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ErnrüSuntzsgebühri

Vie Lgefpaltene Petitzeile oder deren Raum 20 P im Netlameteil die Zeile 50 Pfg.

Rotationsdruck und Verlag der Vuchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertkge, mit belletristischer Beilage.

Bezugspreis;

Vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg., für Post« bezug vierteljährlich 2J.0 Mt., monatlich 70 Pfg, Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Sonata

Sir» 73 Aernsprechanschlittz Nr. 230»

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Amtliches.

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

In Breitenborn, A. W., ist die Schweineseuche fest­gestellt worden, in Lieblos, Wittgenborn und Lanzingen ist dieselbe erloschen.

Hanau den 25. März 1912. V 1979

In Neu-Isenburg, Kreis Offenbach, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Die Gemarkung Neu- Isenburg ist Sperrbezirk. Das Beobachtungsgebiet be­steht aus den Gemeinden Sprendlingen, Forst Dreieich, Revier Sprendlingen und Eehespitz.

Hanau den 25. März 1912. V 1965

Zwangsvollstreckung.

Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in Hanau belegene, im Grundbuche von Hanau Band 75 Blatt 3852 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsver­merkes auf den Namen der Ehefrau des Kaufmanns Vottfried Roofen, Antoinette geb. Fischer, in Frank­furt a. M. eingetragene Grundstück:

Krtbl. 22 Parz. 507/20 Acker auf der Fallbach an der Vruchköbelerlandstraße 19,09 ar,

Reinertrag 1 Tlr. 94/100

Erundsteuermutterrolle 3024 am 17. Mai 1912, vormittags 10 Uhr, vurch das unterzeichnete Gericht in Hanau, Nußallee Nr. 17, Zimmer Nr. 13, versteigert werden.

Hanau den 9. März 1912. 7843

Königliches Amtsgericht, Abt. 2.

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 schwarze Schürze, 1 Jagdmesser (im Bruchköbelerwald).

Verloren: 1 goldenes Kollier mit Anhänger mit weißem und rotem Stein, 1 silberner Anhänger mit Monogramm (F. P.), 1 braunes Portemonnaie mit 65 Pfg., 1 goldene Damenuhr mit Kette am 21. d. Mts.

Politische Rundschau.

Deutschland und England. Gestern nachmittag fand in der Londoner Queenshall eine Versammlung der britischen Abtei­lung der Vereinigung deutscher und britischer Kirchenmänner zur Förderung der Beziehungen zwischen Deutschland und England

Aus der deutschen Diamantschleifern.

Bald hätten die Tränen über unsere in Deutsch-Südwest- afrika gefallenen Helden sich in belle Edelsteine verwandelt und als wollte dieses Schutzgebiet für heißen Kampf und schweren Sieg dem Mutterlande eine Gegengabe bieten, hat ts im Jahre 1909 unerwartet Diamanten hervorgezaubert. Deutsche Diamanten" las man alsbald in den Schaufenstern erster Juweliere, und in besonderem Maße lenkte sich die Aufmerksamkeit der zuständigen Behörden wie der öffentlichen Meinung auch auf die deutsche Diamantschleifereiindustrie. Ihren Hauptsitz hat sie in Hanau a. M. und Umgegend mit etwa 30 Betrieben, welche nahezu 500 Arbeitskräfte beschäf­tigen ; sodann finden sich noch Schleifereien z. B. in Pforz­heim, Oberstein-Jdar, Odenwald und Pfalz. Wir möchten hier einen kurzen Ueberblick über die Technik der Diamant- schleiferei geben.

