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Erstes Blatt.

Einrückungsgebühr:

Die Kgespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. im RellameteU die Zeile 50 Pfg.

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein. ev. Waisenhauses in Hanau.

Gencral-A«;eigcr

AAtliches Grgs» für Stadt- Süd FM^tis Haim.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Bezugspreis:

Vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg-, für Post­bezug vierteljährlich 2.10 Mk., monatlich 70 Pfg. Die einzelne Nummer lostet 5 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: E. Schrecker in Hanau.

Nr. 90 Nernfprechanschliitz Nr. 230.

Mittwoch den 17. April

Fernsprechanschlutz Nr. 230. 1912

Nt taflet Stilett imfeM nin i.NMhsIiMKW

14 Seiten.

Amtliches.

Eandkreis kjansu.

MU der Berichterstattung auf meine Verfügung vom 15. Ok­tober 1894 betr. Rückstände an Eemeindeab gaben, ist noch eine Anzahl der Herron Bürgermeister im Rückstände. Ich bringe daher Me Erledigung genannter Verfügung mit fünftägiger Frist in Erinnerung.

Hanau den 15. April 1912. A. 1249

Der König!. Landrat.

Frhr. L a u r.

Anmeldungen von Fohlen und Rindern zum Auftrieb auf die Kreisjongoiehweide werden noch im Bureau des Kreisausschusses, event!, durch Vermittelung der Herren Bürgermeister, entgegen genommen.

Bei der Anmeldung ist die Rasse, das Alter, die Farbe und sonstigen Merkzeichen anzugeben.

Das Weidegeld beträgt für 1 Rind 45 M. und für 1 Fohlen 60 Mark.

Auf die mehrfach veröffentlichten Bedingungen wird ver­wiesen.

Hanau den 10. April 1912. A. 1250

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

Frhr. Laur.

Dienstnachrichten.

In Frankfurt a. M.-Niederrad ist die Maul- und Klauenseuche erloschen. In Kahl, Kreis Alzenau, ist dieselbe ebenfalls erloschen vnd der Kreis Alzenau dadurch wieder seuchenfrei.

Hanau den 16. April 1912. V. 2359 u. 2860

Politische Rundschau.

Der Kaiser in Frankfurt a. M. Wie amtlich mitgeteilt wird, trifft der Kaiser am Dienstag den 21. Mai, vormittags, von Wiesbaden kommend, im Automobil in Frankfurt a. M. ein, um der Feier zur Einweihung des Osthafens und der Grundstein­legung zum Neubau der Alten Brücke beizuwohnen.

Noch eine Kaiser-Ente! Auswärtige Blätter brachten kürzlich Auszüge aus einem Theaterstück, als dessen Verfasser oder Mit­arbeiter der Kaiser bezeichnet wurde. Auch bei dieser Geschichte und ihrem Beiwerk handelt es sich, wie dieNordd. Allg. Ztg." schreibt, um eine fette Ente!

M dem Lande dec Jäh der letzten logt". Von Dr. Heinz Siloanus.

Jene sonderbaren Heiligen, die sich selbst dieHeiligen der letzten Tage" nennen, sonst aber gewöhnlich Mormonen heißen, haben in letzter Zeit wieder eine rege Propaganda in Deutsch­land entfaltet, sodaß erst vor kurzem eine Anzahl Mormonen- misfionare aus dem Königreich Sachsen ausgewiesen worden sind. Es dürfte daher wohl nicht uninteressant sein, etwas Näheres über diese seltsame Sekte und ihr Land zu erfahren.

