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Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, eo. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger
Amtliches Organ für AM- and Landkreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Bezugspreis:
Vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg., fiK Post» bezug vierteljährlich 2.10 Mk., monatlich TO Pfg- Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: E. Schrecker in Hanau.
Aernsprechanschlittz Nr. 230.
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Dienstag den 9. April
Fernsprechanschlutz Nr. 230.
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1912
Amtliches.
Laadespolizeiliche Anordnung, betreffend die Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche im Landkreise Hanau.
Meine landespolizeiliche Anordnungen vom 8. März/30. März dieses Jahres — A UL 31t. 1549 II/1694a — betreffend die Ve- kämpsung der im Landkreise Hanau aufgetretenen Maul- und Klauenseuche, Amtsblatt Nr. 10a/13a S. 128/9/168, werden hierdurch aufgehoben.
Der Landkreis Hanau ist jetzt wieder ohne Sperr- und Be- pbachtungsgebiet.
Castel den 6. April 1912. . A IN. 2214
^er Regierungs-Präsident.
v. Bernstorff.
Landkreis Fjanau.
Infolge Erlöschens der Maul- und Klauenseuche in Rückingen werden die über die Gehöfte des Gastwirts Lang und des ßanh Britts Kuprian verhängten Sperrmatznahmen hiermit aufgehoben. Gleichzeitig wird das Beobac^ungsgebiet, bestehend aus dem übrigen Teil der Gemeinde Rückingen, aufgehoben.
Der Kreis Hanau ist nunmehr wieder seuchenfrei. Hanau den 9. April 1912. V. 2240
Der Königl. Landrat, Frhr. L a u r.
Stadtkreis Fjanau. Bekanntmachung.
Schulgelderlaßgesuche sind bis 13. April 1912 münd- ü$ auf Zimmer 14 des Rathauses während der Sprechstunden von 10 bis 12*/a Uhr vormittags anzubringen.
Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß nur solche Schüler oder Schülerinnen berücksichtigt werden, deren Leistungen eine solche Vergünstigung rechtfertigen. Schüler mit mittelmäßigen oder gar schlechten Leistungen erhalten keinerlei Beihilfen.
Hanau den 2. April 1912. 9007
Der Magistrat.
Hild.
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Gewerbliche Fortbildungsschule.
Das neue Schuljahr beginnt Dienstag den 16. April 1912. Die Anmeldungen neu eintretender Schüler haben von Freitag den 12. bis Montag den 15. April 1912 zu erfolgen.
Verpflichtet zum Schulbesuche sind alle im Bezirke der Stadt Hanau beschäftigten gewerblichen Arbeiter
Dom Luftschiffhafen in Frankfurt.
Das neueste Zeppelin-Luftschiff „Viktoria Luise" ist in seiner neuen Heimat Frankfurt a. M. bereits zu einer gewohnten, fast täglichen Lusterscheinung geworden. Das Surren von Motoren und Luftschrauben verkünden schon von weitem die Bewegung he Luftkreuzers in seinem Element, ein Schauspiel, welches von der kleinen Schuljugend jedesmal mit dem weithin gellenden und langgezogenen Alarmruf begrüßt wird: „Zeppelin! Zeppelin!" Die Besichigung des Luftkreuzers aus nächster Nähe in hr Luftschiffhalle am Rebstockhof bietet des Interessanten ungemein viel. Eine genaue Beschreibung würde hier zu weit führen, se steht jedem Besucher in einem gedruckten Prospekte mit Abbildungen zur Verfügung. Nach bequemer Fahrt mit der elektrischen Straßenbahn bis zur Endstation „Rebstock" führt uns eine l reite, mit Fußsteigen angelegte Landstraße in einigen Minuten zum Flugplätze, der nun täglich bei jeder Witterung das Ziel einer großen Schar Wißbegreriger ist. Bei unserem Eintritt in das umzäunte weite Fluggelände erhebt sich vor uns in etwa 2üv Meter Entfernung die imposante Luftschiffhalle, welche wir durch eine gleich rechts an der Stirnseite befindliche Seitental betreten. Der erste Eindruck ist überwältigend; seitwärts von der Stirnseite aus schweift unser Blick an dem in Tauspannungen und von zahlreichen Ballastsäcken gefesselten Riesenkörper entlang, die großen Fenster des einer mächtigen Bahnhofshalle in moder- mr Eisenkonstruktion gleichenden Hallengebäudes spenden reich l ches Licht. Zwei breite Fußsteige an der Stirn- und linken L ängsseite der Halle gestatten selbst bei Massenbesuch eine ungehinderte Besichtigung des einige Meter über dem Boden schwebenden Luftschtffkörpers. Derselbe hat eine Länge von 148 Metern bei einem Durchmesser von 14 Metern und einem Rauminhalt von 79 000 Kubikmeter. Das ganze aus Aluminium bestehende Gerippe und die darin eingeschlossenen 18 Gaszellen sind mit einem imprägnierten Baumwollstoff umkleidet. Unterhalb des Trag- törpèrs hängen zwei Maschinengondeln und eine Passagierkabine.
