Einzelbild herunterladen
 

Hanauer K Anzeiger

Die egespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. toi Reklameteil die Zeile 50 Pfg.

General-Aizcigtk

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses to Hanau.

Amtliches Orga» für Stadt- und Fandkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Bezugspreis:

Dierteljährllch 1.80 Mk., monatlich 60Pfg., Me Post­bezug vierteljährlich 2.10 Mk., monatlich 70 Pfg.

Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.

Nr. 108 %<rufrr«6<mM>faß Nr. 230.

f^ i^ M J! »g'

Mittwoch den 8. Mai

F»r«sprechai»schl«tz Nr. 230. 1912

Amtliches.

Stadtkreis kjana«.

Bekanntmachung.

Auf Grund des 8 65 des Kommunalabgabengesetzes vom 14. Juli 1893 wird bekannt gemacht, daß an Kommunalab­gaben im Steuerjahre 1912 erhoben werden:

im seitherigen Stadtbezirke Hanau:

Zuschlag zur Staatseinkommensteuer 151 Prozent, Ve- triebssteuer 171 Prozent der staatlich veranlagten Beträge;

im Ortsbezirke Hanau-Kesselstadt:

Zuschlag zur Staatseinkommensteuer 80 Prozent, Grund-, Gebäude-, Gewerbe- und Betriebssteuer 80 Prozent der staatlich veranlagten Beträge. Personen, welche auf die Vergünstigungen des 8 9 des Eingemeindungsvertrages keinen Anspruch haben, zahlen 151 Prozent der Einkom­mensteuer und 171 Prozent der Grund-, Gebäude-, Gewerbe- «nd Betriebssteuer.

Die Hebelisten über die besonderen Grund- und Gewerbe­steuern im seitherigen Stadtbezirke Hanau liegen vom 10. Mai d. Z. ab im Zimmer 23 der städtischen Steuerver­waltung, Markt 14, 1 Treppe hoch, zwei Wochen lang aus. Einsprüche sind binnen einer mit dem ersten Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist beginnenden Frist von ouX Wochen bei uns anzubringen,

Hanau den 4. Mai 1912. 11749

Der Magistrat.

Hild.

Bekanntmachung.

In der Badeanstalt am Steinheimertor 1. Stock werden täglich Kohlenfäurebüder abgegeben.

Hanau den 25. April 1912. 11699

Der Magistrat.

J. A.: Ehrich, Stadtbaurat.

Der Steckbrief vom 6. Januar 1911 gegen den Eisen - bahnhilfsarbeiter Friedrich Wilhelm Gunkel, geboren am 28. Februar 1889, zu Weißkirchen, Kr. Obertaunus, wird erneuert.

Frankfurt a. M. den 2. Mai 1912.

Der Erste Staatsanwalt.

J. A.: Sathe.

- -v----

Gesunkene und nerlorene GeoenftSnke 2t.

Gefunden: 1 10-Markstück, 25 Pfg. bar.,

Verloren: 1 Brille mit Futteral, 1 Paket mit zwei Pfund Butter, 1 kleines Gebetbüchlein mit der Aufschrift Das gute brave Kind".

Sugeflogen: 2 hellgelbe Tauben.

Hanau den 8. Mai 1912.

Politische Rundschau.

Die nationalliberale Stichwahlparole für Varel- Jever. Die nationalliberale Organisation des Reichstags­wahlkreises Varel - Jever hat den Beschluß gefaßt, für die Stichwahl zwischen dem freisinnigen und dem sozialdemo­kratischen Kandidaten keine Parole auszugeben. Dieser Be­schluß kann bei dem geringen bürgerlichen Stimmenvorsprung den Sieg des Sozialdemokraten bedeuten. Im übrigen setzen sich die Nationalliberalen von Varel-Jever in Widerspruch zu der offiziellen Parteileitung. DieNationallibcrale Korrespondenz" schreibt:Am 9. Mai findet im zweiten oldenburgischen Reichstagswahlkreise Stichwahl zwischen dem fortschrittlichen Kandidaten Dr. Wiemer und dem Kandidaten der Sozialdemokratie statt. Wir wiederholen, wie wir be­reits am 28. April ausgeführt haben, daß wir eS für eine selbständige Pflicht aller bürgerlichen Wähler halten, durch Stimmabgabe für Herrn Dr. Wiemer den Wahlkreis vor einem sozialdemokratischen Siege zu bewahren". Eine solche Aufforderung hätte auch die nationalliberale Parteileitung des Wahlkreises an die Wähler richten sollen. Vielleicht ge­schieh, es auch noch in letzter Minute, denn dieVoß.

