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.".stattonsdruck und Verlag der Duchdruckerei des verein. ev. Waisenhauses in Hanau.
Geueral-Auzeigtr
Amtliihts Organ für Stadt- aad Landkreis Hansa.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Bezugspreis:
Vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg., Mr Postbezug vierteljährlich 2.10 Mk., monatlich 70 Pfg. Die einzelne Rümmer kostet 5 Pfg.
Berantroorll. Redakteur: E. Schrecker in Hanau.
Nr. 78
Kernsprechanschlich Nr. 230.
Montag den 1. April
Ferttsprechairschlutz Nr. 230. 1912
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Politische Rundschau.
Der Kaiser auf Korfu. Der Kaiser und Prinz August Wilhelm begaben sich Samstag früh zu Fuß vom Schloß Achilleion über Canone nach Earitza, wo Professor Dörpfeld den Stand der Ausgrabungen erläuterte. Es sind inzwischen eine breite, gepflasterte Straße, die vom Tempel zum Altar geführt hat, sowie der größte Teil des Altars, der etwa 24 Meter lang und 2,30 Meter breit war, ferner ein großes Säulenkapitäl freigelegt worden. Der Kaiser verweilte über eine Stunde an der Ausgrabungsstelle und kehrte dann im Automobil nach dem Achilleion zurück.
Zur Heeresvorlage. Ueber die Veränderungen in der Armee-Einteilung nach der Heeresvorlage teilt die „Köln. Ztg." noch folgendes mit: Bei der Errichtung jedes der beiden neuen Armeekorps werden drei bezw. vier der vorhandenen Armeekorps beteiligt sein, und zwar für das 20. Armeekorps im Osten das 1. Armeekorps (Ostpreußen), das 17. Armeekorps (Westpreußen) und das 2. Armeekorps (Pommern); für das 21. Armeekorps im Westen das 14. (Baden), 15. (Elsaß), 16. (Lothringen) und das 8. Armeekorps (Rheinprovinz). Durch die aus diesen Korpsbezirken abzugebenden Einheiten ergeben sich neue Friedensgliederungen für den Osten wie für den Westen. Für die Aufstellung von Fliegertruppen ist zu erwähnen, daß es sich dabei nur um das Vorhandensein einer aus den verschiedenen Handwerkern zusammengesetzten Truppenorganisch' tion handelt, wie eine solche bereits für das Kraftfahrwesen in dem Kraftfahr-Bataillon vorhanden ist.
Der Stapellauf des großen Kreuzers „Seydlitz". Wie aus Hamburg berichtet wird, lief auf der Werft von Blohm u. Voß Samstag nachmittag der große Kreuzer I vom Stapel, der bei der Taufe den Namen „Seydlitz" erhielt. Die Taufrede hielt der Eeneralinspekteur der Kavallerie, General von Kleist. Er betonte, daß gerade der Name des großen Siegers von Roßbach und Zorndorf für die Aufgaben eines großen Kreuzers der bestgeeignete sei. Der General brachte drei Hurras auf den Kaiser aus, von dem die Geschichte einst feststellen werde, daß die mächtig aufstrebende, achtunggebietende deutsche Flotte das ureigenste, unsterbliche Werk des Kaisers sei. Zu dem Stapellauf war als Vertreter des Staatssekretärs des Reichsmarineamts Vizeadmiral Dick erschienen.
Roeren legt seine Mandate nieder. Der Zwist innerhalb der Zentrumspartei hat sich in der letzten Zeit immer mehr verschärft. Wenn er sich auch mehr oder weniger hinter den Kulissen abspiefte, so drangen doch ab und zu Nachrichten an die Oeffentlichkeit, die bewiesen, daß der Gegensatz zwischen der Berliner und Kölner Richtung des Zentrums sich stets zuspitzte. Jetzt ist es anscheinend zu einer Art Explosion »■»■■Biw^nMmnMR_■■■■■■■ ■■■■■■ ■m^—Iimii! ■—b—a—Mam
Stadttheater in Hanau.