unter 18 Jahren der im Ortsstatut vom 7. Sept. 1904 bezeichneten Gewerbe; auch die probeweise angenommenen Lehrlinge unterliegen der Schulpflicht.
Hanau den 9. April 1912. 9165
Der Direktor.
Geißler.
Bekanntmachung.
Wegen llmpflasterung der Haupt-(Frankfurter-) stratze zu Vilbel wird die genannte Straße vom 10. April l. Js. an bis auf weiteres für den Fuhrwerksverkehr gesperrt.
Friedberg den 2. April 1912.
Großherzogliches Kreisamt Friedberg. Schliephake.
Dienstnachrichten ans dcm Kreise.
Die wegen Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche in Wasserlos (Kreis Alzenau) angeordneten Maßnahmen jlnb wegen Erlöschens der Seuche aufgehoben worden.
Zur Zeit besteht im Bezirk Alzenau nur noch ein Sperrbezirk in Kahl; die übrigen (SemarsungsteUe von Kahl sind Beobachtungsgebiet.
Gefundene nnd verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 Damenuhr, 1 schwarzes Portemonnaie mit 17 Pfg., 3 kleine Schlüsielch^n am kleinen gelben Ring, 1 Portemonnaie mit 40 Pfg. und 3 Rabattmarken, 1 Brille mit Futteral, 1 leinenes Tablettdeckchen (grün ausgebogt).
Liegen geblieben bei Leuchter, Bangertstr. 13: 1 Paar Herren-Elacohandschuhe; Empfangnahme daselbst.
Verloren: 1 goldene Brosche mit Saphir, 2 Perlen und 4 Vrillantrosen, 1 blaue Pferdedecke, 1 Sammelliste der 4. Komp, der Freiw. Feuerwehr gehörig, 1 matt- golder herzförmiger Anhänger mit Emaillebildchen (Rafael Engel), 1 silberne Damenuhr mit Goldrand, 1 Brosche mit Kinderphotographie.
Hanau den 9. April 1912.
Politische Rundschau.
