Einzelbild herunterladen
 

ErsieZ Statt

verein. eo. Waisenhauses in Hanau. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. Verantwort!. Redakteur: E. Schrecker in Hanau.

Nr. 112 MrrnsprechaElub Nr. 830. »»m-MW--»W....... l"W III ^WW

Montag den 13. Mai

Fernsprechanschlutz Nr. 230. 1912

Die besitze Summer umloBt euBer dem MerbsllsWM

14 Seiten.

Amtliches.

Im Namen des Königs!

In der Privatklagesache des Lehrers Heinrich Heide­rich II. zu Hanau, Privatklägers, gegen den Earten- inspektor Karl Huber zu Oberzwehren bei Cassel, ge­boren am 28. Juni 1876 zu Frankfurt a. M., katholisch, Angeklagten, wegen Beleidigung, hat auf die von dem Privatkläger und von dem Angeklagten gegen das Ur­teil des Königlichen Schöffengerichts in Hanau vom 17. Oktober 1911 eingelegte Berufung die Strafkammer des Königlichen Landgerichts in Hanau in der Sitzung vom 18. März 1912 für Recht erkannt:

Die Berufung des Angeklagten wird verworfen.

Auf die Berufung des Privatklägers wird das an­gefochtene Urteil dahin abgeändert, daß die Strafe auf 100 Mk., hilfsweise 10 Tage Haft, erhöht wird.

Die Kosten der Berufungsinstanz fallen dem An­geklagten zur Last.

Im Namen des Königs!

In der Privatklagesache des Lehrers Heinrich Heide­rich II. in Hanau, Privatklägers, gegen den Garten- inspektor Karl Huber in Oberzwehren bei Cassel, geboren am 28. Juni 1876 zu Frankfurt a. M., katholisch, An­geklagten, wegen Beleidigung, hat das Königliche Schöffengericht in Hanau in der Sitzung vom 17. Oktober 1911 für Recht erkannt:

Der Angeklagte wird wegen Beleidigung in einem Falle unter Freisprechung in einem weiteren Falle zu einer Geldstrafe von zwanzig Mark, er­satzweise vier Tagen Gefängnis verurteilt.

Von den Kosten des Verfahrens tragen Privat­kläger und Angeklagter je die Hälfte.

Der Privatkläger hat die Befugnis, die Ver­urteilung des Angeklagten auf Kosten des letzteren einmal imHanauer Anzeiger", in denObstbaulichen Nachrichten für den Regierungsbezirk Cassel" und in derDeutschen Obstbauzeitung" innerhalb 14 Tagen nach Zustellung der Ausfertigung des Urteils öffent­lich bekannt zu machen.

Ausgefertigt unter der Bescheinigung der Rechts­kraft obiger Urteile.

Hanau den 10. Mai 1912. 12157

(L. S.) Luckhardt,

Gerichtsschreiber Königlichen Amtsgericht, Abt. IV.

LMMMWr Kreisverei« fmn

Nächste Versammlung Samstag den 18. d. Mts., nachmittags 21/, Uhr, im Gasthauszum goldnen Löwen" hier.

Tagesordnung:

1. Geschäftliche Mitteilungen.

2. Rechnungsabnahme.

3. Festsetzung der im Laufe des Sommers auszuführen­den Besichtigungsreisen.

4. Betrifft die diesjährige Beschickung der Jungvieh, weide.

5. Aufnahme neuer Mitglieder.

6. Sonstiges.

Die Herren Bürgermeister werden ersucht, die vor­stehende Bekanntmachung in ihren Gemeinden wieder­holt in ortsüblicher Weise bekannt zu machen.

Hanau den 13. Mai 1912.

Der Vorsitzende.

Frhr. L a u r, Landrat.

Politische Rundschau.

Der Kaiser in Karlsruhe. Aus Karlsruhe, d-, wird gemeldet: Der Kaiser machte gestern, nachdem er den Vortrag des Reichskanzlers gehört hatte, mit diesem einen längeren Spaziergang im Schloßpark. Heute vor­mittag nahm der Kaiser mit den anderen anwesenden Fürst­lichkeiten und dem Reichskanzler an dem Gottesdienst in der Schloßkirche teil.

Die eindrucksvolle Annahme der Heeresvorlage durch den Reichstag wird in derNordd. Allg. Ztg." als nationale tat gerühmt. Das Blatt schreibt: Die Beratungen

über die Heeresverstärkung sind im Reichstage zu einem hoch­erfreulichen Ergebnis gelangt. Am Freitag wurden nach kaum zweistündiger Verhandlung die Gesetzentwürfe zur Ab­änderung des Reichsmilitärgesetzes und zur Ergänzung des Gesetzes über die Friedenspräsenzstärke von den bürgerlichen Parteien gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Polen angenommen. Nachdem die Budgetkommission die Vorlage genau durchberaten hatte, war es der Wunsch des Reichs­tags, die Verhandlung im Plenum zu einer eindrucksvollen und geschlossenen Kundgebung des nationalen Willens zu ge­stalten. Demgemäß beschränkten sich die Redner der Mehr­heit auf kurze Darlegungen ihrer Stellung. Gegen die be­antragte en dloe-Annahme erhoben nur die Sozialdemokraten Widerspruch, jedoch vollzog sich die deswegen erforderliche Abstimmung über die einzelnen Artikel sehr schnell, ohne die übliche Spezialdiskussion. Der Ergänzungsetat wurde sodann en bloc angenommen. Mit hoher Befriedigung nimmt man überall auf deutschem Boden von diesen Beschlüssen des Reichs­tags Kenntnis. Sie bedeuten eine nationale Tat, an der erfreulicherweise alle reichstreuen Parteien mitgewirkt haben.

