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Einrückungsgebvhr;

Die 6gefpaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. im ReUameteil die Zeile 50 Pfg.

Rotationsdruck und Verlag der Duchdruckerei des

Amtliches Organ für Mt- u-iS FanNreis Sanau.

Bezugspreis:

Vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg., für Post- bezug vierteljährlich 2.10 Mk., monatlich 70 Pfg.

Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.

verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn-und Feiertage, mit belletristischer Beilage. Verantwort!. Redakteur: T. Schrecker in Hanau.

9?L 88 Aernsprechanschltttz Nr. 230.

Montag den 15. April

Ferrrsprechanschltch Nr. 230. 1912

Amtliches.

Stadtkreis Fjanau. Verdingung.

Die zum Schuldiener-Wohnhaus, Röderstraße 2, erforderliche Lieferung der Herde und Oefen soll unter Zugrundelegung der Bedingungen für die Ausführung von Arbeiten und Lieferungen für die Stadt Hanau öffentlich verdungen werden.

Die Verdingungsunterlagen liegen im Rathaus, Zimmer 17, aus und können von dort zum Preise von 0.50 Mk. bezogen werden.

Verschlossene und mit entsprechender Auffchrift versehene An­gebote sind bis zum Eröffnungstermin am 18. d. M., vormittags 11 Uhr, im vorgenannten Dienstzimmer einzureichen.

Die Eröffnung der Angebote erfolgt im Beisein etwa erschie- »en«r Anbieter.

Zuschlagsfrist 2 Wochen.

Hanau den 12. April 1912.

Der Magistrat.

Hild.

Zwangsversteigerung.

Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in Hanau belegene, im Grundbuchs von Hanau, Band 53 Blatt 3083 zur Zeit der Eintragung des Versteigungsver- merkes auf den Ramen des Malermeisters Wilhelm Keipp in Hanau eingetragene Grundstück:

Krtbl. E Parz. 132 Altstädter Markt Haus Nr. 5

a) Wohnhaus mit Laden, Seitenbau links (A) und rechts (B) nebst Hofraum,

b) Querbau (C) 3,07 ar groß mit einem jährlichen Nutzungswert von 2600 Mk.

Eebäudestenerrolle Nr. 1454

am 31. Mai 1912, vormittags 10 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht, an der Gerichtsstelle, Hanau, Nußallee Nr. 17, Zimmer Nr. 13, versteigert werden.

Hanau den 11. März 1912. 9639

Königliches Amtsgericht 5.

Oeffentliche Zustellung.

Die Firma Salomon Moritz in Langenselbold klagt gegen den Schwerzer Hermann Werner und dessen Ehe­frau Sofie geb. Schmitt früher auf dem Vruderdiebacher- Hof bei Langenselbold danach in Waldfenfter bei Kissingen z. Zt. unbekannten Aufenthalts, unter der Behauptung, daß die Beklagten von ihr in der Zeit vom 2. April 1900 bis 22. Mai 1900 Waren zum Preise von 86 Mk. 01 Pfg. einschließlich 25 Mk. 37 Pfg. ausgelegter Kosten käuflich geliefert erhalten haben, mit dem Anträge

1. die Beklagten als Gesamtschuldner zur Zahlung von 86 Mk. 01 Pfg. (sechsundachzig Mark 01 Pfg.) nebst 4°/o Zinsen aus 60 Mk. 64 Pfg. seit 1. Januar 1912 an Klägerin und in die Kosten des Rechtsstreits zu ver­urteilen, auch das Urteil für vorläufig vollstreckbar zu erklären,

2. den beklagten Ehemann zur Duldung der Zwangs­vollstreckung in das eingebrachte Gut seiner Ehefrau zu verurteilen.

Zur mündlichen Verhandlung des Rechtsstreits werden die Beklagten vor das Königliche Amtsgericht in Langen­selbold auf

den 6. Juni 1912, vormittags 9 Uhr, geladen.

Langenselbold den 11. April 1912. 9651

Becker, Aktuar, Eerichtsschreiber des Königlichen Amtsgerichts.

SienliiiiiWlen nm dem Steile.

In den Gemarkungen Gronau, Großauheim und Niederdorfelden ist die Schweineseuche festgestellt worden. Hanau den 13. April 1912.V 2237

Politische Rundschau.