Die rohen Steine, welche an den Fundstellen gewaschen worden sind, werden von den Gesellschaften, welche sie zwecks Verwertung aufnehmen, vor allem sortiert, so z. B. vom Londoner und Antwerpener Syndikat, von der deutschen Diamanten-Regie re. Beim Sortieren wird die Ware ge­schieden in zahlreiche Klassen, welche nach Größe, Farbe, Reinheit, Form und was das wichtigste Wert stark von einander abweichen; bei sehr genauem Verfahren kann man 40 und mehr Sorten aussondern. Wir nennen hier die folgenden wichtigeren (nur nach Farbe, Reinheit und Form) * blauweiß, feinweiß, weiß I und II, gelb I und II, braun I, II und III, Irreguläre ( ungenau, nicht in Oktaëderform kristallisiert) in weiß und gelb, piqués ( mit schwarzen Punkten oder Flecken im Innern) in weißer und geringerer Farbe, Spotteds (= irregulär und flach), Naats (= von schwarzen Streifen oder Nähten durchzogen), Sheaps und Fiats ( flache Steine) in 56 verschiedenen Farben, und endlich Boort 1= nicht schleifbarer Ausschuß. der nur

Dienstag den 26. März

statt. Der Erzbischof von Canterbury hieß in seiner Eigenschaft als Präsident D. Spiecker und Professor Deißmann, die als Ab­gesandte der deutschen Abteilung erschienen waren, willkommen. Er erklärte, es sei eine bindende Pflicht für die Völker beider Länder, einen breiten und festen Grund zu legen, auf dem das richtige Gefühl zwischen den beiden Nationen unbewegbar fest­stehen könne. D. Spiecker und Professor Deißmann traten in be­redten Worten für freundschaftliche Beziehungen ein. Profesior Deißmann erklärte, daß eine Verstärkung der Verteidigunskräfte Deutschlands nichts als ein Mittel sei, um die großen deutschen Handelsunternehmungen zu schützen.

Die Monarchenzusammenkunft in Benedig.

Venedig, 25. März. Der König kam um 10^ Uhr an Bord derHohenzollern". Der Kaiser in Marineuniform empfing ihn am Fellreep. Die Monarchen küßten sich wiederholt und begrüß­ten sich mit herzlichem Händeschütteln. Der KreuzerKolberg" gab einen Salut. Der König begrüßte die beiden Prinzessinnen und den Prinzen August Wilhelm, das Gefolge, den Botschafter v. Iagow, die Herren der Botschaft, den Kommandanten Kapi­tän z. S. Heinrich von Kolberg, Kapitänleutnant Mann vom Begleittorpedo, sowie das Offizierkorps derHohenzollern". Der König schritt mit dem Kaiser die Ehrenwache ab. Die Kapelle derHohenzollern" empfing den König mit Fanfaren und spielte den italienischen Königsmarsch. Der Kaiser und der König unterhielten sich längere Zeit allein und verweilten im Gespräch an Deck der Hohenzollern" gegen 1% Stunde; zeitweilig wurde der Botschafter v. Iagow hinzugezogen. Gegen 12 Uhr verließ der König dieHohenzollern" unter Salut. Gleich darauf be­gaben sich der Kaiser, Prinz und Prinzessin August Wilhelm und Prinzessin Viktoria Luise nach dem königlichen Palast, wo zur Frühstückstafel auch die Spitzen der Behörden geladen waren. Zu der Ankunft des Königs ist noch zu melden: Der König, zu dessen Empfang der deutsche Botschafter v. Iagow auf dem Bahnhof erschienen war, begab sich in einer Staatsgondel, von der Bevölkerung begeistert begrüßt, nach dem Palast. Später zeigte sich der Monarch wiederholt am Fenster des Palastes, wäh­rend ihm eine große Menschenmenge auf dem Markusplatze zu- jubelte. Die Kapelle spielte unter lebhaftem Beifall des Publi­kums die italienische unb die deutsche Nationalhymne.

Mailand, 25. März. DasAvvenire d'Italia" meldet aus Verona, daß die italienische Regierung aus Anlaß der Monar­chenzusammenkunft in Venedig an die Polizeibehörden Udines, Pontebbas und anderer Grenzorte den Auftrag gegeben habe, verschiedene als Anarchisten bekannte Personen strengstens zu bewachen und ihren Eintritt auf italienisches Gebiet zu hindern.

zu Diamantenstaub vermahlen wird, um als Schleifmittel für die Diamanten zu dienen).

