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Erster Statt

Ginrücknngsgebührr

General-Anzeiger

Die Kgespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. im RellameteU die Zeile 50 Pfg

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

Amtliches Organ für Stob and Landkreis Kanan.

Vezsgepreisr

vierteljährNch 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg., für Post- bezug vierteljährlich 2.10 Mk., monatlich 70 Pfg.

Die einzelne Nummer kostet 6 Psg.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: 6. Schrecker in Hanau.

Nr. 99 ffrrnsprechanlchlnk Nr. 2.30.

Samstag den 27. April

Fernsprechanschlutz Nr. 230* 1912

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Amtliches.

Stadtkreis Rana«.

Bekanntmachung.

Arbeitsuchende: 1 Diener 2 Eisengießer und Former, 2 Fahrburschen, 1 Köchin für Restauration, 2 Monats­frauen, 1 Pferdepfleger, 1 Schlosser, 1 Spengler, 10 Tage­löhner, Hausburschen, Fabrikarbeiter und Tartenarbeiter.

Offene Stellen. Gesucht werden: 1 jüngerer Bäcker, 2 Dienstmädchen, 1 Fahrbursche nach auswärts, 1 Haus­bursche für Wirtschaft, 1 Polsterer, 3 Schneider, 1 Schreiner, 2 Schuhmacher, 1 jüng. Tagelöhner oder In­valide für leichte Arbeit, 1 brndwirtsch. Tagelöhner, 8 Tapezierer. '

Hanau den 27. April 1912.

Städtische Arbeitsvermittelungsstelle.

Handelsregister.

Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Firma: Diamantschleiferei Wachenbuchen, Gesellschaft mit beschränkter Haftung" mit dem Sitze in Wachenbuchen.

Johannes Hofmann, Diamantschleifer zu Wachenbuchen, ist als Geschäftsführer ausgeschieden und an seiner Stelle Diamantschleifer Kaspar Stumpf im Wachenbuchen bestellt worden.

Eintrag des Königlichen Amtsgerichts 5 in Hanau vom 24. April 1912. 10737

(Maaten« und atrtortae StgtnWt k.

Gefunden: 1 goldener Damen-Uhrdeckel, 1 Kaffee­deckchen mit gelber und schwarzer Stickerei.

Verloren: 12 goldene Armbänder (vor etwa 14 Tagen), 1 goldenes längliches Medaillon mit zwei roten Steinchen, 1 silberne Brosche (Münze mit Eichenlaub« . kranz), 1 mattgoldener Anhänger von einem Kollier mit 1 grünen und 1 roten Steinchen und 1 weißen Perle, 2 Stücke Spitzen in Tüll und Wallers.

Hanau den 27. April 1912.

Politische Rundschau.

Die Reichstagsersatzwahl von Darel-Jever. Das Ergebnis der gestern vorgenommenen Wahl ist, von den noch ausstehenden Ziffern einer kleinen Gemeinde abgesehen, folgendes: Dr. Wie­mer (Fortschr. Dp.) 11078, Albrecht (natl.) 1873, v. Hammerstein (Bd. d. Landw.) 1039, Hug (Soz.) 12 205 Stimmen. Mithin hat eine Stichwahl zwischen Dr. Wiemer und Hug stattzufinden. (Bei den allgemeinen Wahlen vom 12. Januar dieses Jahres er-

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3. Mmmentii-Mert des fWtiittthB.

Eine Anton Urspruch-Gedenkfeier.

