EinrLckungsgebühr:
Die kgespaktene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. im Rellameteil die Zeile 50 Pfg.
Notationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stakt- und Landkreis Kanan.
Bezugspreis:
Vierteljährlich 1.80 Ml.» monatlich 60 Pfg., für Post- bezug vierteljährlich 2.10 Mk., monatlich 70 Pfg. Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: E. Schrecker in Hanau.
85 Aernsprechanschlrch Nr. 230.
Donnerstag den 11. April
Fernsprechanschlutz Nr. 230. 1912
Amtliches.
Städtische gewerbliche Fortbildungsschule.
Das neue Schuljahr beginnt Dienstag den 16. April 1912. Die Anmeldung der neu eintretenden Schüler ist in der Zeit von Freitag den 12. bis Montag den 15. April zu bewirken.
Verpflichtet zum Schulbesuche sind alle im Bezirke der Stadt Hanau beschäftigten gewerblichen Arbeiter unter 18 Jahren der im Ortsstatut vom 7. Sept. 1904 bezeichneten Gewerbe; auch die nur probeweise angenommenen Lehrlinge unterliegen der Schulpflicht.
Hanau den 9. April 1912. 9335
Der Direktor, Eeiß ler.
Gefundene nnd verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 11 Jnvalidenmarken L 24 Pfg., 1 grünes Portemonnaie mit 48 Pfg., 1 Uhrketten-Anhänger mit Kinderphotographie, 1 Schlüssel von einem Milchwagen.
Verloren: 1 Kinderarmband mit Anhänger sKugel).'
Zugelaufen: 1 grauer Schäferhund m. Eeschl. Zugeflogen: 1 Kanarienvogel.
Hanau den 11. April 1912.
Politische Mundschau.
Der Kaiser auf Korfu. Wie aus Korfu gemeldet wird, fuhren Kaiser und der Reichskanzler Mittwoch früh im Automobil zur Stadt, wo sie das Museum besuchten. Professor Dörpfeld gab die Erklärungen. Im Museum hatte sich auch der Amerikaner Armour eingefunden» in dessen Begleitung zwei Archäologen, der Amerikaner Norton und der Engländer Hogart, waren. Vom Museum begaben sich sämtliche Herrschaften nach Earitza zu den Ausgrabungen, wo sie längere Zeit verweilten. Der Kaiser folgte einer Einladung zum Frühstück bei Armour auf dessen Jacht „Utowana". Das Wetter war regnerisch und windig.
Reichskanzler von Bethmann Hollweg trifft am Samstag, von Korfu kommend, in München ein, wird dem Prinzregenten einen kurzen Besuch abstatten und dann über Frankfurt nach Bad- Nauheim fahren, um die dort weilende Kaiserin zu begrüßen. Am Montag erfolgt die Rückkehr nach Berlin.
Für die Reichstagsersatzwahl in Varel-Zeoer wurde von nationalliberaler Seite wiederum Dr. Störoer als Kandidat ausgestellt.
Der Allgemeine Vertretertag der nationalliberalen Partei, dessen Einberufung in der Sitzung des Zentralvorstandes be
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km tag mit der KnMhr!
Gelnhausen, 10. April.
