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Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger
Amtliches Organ für Ä= und Landkreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Bezugspreis:
Vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg-, für Post- bezug vierteljährlich 2.10 Mk., monatlich 70 Pfg.
Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: E. Schrecker in Hanau
Nr. 84 Kernspr«cha«s»lutz Nr. 230.
Mittwoch den 10. April
Fernsprechanschlutz Nr. 23V. 1912
Amtliches.
Bekanntmachung betreffend die baldige Geltendmachung aller dem Etatsjahre 1911 angehörigen Forderungen an die Staatskasse, sowie die Förderung der Finalabschlutzarbeiten überhaupt.
Zur Erhaltung einer geordneten Kaffenverwaltung ist es erforderlich, daß die den fiskalischen Kaffen obliegenden Zahlungen möglichst in demselben Etatsjahre erfolgen und zur Verrechnung gelangen, für welches sie zu leisten sind.
Es werden daher diejenigen, welche etwa noch für das jetzt ablaufende Etatsjahr vom 1. April 1911 bis Ende März 1912 feststehende Beträge an Gehalt, Pensionen oder sonstigen Bezügen zu empfangen haben, ersucht, solche ungesäumt bei den betreffenden Kaffen zu erheben. Alle anderen dem Etatsjahr 1911 angehörigen Forderungen an die der Königlichen Regierung unterstellten Kaffen für Leistungen re. ersuche ich — soweit irgend möglich und sofern nicht in einzelnen Geschäftszweigen durch besondere Bestimmungen frühere Termine festgesetzt sind — spätestens bis zum 15. April d. 3. hier zur Vorlage zu bringen.
Insbesondere werden die der diesseitigen Verwaltung unterstellten Beamten (Landräte, Bau- und Forstbeamten, Kreisärzte, Kreistierärzte, Bürgermeister rc.) und Kaffen daran erinnert, die von ihnen für ihre eigene Person und für andere aufzustellenden oder zu bescheinigenden und weiterzugebenden derartigen Forderungsnachweise unter allen Umständen zu beschleunigen.
Weiter ersuche ich die vorbezeichneten Stellen, auch sonst mo in Frage stehenden Abschlußarbeiten dergestalt fördern zu helfen und in jeder Weise dabei mitzuwirken, daß für das ablaufende Rechnungsjahr keine anrechnungsfähigen Posten zurückbleiben, mithin alle desfallsigen Einnahmen und Ausgaben in den Büchern und Rechnungen des beregten Zeitraumes zum Nachweise gelangen und Einnahme- und Ausgabereste tunlichst vermieden werden.
Ich darf erwarten, daß der bezeichnete Termin — 15. April d. 3* — nur in seltenen, wirklich unvermeidlichen Ausnabmefällen überschritten werden wird. (K 160)
Cassel am 6. März 1912.
Der Regierungspräsident.
J. V.: v. Wussow.
Stadtkreis Fyariau.
Bekanntmachung.
Schulgelderlaßgesuche sind bis 13. April 1912 mündlich auf Zimmer 14 des Rathauses während der Sprechstunden von 10 bis 12^3 Uhr vormittags anzubringen.
Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß nur solche Schüler oder Schülerinnen berücksichtigt werden, deren Leistungen eine solche Vergünstigung rechtfertigen. Schüler mit mittelmäßigen oder gar schlechten Leistungen erhalten keinerlei Beihilfen.
Hanau den 2. April 1912. 9007
Der Magistrat.
Hild.
Zwangsversteigerung.
Zum Zwecke der Aufhebung der Gemeinschaft, die in Ansehung des in Hanau, Altstraße 15 belegenen, im Grundbuchs von Hanau Band XI Artikel 631 in Abteilung I unter laufender Nr. 1 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen der Ehefrau des Eoldarbeiters Christoph Glöckler, Louise geb. Coquot zu Hanau eingetragenen Grundstücks:
Krtbl. N 112 = 1,53 ar,
a) Wohnhaus mit Zwergbau, abgesondertem Holzstall rechts (B) und Hofraum,
b) Seitenbau links (A),
c) Querbau (C),
Grundsteuermutterrolle Art. Nr. 1853,
Eebnudesteuerrolle Nr. 234,
1114 Mark Nutzungswert — besteht, soll dieses Grundstück
am 7. Juni 1912, vormittags 10 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht an der Eerichtsstelle — Nußallee Nr. 17, Zimmer Nr. 13 — versteigert werden. üanau den 30. März 1912. 9201
Königliches Amtsgericht, Abt. 2.
Bekanntmachung.
Wegen Umpflasterung der Haupt-(Frankfurter-) strabe zu Vilbel wird die genannte Straße vom 10. April l. Js. an bis auf weiteres für den Fuhrwerksverkehr gesperrt.
Friedberg den 2. April 1912.
Großherzogliches Kreisamt Friedberg.
Schliephake.
Dieiistnnchrichtkn ans dem Kreise.
Im Schlacht- und Viehhofe zu Frankfurt a. M. ist die Maul- und Klauenseuche festgestellt worden.
Hanau den 9. April 1912.