Den Abschluß unserer dieswinterlichen Konzertzeit bildete das vorgestern abend in derTurnhalle* veranstaltete dritte Abonnements-Konzert des Oratorienvereins, dessen Verlauf man in weiten Kreisen mit Spannung, mit Interesse entgegen- sehen durfte. Der umsichtige, tatkräftige Dirigent Herr Dr. Fr. L. L i m b e r t hatte sich der Einstudierung eines Schwie­rigkeiten technischer Art in mannigfaltiger Weise bietenden Werkes unterzogen, das nun so weit gediehen war, um seiner Aufführung entgegensetzen zu können, daneben hatte der Verein zum ersten Male einen bedeutenden Opernsänger gewonnen, welcher berufen war, seine markanten prächtigen Stimmittel in einigen Wagnerkompositionen zur Entfaltung zu bringen. Eingeleitet wurde das Künzer, mit der von der Kapelle des Eisenbahnregiments Nr. 3, verstärkt durch hiesige und aus­wärtige Künstler, prächtig gespielten Ouvertüre zuEgmont" von V. v. Beethoven. Dann trat der Solist des Abends, Herr Opernsänger Karl W i l d b r u n n aus Dortmund, auf. Er botLohenqrins Herkunft* und Preislied ausMeister­singer^ von Ri '. ) Wagner (mit OrchesterbegleUung) und erfüllte die Erwartungen, die man seinem Auftreten entgegen­gebracht hatte. Sein Tenor ist in allen Lagen ausgiebig und klangschön, edle Tonbildung und beseelter Vortrag zeich­neten seine Gelänge aus. Langanhaltender, wohlverdienter Beifall wurde beiden Liedern gespendet.

Der zweite Teil des Konzerts umfaßte die Darbietung des WerkesDie F r ü h t i n g s f e i e r" von A. Urspruch (Obe von Klopstock). Die Aufführung war gedacht als Gr-

hielt Albert Träger 12 204, der vom Bund der Landwirte unter­stützte Nationalliberale 4335 und der Sozialdemokrat 18 014 Stimmen. In der Stichwahl behauptete Träger das Mandat mit 15 269 Stimmen gegen 13 925, die Hug auf sich vereinigte.)

Die Lohnbewegung unter den Rheinschiffern scheint von neuem aufzuleben. In sämtlichen Hauptstationen der Rheinschiffahrt von Straßburg bis Rotterdam sind Versammlungen anberaumt, um über die zur Durchführung höherer Lohnforderungen zu treffen­den Maßnahmen zu beschließen.

Marokko.

Paris, 26. April. DieLibertè" behauptet, daß Präsident Fallières sich entschieden gegen die Ernennung eines aktiven Generals zum Eeneralresidenten in Marokko ausgesprochen habe. Fallières habe sich bereit erklärt, gegebenenfalls in die Er­nennung des Generals Gallieni einzuwilligen, da dieser kein aktives Kommando mehr innehabe, doch habe sich Gallieni ge­weigert, eine Stellung zu übernehmen, die ihm aus solchen Er­wägungen heraus anvertraut werde. DieLibertè" kritisiert die Haltung des Präsidenten in dieser Frage sehr lebhaft und drückt die Hoffnung aus, daß der Ministerrat im Hinblick auf den vor­aussichtlichen afrikanischen Feldzug, der mancherlei Schwierig­keiten und Überraschungen mit sich bringen könnte, die Truppen und die Fahnen Frankreichs entsprechend den Wünschen des Landes dem fähigsten General und nicht einer bloß dem Elyfèe genehmen Persönlichkeit anvertrant werde. Von nationalisti­scher Seite wird behauptet, daß man in radikalen Kreisen die Wahl eines Generals für die marokkanische Eeneralrefidentfchast eifrig bekämpfe, da man befürchte, daß ein Militär, falls ihm seine Aufgabe gelänge, sich in einer der Republik abträglichen Weise allzusehr in den Vordergrund stellen könnte.

Madrid, 26. April. Ministerpräsident Tanalejas dementiert die Meldung von einem Angriff auf den spanischen Posten bei Sidi Scherff. Er erklärt, die gestern abend eingelaufenen Tele­gramme meldeten befti^ ^wehrfuer aus der Richtung des französischen Postens bei Mirabvt. Die Garnison von Larrasch sandte 350 Mann nach El Ksar, wo Zwischenfälle befürchtet werden.

Stimmungsbite ans dem MMiMtrsWe.