Der Ostermontag brachte der Jnngwehrkompanie ihr erstes größeres Kriegsspiel. Annahme zum Spiel war die Zerstörung der Bahnlinie Bruchkobel-Hanau durch die Jungwehr, um dem Gegner, der südlich Hanau in der Linie Klein-Ost- heim-Babenhausen in befestigter Stellung kämpfte, die rückwärtige Verbindung zu zerstören. Da keine andere Jugendvereinigung für den Ostermontag als Gegner zn haben war, stellte die Jungwehrkompanie sich selbst den markierten Feind. Pünktlich um 7 Uhr morgens stellten sich sechs Jungwehrleute mit Rädern dem 2. Leiter, Herrn Lehrer Spiel- mann, am Röthertor zur Verfügung. — Aufsitzen! und hinein geht es in den taufrischen, frühlingverkündenden Osterlag. In flotter Fahrt werden die Ortschaften Roth und Lieblos berührt, Rothenbergen, Langenselbold, Rückingen, Langendiebach und Bruchköbel durchfahren. Am Kinzigheimer Hof Halt I Absitzen ! Nun ist der „markierte Feind" in seinem Wirkungsgebiet angelangt; just zur selben Zeit als die Jung- wehrkompanie sich per Bahn nach Langenselbold befördern laßt. Er hat also lange Zeit, sich gehörig zu stärken und zu rüsten auf den um 1Ö Uhr beginnenden Ernst. Das Ge- laiide ist zur Verteidigung großartig geeignet; ein etwa 4 1 eiev hoher Eisenbahndamm durchquert von Nord nach Süd d'.e Ebene zwischen Bruchköbel und Hanau. Der Bahnhof Bruchköbel wird durch einen Halb-Zug Infanterie besetzt; nn günstiger Angriffspunkt für den Gegner ist die Bahnunterführung westlich Bruchköbel, und nicht ungefährlich ist die Nähe des Waldes am Bahnwärterhaus Kinzigheimer Hof. Um diese gefährlichen Punkte der Bahnstrecke zu besetzen sind alle Mann des „markierten Feindes" erforderlich, sodaß zu Späherdiensten nur 1 Radfahrer übrig bleibt, der auf der Straße Bruchköbel-Roßdorf in der Richtung Jsfigheim Ausschau halten soll. Kkrz nach 10 Uhr kommen die erjtett
schlossen worden ist, findet am 12. Mai, vormittags 10 Uhr, in Berlin in den Kammersälen, Teltywerstr. 1—4, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Eröffnung durch den Zentralvorstand: Wahl des Bureaus; 2. Begrüßungsansprachen; 3. Aenderung der Parteisatzungen. Dem Vertretertage geht am 11. Mai eine Sitzung des Zentralvorstandes der nationalliberalen Partei im Savoy-Hotel voraus.
Ein ehemaliger französischer General über die deutsche Armee- vermehrung. Der ehemalige General Bonnal besprach die deutsche Heeresvermehrung. Er sagte, in Deutschland herrsche noch immer das Gespenst der Zahl. Mit Uebermachl wolle es Frankreich wie 1870 niederwerfen, wo ein Franzose gegen zehn Deutsche kämpfte. (!) Frankreich könne demgegenüber ruhig bleiben, da seine Truppenmenge hinreiche, an Qualität die deutsche dagegen übertreffe. Deutschland halte aber einen Krieg für unvermeidlich, es wolle ihn sogar. Daher vermehre es seine Armee. Auch Frankreich glaube, daß der Frankfurter Vertrag keine definitive Lösung darstelle. Der Friede werde höchstens noch zwei bis drei Jahre anhalten. — Zu diesem chauvinistischen Geschwätz, das wir in dieser Fassung schon öfter aus französischem Munde hörten, ein Wort hinzuzufügen, erübrigt sich.
Roosevelt bei den Primärwahlen in Illinois Sieger. Bei den vorgestrigen Primärwahlen zur Präsidentschaft hat Roosevelt in Illinois eine ansehnliche Majorität erhalten. Er schlug Taft mit ungefähr 2^ gegen 1. Der Demokrat Champ Clark siegte über alle übrigen Kandidaten seiner Partei.
Die Revolution in Mexiko. Der mexikanische Minister des Innern veröffentlicht eine Depesche, nach welcher die Aufständischen am Dienstag bei Jojutla eine völlige Niederlage erlitten haben. Die Verluste sollen sich auf hunderte von Toten belaufen; die der Regierungstruppen betrugen an Toten und Verwundeten: 3 Offiziere und 40 Soldaten. — Nach einem anderen Telegramm aus Mexiko , das über Newyork verbreitet wird, haben die Rebellen unter dem General Zapata die Stadt Jojutla im Staate Morelos eingenommen. Die Regierungstruppen machten darauf einen Gegenangriff. Heftige Gefechte sind im Gange.
Eine internationale Konferenz gegen die Papiergeldfälschuna. Die Washingtoner Regierung wird eine internationale Konvention von Experten für die Papiergeldfabrikation zum 1. Juni einberufen zur Bekämpfung der Papiergeldfälschungen. England, Deutschland und Frankreich werden ersucht werden, Delegierte auf die Konferenz zu schicken.
Marokko.