Zur gewinnbringenden Verwertung der rohen Steine ist es nun für den Schleifer von höchster Bedeutung, daß aus jedem einzelnen nach Möglichkeit das, was er bietet, heraus­gearbeitet wird. Am einfachsten {ft dies natürlich bei solchen, die vollkommen oktaedrisch gewachsen find; der Oktaeder, geformt wie 2 mit der Grundfläche aneinandergefügte regel­mäßige Pyramiden, ist von Natur die Grundform des Dia­mant genannten edlen Kristalls. Sie werden sogleich, und zwar heute auch schon maschinell, früher mit der Hand, ge­rieben ; dies geht in der Weise vor sich, daß der zu reibende Stein in die Spindel einer Drehbank eingesetzt und, während er rotiert, ein anderer Diamant gegen ihn gedrückt wird, bis er im Querschnitt (an der sog. Rondiste) kreisrund rondiert" ist. So muß er vorbereitet werden, weil es sonst nicht möglich wäre, die Schleifflächen (Facetten) in regelmäßiger Anordnung aufzuschleifen; und dies wieder muß mit größter Genauigkeit geschehen, damit die berechnete Brechung der Lichtstrahlen herauskommt und dem Stein sein Feuer gibt. Normalerweise erhält der Diamant auf seiner oberen Hälfte außer der Tafel ( flach geschliffene Spitze) 32 Facetten und auf der unteren, welche spitz bleibt, 24. Bei kleineren Steinen wird ihre Zahl, je nach der zu er­zielenden besten Wirkung und je nach Größe, vermindert z. B. auf 24 und 16, 16 und 16, 16 und 8, 8 und 8 Facetten haben sich beim Schleifen der großen Facetten durch deren Kanten etwa Spitzen am Umkreis der Rondiste er­geben, so wird der Stein, bevor die letzten kleinen Facetten (Sternchen) aufgefchliffen werden, in einer besonderen Ma­schine nochmals rondiert oder fassonniert. Nach dem An­bringen der Sternchen durch Abschleifen der belr. Ecken ist dann der Diamant fertig geschliffen und heißt nunmehr Brillant.

Zu sog. Rosen verarbeitet werden Steine, die unten ganz * flach sind und bleiben, oben Linaeaen eine Svike erbalten.

Fernfprechanschluß Nr. 230» 1912

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Die neue Krisis der Nationalliberalen.

Die große Auseinandersetzung innerhalb der nationallibe­ralen Partei hat nun stattgefunden. Sie ist zu einemGroß- Reinemachen" geworden. Denn man hat doch erkannt, daß es mit der Politik der Vertuschung, des Zusammenleimens, auf die Dauer nicht geht, daß nur die innere Geschlossenheit, niKt die rage des nombres die Zukunft einer Partei verbürgt. Man hat sich er­innert, daß auch ftüher schon, als die Lasker und Bamberger die Partei weit nach links hindrängen wollten, als die Dölk und Treitschke, in denen die besten Traditionen der nationalen Be­wegung sich verkörperten, nach der rechten Seite hin auswichen und so zu Vorläufern der Heyl von Hernsheim und Oriola wur­den, Bennigsen und Miquel entschlossen zugreisen und jenen alten Freunden den Abschiedsgruß zuwinken mußten. Es mochte ihnen bitter schwer geworden sein, sich von Männern wie Forckenbeck und Stauffenberg, Rickert und anderen Kampfgefährten zu tren­nen, aber sie brannten die Wunde aus und sicherten so die Heilung.