mb. Berlin, 26. April. So stürmisch die Sitzung des Preußischen Abgeordnetenhauses am Donnerstag geendet hatt«, so stürmisch begann sie auch am Freitag. Der Freikonser­vative Frhr. v. Zedlitz antwortete gebührend auf die maßlosen Angriffe des Dr. Liebknecht vom Donnerstag gegen Preußen und gegen die bürgerlichen Parteien. Er ließ es an kräftigen Worten nicht fehlen, was natürlich die Sozialdemokraten in Helle Wut versetzte. Auch gegen die Volkspartei wandte sich Frhr. v. Zedlitz wegen ihres Wahlbündnisses mit den Sozial­demokraten, wobei er meinte, der Hehler sei hier nicht besser wie der Stehler. Nachdem der freikonservative Redner seine Ausführungen beendet hatte, gab es eine GeschäfisordnungS- debatte von einer Länge und von einer Schärfe, wie sie im Preußischen Abgeordnetenhaus auch nach dem Eintritt der sechs Sozialdemokraten nicht allzu häufig zu verzeichnen ist. denkfeier für den Komponisten Anton Urspruch, der als Lehrer für Komposition 20 Jahre am Raff-Konservatorium zu Frank­furt a. M. gewirkt hat. Zum leichteren Verständnis für den Hörer ist über den äußeren und inneren Aufbau der Kompo­sition in einer früheren Ausgabe desHanauer Anzeigers" von berufener Feder nähere Mitteilung gemacht worden, so­daß es uns für heute erübrigt, näher hierauf einzugehen. In dem Werke offenbart sich offensichtlich eine große Begabung, die seines Empfinden für Klangwirkungen mit trefflicher Be­herrschung der Jnstrummtationstechnik glücklich vereinigt hat. Den großen in den Vorbesprechungen eingehend hervor­gehobenen Schwierigkeiten des Werkes wurde das bis auf das Kleinste wohlvorbereitete Ensemble des Vereins in jeder Weise gerecht. Unter der verständnisvollen Leitung deS Dirigenten Herrn Dr. Limbert gingen Chor und Orchester vollständig in ihren Ausgaben auf. Es war ein Genuß, der in allen Teilen gelungenen Wiedergabe der Komposition, eines der schönsten Meisterwerke der modernen Musikliteratur, lauschen zu können. Herr Karl Wildbrunn, der die Tenor­partie übernommen hatte, bewährte sich auch in dieser Betätigung als geschmackvoll vortragender Sänger.

Der enthusiastisch gespendete Beifall, bet ihm überrerchte Lorbeerkranz wird dem Dirigenten bewiesen haben, welch günstigen Baden sein Vorhaben, unser Konzertpublikum mit einem Kunstwerk, das wegen technischer Schwierigkeiten bis­her nur wenige Aufführungen erlebt hat, vertraut zu macken. Chor und Orchester verdienen ebenfalls uneingeschränkte An­erkennung.

Die Witwe des Komponisten Urspruch, sowie Lehrer und Schälec des Raff Konservatoriums aus Frankfurt a. M., wohnten dem Konzerte bei.

