Erstes Blatt.
Einrückungsgebühr:
Die ögespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. im Reklameteil die Zeile 50 Pfg.
Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger
Amtliches Organ für AM- und FandKreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Bezugspreis:
Vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg., für Postbezug vierteljährlich 2.10 Mk., monatlich 70 Pfg.
Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: 6. Schrecker in Hanau.
Nr. 77
ftmifored)(infd)lnft Nr. 230
Samstag den 30. März
Fernsprechanschlittz Nr. 230
1912
Ar iMeNimrr »seit * r.üittchakiWiW
Amtliches.
Stadtkreis Ranau. Bekanntmachnnq.
Zum Reinigen der Schulräume der kaufmännischen Fort- bildungsschule'wird sofort eine tüchtige saubere Frau gesucht.
Anmeldungen sind sofort auf Zimmer 14 des Rathauses an- zubringen.
Als Vergütung wird freie Wohnung und Heizung im Werte von 800 Mark gewährt; die Reinigungsvergütung beträgt 350. Mark jährlich.
Hanau den 29. März 1912. 8331
Der Magistrat.
Hild.
Bekanntmachung.
Arbeitsuchende : 2 Dienstmädchen mit guten Zeugnissen, 1 Küfer, 1 Lackierer, 1 Metzger, 10 Tagelöhner, 4 Haus- burschen, einige Fabrikarbeiter und 1 Weißjuwelenmonteur, 1 Gärtner.
Offene Stellen. Gesucht werden: 1 Bäcker, 1 Haus- bursche für Wirtschaft, mehrere Metallgießer u. Former, 1 Kutscher, 1 Schlosser, 1 Schreiner, 2 Schneider, 1 Tapezierer und 1 Weißbinder.
Lehrstelle gesucht für 1 Mädchen als Putzmacherin- oder Verkäuferin-Lehrmädchen.
Lehrling gesucht für ein kaufm. Bureau.
Hanau den 30. März 1912. 8353
Städtische Arbeitsvermittelungsstelle.
Oeffentliche Sitzung der Stadt» verordneten-Verfammlung
am Dienstag den 2. April 1912, nachmittags 5 Uhr.
Tagesordnung:
1. Einführung des Stadtbaurats Ehrich.
2. Wahl eines Magistratsmitgliedes.
3. Entwässerungsstatut.
4. Anlegung eines botanischen Schulgartens auf dem Grundstück der alten Zeichenakademie.
5. Festsetzung des Strompreises für die Uhranlage des Gerichtsgebäudes.
6. Feststellung der Vier- und Branntweinsteuer.
7. Angebot der Firma Kämpfer & Wissenbach für den Bauplatz G Parzelle 384/191 (Verbindungsstraße Nordstraße— Sandeldamm).
Hanau den 29. März 1912. 8359
Der Stadtverordnetenvorsteher.
J. V.: Schroeter.
Nutzholz-Verkauf.
Aus den Schutzbezirken Oberrodenbach, Niederrodenbach und Neuwirtshaus soll das nachstehende Nutzholz im Wege schriftlichen Angebots verkauft werden. 'n : 34 Stämme  1.—3. Kl. = 48,38 km mit bis zu 81 cm Durchmesser, 63 Stämme B 1.-3. Kl. = 89,47 km in 18 Losen.
Hainbuchen: 44 Stämme B 5. Kl. = 7,28 km, 29 rm Nutzscheit in Rollen in 3 Losen.
Kiefern: 595 Sägeblöcke L—3. Kl. = 1127,72 km, 671 Stück Bauholz L—3. Kl. ----- 845,72 km in 69 Losen.
Die Hölzer sind von vorzüglicher Beschaffenheit, i namentlich sind die Kiefernstämme in den Jagen 50 und 61b von seltener Schönheit.