teilt mit, daß der oben erwähnte Beschluß durch eine ZufaNsmehrheit gefaßt wurde und voraussichtlich von einer neuen Vertrauensmännerversammlung noch umgestoßen werden wird.

m ?/"* ^rtrauenskundgvbung für Bassermann in , e Zu Berlin und besonders im Wahlkreise Charlotten- Durg^eltöro findet seit einiger Zeit ein lebhafter Kampf zwischen den Jung. und Altliberalen statt um die Vertretung aus dem Delegiertentage, der am nächsten Sonntag in Ber- in stattfindet. Gegenüber den jungliberalen Anhängern Bassermanns steht der rechte Flügel, der sich um den Re­gierungsrat Professor Leidig schart. Bei der am Montag abgehaltenen, lange vordereneten Wahl ist es nun den Jung- libttalen arlunaen. mit Zweidrittelmehrheit 10 ihrer Dele­

gierten durchzubringen und trotz deS Protestes des Regierungs- rats Leidig eine Vertrauenskundgebung für Bassermann ab- zugeben. Leidig hat darauf sein Amt als Vorsitzender der Wahlkreisorganisation niedergelegt.

Die schwedische Flottensammlung. Nachdem die freiwillige Landessammlung für den Bau eines Panzerschiffes hundert Tage gedauert hat und schon lange die als notwendig berechnete Summe von 12 Millionen Kronen erreicht hat, hat eine Deputation dem König diese Summe als Gabe für den Staat überreicht. Der König drückie der Deputation seinen Dank für die Gabe und seine Freude über diese Opfer­willigkeit und Vaterlandsliebe des Volkes aus. Die Samm­lung wird noch fortgesetzt. Gegenwärtig silü) außerdem noch mindestens fünf Millionen durch diese und andere Samm­lungen zur Verstärkung der schwedischen Marine zusammen- gebracht worden.

Der italienisch-türkische Krieg.

Die Besetzung von Rhodos.

Die Okkupation der Insel Rhodos dürfte im Ausland nicht gerade als ein überwältigendes Ereignis gewirkt haben. Sie war erwartet, hat keine militärischen Opfer ge­kostet und wird die Gesamtlage aller Wahrscheinlichkeit nach wenig beeinflussen. In schroffem Gegensatz dazu steht der ungeheure Applomb, mit dem man in Rom das Ereignis bekannt gemacht und die dithyrambische Stimmung, die man damit erzeugt hat. Im Parlament hat sich Giolitti mit allen Ministern von den Plätzen erhoben, um dem Haus das große Ereignis mitzuteilen, das zu stärkeren Jubelausbrüchen in der Kammer und auf den Tribünen An­laß gab als in einem Land nach einem wirklichen großen Schlg^ensieg. Es muß offen gesagt werden, daß den für die Italiener aufrichtige Sympathien empfindenden Beobachter mit der Zeit diese fortwährenden Uebertreibungen abstoßen, die noch dazu nicht immer den guten Glauben für sich haben, sondern gewiße Stimmungen künstlich erzeugen sollen. Auch die Lektüre der italienischen Preße ruft nachgerade das Empfinden hervor, als spiele jemand ununterbrochen for- tissime Klavier, ohne sein Spiel je zu schattieren.