Der Volksparteiler Dr. Pachnicke nahm Anstoß bar an, ba^ man seine Partei als Hehler bezeichne, was Frhr. v. Zrdlid veranlaßte, tat Ausdruck Hehler zurückzunehmen. Da» brachte wieder die Sozialdemokraten in Harnisch, die in dem Ausdruck Stehlrr eine direkte Beleidigung sahen. Noch wieder­holt ergriffen die Abgg. Hirsch - Berlin, Dr. Pachnicke und Frhr. v. Zedlitz daS Wort und auch der Präsident Frhr. v. Erffa griff wiederholt ein. Als dann der Konservative Graf v. d. Groeben daS Wort nahm, dauerte die lebhafte Unruhe im Hause noch lange fort, und erst allmählich gelang es ihm, sich Gehör zu verschaffen. Er erklärte, daß, wenn mit den jetzigen Machtmitteln die Ordnung nicht mehr auf­recht zu erhalten sei, man dem Hause und dem Präsidenten neue Machtmittel geben müsse. Der nationalliberale Abg. Dr Friedberg wandte sich, wenn auch in den Worten weniger scharf, so doch geschickter und in der Sache nicht minder deutlich, gegen die gestrigen Ausführungen deS Dr. Liebknecht. Eingangs feiner Rede forderte Dr. Friedberg die Erledigung der Wahlrechtsanträge noch vor Pfingsten. Weiter lehnte er die politische Bevormundung durch die Landräte ab, da wir freie Bürger im freien Staate sind. Dem Reichskanzler hielt er vor, daß dieser sich für die mittlere Linie ausgesprochen hab«, daß er aber in seiner Politik weder eine gerade, »och eine mittlere, noch eine abgebogene Linie, sondern überhaupt keine Linie zu sehen vermöge. Alles gehe im konservative« Kurse weiter. Dann kam Dr. Friedberg zu den, wie er sts nannte,unerhörten* Aeußerungen de» Abg. Liebknecht grge« Preußen. Preußens Verwaltung sei ausgezeichnet, seine Justiz tadellos, auf dem Gebiete der großen wirtschaftliche« Betrieb« leiste Preußen Unerreichtes. Dr. Liebknecht habe ja selbst einmal, als er drüben in Amerika war, in einem unbedachte« Momente sich den Ausdruck entschlüpfen lasten, er hab!« ordentliche Sehnsucht nach Deutschland. Stürmische Z» stimmung bei der übergroßen Mehrheit fand Dr. Friedberz als er den Sozialdemokraten zu rief : wer unseren preußisch« Staat beschimpft, auf beffen Seite ist selbst die Schmach, & Schande, von der er spricht. Im übrigen werde es für M Mehrheit dieses Hauses geradezu unerträglich in dieser Deist von einer kleinen Fraktion von sechs Mann behandelt zu werden. Nach Dr. Friedb«rg sprach der Minister v. Dall­witz über eine große Reihe von Einzelheiten. Von Interesse war, was er über bie Aufrechterhaltung der Ordnung bei öffentlichen Umzügen sagte. Er ist mit dem OberverwaltungS- gericht der Ansicht, daß es unzulässig sei, wenn, wie es ge­schehe», die Polizri wegen der Aufrechterhaltung der Ordnung auf den Straßen mit Privatpersonen in Verbindung trete« Es werde das auch künftig nicht mehr geschehen. Nachdem dann noch der Abg. Dr, Sepda wohl P/i Stunden lang bis bekannten polnischen Beschwerden vorgebracht hatte, ntrtagi sich dar Haus, mußte aber infolge des Vorgehens der Sv zialdemokraten erst noch eine gute Anzahl persönlicher Be­merkungen über sich ergehen lassen. Die Sozialdemokraten Stroebel und Dr. Liebknecht wurden dabei von den Abgg. Dr. Friedberg (nt.) und Frhr. v. ZMitz (fk.) gründlich ab- gefertigt.

Kunst und Leben.

Schlußsteinlegung des Leipziger Bölkerschlachtdentmals. I« wenigen Tagen steht die Schlußsteinlegung des Leipziger Lölker- schlachtdenkmals bevor. Das Denkmal wird, sobald die Rüstung niedergelegt ist, ein Bild von imposanter Größe und Schönheit bieten. Das Innere, der gewaltige Kuppelraum, wird auch binnen kurzem vollendet sein. Die allegorischen Figuren nehmen gegen­wärtig die meiste Arbeit in Anspruch. Der Einbau des Fahr­stuhls geht rüstig von flotten. Das Recht, als Stifter auf den Gedenktafeln des Denkmalsinnern genannt zu werden, haben bis­her 1090 Personen erworben. Indessen fehlen zur Dausumme noch immer IX Millionen Mark.

Rückgang des Geburtenüberschusses. Die amtlicheStatistische Korrespondenz" bringt die Hauptzahlen über die Bewegung ber Bevölkerung in Preußen während der Jahre 1910 und 1911. Da­raus geht hervor, daß im Jahre 1910 1256 613 Geburten, 675148 Sterbefälle und 310 415 Eheschließungen beurkundet worden sind. Der Geburtenüberschuß betrug danach 581 465. Im Jahre 1911 sind nach den vorläufigen Ermittelungen 1222 634 Kinder ge­boren, während 732 301 Personen gestorben sind; die Zahl der Eheschließungen betrug 821158. Sonach ist die Geburtenzahl^ gegm das voraufgegangene Jahr um SS 979 zurückgegangen, während die Zahl der Todesfälle um 57 153 gestiegen ist, der Geburten- Lberschuß ist dementsprechend um 91132 gesunken und hat nur noch 490 333 betragen. Eine besonders auffällige Erscheinung letzten zwei Jahre ist die abnehmende Geburtenzahl bei steige««« Ehefrequenz. Die Geburtenzahl von 1910 lag um 35 118, die 1011 sogar um 69 098 unter dem zehnjährigen Durchschnitt oo« 1901 bis 1910, während die Zahl der Eheschließungen sich im erste* Jahre auf 10154, im letzteren auf 20 897 über diesen Durch schnitt stellt«.