Madrid, 10. April. Der französische Botschafter Geoffray hatte heute Nachmittag eine Unterredung mit dem Minister des Aeußeren Earcie Prieto, der ihm die Antwort Spaniens auf die letzte französische Note überreichte.
Paris, 10. April. Zu den spanisch-französischen Marokko-Verhandlungen meldet die Zeitung „Croix",
Radfahrerpatrouillen der Jungwehrkompanie in Sicht. Sie benehmen sich tadellos, nur sind sie ein klein wenig dreist und kommen zu sehr in den ja ungefährlichen Feuerbereich der besetzten Bahnlinie. Der Anmarsch der Kompanie, welche unter Leitung ihres Führers Kalbfleisch selbständig handelt,' geschieht kriegsmäßig und fast vollständig gedeckt im Walde. Während die Patrouillen der Kompanie sich in Bruchköbel und nördlich davon herumtummeln und dadurch die Bewegungen der eigenen Truppe vorzüglich verschleiern, stößt die ganze Kompanie bei dem vorerwähnten Bahnwärterhaus aus dem Waldrande herror und zwingt die schwache Besatzung, welche im letzten Augenblicke durch einen Halbzug Infanterie verstärkt wird, nieder. Der Angriff ist geglückt, die Bahn kann ungehindert zerstört werden. Der Signalruf : Das Ganze! Halt! ruft die zersprengten Teile der Kompanie und den „markierten Feind", der nun wieder recht friedlich gesinnt ist, am Kinzigheimer Hof zusammen. Hier hält der 1. Leiter der Jungwehr, Herr Oberpostassistent Gudjons die Kritik ab, an der auch Herr Landrat Freiherr Laur aus Hanau, der die ganze Uebung mit regem Interesse verfolgte teilnahm. Ergebnis: Die Jungwehrkompanie hat ihre Aufgabe in vortrefflicher Weise gelöst. Dem Führer der Kompanie, den Patrouillen und den Mannschaften wird für ihr Verhalten ein Lob gespendet.
Mittlerw"fte ist von der 6. Komp, des 88. Jnf.-Regts. ein Abkomme, vierter eingetroffen, der die hungrigen Kriegsspieler in Empfang nehmen und nach Hanau geleiten soll. In geschlossener Ordnung wird der Weg nach Hanau in ^s Stunde zurückgelegt, und mit klingendem Spiel hält die Kompanie ihren Einzug in die Kaserne des IL/88, dort übernehmen 2 Offiziere des Regiments die Führung. Es ist bereit- 2 Uhr, und schon lange erwartet man die hungrigen Gäste auS Gelnhausen. Rasch werden im Mannschaftsspeisesaal die Plätze eingenommen; jeder erhält seinen Eßnapf, und in langer Reihe wandert die muntere Gesellschaft in die Küche, um daS Essen in Empfang zu nehmen : Kessel 1 ent-
daß Spanien geneigt sei, auf die Vorrechte der spanischen Franziskaner in der französischen Zone unter der Bedingung zu verzichten, daß sie daselbst ihre Güter behalten, doch bedürfe Spanien zu diesem Verzicht der Ermächtigung des Heiligen Stuhls.
Paris, 10. April. Aus Fez wird gemeldet: Der Sultan ließ heute in der großen Moschee einen Brief verlesen, in welchem er die von Fanatikern gegen Europäer verübten Angriffe streng verurteilt und erklärt, derartige Handlungen würden von dem Maghzen streng bestraft werden. Die Bevölkerung möge sich vor den Aufreizungen der Fanatiker hüten, denn die Lage sei heute nicht mehr dieselbe wie gestern. — Die Abreise des Sultans nach Rabat ist auf den 18. April festgesetzt worden. Der Sultan wird ein Gefolge von 1200 Personen mit sich führen und von Spahis, berittenen Jägern und 300 Mann der scherifischen Armee begleitet sein.