Ihre Heimat ist das von wilden Felsengebirgen zerklüftete Territorium Utah im Westen der Vereinigten Staaten von Amerika. Es wird durch das Wahsatch-Eebirge in zwei Teile geteilt. Der östliche, das Gebiet der Flüsse Green-River unb Rio grande umfastend, die sich hier zum Colorado vereinigen, ist ein Plateau, welches sich südwärts absenkt und im Norden an das Uintah-Eebirge stößt; der westliche Teil bildet ein weites, auf allen Seiten von Bergen abgeschlossenes Becken, eine der ausge­dehntesten Hochebenen der Erde. Es liegt durchschnittlich 1500 Meter über dem Meere und hat sein eigenes System von Flüssen und Seen, die in keiner Verbindung mit dem Ozean stehen. Zum größten Teil dürr, unfruchtbar und fast menschenleer, trägt es im allgemeinen den Charakter der Wüste. Die Pflanzenwelt ist durch salzliebende Stauden und Halbsträucher ausgezeichnet, welche die traurigen Einöden gesellig bedecken. Zahllose Knochen bleichen allenthalben im Sande, unb mancher behörnte Schädel mag den phantasiereichen Reisenden an die Vüffelherden er­innern, die hier von' Indianern auf flüchtigen Rosien gejagt wurden. Aber der Phantasie, die gern diese öden Gefilde mit lebendigen Bildern erfüllen möchte, werden bald die Flügel be­schnitten, dort liegt ein Gerippe, die Hörner ragen empor, noch decken Fetzen von rotbrauner Haut die hochgewölbten Rippen, dott liegen gar viele solcher Gerippe mit den Köpfen gegen­einander. Der Schneesturm des Winters hat sie wohl hier ereilt und in keinem eikiasn Mantel erstickt; es sind keine Büffel, es

Tendenziöse Opposition. Die Beurteilung der Regierungsvor- schlöge zur Deckung der neuen Mehrausgaben in der linksliberalen Presie wird vollständig von der Tendenz beherrscht, die Schätzung der Mehreinnahmen des Reichs als. zu hoch und das vorgeschlagene neue Deckungsmittel (die Abschaffung der Liebesgabe) als zu niebrig hinzuftellen. Schon die Darstellung, die der frühere Schatz­sekretär Wermuth bei der ersten Lesung des Etats über die günstige Entwicklung der Reichsfinanzen gab, wurde als zu rosig befunden. Run hat sich das Bild noch bebeutenb verbessert, da tatsächlich der lleberschuß des ab gelaufenen Rechnungsjahres nicht 170 Millionen Mark, sondern mindestens 230 Maronen Mark be­trägt. Wenn davon 95 Millionen Mark zur Schuldentilgung ver­wendet oder zunächst in der Reichskasie zurückbehalten werden, so bleiben immer noch 135 Millionen Mark zu anderweittger Ver­wendung frei. Trotzdem verlangt die Kritik der linksliberalen Presse erst recht mehr neue Steuern, als der Bundesrat vorschlägt. Dieser Eifer erklärt sich daraus, daß die verbündeten Regierungen versäumt haben, den früheren Versuch der Einführung einer Erb­anfallsteuer zu wiederholen. Hätten sie die der Rechten und dem Zentrum so unwillkommene Erbanfallsteuer gebracht, so wären alle ihre Schätzungen und Berechnungen gut und schön gewesen. So aber wird über Milchmädchenrechnung" geklagt und der noch vor wenigen Wochen als Rosafärber angefeindete Herr Wermuth als der einzig wahre Hüter einer gesunden Finanzwirtschaft hoch belobt. Die Mehrheit der Linken soll aufstehen wie ein Mann und mit dieser Regierung, die hartnäckig die unbedingte Dringlichkeit der Anwendung des Allheilmittels Erbschaftssteuer nicht aner­kennt, ein kräftig Wörtlein reden. Das Dringliche find allein die Wehrvorlagen, nicht aber das Bedürfnis eines Teiles der Linken, den früheren Mehrheitsparteien einen Tort anzutun und die Ver­ärgerung unter den bürgerlichen Volkskreisen zu verschärfen. Und ist denn etwa eine Mehrheit der ßinfen für die Wehrvorlagen vorhanden? Die Sozialdemokraten denken ja nicht daran, für die Verstärkung der Schutzwehr nach außen auch nur den kleinen Finger zu rühren. Wie wenig Verlaß auf diese Mehrhett ist, sieht man auch daraus, daß die Liebesgabe von dem Augenblicke an, als ihre Beseittgung angekündigt wurde, die ihr bisher zuge­schriebene schändliche Ungerechtigkeit zugunsten der Agrarier ver­loren hat. Aus dem Vierzigmillionengeschenk ist über Nacht ein Pappenstiel geworden, und wenn der gegenwärttge Schatzsekretär aus der Beseitigung des Kontingents der Branntweinbrenne­reien einen Gewinn von 36 Millionen Mark für die Reichskasie errechnet, so versteht er sein Geschäft so wenig, als es sein ver­dienstlicher Vorgänger bei der Schilderung der über Erwarten günstigen Wirkungen der Finanzreform von 1909 verstand.