Wie weit das größenwahnsinnige Gefühl gewißer Zei­tungen geht, das kann man aber eben wieder in hervor­ragendem Maße an der Hand der Kommentare über die Okkupation von Rhodos erkennen. Man erinnert sich, daß Italien von der ersten die Kriegserklärung begleitenden Note an betont hat, daß es den Status quo des türkischen Reiches außerhalb Afrikas nicht anzutasten gedenke. And alle ausländischen Staatsmänner, die Gelegenheit gehabt haben, sich vor ihren Parlamenten über den Krieg zu äußern, haben das als Dogma wiederholt, zuletzt noch Saßa- noff und Graf Berchtold. Jetzt schreibt aber auf einmal das führende Blatt der Rationalisten, dasGiornale d'Jta- lia" ganz seelenruhig:

Wenn die Türkei jetzt nicht, um Frieden bittet oder wenn die Mächte jetzt sie noch nicht dazu veranlaßen können und wollen, sich in das fait accompli in Libyen zu fügen, dann werden wir eben auß er Libyen auch die okkupierten Inseln des Aegärschen Meeres annektieren, die ja ohnehin einmal den Genuesern und Venezianern gehört haben.

Man sieht au diesem Sich und besonders an dem reizen­denohnehin", daß sich hier der irredentistischen Politik un­geahnte neue Horizonte eröffnen. And das Blatt steht mit dieser neuen Auffaßung des Statusquo in der europäischen Türkei nicht allein. Auch derMessagero", der mit dem MailänderSeeolo" im gleichen Verlag erscheint, schreibt ebenso ruhig:

Wenn die Türkei nicht nachgibt, dann wir Stampalia unb Rhodos eben behalten und auch, was uns sonst noch zu okkupieren beliebt.

Es soll nun nicht etwa behauptet werden, daß aus sol­chen Ansichten die Regierung spreche. Sie ft^t den beiden Artikeln gewiß ganz fern. Es ist aber auch andererseits nicht zu leugnen, daß die Regierung in der ganzen Tripo­lisangelegenheit sich derart hat ins Schlepptau der natio­nalistischen Aktionspartei nehmen laßen, daß man von ihr keine unbedingte Festigkeit gegenüber solchen Seitensprün­gen erwarten dürfte, wenn man nicht andererseits anneh­men tönnte, daß man sich im offiziellen Rom der Ansichten Europas über eine solche Ausdehnung der Eroberungspolitik im klaren ist.

Die Italiener auf Rhodos.

Dem türkischen Kriegsminister sind durch Vermittelung des optischen Telegraphen Einzelheiten über die Landung der Italiener auf Rhodos zugegangen, die im wesentlichen nichts neues besagen. Die italienischen Verluste werden an Toten auf 2 Artillerieoffiziere und mehrere Soldaten an­gegeben. Ein italienischer Artillerieunteroffizier ist ge­fangen genommen worden. Der Verkehr durch den optischen Telegraphen dauert ununterbrochen fort.

Die Aufräumung der Minensperre.

Rach Nachrichten aus Konstantinopel ist mit der BeseM- ugng der schwimmenden Minen in den Dardanellen be­gonnen worden. Es wird angenommen, daß die Durchfahrt am 8. Mai wieher frei sein wird.

Eine neue Friedensvcrmrttelung.

Der Londoner Korrespondent des PariserJournal" will aus bester Quelle erfahren haben, dich zwischen dem Wiener und Londoner Kabinett ein Meinungsaustausch über die Balkanfrage stattfand, wobei eine prinzipielle Einigung zu Stande glommen sei, doch bürfe dieses Über­einkommen, das auf eine demnachstige Intervention in Rom und Konstantinopel abziele, ni^ mit der angeblichen russisch-italienischen Entente in parallele geteilt werden, deren Existenz Saßonoff neulich noch bestritten habe, Deutschland, Frankreich und Rußland wurden von der Wie­ner und Londoner Verhandlung verständigt. Auch der italienische und türkische Botschafter wurden unter der Haâ auf dem Laufenden gehalten. England betrachte das italie­nische Vorgehen im aegäischen Meere mißtrauisch. Die Be­setzung von Rhodos dürfe keinesfalls dauernd sein. Der Krieg müsse lediglich in Tripolis entMeden werden.

Aus Hanau Stadt und Land.

Hannu, 8. Mai.

