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Erstes Stoff.

EinrvckungsgeSSHr:

Die Sgespalt«e Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. im Reklameteil die Zeile 50 Pfg.

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhaufes in Hanau.

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Mt- und Fan-Kreis Hanan.

Bezugspreis:

Vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg-, für Post- bezug vierteljährlich 2.10 Mk., monatlich 70 Pfg- Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Nr. 96

g-erusprechanschlutz Nr. 230.

Mittwoch den 24. April

Fernsprechanschlutz Nr. 230

1912

Die |e* Stamer mW ausser dem WnhMWM

14 Seiten.

Amtliches.

Candhreis Ff an au.

Im Laufe dieses Sommers etwa vom Sprit d. I. ab werden im hiesigen Landkreise trigonometrische Vermessungen zur Aufführung gelangen. Die mit den Vermessungsarbeiten beauf­tragten Offiziere, Beamten (Trigonometer und Hilfstrigono- meter) werden sich durch den nachstehend abgedrucktenoffenen Ausweis" der Herren Minister der öffentlichen Arbeiten, für Landwirtschaft und des Innern ausweisen, die als Hilfsarbeiter kommandierten Soldaten führen zu ihrer Beglaubigung Ausweise ^ttAich, welche von dem Chef der trigonometrischen Abteilung der Landesaufnahme durch Dienststempel und Unterschrift vollzogen sind.

Bei der Wichtigkeit der zu gemeinnützigen Zwecken gesetzlich angeordneten Arbeiten erwarte ich, daß die beteiligten Grund­besitzer dieselben nach Möglichkeit unterstützen und insbesondere das Betreten ihrer Feldmarken den wie vorstehend beglaubigten Personen auch ohne vorherige Anzeige gestatten. Die betreffenden Trigonometer sind angewiesen, jede Flurbeschädigung nach billiger U herein tunst, alle Kosten für Fuhrwerk, Holz, Baumaterial, be­sondere Hilfeleistungen, Arbeiter usw. nach ortsüblichen Preisen bar zu bezahlen, dagegen haben dieselben mit dem Ankauf der Bodenflöchen, welche zum Schutze der Festlegungssteine von den Grundbesitzern an den Staat abzutreten sind, nichts zu schaffen. Die Erwerbung dieser Schutzflächen für den Staat erfolgt später im Verwaltungswege; die Zahlung hierfür wird durch die König­liche Kreiskasse geleistet.

Gegen Vorzeigung der obenerwähnten offenen Ausweise sind die Offiziere und Beamten überall, wo sie es verlangen werden, für sich und ihre Diener, Burschen und Hilfsmannschaften mit geeignetem Quartier zu versehen, welches sie stets ebenso wie ihre Verpflegung unmittelbar und bar bezahlen werden. Es werden hierzu keinerlei Zuschüsie aus Staats- oder Eemeindemitteln gewährt.

Alle übrigen Hilfsleistungen und allen Vorschub, welche den Beauftragten widerfahren, werden gern bemerkt werden.

Die Herren Bürgermeister und Eutsvorsteher ersuche ich für möglichste Verbreitung dieser Bekanntmachung in ihren Bezirken Sorge zu tragen.

Hanau den 28. März 1912. V. 1995

Der Königliche Landrat.

Frhr. Laur.

Die von Seiner Majestät dem Kaiser und König befohlene, t sei Leitung des Chefs der Trigonometrischen und Topographi­schen Abteilung der Landesaufnahme stattfindenden Vermesiungs­arbeiten finden in diesem Jahre auch in dem Regierungsbezirke Casiel statt. Zur Ausführung dieses gemeinnützigen und wissen- schastlichen Unternehmens ist die Mitwirkung der Grundeigen­tümer und Einsasien, der Geistlichen, der Landesverwaltungsbe- Hörden und Beamten, sowie der Forstbeamten erforderlich. Es werden deshalb diese Behörden und Personen hierdurch aufge­fordert, zur Erreichung der Allerhöchsten Absicht auch ihrerseits kräftig mitzuwirken.