In Steinau, Kreis Schlüchtern, ist die Maul- und Klanen- sei che festgestellt worden.
Als Sperrgebiet ist innerhalb der Stadt Steinau die Neue- gaffe von Hausnummer 157 bis Hausnummer 170 einschließlich bestimmt worden.
Das Beobachtungsgebiet besteht aus dem übrigen Teil der Stadt Steinau, einschl. der zum Stadtbezirk gehörenden einzelnen Gehöfte, dem Gutsbezirk Hundsrück und den Gemeinden Llhl, Beumgs, Marborn, Niederzell und Seidenroth.
Hanau den 9. April 1912.
Gefundene und verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 1 10-Markstück, 1 silberner Ring mit Totenkopf, 1 Korallenkettchen, 1 kleiner Schlüssel mit Knochenblättchen mit der Bezeichnung Weingestell, 1 brauner Handschuh (rechter), 1 Kinderplüschtäschchen mit 2 Taschentüchelchen und kleines Armband.
Verloren: 1 Brosche mit Kinderphotographie, 1 Schirm im seidenen Futteral, 1 Damenportemonnaie mit etwa 1.70 Mk., 1 Damenschirm mit Silbergriff mit Monogramm und Name.
Entlaufen: 1 7 Wochen alter gelber Boxer mit schwarz«r Maske.
* Hanau den 10. April 1912.
Politische Rundschau.
Herzog Adolf Friedrich von Mckelenburg ist nunmehr, wie die „Köln. Ztg." aus Berlin erfährt, bestimmt als Gouverneur von Togo in Aussicht genommen. Der schon früher in der Presse g.- äußerten Vermutung, daß die etwaige Ernennung zum Gouverneur von Togo lediglich als eine kurze Vorbereitung für den Gouverneurposten in Ostafrika zu betrachten sein würde, wünscht der Herzog selbst ausdrücklich entgegenzutreten. An den Staats sekretär des Reichskolonialamtes schreibt der Herzog: Aus Preßnotizen und Privatgesprächen erfahre ich, daß allgemein angenommen wird, ich sähe den Eouverneurposten von Togo gewisser- maßen nur als Uebergang zu dem in Daressalam an. Ich möchte Eure Exzellenz bitten, diesen Gerüchten entgegenzutreten. Ich habe während meiner Expedition genugsam Gelegenheit gehabt, Einblicke in die verschiedensten Verwaltungssysteme zu tun, um zu wißen, welche Arbeitskraft und welcher Ernst zum Ausharren in so exponierten Stellungen erforderlich ist. Ich denke garnicht daran, den Verwaltungsbetrieb in Togo, an den ich mit aller Hingabe herantrete, bald wieder aufzugeben. Ich darf Eure Exzellenz versichern, daß ich über das Vertrauen, das mir durch die Aufnahme in den praktischen Kolonialdienst bezeigt wird, aufrichtig erfreut und gewillt bin, meiner Pflicht als Gouverneur mit allem Ernst und nicht weniger Eifer nachzukommen, wie meine Vorgänger.
Der frühere Reichstagsabgeordnete Aichbichler, bekannt durch die Zentrumsanträge, die seinen Namen trugen, ist in Hofendorf gestorben.
Der Vergarbeitcrstreik in Sachsen.
Zwickau, 9. April. Der Stand des Streiks im Zwickauer Revier hat auch durch die neuerliche Ablehnung von Einigungsv:r- Handlungen vor dem Vergschiedsgericht seitens der Werksverwaltungen keine Aenderung erfahren. Der Prozentsatz der Aus- ständigen ist zwar bei der heutigen Frühschicht um ein Geringes gegen Samstag zurückgegangen, doch dürfte die Zahl der Ausständigen im Laufe des Tages wieder die bisherige Höhe erreichen. Die Streikenden erklärten in einer Reihe von Versammlungen, an eine Aufgabe des Streiks vor Erlangung von Zuge ständnigen nicht zu denken, und da die Werksverwaltungen nach wie vor alle Forderungen der Streikenden zurückweisen, so ist tatsächlich ein Ende des Streiks nicht abzusehen, zumal die Streik- kasie anscheinend noch über beträchtliche Mittel verfügt.
Das Ende des englischen Bergarbeiterstreiks.
Nach den Berichten Londoner Zeitungen wird es noch einige Wochen dauern. bis der Betrieb in den Kohlengruben wieder in
vollem Gange ist. Ein paar Gruben werden vielleicht geschloffen bleiben. Andere Gruben wieder sind durch den langen Streik s" in Unordung geraten, daß man etwa eine Woche barchen wird, die Wege wieder frei zu machen und die Auszimmerung zu erneuern. Ueberall sind bei Wiederbeginn der Arbeit besondere Vorkehrungen gegen Unfälle nötig. Es ist auch nicht zu erwarte daß nach dem langen Streik die Bergleute schon in der ersten Woche ihre volle Leistungsfähigkeit besitzen werden. Der größte Teil der pflichtgeförderten Kohle geht an die Eisenbahnen, die allmählich den vollen Betrieb wieder aufnehmen. Ende dieser Woch werden voraussichtlich auch verschiedene Industrien in den Stand gesetzt sein, den Betrieb wieder aufzunehmen.