Zn ihren Erörterungen über die französisch-spanischen Ver­handlungen greifen die Madrider Blätter Frankreich lebhaft an und meinen, die Zornausbrüche der französischen Presie seien un­gefährlich und nur ein Beweis dafür, daß Earcia Prieto seine Pflicht tue.Manana" will wissen, Frankreich habe der spanischen Regierung mitgeteilt, daß chre neuen Vorschläge durchaus unan« ' nehmbar seien. Das BlattABC" erhebt gegen die französische ' Regierung die Anklage, daß sie die im Rifgebiet ausgebrochenen Unruhen angestiftet und die Eingeborenen mit Geld bestochen hätte, um sich gegen Spanien zu erheben.

Der französische Kammerpräsident Brisson ist gestern in Paris gestorben. Für die markante Stellung, welche Brisson im Par- teilehen Frankreichs innebatte. lind die Nachrufe bezeichnend.

welche ihm die gestrigen Abendblätter widmen. Das Urteil, welches die nationalistischen und gemäßigt republikanischen Blätter über Vrision fällen, ist von rücksichtsloser Schärfe erfüllt. DasJour­nal des Debats" spricht dem verstorbenen Kammerpräsidenten jede hervorragende Eigenschaft ab und meint: Sein ganzes Ver­dienst war, daß er der Freimaurerei angehörte und sein ganzes politisches Programm bestand in einem leidenschaftlichen Anti- klerikalismus. DerTemps", dessen Mitarbeiter Vriffon unter dem Kaiserreich gewesen war, hebt die Verdienste hervor, welche sich der Verstorbene um die Republik erworben hat. Der radikale Siecle" rühmt den lauteren Charakter Brissons, welcher zu den besten Werkmeistern der Republik gehört habe und deffen Namen neben denen Gambettas, Ferrys und Rouffeaus genannt wer­den müffe.

Die parlamentarische Krisis in Ungarn.

Budapest, 12. April. Die Lage in Ungarn wird allgemein als überaus kritisch angesehen. Gestern hat Ministerpräsident Graf Khuen-Hedervary einer Gruppe, die sich vor ihm über die Untätig­keit der nationalen Arbeiterpartei beklagte, erklätt:Ich sehe ein, daß es nicht lange so bleiben kann. Ich gestehe, daß ich mich der Hoffnung hingegeben habe, es werde mit der Aenderung der Situation auch die Iusthpartei zu einer anderen Entschließung kommen. Wie es scheint, habe ich mich getäuscht. Ich bitte euch, euch in Geduld zu fassen und die Angelegenheit mir zu überlasten. Jedenfalls wird eine Wendung eintreten müssen." Graf Tisza erklärte den unzufriedenen Elementen der Partei:Ich sehe, daß die Lage sich verschlimmert hat und von Tag zu Tag mehr aus- artet. Auch die Situation der Partei verschlechtert sich. Ihr müßt euch in Geduld fassen und abwatten, was die Regierung und die Parteileitung beschließt. Jedermann ist sich klar, daß etwas getan werden muß." Das offiziöse Organ der Regierung, derMagyar Nemzet", schreibt:Die obstruierende Opposition wird ihr ge­fährliches Spiel vielleicht noch einen bis zwei Tage fortsetzen können, doch die Stunden der Obstruktion sind gezählt." Dagegen stellt sich Kostuth in einem Leitartikel auf folgenden Standpunkt: Ich bin überzeugt davon, daß der Ministerpräsident das könig­liche Handschreiben, betreffend die Auflösung des Abgeordneten­hauses, in der Tasche hat; ich bin aber auch davon überzeugt, daß der Ministerpräsident selbst, wie ich auch, weiß, daß dies keine Lösung bedeutet. Trotzdem wird aber bald das Handschreiben aus der Tasche des Ministerpräsidenten hervorgeholt werden müssen." Alle Anzeichen deuten also auf eine baldige Auflösung des ungarischen Abgeordnetenhauses hin.

Der Absolutismus in Kroatien.

