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EinrückungsgebShrr

Die bgespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. im Reklameteil die Zelle 50 Pfg.

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Fanddreis Kanas.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Bezugspreis:

Vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg., für Post« bezug vierteljährlich 2.10 Mk., monatlich 70 W-, Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: E. Schrecker in Hanau.

Nr. 79

ffernsprechanschlittz Nr. 230

Dienstag den 2. April

Fernfprechanschltttz Nr. 230

1912

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14 Seiten.

Amtliches.

Landespolizeiliche Anordnung, betreffend die Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche im Kreise Hanau-Land.

Meine landespolizeiliche Anordnung vom 8. März 1912 A. III. Nr. 1549II betreffend die Bekämpfung der im Landkreise Hanau aufgetretenen Maul- und Klauen­seuche, Amtsblatt Nr. 10a, S. 128/9, wird hierdurch rote folgt abgeändert:

1. Aus dem Sperrgebiete im § 1 scheidet aus die Ge­meinde Rückingen mit Ausnahme der beiden Seuchenge­höfte des Gastwirts Lang und des Landwirts Kuprian, die im Sperrgebiet verbleiben. Der übrige Ortstell von Rü­ckingen tritt zum Beobachtungsgebiet im § 11.

2. Aus dem Beobachtungsgebiet im § 11 scheiden aus die Gemeinden Niederrodenbach, Langendiebach und Langenselbold.

Tassel den 30. März 1912. V. 2129

Der Regierungspräsident.

Graf von Bernstorff.

Landkreis Hanau.

Die Landesbaumschule in Engers wird zum 1. April ds. Is. aufgehoben. Der Herr Landwirtschaftsminister hat daher in der Erwägung, daß auch weiterhin ein Bedürfnis nach Vorhaltung von einwandfreien Tafeltraubenreben be­steht, genehmigt, dah nunmehr in der Rebenveredelungs­anstalt in Oberlahnstein Tafeltraubenreben zu Verkaufs- zwecken gezogen werden.

Vorstehendes wird mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß Setzmaterial an edlen Tafelttauben- forten demnächst aus der Rebenveredelungsstation in Ober­lahnstein bezogen werden kann.

Hanau den 29. März 1912. V. 2016

Der Königliche Landrat.

Frhr. Laur.

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Gefundene und verlorene GtllenstSnde re.

Gefunden: 1 schwarzes Portemonnaie mit 2 Mark und einigen Konsummarken, 1 silbernes Kettenarmband, 1 Brieftasche, 1 Znvalidenkarte und ein Dienstbuch für Mar­garete Fliedner aus Bruchköbel. <

Verloren: 1 silberne Damenuhr, 1 rotes Visiten- karlentSschchen mit Visitenkarten Wilhelmine Elisabetha Schwalb, 1 ovales Medaillon mit Perlen besetzt und silberne Kette.

Entlaufen: 1 halbjähriger dunkelgrauer Jagdhund mit braunen Blacken und starkem Schnurrbart.

Hanau den 2. April 4912.

Politische Rundschau.

Nationâlliberaler Vertretertag der Provinz Han­nover. Die nationalliberalen Reichstagsabgeordneten der Provinz Hannover und andere nationalliberale Führer der Provinz haben demHannoverschen Courier" mit dem Er­suchen um Veröffentlichung ein Schreiben zugesandt, das sie an den Vorsitzenden des geschäftsführenden Ausschliffes der naüonalliberalen Partei der Provinz Hannover gerichtet haben. Sie stellen darin den Antrag, noch vor der Wahl der Delegierten zum allgemeinen Vertretertage der nationallibe­ralen Partei eine Vertreterversammlung für die Provinz Hannover anzuberaumen.Die Unterzeichneten erblicken" so heißt es in dem Schreiben weiterin dem Vorgehen ver Mehrheit des Zentralvorstandes einen wohlüberlegten l lan, gegen die Politik unseres Führers, des Herrn Baffer- mann Front zu machen. Zum ^mindesten sind sie der Meinung, daß die Beschlüsse des Zenttalvorstandes von der v entlief) seit derart interpretiert worden sind. Da nun die Unterzeichneten der Ueberzeugung sind, daß die überwältigende Majorität der nationalliberalen Wähler der Provinz Han- nover mit den Beschlüssen des Zentralvorstandes nicht ein­verstanden ist, und da sie ferner glauben, daß die Ange­legenheit für unsere Partei von folgenschwerer Bedeutung sein wird, erachten sie es für ihre Pflicht, noch vor den Wahlen zum allgemeinen Vertretertag eine Klärung der Ansichten innerhalb der Organisation für die Provinz Hannover herbei­zuführen."