Die Angebote sind schriftlich für 1 Festmeter bezw. 1 Raummeter in Zahlen und in Buchstaben ausgedrückt mit der Erklärung, daß Bieter den im hiesigen Bezirk für öffentliche Holzverkäufe maßgebenden Bedingungen sich unterwirft für jedes Los in gut verschloßenem mit der Aufschrift: „Angebote für Nutzholz in der Ober- försterei Wolfgang" versehenen Umschlag bis spätestens Zum 15. April cr., vormittags 9 Uhr, einzureichen. Die Eröffnung der Gebote erfolgt in Gegenwart etwa erschienener Bieter am Montag den 15. April d. I., vormittags 10 Uhr, im Casthause „Zu den 3 Rindern" in Hanau a. M.
Aufmaßlisten mit Loseinteilung können bei rechtzeitiger Bestelluna aeaen Erstattung der festgesetzten Schreibgebühren
von dem Forstaufseher Nöri n g in Niederrodenbach (Post) bezogen werden.
Für die Lose, auf welche der Zuschlag etwa nicht erteilt werden kann, findet im Anschluß an den Submissionstermin öffentlich Meistbietende Versteigerung statt.
Forstmeister Fenner zu Wolfgang, Post Niederrodenbach bei Hanau a. M. und die betreffenden Förster erteilen auf Ansuchen nähere Auskunft.
König!. Oberförsterei Wolfgang. 8369
Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 20-Markschein.
Verloren: 1 goldenes Kettenarmband.
Zugelaufen: 1 schwarze Dachshündin, 1 junger Wolfshund.
Hanau den 30. März 1912. *
Politische Rundschau.
Ein Schreiben Wermuths. Der aus der Leitung dse Reichsschatzamts geschiedene Staatssekretär Wermuth hat an die nationalliberale Reichstagsfraktion folgendes Schreiben gesandt: Der nationalliberalen Fraktion des Reichstags verfehle ich nichts meinen wärmsten Dank für ihren sehr gütigen Scheidegruß darzubringen. Ich werde auf die Zeit, in welcher ich mich als Organ des Bundesrats mit dem Reichstag über die Grundsätze gesunder Finanzpolitik einigen durfte, fröhlich zurückblicken und im besonderen Ihre Anteilnahme an dieser Finanzpolitik in lebhaftester Erinnerung bewahren. In aufrichtiger Vo^^^ung Wermuth, bisheriger Schatzsekretär.
Die Auseinandersetzung in der nationalliberalen Partei. Der zum nationalliberalen Vertretertag gestellte Antrag, daß die Mitglieder der nationalliberalen Reichstagsfraktion künftig Mitglieder des Zentralvorstandes sein sollen, ist in einer Fraktionssitzung beschloßen worden, über welche die „Nationalliberale Korrespondenz" folgendes mitteilt: Allseitig wurde der Meinung Ausdruck gegeben, daß die Vertretung der Reichstagsfraktion im Zentralvorstande erweitert werden müße. Zurzeit gehört ihm nur der Vorstand der Reichstagsfraktion an/Das erschien ungenügend. Den Männern, die ihre Person im Wahlkampfe für die Grundsätze der Partei eingesetzt haben, und Plch erkämpftem Wahlsiege in erster Linie für die nationalliberale Politik im Reiche verantwortlich sind, gebührt eine volle Vertretung in dem, nächst dem Vertretertage wichtigsten Organe der Eesamtpartei. Aus diesen Gründen ist ein von fast allen Mitgliedern der Fraktion unterzeichneter Antrag beim Zentralvorstande eingereicht worden, welcher satzungsgemäß auf die Tagesordnung des kommenden Vertretertages zu bringen ist. Ob sonst eine Umgestaltung der Organisation der Partei nötig ist,, hat die Fraktion einem aus ihrer Mitte gewählten Sonderausschüsse zur Vorberatung überwiesen. Etwaige Anträge auf Abänderung der Satzungen würdèn so rechtzeitig eingereicht werden, daß sie noch von dem Vertretertage, besten schleunige Einberufung bekanntlich beschloßen worden ist, erledigt werden können. — Wie die Korrespondenz weiter mitteilt, wird die preußische Landtagsfrakjzon im Anschluß hieran auch für sich einen ähnlichen Antrag stellen.