Die deutsche Flugspende und die französische Angst. Die Nervosität, die sich der französischen Presse anläßlich der Sammlungen für eine deutsche Nationalspende bemächtigt hat, kommt neuerdings wieder in einem Artikel der Zei­tungLe Siecle" recht deutlich zum Ausdruck. Nachdem das genannte Blatt zunächst im allgemeinen die Aufwendungen der einzelnen Staaten für das Flugwesen verglichen hat, kommt es auch auf den Aufruf des Prinzen Heinrich zu sprechen und weiß auch von märchenhaften, leider etwas übertriebenen Erfolgen zu berichten, die die Sammlungen bereits am ^en Tage erzielt haben. Der imnesiante Ar­tikel schließt bann mit folgenden Worten:

Nach dem Vorausgeschickten nehmen die Anstreng­ungen aller Staaten auf dem Gebiete des Flugwesens von Tag zu Tag zu. Ganz besonders ist aber Deutschland da­rauf erpicht, die Distanz einzuholen, die es zurzeit noch auf diesem Gebiete von Frankreich trennt. Jeder Fran­zose, der deutschen Unternehmungsgeist kennt und weiß, was für beharrliche Arbeiter, was für ausdauernde, kühne Organisatoren und geriffene Nachahmer die Deutschen sind, sollte einen Alarmschrei ausstoßen. Wir können da­von überzeugt sein, daß das deutsche Volk, wenn es nur ernsthaft will, allen Mißerfolgen und Katastrophen zum Trotz in kürzester Zei^ eine mächtige Fliegertruppe haben wird. Darum laßt uns nicht nachlaffen, unsere vierte Waffe zu vervollkommnen und zu vermehren. Frankreich muß unter allen Umständen seine aeronautische Ueberlegen- Heit behaupten. Ebenso wie England eine unangreifbare Flotte, braucht auch Frankreich ein unbesiegbares Flieger­korps."

Das Lob, das in diesem Artikel deutschem Unterneh­mungsgeist und deutscher Beharrlichkeit aus französischem Munde gezollt wird, ist dazu angetan, uns zu außergewöhn­lichen Anstrengungen auf dem Gebiete des Flugwesens an­zuspornen. Hierzu soll uns die National-Flugspende ver­helfen. Der Erfolg der Sammlungen wird zeigen, ob das deutsche Volk dies Lob, das uns von jenseits der Vogesen entgegenschallt, auch wirklich verdient.

Weihbischof Dr. Gockel in Paderborn ist, 82 Jahre alt, gestorben.

3m W NarArdt.

Berlin, 11. Mai. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt an der Spitze ihrer heutigen Rückblicke zu der Abstimmung über die Heeresvorlage: Mit hoher Befriedigung nimmt man überall auf deutschem Boden von diesen Beschlüssen des Reichstages Kenntnis. Sie bedeuten eine nationale Tat, an der erfreulicherweise alle reichstreuen Parteien mitgewirkt haben. Im Gegensatz zu diesem erhebenden Eindruck an dem Reichstage stehen die Vorgänge im Preußischen Abge- ordnelenhause, wo es durch die dreisten Herausforderungen der Sozialdemokraten zu einer für sie tief beschämenden Szene gekommen ist. Vergeblich versucht derVorwärts" durch Artikel, die um das Wesentliche herumgehen, den für die sozialdemokratische Partei peinlichen Eindruck dieser Vor­gänge zu verwischen. Auch die Protestversammlungen können an dem allgemein feststehenden Urteil nicht« ändern. Es geht dahin, daß die Schuld an dem in unserer Parlaments­geschichte neuen Vorfall lediglich den sozialdemokratischen Ab- geordneten zuzuweisen ist, die den Präsidenten durch ihre mit Ausdauer und Ueberlegung durchgeführte Provokationstaktik zur Anwendung der letzten geschäftsordnungsmäßigen Mittel gezwungen haben. Die Aufrechterhaltung der Ordnung und die Anerkennung der präsidialen Befugnisse ist die selbst- verständliche Grundlage für jede varlaweutarüch« Derbaud-

lung. Kein Parlament der Welt duldet auf die Dauer Exzesse, wie sie sich hier sozialdemokratische Abgeordnete ge­stattet haben.