* Auszeichnung. Herrn Heinrich Wolff, Lehrer an der Knabenmittelschule a. D^ wurde der Kronenorde« IV. Klaffe verliehen und heute von Herrn Stadtschulrat Hahne in feiner Wohnung überreicht.

* Einziehung von FernsprechMühre«. Juden nächsten Tagen wird mit der Einziehung der Fernsprechgebühren be­gonnen werden. Es empfiehlt sich, die fälligen Ceirüge bereit zu hatten.

* Sparkassenverband. Am Freitag fand im Hotel Pfeiffer in Marburg eine Vorstandsfitzung des Sparkassen­oerbandes für die Provinz Hessen-Nassau und das Fürsten­tum Waldeck-Pyrmont statt. In derselben wurde beschlossen, daß am 5., 6. und 7. September d. J. in Corbach die dies­jährige Hauptversammlung des SpsrkassenverbandeS statt« finden soll.

Jung-Hanan. Der fortschrittliche Jugendverein Jung- Hanau veranstaltet morgen Donnerstag, abends 9 Uhr, im Hotelzur Post" seinen regelmäßigen Diskusstonsabend. Eine Dame wird überFrauenpolitik" referieren. Nach dem Vortrag findet eine Besprechung über daS in der nächsten Woche in Wilhelmsbad arrangierte Frühlingsfest statt. Wir hoffen auf regen Besuch von Mitgliedern und Parteifreunden. Damen herzlich willkommen.

* Marianische Jünglingskongregatioa. Heute abend ^9 Uhr Konferenz mit Besprechung unseres nächste Woche stattfindenden Ausfluges.

* Kurort Wilhelmsbad. Wir verweisen nochmals auf das heutige NachmittagSkonzert der Kapelle deS Msenbahn- regiments, das bei günstigem Wetter abgehalten wird.

* Kaufm. VereinFrankfurt a. M." Bezirksverein Hanau a. M. Am kommenden Sonntag den 12. Mai veranstaltet obiger Verein einen Familienausflug nach Bruch­köbel in den Saal des GasthausesZum Löwen", verbunden mit Konzert, Tanz usw. Wie alle bisher von genanntem Verein veranstalteten Festlichkeiten, verspricht auch dieser Ausflug ein recht gemütlicher zu werden und wird der Be­such ein recht zahlreicher, zumal ein Spazingang durch den herrlichen Bruchköbeler Wald gnade jetzt im Wonnemonat Mai recht erquickend ist. Die Teilnehmer werden gebeten, sich am Sonntag nachmittag 3 Uhr an dem Restaurant Patrontasche", Bruchköbelerlandstraße, zu versammeln.

* Ausflug desPrießnitz". Wir hatten bereits an dieser Stelle auf den Ausflug hingewiesen und können heute konstatieren, daß eine große Beteiligung der Mit­glieder sowie Freunde und Gönner des Vereins stattge­funden hat. Die kurze Wanderung führte von Mainkur über Bergen nach Bischofsheim, begünstigt durch das prachtvolle Wetter, bot sich dem Auge eine weite Fernficht in die durch landschaftliche Naturschönheiten so reiche Gegend und schloß mit der Einkehr im Saale des Gast­wirts Ebert tn Bischofsheim. Nachdem man sich etwas gestärkt hatte, entwickelte fich ein ungeahntes geselliges Treiben unterstützt durch ungezwungene Darbietungen, Gesang, Deklamationen und humoristische Vorträge, deren Pausen ein Tänzchen ausfüllte. Leider vergingen die Stunden nur zu rasch und jeder Teilnehmer schied uu» gern von dieser Stätte der Fröhlichkeit; doch das Be­wußtsein einen selten schönen Tag verbracht zu haben, ließ allseitig den Wunsch laut werden, daß der Verein bald wieder eine solche Veranstaltung treffen möge.

* Verhaftet wurde der Schlosserlehrling August Ruppel aus Frammersbach, welcher am 2. d. M. in Frankfurt a. M. und am 6. d. M. in Hanau je ein Fahr* rad gestohlen hat