In der bayerischen Abgeordnetenkammer kam es gestern abermals zu scharfen Auseinandersetzungen zwischen den Liberalen und dem Zentrum.
Die Neuverteilung der englischen Flotte. Die von Churchill angekündigte Neuverteilung der atlantischen und der Heimatsflotte wird im Juni vorgenommen werden.
Der Mörder des Fürsten von Samos. Nach brieflichen Berichten aus Samos soll der Mörder des Fürsten Kopassis, der nach dem Attentat von dem Adjutanten Kopassis verfolgt und durch Revolverschüße verletzt wurde, seinen Verletzungen jetzt erlegen sein. Der Mörder soll zugegeben haben, durch eine größere Geldsumme zu dem Attentat angestachelt worden zu sein.
Meuternde Soldaten in China. Das Reutersche Bureau meldet aus Schanghai: In Sutschau ist unter den Soldaten eine Meuterei ausgebrochen, die die Fremden stark gefährdet. Die Unruhen sind wahrscheinlich dadurch entstanden, daß chinesische Soldaten an dem Besuch eines Theaters, in das sie einzudringen versuchten, ohne Eintrittsgeld zu bezahlen, verhindert wurden. Die Soldaten plünderten und verbrannten verschiedene' Häuser des Bezirks, in welchem eine Anzahl Fremde wohnen. Die britische und amerikanische Tabak- Und Standard-Oil-Company haben Maßnahmen getroffen, um alle Fremden im Notfälle durch Extrazug in Sicherheit zu bringen.
Die chinesische Entschädigungssumme für den Mord an dem Deutschen Dr. Schreiner. Als Entschädigungssumme für die Familien der beiden während der letzten Meutereien getöteten Ausländer, von denen der eine ein deutscher Arzt ist, bietet die chinesische Regierung je 250 000 Frcs. Anläßlich der Unruhen verlangt die österreichische Regierung eine Erweiterung ihrer Konzession nach der Seite des Bahnhofs hin. Ebenso fordert
Japan das Gelände, welches zwischen den drei ftemden Kon» Zessionen liegt. Die Forderungen werden gegenwärtig vom Vize- könig von Petschili geprüft.
Ernste Unruhen in Nanking. Aus Peking meldet das Bureaus In Nanking sind ernstliche Unruhen ausgebrochen. Soldaten haben ausgedehnte Plünderungen vorgenommen.
Hus Ran au Stadt und Cand.
.Hana«, 30. März.
* Leihbank. Um im allgemeinen volkswirtschaftlichen Interesse die Einrichtungen zu fördern, die auf eine" Ausbreitung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs hinwirken, hat der Landesausschuß in seiner Sitzung vom 26. Februar d. I, beschlossen, mit dem 1. April d. I. bei der hiesigen Leihbanl den Scheck- und Uebe^weisungsverkehr einzuführen. Indem wir dieserhalb auf die Bekanntmachung der Direktion bei Leihbank im Anzeigenteil des vorliegenden Blattes verweisen, bemerken wir zur näheren Information unserer Leser, daß nach den uns gewordenen Mitteilungen der Scheck- und Ueberweisungsverkehr im Anschluß an den bereits seit mehreren Jahren eingeführten Kontokorrent-Verkehr stattfindet. Die Zulassung zu demselben ist also jedem ermöglicht, der bei bet Leihbank ein Konto in laufender Rechnung besitzt oder sich eröffnen läßt. Es ist zu hoffen, daß immer weitere Kreis» von dieser Einrichtung Gebrauch machen, die, wenn erst allgemein eingebürgert, eine wesentliche Vereinfachung der Zahlungsabwickelung bedeutet. Für den Verkehr bei der Leihbank dürften vorzugsweise solche Kreise der Bevölkerung (auch der ländlichen) in Frage kommen, die auf eint münd el- sichere Anlage ihrer verfügbaren Geldmittel Bedacht zu nehmen haben, also Vormünder, Verwalter von Stiftungs-, Kirchen- und Gemeindeqeldern, Nachlaßverwalter, Beamte, Lehrer u. s. f. Jede nähere Auskunft wird in dem @t» schättslokal der Leihbank erteilt.