Gegen das freisinnig-sozialdemokratische Stichwahlab- kommen hat sich am Sonntag die Generalversammlung des Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereine für Groß- Berlin ausgesprochen. Bei der Fortsetzung der ser vierzehn Tagen begonnenen Aussprache über diese Frage wurde nach erregter langer Verhandlung gegen nur 30 Stimmen der Anttag des Reichstagswahlkreises Niederbarnim ange­nommen:Die Parteigenoffen Eroßberlins bedauern, das Stichwahlabkommen des Parteivorstandes mit der Fort­schrittlichen Volkspartei insofern, als dadurch unsere Ge­noffen in 16 Wahlkreisen, in denen wir mit dem Freisinn in Stichwahl standen, verpflichtet wurden, die Wahl des fortschrittlichen Kandidaten durch Dämpfung des Wahl­kampfes zu sichern." Rosa Luxemburg beklagte sich in der Debatte über den Ton persönlicher Gehässigkeit, der von einem Vorstandsmitgliede gegen sie angeschlagen worden sei.

Der gothaische Landtag nahm die Vorlage über die Er­hebung eines Chausseegeldes von einheimischen und aus­ländischen Automobilen an.

Aus Persien. Seit dem Eintreffen der russischen Detachements verließen die Anhänger deS Exschahs, die in der Umgebung des Grabmals Jman-Risa Zuflucht gesucht hatten, ihre Stellung nach und nach. Nur 600 bis 700 gut bewaffnete Räuber, die aus Schiras und Churassan unter dem Vorwande einer Wallfahrt gekommen waren, sind dort unter Leitung des flüchtigen Afghanen Jusuf-Khan zurück­geblieben. Die Räuber nahmen verschiedene, insbesondere bemittelte Persönlichkeiten fest, raubten sie aus und über­lieferten sie einem qualvollen Tode. Sie vergelten sich auch den Ruffen gegenüber sehr herausfordernd und drohten, alle Europäer niederzumetzeln. Die Bevölkerung gab ihren Un­willen offen kund, daß die Ruffen die Ordnung nicht her- stellten und dem Treiben der Räuber im Stadtzentrum ruhig zusahen. D^r russische Generalkonsul forderte die Räuber auf, die Waffen niederzulegen und die Stadt bis zum 30. März nachmittags 3 Uhr zu verlaffen, widrigenfalls er mit Truppen vorzugehen drohte. Zu dem genannten Termin umzingelten russische Truppen die Stellung der Räuber. General Rjedko forderte nochmals die Auslieferung der Waffen. Die Räuber antworteten mit Gewehrfeuer. Die Russen eröffneten ein Artillerie- und Gewehrfeuer und nahmen die Stellung ein. Das Grabmal Jmans ist unbe­schädigt. Der Rest, der sich dort noch aufhaltenden Räuber ergibt sich nach und nach.

Arbeiterbewsgung.