Budapest, 13. April. Das Vorgehen des königlichen Kom- mistärs gegen die Preste jn Agram nimmt immer unglaublichere Formen an. Seine neueste Verfügung ordnet an, daß alle Wiener und Budapester und auch ausländische Blätter, die irgend­wie eine abfällige Kritik über das kroatische Eewaltregime ver­öffentlichen, sofort nach ihrer Ankunft am Bahnhof konfisziert und vernichtet werden. Die Redaktion des Agramer BlattesHrvats- ka" wurde gestern mit 5000 Kronen Geldstrafe belegt, weil nach der erfolgten Konfiskation des Blattes noch zwei Nummern des­selben von Beamten, die das Haus durchsuchten, in der Redattion vorgefunden wurden.

Ein Revolverattentat auf Soldaten eines französischen Straf­bataillons.

Paris, 13. April. Zwei Soldaten des in Gabes (Tunesien) stehenden Strafbataillons wurden gestern abenb 8 Uhr auf einem öffentlichen Platze der Stadt durch zwei hinterrücks abgefeuerte Revolverschäste lebensgefährlich verletzt. Die Geschosse stammen aus einem Dienstrevolver. Der Mörder ist noch nicht ergriffen worden. Die Militärbehörde leitete eine Untersuchung ein. Das Lesen aller Zeitungen ist im Militärlager Eabys verboten wor­den, da dis Behörde einem Komplott auf die Spur kam. Es war die Inszenierung eines Terrors beabsichtigt, ähnlich dem in Frank­reich von den Automobilbanditen hervorgebrachten. Die Ver­schworenen sollen Angehörige des Strafbataillons sein.

Der italienisch-türkische Krieg.

Die Beschießung von Zuara.

Konstantinopel, 14. April. Das Kriegsministerium veröffent­licht folgende Telegramme: Am 10. April vormittags beschosten neun italienische Kriegsschiffe und zwei Transportschiffe Zuara. Die Beschießung dauerte bis gegen Abend. Ein Teil der Stadt, die Kaserne und die Moschee wurden zerstört. Verluste an Men­schenleben wurden nicht verursacht. Am 11. April wurde die Be­schießung wieder ausgenommen. Nachmittags versuchten die Ita­liener zweimal zu landen, was jedoch an dem Widerstande der Türken und Araber scheiterte. Nachdem noch drei italienische Kriegsschiffe eingetroffen waren, ließen die Italiener drei Kriegs- schiffe vor Zuara und dirigierten den Rest der Flotte nach Seid- Said, das sie bombardierten, um eins Landung zu versuchen. Die Türken und Araber sandten Verstärkungen dahin. Am nächsten Tage beschossen die Italiener die Umgebung von Seid-Said und

landeten in Erua eine Abteilung Soldaten mit Maschinenge- I wehren. Den entsandten türkisch-arabischen Verstärkungen gelang ' es, die Fortsetzung der Landung zu verhindern und die Verbin- j

dung der Flotte mit den gelandeten Truppen abzuschneiden. Sie Türken und Araber entsandten von Zuara bedutende Verstär­kungen mit Artillerie, um die Durchführung des italienischen Planes gegen Seid-Said zu verhindern und die in Erua gelandete italienische Abteilung zu vernichten. Neun italienische Kriegs- und Transportschiffe befinden sich im Westen von Seid-Said.

Eine neue französische Böswilligkeit gegen Deutschland.

Paris, 13. April. Das deutschfeindlicheEcho de Paris" sucht durch ein angeblich aus Rom stammendes Privattelegramm Stimmung gegen Deutschland und Oesterreich zu machen; indem es behauptet, Italien werde sich der guten, von Rußland in der jetzigen Krise geleisteten Dienste, erinnern, aber auch all der Hin- derniste gedenken, die Wien unb Berlin auf den Weg Italiens gestreut hätten. Das jetzige Zusammengehen Rußlands mit Ita­lien in der Friedensfrage, beruhe nicht auf einem Uebereinkom­men, sondern auf den gleichlaufenden beiderfettigen Interesten. Rußland fühle sich für einen Orientktteg nicht gerüstet und suche daher den Balkanfrieden unter allen Umständen aufrecht zu er­halten.

Die chinesische Republik.