Die erste Kammer des elsaß-lothringischen Landtages nahm in ihrer gestrigen achten Plenarsitzung das Gesetz über die Ver­fügungen für Dienstreisen der Bezirksbeamten sowie der Notare und Gerichtsvollzieher in dritter Lesung ohne Debatte an. Vor Eintritt in die Lesung des Etats erklärte der Abg. Blumenthal,

sind die treuen Hausgenosien des Menschen, die er in diese Einöde hinaufgeschleppt hat, um den spärlichen Pflanzenwuchs abzunagen und ihm selber Nahrung und Gewinn zu bringen. Im östlichen Teile liegt der große Salzsee, der durch den Fluß Jordan mit dem Utah-See in Verbindung steht. Die Gebirge, welche sich aus den nackten Ebenen bis in der Nähe der Schneeregionen auf­türmen, sind mit Fichten, Cedern, Espen und anderen Baumatten nur dünn bestanden, haben viel grasreiche Plätze, aber wenig Wild, dagegen sind sie reich an edlen Metallen und Schwefel-, Salz- und anderen Quellen.

Das Territorium Utah ist der Staat der Mormonen. Die­selben haben ihren Namen von dem BucheMormon", einem von dem Presbyterianerprediger Spaulding 1812 verfaßten, im Vibelton gehaltenen Romane, den der Stifter der Sette, Joseph Smith, mit seinen vorgeblichen Gesichten und Offenbarungen be­reichert, 1830 als heilige Prophetie der Vorzeit veröffentlichte. Er gab vor, dieses Buch samt dèr Wunderbrille, mit der allein die Geheimschrift zu entziffern sei, in der Erde, wo es lange Zeit verborgen gelegen habe, gefunden zu haben. Es ist voll unsinniger Fabeln über die Einwanderung der Patriarchen in Nordamerika nebst der willkürlich veränderten Bibel und bildet die geistige Grundlage des Mormonentums. Mit dreißig Anhängern orga­nisierte Smith die neue Kirche, und zwar nach der Art einer geheimen Gesellschaft. An ihrer Spitze steht ein Präsident mit fast unbeschränkter Machtvollkommenheit; außerdem wurden Apostel, Propheten, Patttarchen, Aelteste, Priester usw. ernannt. OTit seiner Genossenschaft aus seiner Heimat im Staate Vermont überall vertrieben, ließ Smith sich in Rauvoo nieder und baute einen Tempel; hier befahl ihm 1843 eine angebliche Offnbarung die Einführung der Vielweiberei. Von der Bevölkerung deshalb auch von hier verjagt, entwichen die Mormonen, nachdem Smith und sein Bruder getötet worden waren, unter Führung von Brigham Young in die Wüste am Salzsee (Salt-Lake-City), von ihnen selbst Neu-Jerusalem genannt und schufen durch ihren unermüdlichen Fleiß eine blühende Ansiedlung.

Stißbam Young ist der bedeutendste Präsident der Mormonen

nur als Mitglied des Nationalbundes habe er die Angriffe, die die Regierung gelegentlich der Etatsberatung in der zweiten Kammer gegen diesen erhoben habe, zurückgewiesen. Der National- bund sei weder franzosentreu, noch deutschfeindlich, er greife die Beamten nicht an, noch schädige er die Interessen des Landes. Gr erstrebe nur die volle Autonomie. Die Regierung habe aber den Nationalbund durch die Sozialdemokratie bekämpfen lassen. Die Ausführungen Blumenthals über den Nationalismus erführe» sowohl von alldeutscher wie von einheimischer Seite Ablehnung, sodaß sich Blumenthal in der ersten Kammer ziemlich isoliert führte. Schließlich wurde der Etat an die Budgetkommission ver­wiesen, die um sechs Mitglieder verstärkt wurde. Nächste Sitzung unbestimmt.

Für die Reichstagsetsatzwahl in Varel-Jev«r hat der Bund der Landwirte den nationalliberalen Fabrikbesitzer von Hammer» stein in Abenteuer, der bereits 1907 für die uationalliberale Partei in Varel-Jever kandidierte, als Kandidaten aufgestellt. Zu gleicher Zeit hat der Bund der Landwirte der Fortschrittliche» Volkspartei ein Stichwahlabkommen zum Zweâ gegenseitiger Unterstützung angeboten. In Varel-Jever find nun vier Kandi­daten aufgestellt, nachdem zu dem fortschrittlichen Kandidat«« Dr. Wiemer, dem sozialdemokratischen Kandidaten Hug und dem nationalliberalen Kandidaten Albrecht noch der Kandidat des Bundes der Landwitte hinzugekommen ist.