Die den Herren Abteilungschefs sowie den ihnen unterstellten Os izieren und Beamten zu gewährenden Hilfsleistungen bestehen vorzüglich in folgendem:

) Bei Besichtigung der Gegenden sind auf Verlangen orts- kundige, verständige Führer gegen ortsübliche Lohnzahlung zu stellen, ebenso Arbeiter für anderweitig notwendige Ar­beiten oder Botengänge.

? Tlle zur Besteigung von Türmen und zur Herstellung von Be. obachtungseinrichtungen auf diesen etwa erforderlichen An­stalten sind zu gestatten.

3 Das zur Errichtung der Signale erforderliche Holz ist von den Forstbeamten aus den Königlichen Forsten, möglichst nahe oer Signalstelle, jedenfalls aus dem nächstgelegenen Schutz- bezirk wenn dort vorhanden und ohne Nachteil abgebbar ~ gegen Bezahlung nach der Forsttaxe zu verabfolgen, die Nebenkosten (Hauer- und etwaige Rückerlöhne bis zum Ab- uhrwcge) werden der Forstkasie ebenfalls erstattet. Die königlichen Forstbeamten werden angewiesen, bei den zur Gewinnung von Durchsichten unumgänglich notwendigen Durchhauen Unterstützung zu leisten.

4 Wo Holzbeschaffung aus Königlichen Forsten des Zeitver^ lustes oder der unverhältnismäßig großen Anfuhrkosten wegen nicht möglich ist, werden die Grundbesitzer aufgefordert, die erforderliche Menge aus ihrem Gehölze gegen den üb­lichen Preis abzugeben.

5. Alle Behörden und Beamten, welche Karten und Aufnahmen

von Teilen des aufzunehmenden oder zu erkundenden Ge­ländes besitzen, werden angewiesen, diese auf Erfordern zur Einsicht und falls nötig Abzeichnung mitzuteilen, sowie die erforderlichen Notizen zur Anfertigung genauer statistischer Bemerkungen so ausführlich wie möglich zu geben.

6. Bei dienstlichen Veranlassungen haben die Obrigkeiten auf Antrag Mietsfuhrwerke für die ortsüblichen Preise, die so­fort bar bezahlt werden, zu beschaffen, und überhaupt für schnelles und sicheres Fortkommen zu sorgen.

7. Gegen Vorzeigung dieses offenen Ausweises sind Offiziere und Beamte, für sich, ihre Burschen und Gehilfen und für ihre Dienstpferde mit Quartier und Verpflegung gegen unmittel­bare angemessene Bezahlung zu versehen. Die Fourage für die Pferde ist auf Wunsch auch gegen die vorschriftsmätzige Quittung durch die Gemeinde zu verabfolgen.

8. Die Stationsvorsteher der Preußischen Eisenbahnen werden angewiesen, die Benutzung fahrplanmäßiger Eüterzüge auf den Staats- und unter Staatsverwaltung stehenden Eisen­bahnen für Offiziere, Beamte und deren Hilfsarbeiter gegen Zahlung des Fahrpreises 2. Klasse zu gestatten.

Schließlich wird auch sonst auf bereitwillige Unterstützung die­ser Offiziere und Beamten zur Erleichterung ihrer schwierigen Aufgabe, insbesondere durch die Grundbesitzer, Geistlichen, Leh­re'' usw. den Allerhöchsten Wünschen entsprechend, gerechnet.

Berlin den 1. Februar 1912.

Der Minister der öffentlichen Arbeiten.

I. A.: v. d. Leyen.

Der Minister für Landwirtschaft, Domänen ynd Forsten.

I. A.: W e s e n e r.

Der Minister des Innern.

I.A.: Kitzing.

Offener Ausweis für die Chefs der Trigonometrischen und Topographischen Ab­teilung der Königlichen Landesaufnahme, sowie die ihnen unter­stellten Offiziere und Beamten, an die oben bezeichn-ten Be­hörden, Beamten, Grundbesitzer usw. in dem auf der ersten Seite der Ordre genannten Landesteile.

M. d. I. Ib 3031, M. d. 5. W. n Cf. 348,

M. f. L. I ö. Ib 477/m 930.

Dienstnachrichten.

In den Gemarkungen Langenselbold und Ostheim ist die Schweineseuche ausgebrochen.

Hanau den 24. April 1912. V. 2493

Politische Rundschau.

