nicht anwesend.
Der Ausschluß von Abgeordneten.
Berlin, 14. Mai. Die Geschâftsordnungskommisston des Abgeordnetenhauses begann ihre Beratung heute beim § 64, der die Aufrechterhaltung der Ordnung und die Ausschließung von Mitgliedern für de« Fall grober, die Würde des Hauses verletzender Verstoße vorsieht. Eine Besprechung dieses Paragraphen wurde von konservativer Seite angeregt. Man dürfe nicht stillschweigend an diesem Paragraphen vorübergehen, sondern habe M prüfen, ob die darin vorgesehene Befugnis des Präsidenten genüge. Ein nationalliberaler Ab- geordneter widersprach dieser Anregung mit dem Hinweis darauf, daß man dem Plenum nicht vorgreifen dürfe. Ebenso wollte das Zentrum sich zunächst abwartend verhalten. bis der fortschrittliche Antrag auf Wiederherstellung bet , 64 in seiner alten Fassung vom Plenum beraten sein werbt oder bis eine Entscheidung des Reichsgerichts hrrbeigeführt sei Daraufhin lehnte die Kommission in ihrer Mehrheit eine eigentliche Besprechung dieses Paragraphen ab, der einstweilen in seinem jetzigen Wortlaut bestehen bleibt Der § 66, der für den Fall einer störenden Unruhe dir Aussetzung oder Aufhebung der Sitzung vorsieht, wurde in seiner bisherigen Fassung angenommen.
Aus Hanau Stadt und Land.
Harrn», 15. Mai.
• Redaktionell. UM" Des Himmelfahrtsfestes wegen erscheint die nächste Nummer unseres Blattes erst Freitag den 17. Mai zur gewohntes Stunde.
* Zohanneskirche. An Christi Himmelfahrt, morgens 8 Uhr, wird anstatt Herr Pfarr« Lam bart Herr Pfarrer Bär predigen.
* Kinderfest. Die Eintrittskarten zu der nächsten Sonntag stattfindenden Aufführung des MärchenspielS find fast sämtlich vergriffen. Die Turngemeind« hat sich deshalb entschlossen, auch die SamStag nachmittag 5 Uhr stattstndende Hauptprobe zugänglich zu machen nnb find Karten hirrflir zu dem Preis von 20 Pfg. erhältlich.
kleine Wiesentälchen, um an d«m jenseitige» WaldeSraud« hinaufgehend (nicht der geradeaus im Tälchen weiterführenden Walochauffee folgen i y, zur Hardegg aufzusteige«. Keine Markierung. Man folgt dem Waldesrande, biegt alSdanv die erste Waktschneif« links ein. Nach kurzer Zeit zweigt rechts ein schmaler, wenig begangener Pfad a^ der steil Organs zur Hardegg führt. Ankunft ‘/«3 Uhr.
Ich glaubte eine Steinringum wallrmg — Sch leuch« spricht in seinem Ronneburgführ« von einer solchen — vorzufinden, und war erstaunt, auf einer äußeren, breiten Erdumwallung stehend, einen ungefähr 9 m tiefen und 10 m breiten Wallgraben vor mir zu sehen, der eine zweit«, inne«, höher liegende Umwallung umschließt. Dies« Um Wallungen und der Graben umziehen die ganze Bergkupp«, nah umschreite ich dieselbe in ihrer ganzen Ausdehnung, ungefähr 500 m. Die innere Umwallung wird ungefähr ekoaS weniger als die Hälfte an Umfang betragen.
Nach NW., im äußersten Ende des innersten Ringes, sieht man noch geringe Mauerreste von Gebäuden unb Gewölben einer mittelalterlichen Burg. Aussicht ist kein« vorhanden. Der Grund und Waldbestand innerhalb der Wälle ist Isenburger Besitz, und dies beutet darauf hin, daß ein Zusammenhang der Burg Hardegg mit Menburg besteht, zumal sich im ?)senburger Wappen auch der Hardegg'sch« Löwe, gold in blauem Felde, vorsindet. Die Verleihung zm Führung dieses Löweü im Wappen der Dsenburg« geschah durch Kaiser Karl V. bezw. Kaiser Karl VIL
Die geschichtlichen Angaben über bie Burg Hardegg sind spärlich. Sie wird 1405 zum erstenmal genannt, nnb erscheint nach 1464 nicht wieder.
Von hier aus unternahm ich, dem Kompaß folgend, in Richtung nach Norden den Abstieg quer durch den Wald, teilweise ohne Weg, nach dem Dorfe Orleshausen zu im Tale des Seemenbaches, und sah bei Austritt aus dem Wald« rechts Büdingen liegen, welches ich um 4 Uhr «reichte. Einkehr im Fürstenhof. Die Wanderung nahm 6 Stunden in Anspruch, für Rast und Besichtigungen warben 2 Stunde« benötigt, und die Rückfahrt um 6.42 Uhr über Gelnhausen angetreten. In Büdingen selbst konnte ich noch über 2 Stunden zur Erholung und Besichtigung deS Städtchens b«- mwe^r N^ L»