Abschiedsstimmung durchzog die beiden gestrigen Vorstellungen. Rachmitags wurde eine Wiederholung der Operette „R o d e l z i g e u n e p" geboten, bei der den Darstellern und Darstellerinnen Abschiedsgrüße in Form von Blumenspenden in reichem Maße gespendet wurden. — In her Abendvorstellung wurde das Volksstück „M ein Leopold" wiederholt, das am Freitag neueinftudiert zum er^en Male gegeben worden war. Ebenso wie die Freitagsvorstellung verlief auch die gestrige Wiederholung in der besten Weise, da vorzügliche Leistungen geboten wurden. Herr d e Giorgi als „Weigelt" war geradezu köstlich, in den beiden letzten Bildern stand sein Charakterisierungstalent auf besonderer Höhe. Dann haben wir auch Herrn Spohn lobend zu erwähnen, der den leichtsinnigen „Leopold" flott zu verkörpern verstand. Herr Wallbrück, der sich im Laufe der Spielzeit immer mehr zu einer recht vielseitigen Kraft entwickelt hat, spielte den „Mehlmeyer" zwergsellerschütternd, Herr Grundmann konnte als .Mielisch" mit einigen recht guten Witzen aufwarten, Herr K r a h e als „Starke", Herr Wagner als „Krümel", Herr H y y n 3 e als „Zernikow", Herr Möller als „Gottlieb" lührten ihre Rollen ebenfalls zufriedenstellend aus. Auch dit weiblichen Rollen waren gut besetzt. Es sind zu nennen: / au H a m m e r als „Natalie", Frl. B a l l i n als „Klara", Frl Harves als „Emma", Frl. Rentrop als „Marie", Frl. M i ch e l als „Anne", die in jeder Weise befriedigende Leistungen vermittelten. Als Lehrling Wilhelm ist noch Frl. Wossidlo mit Anerkennung zu verzeichnen. — Auch in Dieser Vorstellung wurden die meisten der auftretenden Künstler und Künstlerinnen mit reizenden Blumenspenden bedacht und durch Hervorrufe geehrt. — Herr Direktor Steffter sprach den Epilog. Er wurde gleichfalls mit ehrenden Beifallskundgebunaen bedacht.
gekommen. Aus Köln wird gemeldet: Der Zentrumsabge- ordnete Geheimrat Roeren versendet eine Erklärung, daß er seine Mandate zum Reichstag und zum preußischen Landtag niederlege. Aus der Erklärung geht hervor, daß er dies getan habe mit Rücksicht auf die Meinungsverschiedenheiten über den Charakter des Zentrums.
Ein Vertrauensvotum für Basiermann. Aus München wird berichtet: Die nationalliberale Partei Münchens hat in ihrer Generalversammlung dem Parteichef Bassermann ihr volles Vertrauen ausgesprochen. Sie beantragt, auf der Tagesordnung des nächsten allgemeinen Parteitages statt der Aenderung der Organisationsstatuten, die unnötig sei und nur zu Streitereien führe, ein politisches Referat zu setzen und Bassermann als Haupttedner zu bestimmen. Von dem auf den 12. Mai nach Berlin einberufenen allgemeinen Verttetertage würde deshalb erwartet, daß er alle extremen Störungen innerhalb der Partei, woher sie auch kommen, zurückweisen werde.
Neichsregierung und Spirituszentrale. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Die von der Spirituszenttale kürzlich vorgenommene Preiserhöhung hat die Aufmerksamkeit der beteiligten Kreise von neuem auf die Tatsache gelenkt, daß die Spirituserzeugung des laufenden Jahres infolge des Mindererttages der letzten Kartoffelernte erheblich unter dem Durchschnitt bleibt. Angesichts dieser Tatsache wird dem Vernehmen nach in den Kreisen des Bundesrats erwogen, in welcher Weise durch die Anwendung der im Vranntwein- steuergesetz gegebenen Mittel die Mehrerzeugung angeregt und einer etwaigen Spiritusknappheit und einem übermäßigen Aufsteigen der Vranntweinpreise ex^gegengewirkt werden könnte. In erster Linie soll die Erhöhung des Durchschnittsbrandes und die Heraufsetzung der Vergütungssätze für vollständig und unvollständig vergällten Branntwein in Betracht kommen. Beschlüsse in diesem Sinne dürften schon in wenigen Tagen vom Bundesrat gefaßt werden.
Ein Prinzregenten-Denkmal für Aschaffenburg. Die sÄdttschen Kollegien Aschaffenburgs haben einstimmig die Errichtung eines monumentalen Bogens am Straßendurch- bruch an der Sandkirche beschlossen. Es soll dort ein großes Bronzerelief des Prinz-Regenten angebracht werden, der seine Jugendjahre in Aschaffenburg verbracht hat und jetzt wieder, im hohen Alter, so gern dahin zurüâhre.