Herzog Adolf Friedrich als Gouverneur von Togo. Wie die „Hamburger Nachrichten" erfahren, ist endgültig die Entscheidung darüber gefallen, daß Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg nicht nach Ostafrika, sondern nach Togo als Gouverneur gehen wird. Herzog Adolf Friedrich wird nun also Gelegenheit haben, die gewonnenen afrikanischen Erfahrungen im Verwaltungswege
In der vorderen Gondel, von der aus das Luftschiff gdentt wird, befinden sich ein Motor sowie alle Steuerräder, Ballast- und V^ntilzüge; die Hintere Gondel enthält zwei Motore, welche je eine 4flügeliche Luftschraube bewegen, während der vordere Motor ein Paar 2flügeliche Luftschrauben, welche 500 Umdrehungen in der Minute machen, treibt. Am Hinteren Ende des Luftschiffes befinden sich die Seiten- unb Höhensteirer sowie ferner noch rechts und links je eine große wagerechte Flösse, die sogenannte Stabilisierungsflächen. Die Maschinen entwickeln ins- gesamt 435 Pferdestärken und verleihen dem Luftschiffe eine Höchstgeschwindigkeit von 72 Kilometer in der Stunde. Zur Führung des Schiffes gehören 8 oder 9 Personen: ein Führer, ein Fahringenieur, zwei Steuerleute und 4 oder 5 Monteure. Die zwischen den beiden Maschinengondeln unter der Mitte des Luftschiffes hängende Pasiagierkabine bietet Raum für 20 Personen. Sie ist so in das Luftschiff eingebaut, daß Längsträger des Luft- skiffes zugleich Träger der Kabine sind und im übrigen an 12 Siahldrähten doppelt in ihrer Lage so gesichert, daß sie unverrückbar dahängt, selbst wenn aus irgend einem unwahrscheinlichen Zufall ein Paar Streben sich verbiegen oder brechen sollten. Ein Ncbenraum der Kabine ist für den Küchenbedarf mit Flaschen- schrank und Anrichte versehen. Die Kabine mit ihrer inneren Mahagoniverkleidung unb, reicher Perlmuttereinlegearbeit erscheint als sehr elegc ter Raum, dessen außerordentlich starker Frßboden mit einem Teppichbelag versehen ist. Große Klappfenster, an denen bequeme leichte Korbmöbel stehen, gestatten einen ungehinderten Ausblick nach allen Seiten. Ebenso inter- essant wie das Luftschiff selbst sind auch die Vorbereitungen 311 ferner Fahrt. Das große zweiflügelige Tor an der Ausfahrtseite der Halle öffnet sich langsam auf maschinellem Wege. In den Maschinengondeln wird es lebendig; die maschinellen Teile werden erprobt und ein mächtiges Getöse erfüllt für einige Minuten der, weiten Hallenraum. Ein Glockenzeichen und eine Arbeiter- schar von etwa 60 Mann tritt zur Bedienung des Luftschiffes an. Die mitfahrenden Mannschaften nehmen ihre Plätze ein, während zur Ausgleichung des Gewichtes eine Anzahl Ballastsäcke
zu erproben. Togo ist diejenige Kolonie, deren Veraltung wohl die wenigsten Schwierigkeiten bietet und auch kaum Klagen laut geworden sind. Das Augenmerk wird hier außer den Fragen der wirtschaftlichen Produktion, hauptsächlich der Bekämpfung der Schlafkrankheit, zuzuwenden sein.
Reichstags kaudidatur. Eine von mehr als 200 Dertrarwns- männcrn besuchte Versammluirg der Fortschrittlichen Volkspartei in Varel stellte für den bisher von Träger vertretenen Reichstags- Wahlkreis Darel-Jever einstimmig Dr. Wiemer als Kandidaten auf.
Der Diamantenvertrag. In Antwerpen ist soeben die Mrch- richt eingetroffen, daß das deutsche Kolonialamt den Diamanten» vertrag nicht bestätigen werde. (Bekanntlich hat sich gegen die kürzlich erfolgte Verlängeruirg des Vertrages durch die Diamantenregie eine starke Opposition der deutschen Interessenten geltend gemacht, die auch in einer Beschwerde an das Kolonial- amt zum Ausdruck gekommen ist. D. Red.)
Kaiser Menelik. Wie die „Agerrzia Stefani“ aus Adis Abeba meldet, hatte Kaiser Menelik in der letzten Zeit einen neuen schweren Anfall feines Leidens. Die Kaiserin Taitu ist ebenfalls schwer erkrankt.
Kaiser und Kanzler auf Korfu.
Achilleion, 6. April. Der Kaiser begab sich nachmittags 5 W?t 3 Min. im Automobil zur Stadt, ging dann an Bord bet »Hohen- zögern", um dort das Einlaufen der „Kolberg" abzuwarte». In seiner Begleitung fefanden sich Fürst Fürstenberg, Gesandter Freiherr v. Jentsch, General v. Ehelrus, Kapitän z. 6. o. Bülow Die „Kolberg" mit dem Reichskanzler v. Bethmann Hollweg an Bord, in dessen Begleitung sich Adjudant Frhr. v. Sell befand, lief um 6 Uhr im Hafen von Korfu ein. Der Kaiser hat den Reichskanzler eingeladen, mit ihm die Osterfeiertage im Achilleion, das dieser noch nicht kennt, zu verleben. Kaiser Wilhelm empfing den Reichskanzler auf der „Hohenzollern", begab sich dann mit ihm im Automobil nad) dem Allilleion, in der Stadt überall herzlichst begrüßt.