Peking, 14. April. (Reuter.) Ein soeben herausge- geheuer Erlaß bestimmt, daß General Huanghsing, militärischer Befehlshaber von Nanking, unter der Oberleitung Jüanschikais mit der Aufgabe betraut worden ist, die Ordnung bei den südlichen Truppen aufrecht zu erhalten. Er hat über alle Heeres- und Marineangelegenheiten zuständigen Ministerien Bericht zu erstatten, kann aber im Notfall, falls im Süden neue Ereignisse losbrechen, alle erforderlichen Maßnahmen treffen und die Leitung aller Zivil-, Militär- und diploma­tischen Angelegenheiten Nankings in die Hand nehmen. Die Kontrolle der Finanzen wird ihm gemeinsam mit dem Finanz» Ministerium übertragen. Wenn die südlichen Truppen be­ruhigt sind, wird das Amt Huanghsings wieder abgeschafft. Der Erlaß wird daher als sehr wichtig angesehen, weil er die Absicht Jüanschikais zeigt, den Bruch mit dem Süden zu vermeiden und weiterhin die stillschweigende Anerkennung bringt, daß die Behörden des Südens noch nicht vorbereitet sind, ihre militärische Organisation aufzulösen.

Urga, 14. April. (Petersburger Telegr.-Ag.) Der Ab­fall von China beginnt allgemein. Zahlreiche Stämme ver­schiedener Teile der Mongolei, darunter auch, wie es heißt, die Turgusenftâmme des Juligebietes, teilten Hutuchta schrift­lich mit, daß sie sich ihm anschließen. Wie verlautet, er­nannte Jüanschikai den hier angekommenen einflußreichen Mongolenfürsten der Inneren Mongolei Arachuggan zum Gehilfen des Kriegsministers.

Kongreß für Familienforschung.

8. & H. Gießen, 12. April. Unter zahlreicher Be­teiligung aus allen Teilen Deutschlands, sowie aus Oester­reich, der Schweiz, England, Holland u. s. w. findet gegen­wärtig unter dem Vorsitz des Geheimen Medizinalrats Pro­fessor Dr. Sommer (Gießen) hier der Kongreß für Familien­forschung, Vererbungs- und Degenerationslehre statt. Es wurden eine Reihe interessanter Vorträge gehalten, u. a. sprach Sanitätsrat Dr. Weinberg (Stuttgart) überMethoden der Vererbungsforschuug beim Menschen", Professor Dr. Rosenfeld Münster überVerbrechensbekämpfung und Rassen­hygiene", Dr. Kekule v. Stradonitz übergenealogische Me­thoden bei der Untersuchung von Bererbungsfragen", Dr. Hammer (Stuttgart) überMendelsche Vererbung beim Menschen", Professor Dr. Dannemann (Gießen) überFür­sorgeerziehung vom Standpunkte der Rassenhygicne", ssänvat- bosent Dr. Berliner (Gießen) überabnorme Anlage und Erziehung". Einen interessanten Vortrag hielt Professor Dr. Ostwald (Gr. Bothen) überPersönlichkeitsforschung". Diese habe zum Gegenstand die Frage, wie die Bildung der ein­zelnen Persönlichkeit von den Faktoren abhängig sei, welche auf diese bei ihrer Entstehung und während ihrer Entwickelung gewirkt haben. Es gebe hier zwei Me- i thoden, die synethische nnd die analytische. Ein Vertreter , der Synthetik sei Darwin gewesen. Der Redner stellt sich auf den Standpunkt, daß jedes Individuum die Erbstücke von seinen Vorfahren nicht in . steter Veränderlichkeit über­nehme, sondern als ein Mosaik und in diesem Sinne habe ; er seine Studien über die großen Männer in der Wissen­schaft angestellt. Dr. Betz (Mainz) kam bei der Frage, ivas ist ein Durchschnittsmensch, zu dem Resultate, daß es Durchschnittsmenschen überhaupt nicht gebe und daß , ote großen Männer schließlich doch auch nur Durchschnitts' menscheu seien. Dr. Oberholzer (Schaffhauleu) referierte über das ThemaSterilisierung von Geisteskranken und : geisteskranken Verbrechern" : Die Ausschaltung solcher Indi­viduen von der Fortpflanzung fei im Interesse der ganzen Menschheit gelegen. Er empfiehlt zu diesem Zwecke die Un« sruchtbarmachung dieser Individuen auf operativem Wege durch Sterilisation oder Kastration, ober auf unblutigem Weae durch Nöntgenbestrahlusg. Prolellor Dr. Danuemlura