Erzbischof Dr. v. Abert f. Erzbischof Dr. v. Abert in Bamberg wurde gestern nachmittag du»ch einen sanften Tod von seinem schweren Leiden erlöst.

Die Lage in Ungarn. Nach dem derzeitige» Stand der Dinge ist sehr geringe Aussicht aus eine Verständigung zwischen dem Ministerpräsidenten Lukacs und den oppositio­nellen Parteien vorhanden. Falls die Justhpartei nicht viel Wasser in ihr feuriges und Lukacs nicht sehr viel Wein in sein wässeriges Wahlrecht gießen, hält man eine Lösung für fast ausgeschloffen. Dabei ist der entschiedene Widerstand der Koffuthpartei gegen die Wehrvorlage noch gar nicht in Betracht gezogen. Diese Ueberzeugung kommt auch in der ganzen öffentlichen Meinung zum Alisdruck, am schärfsten im Organ der Sozialdemokraten, das Lukacs vorwirft, er wolle das demokratische Wahlrecht verfälschen. Alle Brücken find jedoch noch nicht abgebrochen. Man verhandelt weiter und die Vorstellung des Kabinetts am Montag kaun im Zeichen de« Friedens »der, nach der momentanen Konjunktur, im Zeichen der Obstruktion erfolgen.

Die deutsch-englische Verständigung.

London, 22. April. Auffehen erregt ein Artikel derDaily News", in welchem unter anderem gesagt wird, die deutsche Re­gierung habe nach Haldanes Besuch der englischen die Einzel­heiten ihres Flottengesetzc s mitgeteilt und sich erboten, das in Aussicht genommene Gesetz, d. h. die Aufstellung des dritten aktiven Geschwaders und die Erbauung von drei Linienschiffen fallen zu lassen. Was für eine Gegenleistung dafür gefordert worden sei, vermag dieDaily News" nicht anzugeben, doch sagt sie, daß das deutsche Anerbieten nicht angenommen worden sei. Im Gegenteil habe die englische Regierung vor ungefähr drei Wochen der deutschen durch ihren Botschafter mitteil« lassen, daß die Sendung Lord Haldanes durchaus nicht amtlich gewesen sei. Zu diesen Nachrichten bemerkt dieDaily News", daß hier eine glänzende Gelegenheit verpaßt worden sei, um einen erheb­lichen ^Schritt zu einem deutsch-englischen Einvernehmen zu machen. Man darf annehmen, daß diese Mitteilungen von einer Seite stammen, die sich in Einzelheiten geirrt haben mag, die

aber im allgemeinen über den Verlauf der Verhandlungen doch einigermaßen unterrichtet gewesen ist. Nach den Besprechungen mit Lord Haldane scheint man in der Tat in Berlin den Eindruck gehabt zu haben, daß man auf Grund dieser Verhandlungen zu einem freundschaftlichen Abkommen mit England gelangen könne. Die Flottenrüstungen sollen allerdings nicht der eigentliche Gegenstand der Verhandlungen gewesen sein, sondern es dürste sich vielmehr um eine allgemeine Vereinbarung gehandelt haben, deren Abschluß, wenn er erfolgt wäre, allerdings zur Folge ge­habt haben könnte, daß man in Deutschland die Frage der See- riistung unter einem anderen Gesichtswinkel betrachtet haben und die eine oder die andere der jetzt vorgeschlagenen Maßnahm« nicht in den Gesetzentwurf aufgenommen haben würde. Da bi» Hoffnungen, die sich auf die Besprechung mit Lord Haldane be­gründeten, bisher nicht in Erfüllung gegangen sind, so erfolgte dann in Berlin d« Einbringung der Flottenvorlage in ihrer jetzigen Gestalt.

Das Echo der Kanzlerrede.