Dr. Heimburger t« Nach einer Meldung aus Karlsruhe ist dort der langjährige Führer der badischen Demokratie, TL. Heim­burger, am Dienstag gestorben.

Der 17. Kirchlich-Soziale Kongreß hat am Montag in Dessau begonnen. Der Vorsitzende des Kongrestes Geheimer Konfistorial- rat Profestor D. Dr. Seeberg ist infolge KrankheU am Erscheine» verhindert. Die diesmalige Tagesordnung ist sehr reichhaltig und bringt eine ganze Reihe kirchlicher und sozialer Gegenständ«. Ein Festgottesdienst in der Destauer Hoskirche zu St. Marien er­öffnete die Tagung. Die Begrüßungsversammlung fand im Evan­gelischen Bereinshaus unter Leitung des Reichstagsabg. Ltc. Mumm statt.

Die Unstimmigkeiten Rußlands und der Türkei au der perst- schen Grenze. Wie die tüttische ZeitungSabah" meldet, fährt Rußland, obwohl es seine Truppenkonzentrationen vermindert hat, fort, an die russisch-türkische Grenze Attillette und Munition zu senden. Nach authentischen Nachrichten hat die Pforte die Mannschaften der türkischen Konsulatswachen in Persien ver­mindett. In Urmia und Choi, wo sich über 100 Soldaten be­fanden, bleiben etwa 50. In Karmanschah wird die Wache von 50 auf 20 Mann herabgesetzt.

Die Revolution in Mexiko. Aus Laredo (Texas) wird ge­meldet: Man erwartet, daß die Aussperrung der amerikanische« Lokomotivführer und Schaffner auf den mexikanischen Eisenbahnen stattfinden wird.

gewesen. Er wurde am L Juni zu Witingham im Staate Ver­mont geboren und war ursprünglich seines Zeichen» et» ein­facher Zimmermann. Da fiel ihm das bereits erwähnte Buch Mormon" in die Hände, dessen Lektüre ihn veranlaßte, sich zu der neuen Lehre zu bekennen. Nachdem er 1832 durch die Taufe unter dieHeiligen der letzten Tage" ausgenommen wor­den war, zog er in verschiedenen Städten der Vereinigten Staate» und auch Englands umher und predigte überall das neue Evange­lium der Mormonen, bis er schließlich, zur Auswanderung ge­zwungen, 1848 mit einer zahlreichen Gemeinde am Großen Salz­see ankam, wo 1850 das Territorium Utah gegründet wurde, dessen Gouverneur Young im folgenden Jahre wurde. Infolge des von ihm aufs neue eingeschärften Glaubenssatzes von der ßMeltoeiberei vermehrte sich die Bevölkerung des neuen Staate» rasch, der durch den regen Fleiß seiner Bewohner schnell empor» blühte. Im Jahre 1871 wurde Young von den amerikanischen Eettchten wegen Vielweiberei angeklagt, aber nicht verurteilt. Bei seinem am 29. August 1877 in Salt-Lake-City erfolgten Tode hinterließ er 17 Frauen, 16 Söhne und 28 Töchter nebst einem bedeutenden Vermögen. Rückhaltlos muß aber anerkannt wer­den, daß Young sich große Verdienste um Ackerbau und Handel, sowie um den Bau von Landstraßen, Brücken, Eisenbahnen und , Telegraphen erworben hat. llebrigens hat sich die Regierung der Vereinigten Staaten wiederholt, so 1882 und 1887, veranlaßt gesehen, gegen die theokratische Verfassung und die Vielweiberei der Mormonen einzuschreiten, und diese Verhältnisse sind auch der Grund, weshalb die Vereinigten Staaten alle Gesuche Utahs, als besonderer Staat anerkannt zu werden, zurückwiesen und dessen Aufnahme als Staat in die Union erst 1895 erfolgte. 3«» gleich wurde die Vielweiberei offiziell verboten, aber praktisch ist sie noch nicht ausgetilgt.

Die etwa 60 000 Einwohner zählende Hauptstadt des Mor- wonen-Staates, Salt-Lake-City, macht den Eindruck einer sch nen Großstadt und ist nach allen Seiten eingeschlossen von hochragen­den, steilen, schöngezackten Gebirgsmassen, die in allen Farben der Moraenlonne schimmern. Schattige Saumreiben, von fleißigen