5. Deutscher Oberlehrertag.
S.& H. Dresden, 10. April. Unter zahlreicher Beteiligung seiner Mitglieder aus ganz Deutschland und unter Anwesenheit einer ganzen Reihe von Vertretern der verschiedenen Bundesstaaten wurden hier die Verhandlungen des 5. deutschen Oberlehrertages mit dem 5. ordentlichen Verbandstage des Vereins akademisch gebildeter Lehrer Deutschlands eingeleitet. Nach ben üblichen Begrüßungsansprachen und nach Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten erstattete Rektor Professor Dr. Matthias (Plauen) den Bericht über die „Unterrichtsabteilung der Brüsseler Weltausstellung". Diese Abteilung soll später als Grundstock für ein Reichsschulmuseum dienen. Oberlehrer Dr. Rosenmüller (Dresden) begründete hierauf den Verbandsbeschluß, einen ständigen Presseausschuß einzurichten, mit dem Hinweis auf die öffentlichen Angriffe, die namentlich in der jüngsten Zeit von verschiedenen Seiten in besonders scharfer Weise gegen die heutige höhere Schule gerichtet worden sind. Der Referent wurde beauftragt, zur Ausführung dieser Idee einen Ausschuß ins Leben zu rufen. — Heute vormittag trat die Versammlung des Verbandstages im Evangelischen Vereinshause zusammen. Rektor Prof. Dr. Poland (Dresden) sprach über die „Freiere Gestaltung des Unterrichts". Der Redner zeigte, wie wichtig und schwierig zugleich die Frage der Bewegungsfreiheit im Leben der höheren Schule ist. Er wies ferner hin auf die Fülle der bereits gemachten Versuche und Erfahrungen und den Reichtum der darauf bezüglichen pädagogischen Literatur und erklärte es für wünschenswert, daß außer in der Fachpresse auch auf künftigen Verbandstagen über solche ständig erörterte Fragen der Pädagogik, wenn auch ganz kurz, Bericht erstattet würde. — Der zweite Redner, Oberlehrer Rösel (Bielefeld) ging in seinem Referat über die Bedeutung der Mädchenschulreform für die akademisch
hält Kartoffeln, 2 birgt schmackhaft zubereitetes Rotkraut, 3 spendet die Sauce, und dann wendet sich jeder zu dem sonst so gestrengen Küchenkorporal, der schmunzelnd den saftigen Schweinebraten austeilt. In Zeit von 10 Minuten sind die Speisen an 70 junge Leute ansgeteilt. Im Speisesaal herrscht reges Geklapper: „Ui, wäi vill! Das kann aich näit all esse! Ach, wäi gout!" und so ähnlich schallen die Stimmen der zufriedengestellten Jungdeutschlandkämpfer durcheinander. Nach dem vortrefflichen Mittagsmahl begibt sich die Kompanie unter Führung der beiden Herren Offiziere in den Geräte- schnppen. Dort stehen verwendungsbereit die SanitätS-, Pack- und Munitionswagen des Bataillons. Das regste Interesse erwecken die fahrbaren Feldküchen. Der Herr Leutnant ist so liebenswürdig und erklärt in anschaulichster Weise diese wunderbaren Essenkochmaschine. Wie gehen die Augen auf vor Verwunderung über das Gesehene und Gebörte. Noch größeres Staunen bringt die Besichtigung der Balaiilonskammer mit ihren ungeheueren wohlgeordneten Vorräten an Bekleidung-- und Ausrüstungsstücken. Hier lagern die Kriegsbestândr für die Mannschaften, welche die Kompanie auf Kriegsstärke ergänzen. Die neue feldgraue Uniform wird einem Vaterlandsverteidiger in spe anprobiert, und dabei werden die jungen Leute auf das zweckmäßige der Uniform in Farbe und Machart im Vergleich zur alten Uniform aufmerksam gemacht. Ein Rundgang durch die Kammer zeigt, wie trefflich und fürsorglich die Armeeverwaltung auch bis ins kleinste für den Ernstfall rüstet, hier kön re man sagen: „bis auf den letzten Gamaschen- knöpf." Nun dürfen die Jungwehrleute eine Mannschaftsstube betreten; alles wird gezeigt und erklärt; selbst das wohlgeordnete Innere eines Soldatenspindes wird vor Augen geführt. Auch das neue Jnfanteriegewebr Mod. « eingehend betrachtet werden, und der Herr Leutnant »st wieder so N-b-nâwürdlg und hâ» eine furje JnstruMm üö« dm Bau und die Wirkung des Gewehrs. Zuletzt tummeln sich die Jungwehrleute im munteren Spiel auf dem Kaser,leuh ft die einen spielen Fußball, die anderen Faustball, wieder