* Der Verein der Hanauer Haus- und Grundbesitzer hat heute nachstehende Eingabe dem Magistrat unterbreitet.
Hanau den 27. März 1912.
An den Magistrat der Stadt Hanau.
Wir gestatten uns nachstehende Anträge, die aus den Kreisen unserer Mitglieder gestellt, und auf der am 27. Februar d. Js. von über 300 Hausbesitzern besuchten General- Versammlung einstimmig angenommen wurden, ergebens! zu überreichen mit der Bitte um gefl. Prüfung und Berücksichtigung. 1. Der Magistrat wolle beschließen, das bisher mit 60 Str. pro Kopf bemessene Freiwasser auf 90 Ltr. pro Kopf zu erhöhen. 2. Den der Berechnung des Freiwassers zu Grunde gelegten Preis von 30 Pfg. pro Kbmtr. auf 20 Pfennig zu ermäßigen. Begründung zu 1. Sobald daS neue Wasserwerk bei Wilhelmsbad in Betrieb genommen ist, wird ein Wassermangel für unsere Stadt, auch in der heißen Jahreszeit nicht mehr eintreten. Hiermit fällt der einzige Grund fort, der es seither gerechtfertigt erscheinen ließ, das Freiwaffer nur mit 60 Ltr. pro Kopf zu bemessen. Es hat sich jedoch herausgestellt, daß diese 60 Ltr. in keinem Falle ausreichen und selbst bei außerordentlicher Sparsamkeit im Wasserverbrauch, die z. Zt. bis zur Hintansetzung der einfachsten Begriffe von Reinlichkeit führt, es nicht möglich ist, mit dem zugemcssencn Wasserquantum auszukommen. Geht doch die Sparsamkc't häufig so weit, daß die Klosetts nicht nach jeder Benutzung gespült werden, lediglich aus dem Grunde, um Ueberwasserkosten zu vermeiden. Eine derartig ängstliche Wasserbenutzung steht jedoch mit den hygienischen Forderungen der Neuzeit und mit der Bedeutung der Wasserversorgung für die Gesundheit der Einwohner in direktem Widerspruch In Frankfurt a. M. werden 160 Ltr., in Berlin 90 Ltr., in Bockenheim (mit Wassermesser) 90 Ltr. pro Kopf verbraucht. In vielen anderen Städten liegt der Verbrauch ähnlich. Wir sind weit davon entfernt, der Wasservergeudung das Wort zu reden, wir halten solche für frivol. Aber ausreichend soll das zugemeffene Quantum sein, sodaß die Einwohner nicht gezwungen sind, auf Kosten der Reinlichkeit und Gesundheit am Wasser zu sparen. Wir bitten deshalb demgemäß zu beschließen und halten 90 Ltr. pro Kopf für das Mindestmaß, welches zugemessen werden sollte. Begründung zu 2. Das nach Wassermesser zu zahlend« Wasser für Geschäfts- und sonstige Gebrauchs- und Luxus- zwecke (Springbrunnen re.) wird mit 20 Pfg. pro Kbmtr. in Rechnung gestellt. Zum gleichen Preis wird nach einem neuerlichen B^chluß des Magistrats das Ueberwasser be» rechnet. Es erscheint daher nicht gerechtfertigt, Wasser, welches die Einwohner dringend zu ihrer Lebenshaltung und zur Befriedigung ihrer Gesundheits- und Neinlichkeitsoedurfmffe gebrauchen, teuerer (80 Pfg. pro Kbmtr.) zu berechnen. Dieses Wasser sollte, weil unentbehrlich für die Lebenshaltung, billiger wie Wasser für andere Zwecke, zum mindesten aber rum aleichen Preise abgegeben werden.