Englische Fischerdampfer auf der Kohlensuch«.
Geestemünde, 9. April. 14 englische Fischerdampfer haben feit Karfteitag die Unterweserhäfen Geestemünde, Bremerhaven und Nordenham aufgesucht, um Kohlen einzunehmen, was ihnen wegen des Ausstandes der englischen Kohlenarbeiter in einem englischen Hafen nicht möglich war. Die Kohlen werden ihnen durchschnittlich zum Preise von 25 Mark pro Tonne geliefert.
Der italienisch-türkische Krieg.
Rom, 9. April. Die „Agenzia Stefani" meldet aus Konstantinopel: Das Kriegsministerium veröffentlicht Telegramm«, in denen behauptet wird, daß es sich bei kleineren Gefechten am 81. März und 1. April um türkische Siege handelt. Es wird ferner behauptet, daß die Türken am 4. April die italienischen Laufgräben um Tobruk besetzten und dabei 50 Italiener töteten. Die Nachrichten entbehren jeder Begründung. Am 80. März und 1. April fanden tatsächlich um Tobruk Kämpfe statt, bei denen die Italiener bei dem ersten Gefecht keine Verluste hatten, während bei letzterem ein Soldat leicht verwundet wurde. Am 4. April fand überhaupt kein Zusammenstoß statt, dagegen wurden bei allen Gefechten, besonders am 29. März, 31. März, 1., 2. und 6. April die türkisch-arabischen Truppen unter bedeutenden Ver- lüsten zurückgeschlagen.
Mailand, 9. April. Der „Avanti" meldet aus Piacenza, daß dort auf dem Hauptplatz eine kriegsfeindliche Kundgebung von feiten einberufener Mannschaften des Jahrgangs 1889 stattge- funden habe. Die Soldaten hätten gerufen: „Wir wollen nach Hause gehen! Nieder mit dem Krieg! Nieder mit Tripolis!" In Novara wurde eine von der sozialdemokratischen Partei ver- staltete Versammlung wegen heftiger Angriffe, die der Abgeordnete Eampanozzi gegen die Regierung richtete, durch den Polizei- kommissar aufgelöst.
Mailand, 9. April. Die Zeitung „Stampa" meldet aus Rom, daß Admiral Viale gestern abend nach Tarent gereist sei. Er werde sich dort sofort auf das Admiralsschiff begeben, um den Oberbefehl über die Flotte zu übernehmen. In gut unterrichteten Kreisen werde angenommen, daß nunmehr die durch die Krankheit des Admirals Faravelli verschobene Flottenaktion beginnen werde. Der „Moments" erhät die Nachricht aus Venedig, daß die gesamte Schiffsmacht Italiens mobilisiert werde. Auch die alten Schiffseinheiten würden in der bevorstehenden Aktion einbedeutende Rolle spielen und hätten schon versiegelte Befehle erhalten. — Aus Verona, Novi, Tortona und anderen Städten Oberitaliens sind letzter Tage größere Truppenabteilungen nach dem Kriegsschauplatz abgegangen, die bestimmt sind, die von dort zurückkehrende Mannschaft des Jahrganges 1888 zu ersetzen.
Tobruk, 9. April. In der Nacht vom 6. zum 7. April griffen etwa 100 Feinde ein neues Fort an, wurden aber durch Gewehr- und Maschinengewehrfeuer zurückgeschlagen. Gegen 2% Uhr nachmittags wurden von einem Fotts aus in einer Entfernung von 6 Kilometer Bewegungen feindlicher Truppen von Südosten nach Norden beobachtet. Am Abend wurden 7 Gewehrschüsse in dieser Richtung abgegeben. Um 10/4 Uhr abends eröffnete der Feind ein lebhaftes Gewehrfeuer. Die Italiener erwiderten es mit Feldartillerie. Bald zog sich der Feind infolge seiner Verluste zurück. Die Italiener hatten keine Verwundeten.
Die Plitischk Mtwim der mktim Lsßziere.
Ueber die politische Betätigung der inaktiven Offiziere hat der Königlich bayerische Reichsrat Frhr. v. Würtzburg, Oberst â la suite der Armee, in der Münchner „Allgemeinen Zeitung" einen vortrefflichen Artikel veröffentlicht, in dem er überzeugend nachweist, daß es für die inaktiven Offiziere keine Bessere Parole gibt, als den alten Loldatenwahlspruch: „Mit Gott für König und Vaterland!" Der Gedankengang ist folgender:
Mit Gott! Der Offizier soll kein Frömmler sein, nicht unduldsam gegen andere religiöse Ueberzeugung. Aber ich kann mir einen guten Soldaten ohne Eottesglauben, ohne Glauben an e n Jenseits nicht vorstellen. Die Worte des Kaisers bei der Vereidl- gung der Rekruten der Garde im Jahre 1910 werden wohl me en noch in Erinnerung sein. Ich glaube, daß jedem deutschen so baten. jedem deutschen Offizier, selbst dem leichtfertigsten und se bst