Für die Einweihung des Osthafens in Frankfurt a. M. wird jetzt der 20. Mai in Aussicht genommen, nachdem der Kaiser für diesen Tag seine Zusage zur Teilnahme gegeben hat.
Die Entfeftung von Mainz. Durch eine kaiserliche Kabinettsordre wurde die Auflassung der Festungsumwallung der Stobt Mainz von dem Fort Hauptstein bis,$u dem Mombachertor mit Wirkung vom 31. März 1912 ab verfügt.
---„Das Spiel ist aus." Die Pforten unseres Theaters haben sich auf eine längere Zeitdauer (6 Monate) wiederum geschlossen. Es wurden während der Winterspiel- zeit 1911/12 insgesamt 216 Vorstellungen gegeben und zwar: 79 Vorstellungen im Abonnement, 90 Vorstellungen außer Abonnement, 40 Nachmittagsvorstellungen und 7 Volksvorstellungen. Zur Darstellung gelangten: 18 Trauerspiele, Dramen und Schauspiele, 17 Komödien, Lustspiele und Schwänke, 2 Volksstücke und 2 Kinderkomödien, im ganzen also 55 verschiedene Stücke. In Offenbach wurden 27 Vorstellung und in Homburg v. d. H. 21 Vorstellungen gegeben. Als Gäste waren verpflichtet: Professor Dr. Ritter Ernst von Possart, Alexander Moissi, Agnes Sorma, Margarete Beling-Schäfer, Carl Baum, Hermann Nessetträger, Frieda Eichelsheim. Ferner Ensemble-Gastspiele: Rosa Poppe mit Ensemble; Hanako, Japan, Tragödin mit Gesellschaft; Bayer. Bauerntheater Josef Meth; 1. Wiener Kinder-Ope- retten-Ensemble. U. a. kamen folgende neueren Werke zur Aufführung: „Mein erlauchter Ahnherr", „Der scharfe Junker", „Das kleine Chocoladenmädchen", „Sommerspuk", „Meyers", „Die Rivalin", „Der Leibgardist", „Dorothys Rettung", „Der Skandal", „Die 5 Frankfurter", „Polnische Wirtschaft", „Bummelstudenten", „Zigeunerliebe", „Der Rodelzigeuner", „Cartouche". Schon aus dieser Zusammenstellung ist zu ersehen, daß hocheinzuschätzende künstlerische Werke vermittelt worden sind. Mit einer Künstlerschar umgeben, die sowohl im Schauspiel- wie im Operettenfach hohen Anforderungen zu genügen in der Lage war, hatte Herr Direktor Steffter auch in der Wahl der zur Aufführung gekommenen Stücke in den meisten Fällen eine durchaus glückliche Hand gezeigt, sodaß die abgelaufene Spielzeit als die genußreichste unter der jetzigen Direktion bezeichnet werden kann. Den scheidenden Künstlerinnen und Künstlern, von denen verschiedene im Herbst nicht wieder zu uns zurückkehren werden, rufen wir ein herzliches Lebewohl zu mit dem Wunsche zur Erringung weiterer Erfolge auf der Lebensbahn. Die besonders während der letzten
Nur ein kleiner Teil des Festungsgürtels ist jetzt noch geschlossen.
Wahlkrawalle und ihr gerichtliches Nachspiel. Von der Straftammer in Saarbrücken wurde am Freitag das Urteil gegen dreizehn Angeklagte gesprochen, die am Reichstagsstichwahltage in Völklingen Landftiedensbruch verübten, indem sie die Teilnehmer eines von den Nationalliberalen veranstalteten Fackelzuges und die einschreitende Schutzmannschaft mit Steinen und Biergläsern bewarfen. Das Urteil lautete nach dem ,Zok.-Anz." gegen zwei Angeklagte auf ein Jahr, gegen drei weitere Angeklagte auf fünf, sieben und acht Monate Gefängnis. Vier Angeklagte kamen mit geringeren Strafen davon. Vier andere wurden fteigesprochen.
Eine sonderbare Spionageasfare. Der vor einigen Wochen an Bord des englischen Torpedobootszerstörers „Foxhound" in Christiania verhaftete Matrose, welcher der Spionage zugunsten Deutschlands verdächtigt war, ist aus der Haft entlassen worden. Er wurde aus der Flotte entfernt.