Die freisinnige Fraktion des Abgeordnetenhauses hat zum Falle Borchardt in ihrer heutigen Sitzung eint Re­solution gefaßt: durch die Abstimmung im Abgeordnetenhaus« zum Ausdruck zu bringen, daß der Präsident nach den jetzt geltenden Bestimmungen der Geschäftsordnung berechtigt war, von den ihm zu Gebote stehenden disziplinarischen Mitteln Gebrauch zu machen. Zugleich aber hat die Fraktion be­schlossen, um der Wiederkehr derartiger widerwärtiger, daS Parlament entwürdigender Austritte vorzubeugen, die Wieder­herstellung des § 64 der Geschäftsordnung in der früheren Fassung und damit Streichung der Bestimmungen über bie Ausschließung und Entfernung von Abgeordneten zu bean­tragen.

Som MimMergles Parteitag.

Sitzung des Zentralvorstandes.

Berlin, 11. Mai. Heute nachmittag halb 6 Uhr trat der Zentralvorstand der nationalliberalen Partei im Reichs­tag unter dem Vorsitz Bassermanns zusammen. Die Partei­blätter erhielten darüber folgende Mitteilung: Nach der Erledigung kurzer geschäftlicher Angelegenheiten erläuterte Landtagsabgeordneter Geheimer Justtzrat Krause dir von der freien Kommission formulierten Einigungsvorschläge und empfahl deren Annahme. Namens der Westfalen er­klärte Abgeordneter Schmieding die einmütige Bereitwillig­keit seiner Freunde, auf den Boden der Vorschläge treten zu wollen, um der Partei den Frieden und die Einigkeit zu geben, deren sie zu kraftvoller Betätigung bedürfe. Rechts­anwalt Kaufmann-Stuttgart verkündete namens der Jung­liberalen, daß der Reichsverband in feiner heutigen Tagung sich ebenfalls mit erdrückender Mehrheit für die Vorschläge der freien Kommission ausgesprochen habe. Nachdem sich unter anderen noch Oberbürgermeister Struckmann-Hildes- heim ebenfalls für die Vorschläge erklärt und ihre hohe Bedeutung hervorgehoben hatte, erfolgte die einstimmige Annahme der Vorschläge der freien Kommission. Die Vor­schläge werden also nunmehr morgen dem Vertretertag un­terbreitet werden und auch dort zweifellos einmütige Zu­stimmung erfahren. Die kurzen Verhandlungen hinterließen einen ernsten Eindruck. Es trat unzweideutig zutage, daß der feste Wille zu ehrlicher Verständigung und Unterord­nung unter das Parteiinteresse auf allen Seiten vorhanden ist. Die übrigen zu dem Parteitage gestellten Anträge wur­den zurückgezogen. Morgen wird auf dem Parteitage der Abgeordnete Bassermann nach der Erledigung der Organi­sationsfragen über die politische Lage im Reich sprechen. Daran schließt sich dann eine allgemeine Aussprache. Bis jetzt sind 1300 Delegierte aus allen Teilen des Reiches zum Parteitage eingetroffen.

Der Vertretertag der Rationalliberalen Partei.

Berlin, 12. Mai. Der große Saal in den Kammersälen in Berlin ist kaum imstande, die vielen Hunderte von Dele­gierten, die sich zum Nationalliberalen Parteitag einge­funden haben, zu fassen. Es erweist sich als unmöglich, allen Vertretern Sitze zu verschaffen, so daß sich auch alle Gänge füllen. Wie schon berichtet, erreichen die Anmeldungen fast die Zcchl 1400, und bereits eine Stunde vor Beginn der Verhandlungen zogen die Landsmannschaften in dichten Gruppen dem Versammlungslokal zu. Es entwickelt sich ein äußerst lebhaftes Treiben und ein anregender Meinungs­austausch. Herzliche Begrüßungen auf allen Seiten. Dem Parteitag wohnen auch die nationalliberalen Mitglieder der Parlamente fast vollzählig bei. Am Vorstandstisch neh­men Platz Bassermann, Geheimrat Dr. Friedberg, Geheim­rat Dr. Paasche, Prinz Carolath, Geheimrat Dr. Krause, die Generalsekretäre Breithaupt und Fuhrmann, Geheimrat Dr. Vogel-Dresden, Kommerzienrat Bartling, Geheimrat Dr. Vlankenhorn, Geheimrat Schwabach.

Begrüßung.

Kurz nach 1 Uhr eröffnet Bassermann die Sitzung mit den Worten:Es ist wohl ein stolzes Gefühl, das uns alle erfüllen muß, wenn wir diese Hundert und aber Hunderte überschauen, die aus Nord und Süd, aus West und Ost zu dieser wichtigen Tagesordnung sich zusammengefunden ha­ben. Ich habe die Ehre, Sie alle herzlich zu begrüßen und unserer Tagesordnung einen guten Erfolg zu wünschen." (Beifall.) Der Vorsitzende bringt nunmehr ein begeistert aufgenommenes Kaiserhoch aus. Hierauf wird zum Ersten Vorsitzenden der Vizepräsident des Reichstags Dr. Paafch^ als Zweiter VorÜ^der der Direnrüfident des Abaeord-