Amsterdam, 30. März. Die feit einer Reihe von Monaten zutage getretene chronische Arbeitslosigkeit unter den Diamantarbeitern hat sich in der letzten Woche in beunruhigender Weise gesteigert, denn die Ziffer der Arbeitslosen ist innerhalb der letzten acht Tage von 1492 auf 1763 gestiegen, und irgendwelche Aussicht auf Veffe- rung des Zustandes besteht vorderhand nicht. Im Wochen­blatt des Allgemeinen niederländischen Diamantarbeiter­bundes äußert sich dessen Vorsitzender, Henri Polak, in folgender, zum Teil auch die deutsche Diamantindustrie interessierender Weise über die Krise.In unserm Fach", heißt es,ist es beinahe ebenso unmöglich, die Ursachen vorliegender Tatsachen anzugeben, wie über den Verlauf der nächsten Zukunft etwas Sicheres zu sagen. Aber im Augenblick kann man doch Gründe für den ungünstigen Zustand anführen. Was die geringeren Qualitäten Brillant und Rosen betrifft, so hat der türkisch-italienische Krieg sicher seinen Einfluß geltend gemacht, während auch die Zustände in Persien und Kleinasien dabei zu be­rücksichtigen sind. Hinsichtlich der feineren und teueren Steine, für welche wir hauptsächlich auf Amerika ange­wiesen sind, muß in erster Linie die Tatsache festgestellt werden, daß in diesem Lande seit einiger Zeit eine Vor­liebe für Perlen aufgetreten ist, unter welcher die Nach­frage für Diamanten sehr gelitten hat. Außerdem macht, wie stets, die bevorstehende Präsidentenwahl ihren nach­teiligen Einfluß geltend. Aber auf die Frage ob es bald bester werden wird, kann nicht so rasch eine Antwort ge­geben werden. Denn wiederholt haben wir es in un­serer Industrie erlebt, daß in einem Minimum von Zeit auf große Lebhaftigkeit eine außerordentliche Flauheit folgte oder umgekehrt; im Jahre 1907 fand ersteres, 1908 letzteres statt; niemand kann Anfang oder Ende solcher Schwankungen vorhersagen. Die hiesigen Klempnergesellen, deren Ausstand mehrere Monate ge­dauert hat, haben in dieser Woche die Arbeit wieder ausgenommen. Alle Vermittlungsversuche, die auch von unbeteiligter Seite gemacht worden waren, scheiterten, weil die Arbeitgeber an ihrer Forderung der bedingungs­losen Wiederaufnahme der Arbeit der kontraktbrüchigen

Gesellen unverrückt festhielten. Auch vereinzelte Soli, daritätsausstände in verwandten Betrieben und die An­wendung derJnfettionstheorie" (besmet verklaarde goederen) führte nicht zum Ziel, die Not sprach auch hier wieder das letzte gebietende Wort, und mit dem Wunsche, daß die Arbeitgeber sich nicht zu Vergeltungs­maßregeln Hinreißen lasten möchten, wurde das End« des Ausstandes angekündigt. Selbstverständlich ist nicht eine einzige Forderung der Gesellen bewilligt worden,

Waffenstillstand in England.

DerFrankf. Ztg." wird gemeldet:

London, 1. April. Die Abstimmung unter den Bergar­beitern zeigt auch heute an, daß im ganzen eine Mehrheit für die Aufnahme der Arbeit dasein wird. In Südwales wurden bis heute nachmittag 29 000 für das Ende des Streiks gezählt gegen 13 000 für die Fortsetzung. Auch Nord­wales ist für eine Rückkehr zu den Zechen und ein gleiches dürfte in Schottland der Fall sein. Hingegen finden sich auf vielen Zechen der englischen Reviere Lancashire, Durham, Northumberland und Derbyshire ganz entschiedene Mehr­heiten für die Fortsetzung des Kampfes. Wenn sich also, wie angenommen wird, eine Mehrheit der Federation auch für die Beendigung erNärt, so ist doch keinesfalls von einer guten Stimmung in der Arbeiterschaft zu sprechen, und die Aufnahme der Arbeit erfolgt nicht, weil man mit den Re­sultaten zufrieden wäre, sondern weil die Kasten geleert sind. Wie uns bekannt ist, herrschen in den leitenden Krei­sen der Arbeiterpartei lebhafte Befürchtungen wegen dieser Stimmung. Es ist nicht undenkbar, daß die Mißstimmung, die offenbar unter den englischen Belegschaften gegen die erst intransigenten und jetzt nachgiebigen Kameraden von Wales herrscht, zu Streitigkeiten in der Federatton und viel­leicht zu einem schlimmen Ende führt. Die Hauptsache ist, sobald die Abstimmung den Streik für beendigt erklärt, für eine rasche Konstituierung der Revierämter zu sorgen, da- mit die Minimaltarife sobald als möglich zur Festsetzung kommen. Daß hierbei aufs neue Konflikte entstehen können, beweist eine Rede, die heute Smillie, der Oberführer der schottischen Bergarbeiter, hielt. Er kündigt einen neuen Kampf binnen sehr kurzer Zeit an, diesmal nicht für das Minimum, sondern für eine erhebliche Steigerung der Löhne. Nach den Reden dieses und anderer einflußreicher Arbeiterführer sowie nach dem Gang der Abstimmung kqnn vorläufig nicht von einem ehrlichen Frieden, sondern bloß von einem Waffenstillstand gesprochen werden.

WeiterePolitische Rundschau" im zweiten Matt.

Der italienisch-türkische Krieg.

Die FriedenSvermittlung.

Berti«, 1. April. Di«Nordd. Allgemein« Zeitung" schreibt:

Unter der UeberschriftDie Kaiserreise" bringt die Nowoj« Wremja einen Leitartikel, worin u. a. ausgeführt wird, daß die russische Vermittlungsaktion an Berlin scheitere, da der Widerstand der Türkei für Deutschland nötig sei. Dies« Bemerkung verdient tiefer gehängt zu werden. Wer einiger­maßen die diplomatischen Vorgänge der letzten Zeit verfolgt hat, dem muß das Unsinnige solcher Behauptungen in di« Augen springen. 'Die Nowoje Wremja weiß auch selbst, daß

sie Unsinn behauptet, für sie handelt es sich

wohnheitSmäßige Brunnenvergiftung gegen Politik, und dazu ist ihr jedes Mittel recht.

aber um ge« die deutsche

Rom, 1. April. Die Agenzia Stefani meldet auS Tobruk vom 31. März: Heute früh rückte der Feind in drei Kolonnen von zusammen etwa 3000 Mann gegen ein Fort vor, wurde jedoch durch das Feuer der 149. Batterie ohne Verluste für die Italiener zum Rückzug gezwungen. Aus Bengasi wird gemeldet : Eine Schwadron eingeborener Kamelreiter, die auf italienischer Seite kämpfte, wurde a»! einer Erkundung im Norden der Oase Suni Osman von Beduinen aus dem Hinterhalt angegriffen. Nach hef tigem Kampfe wurden die Beduinen unter Verlusten in bk Flucht geschlagen. Einer der Kamelreiter wurde getötet, einer verwundet.

Mailans, 1. April. In Parma wurde gestern eine Volksversammlung gegen den Krieg abgehalten, der aber bic verfassungstreuen Kreise eine nationalistische entgegenstellten. In den Straßen kam eS zu Raufereien. In Savona wurde die Versammlung der Sozialisten gegen den Krieg ver- bindert. Enrico Ferri, der bekannte sozialdemokratische Ab­geordnete der für die Angliederung gestimmt und fein Mandat niedergelegt hatte, ist in Gonzaga ohne Gegner unter Hochrufen auf Tripolis wiedergeroählt worden. Zn Alessandria ist in der Stichwahl der konstitutionelle Ferrero gewählt worden, da die Sozialisten sich der Stimmabgabe enthielten.