Das neue chinesische Kabinett. Das neue Kabinett setzt sich, nach einem Telegramm der „Deutschen Kabelgramm- Gesellschast" aus Peking, folgendermaßen zusammen: Auswärtiges: der bisherige Gesandte in Petersburg Luchengh- siang; Finanzen: Hsunghsilin; Marine: Liukuanhsiung; Unterricht: Tsiyuaupei; Justiz: Wangchunghui; Landwirtschaft: Sungchiajen; Handel: Chenchinemeh; Krieg Tuan- chijui; Inneres: Cheopingchuan. Premierminister Taag- schaoyi übernimmt auch die Funktionen des Verkehrsministers. Huanghsing wird Generalstabschef. Präsident Sun- yatsen in Nanking legte sein Amt nieder.
b Die hessischen Nationalliberalen.
Frankfurt a. M„ 31. März. Die nationalliberale Landes- ausschutzsttzung besprach in mehrstündiger Aussprache die politische Lage im Reich und in Hessen. Unter Ablehnung anderer Resolutionen wurde die folgende mit überwiegender Mehrheit angenommen: „Der Landesausschuß spricht feinem Vorsitzenden Dr. Osann sein volles Vertrauen aus und verlangt, daß im Reiche und im Lande eine von rechts und links unabhängige Politik auf der mittlern Linie verfolgt wird. Der Landesausschuß mißbilligt es, wenn bei einem Konflikt zwischen der Nationalliberalen Partei und einem wirtschaftlichen Verband Mitglieder unserer Partei für die wirtschaftliche Organisation gegen die Nattonalliberale Partei eintreten im Interesse der Parteidisziplin. Ebenso muß mißbilligt werden, wenn Mitglieder der Partei über den Kopf der Parteiinstanzen hinweg politische Entschlie- ßungen treffen." Ein weiter eingebrachter Anttag, daß der Landesausschuß den Inhalt der von mehreren Mitgliedern der Nationalliberalen Partei am 11. Februar in Frankfurt gefaßten Resolutton mißbilligen solle, konnte nicht zur Ab-
Vorstellungen in die Erscheinung getretenen Sympathiebeweise haben wiederum gezeigt, daß zwischen Theaterbesuchern und darstellenden Kräften sich im Laufe der Spielzett ein inniges Verhältnis ausbildet, das die Scheidestuude für beide Teile besonders schwer macht.
Frankfurter Theater.
Opernhaus. Montag, 4. April, abends 7 Uhr: „Königs- ■ linder". Auß. Ab. Gew. Pr. — Dienstag, 2. April: Geschlossen. — Mittwoch, 3. April: Geschl. —Donnerstag, 4. April: Geschloffen. — Freitag, 5. April: Geschlossen. — Samstag, 6. April, abends 7 Uhr: „Alt-Wien". Im Ab. -Gr. Pr. — Sonntag, 7. April, nachmittags halb 4 Uhr: „Ein Walzertraum". Auß. Ab. Erm. Preise. Abends 7 Uhr: „Carmen". Im Ab. Gr. Preise.
Schauspielhaus. Montags 1. Apriil, abends 7 Uhr: „FrainoiS B.llon". Im Ab. Gew. Preise. — Dienstag, 2. Avril, Abends 7 Uhr: „Schöne Frauen". Im Ab. Gew.Pr. — Mittwoch, 3. April, abends 7 Uhr: „Schöne Frauen". Im Ab. Gew. Pr. — Donnerstag, 4. April, abends 7 Uhr: „Faust". Auß. Ab. Erm. Pr. —Freitag, 5. April: Geschlossen. —Samstag, 6. April, abends 7 Uhr: „Schöne Frauen" Jin Ab. Gew. Pr. — Sonntag, 7. April, nachm. halb 4 Uhr: „Büxl". Auß. Ab. Erm. Pr. — Abends 7 Uhr: „Glaube und Heimat". Im Ab. Gew. Preise.
Neues Theater. , Montag, 1. April, abends 8 Uhr: „Jul- chens Flitterwochen". Auß. Ab. Erm. Pr. — Dienstag, 2. April, abends 8 Uhr: Mandragola". Ab. ö. Gew. Pr. — Mittwoch, 3. April, abends 8 Uhr: „Hundstage". Ab. B. Gew. Pr. — Donnerstag, 4. April, abends 8 Uhr: „Die Wespe". Ab. B. Gew. Pr. — Freitag, 5. April: Geschlossen. — Samstag, 6. April, abends 8 Uhr: „Das kleine Casö. Ab. B. Gew. Pr. — Sonntag, 7. April, nachm. halb 4 Uhr: „Die 5 Frankfurter". Erm. Pr. Abends 8 Uür: „Das kleine Cafe". Auö. Ab. Gew. Dr.