Pressestimme« zu den deutsch« Wehrvorlag«

London, 23. April. Von den englisch« Blättern sprach« sich bisher nur die unionistischen über die Reichstagsdebatten zum Heer- und Flottengesetz aus. Selbstverständlich ist ihr Arteil ein absprechendes. DieDaily Eraphic" erklärt, das deutsch« Soll habe durch seine Reichstagswahle« bewiesen, daß es auf dem Pfade der Ausdehnung nicht weitergeh« wolle. Daß Deutschland trotzdem einen Kurs einschlage, der neuen Ansporn zum tutev- nationalen Rüstungswettbewerb gäbe und die Flamme der inter­national« Feindseligkeit nähre, sei tief bedauerlich. Die3Rxn* ning Post" ist freundlich genug, zuzugestehen, daß Herr von Beth­mann Hollweg und Admiral v. Tirpitz Patriot« sei«, findet aber, daß ihr Eifer sie veranlaßt habe, das deutsche voll irre- zuführen behufs eines Einschüchterungsverfuches gegen ander«. DieTimes fragt, warum, wenn niemand Deutschland an- greisen wolle, wie der Reichskanzler zugebe, es sich denn neu« schwerer Besteuerung unterwerfen solle, und schließt auf ben wahren Gemütszustand der deutsch« Staatsmänner aus der Aeußerung des Reichskanzlers, daß Deutschlands MilitärmarP das Maß des Gewichtes seiner Meinung bei international« Fragen und der Achtung, die andere sein« Interess« zollten, bilde. Deutschland wolle, wie dieTimes* erklärt, kein« Krieg, doch wenn es ihm passe, wünsche es, seine Diplomatie durch ein« bedeutungsvollen Hinweis auf seine wachsende Militär- und Flottenmacht zu stärken.

Paris, 23. April. In einer Erörterung der gestrig« Rede des Reichskanzlers schreibt derTempo* unter anderem: Durch die neue Wehrvorlage gibt Deutschland seinen Nachbarn kund, daß es die ihm durch seine Geburtenziffern zur Verfügung stehen- d« Hilfsquellen bis auf das Aeußerste ausnutzen will. Damit macht Deutschland nur von seinem Recht Gebrauch und erfüllt nur seine Pflicht. Jedes Voll muß angesichts bet Weltlage seine Streitkräfte auf eine mit feiner Bevölkerung und seinem Kredit in Einklang fte^enben Höhe bringen, weil, wie der Reichskanzler sogt, die Vorteile der militärischen Kraft nicht nur im Kriege zum Ausdruck komm«, sondern auch weil das Anseh« der Völl« im Fried« nach ihrer Kriegstüchtigkeit bemess« wird. Ant« diesen Verhältnissen mutz jede Regierung ben Rüstungen ihr« Nachbarn die größte Aufmerksamkeit schenken und ihnen womög­lich gleichzukommen trachten, ohne sie zu kritisier«. In diesem Sinne sollte die öffentliche Meinung Frankreichs die deutsch« Wehrvorlagen auffassen und sie kann dies umso leicht«, als die Armee im Leb« Frankreichs nunmehr den ihr gebührend« ersten Platz einnimmt. Alle Franzosen haben im Vorjahre die nationale Wahrheit begriffen, daß die brutale Kraft den einzig« Schutz der ideal« Güt« bildet. DasJournal des Dèbats" schreibt: Eine fanatische Minderheit gibt es auch in Deutsch- land und sie hat mit dem Gespenst der schwarzen französisch« Armee und mit der Behauptung, daß Marollo eine unerschöpfliche Quelle schwarzer Rekruten bilde, fast auf das ganze deutsche Volk ein« großen Eindruck gemacht. Jedermann weiß, daß Marollo für Frankreich nur eine Quelle der Schwäche und nicht d« Kraft bildet und daß dort für lange Zeit hindurch ein Teil der Truppen des Mutterlandes zurückgehalt« wird. Angesichts der sehr ernten Schwierigkeit« in Marollo, die vielleicht die Entsendung von Verstärkungen nötig machen werden, ist die Behauptung, daß Deutschland infolge des marokkanischen Protektorates zwei neue Armeekorps unb drei Geschwader «richten müsse, sehr schlecht a» gebracht.

Stimmungsbild aus dem Reichstag.

mb. Berlin, 23. April. Die Einmütigkeit des Reichstages in allen bürgerlichen Parteien für die Bewilligung und zwar rasch» Bewilligung der Wehrvorlag« fand in d« heutig« Sitzung, dis die erste Garnitur der Redner in der Hauptsache zum Wschb»