Achilleion, 7. April. Heute vormittag hielt Militär-Ober- -fairer Goens in der Kapelle des Achilleion Gottesdienst ab, an hm der Kaiser, Prinz und Prinzessin August Wilhem, Prinzessin Viktoria Luise, der Reichskanzler, die Umgebung des Kaisers, Gesandter Frhr. v. Waugenheim und das gesamte Haus teil- nchmen. Zur Frühstückstafel war Frhr. v. Wangenheim geladen. 9?m Nachmittag fand auf der „Hohenzollern" das übliche Eier- fuchen für die Mannschaften statt. Das Meter ist schön.
Achilleion, 8. April. Der Kaiser, die Fürstlichkeiten und der Reichskanzler nahmen gestern den Tee auf der „Hohenzollern", die Abendtafel war in Achilleion. Heute vormittag machte bet Kaiser, der Reichskanzler und sämtliche Herrschaften einen Spaziergang auf den Berg Kyriaki. Gegen mittag zog eine feierliche Prozession, bestehend aus dem Geistlichen und den Einwohnen des Dorfes Gasturi durch den Park an dem Schloß vorüber. Der
abgehängt und Wasserballast abgelassen wird. Ein weiteres G ockenzeichen mahnt die inzwischen an der Kabinentreppe versammelten Passagiere zum Einsteigen; unter ihnen bemerken wir sogar eine recht zuversichtlich dreinschauende Greisin, wogegen einige Pasiagiere namentlich des stärkeren Geschlechtes, ihre Aufregung nicht zu verbergen vermögen; aber äußerst mutig erscheint uns ein ftinges Paar, augenscheinlich Hochzeitsreisende, für die ein solcher Höhenflug ganz besonderen Reiz hat. Nachdem den Gästen die Fahrscheine abgenomman, besteigen sie die Kabine; die letzten Ballastsäcke werben entfernt, weiterer Ballast abge- lasien. Wer von den Passagieren Lust verspürt, sich vor der Ausfahrt in die ätherischen Sejuoe im photographischen Bilde festhalten zu lasten, der stellt sich in diesem feierlichen Moment am geöffneten Kabinenfenster dem unten harrerâien Photographen zur Verfügung. Noch ist der riesige Schiffskörper durch starke Taue mittels sogenannter Lauflatzen zwischen zwei zu beiden Seiten der Halle im Cement fugt» oben bis weit ins Gelände sich hinziehen- den Doppelschienen derart sicher eingespannt, daß sein Transport aus der Halle und in dieselbe selbst bei plötzlichen Windstößen ungefährdet vollzogen werden kann. Mittlerweile haben sich die Hilfsmannschasten an den vom Schiffsrumpf herabhängenden Strickleitern und Lertseilen postiert, um an diesen das Schiff auf Kommando des Kapitäns ins Freie zu ziehen. Hier werden bis schwere« Taue der Laufkatzen ausgehängt und nunmehr wird das Ungetüm, nur noch von kräftigen Männerfäusten an Seilen segelt, in die Mitte des Flugplatzes bugsiert. Der Schiffskörper ist auf seine Fahrtrichtung eingestellt, Mannschaften klettern an en Strickleitern empor, schwingen sich an ein nebenhängendes eu, um die Strickleitern auszuhakon. Ein letztes Kommando für re Hilfsmannschasten läßt sie L iempo mit affenartiger ^^ ^ leit zur Erde niedergleiten. Das Lustf-Mf ist von reder Erden- feste! befreit, die Höhensteuer arbeiten, dre Motors setzen di Luftschrauben in wirbelndem Spiel in Bewegung,» 1 Zahlreiche Zuschauermenge ruft der majestätisch rn re ufte en^> schwebenden „Viktoria Luise" und ihren Pagagreren „Glücklich« Fahrt" zu.