Jetzt hat der Zentralvorstand der nationalliberalen Partei getagt. Wenn aber sonst Herr Vasiermann leichte Siege erfocht, so wird er jetzt nur mit einem Blick voll Wehmut und Trauer auf das Schlachtfeld schauen. Denn zum ersten Mal haben dreißig Mitglieder des Zentialvorstandes, der sich aus den Koryphäen der Partei zusammensetzt, durch weiße Zettel bei der Stimm­abgabe für den Vorsitzenden gegen die Politik des Führers Pro­test erhoben und von dem Basiermann von heute an. den Vasier- mann von einst appeliert. Es war nicht dieWormser Ecke" allein, aus der ein rauher Wind üb er das Stoppelfeld fegte, son­dern es waren die eigentlichen Triarier der Partei, die sich gegen die Preisgabe des alten Gedankens wehrten, die Sozialdemokratie als Äodfeind der Gesellschaft zu bekämpfen und jeden Pakt mit ihr von der Schwelle zu weisen. Sie durften sich nicht nur auf den Parteitag von Freiburg berufen, wo Herr Vasiermann selbst jeden Gedanken an ein Kompromiß mit den Genossen so lange zurück­wies, als sie gegen Heer und Flotte stimmten: Sie konnten zehn, zwanzig und dreißig Programmreden ihres Führers verlesen, die kaum mit der Politik der Scheidemannschen Präsidentenschaft und der Stimmabgabe für Bebel zusammenklingen wollen. Sie blieben die Alten, die Hüter des Grals, die Träger und Apostel des Heidelberger Programms. Und sie konnten auch daran erinnern, wie schroff einst Herr Vasiermann sich gegen die Jungliberalen stellte, die unter dem Schlagwort der Modernisierung des Pro­gramms wertvolle Güter leichtherzig preisgaben und mit fliegen­den Fahnen den Marsch nach links, in ziellose Weiten antraten. Der Vasiermann von einst hat hat den Vasiermann von hssute geschlagen. Und wenn er selbst auch von neuem die Führerschaft erhielt, so war er doch in der wichtigsten Frage der Tagung mit der immerhin beträchtlichen Mehrheit von 63 gegen 433 Stimmen geschlagen worden:Nur solche Vereine sollen der Partei ange-

zu welcher die Hauptfacetten zusammenlaufen; die Zahl be> trägt, je nach Größe, höchstens 24 und geht herab bis auf 6 Facetten.

Das Aufschleifen der Facetten geschieht folgendermaßen: Der Diamant wird in eine leicht schmelzende und schnell erstarrende Blei-Zinn-Legierung eingekittet, so daß die abzu­schleifende Ecke vorsteht, und so in einen sog. Doppen oder Kopf eingesetzt, welcher in der Schleifzange steckt. Von dieser, die nach Bedarf noch beschwert werden kann, gehalten, wird der Doppen mit dem Diamanten auf eine mit 2000 bis 2400 Umdrehungen rotierende Stahlscheibe gelegt, welche mit Oel und Diamantstaub bestrichen wird. Ist eine Facette abgeschliffen, so wird dem Diamanten in der Kittmasse die erforderliche andere Lage gegeben u. s. f. Ein geübter Ar­beiter kann 68 Doppen zugleich auf der Schleifscheibe haben, bei kleineren Steinen jedoch, welche naturgemäß häu­figer umgekitten werden müssen, nur 34.

Soweit die rohen Steine die Oktaëderform nicht rein aufweisen, also unregelmäßig gewachsen sind oder Anwüchse haben, sodann wenn die Steine Flecke haben, die bei ent­sprechender Teilung fortfallen, so daß ein zwar kleinerer, aber reiner Brillant erzielt werden kann, muß dem Reiben und Schleifen noch eine besondere Behandlung vorausgehen, nämlich ein Teilen des Steins oder ein Entfernen störender Ecken rc. Das geschieht entweder durch Spalten oder durch Sägen, je nachdem ob in der Richtung der Wuchsfläche oder gegen sie. Zum Spalten wird der Diamant eingekitlet und mit der scharfen Kante eines anderen eingekerbt in der er­forderlichen Richtung; auf die Kerbe wird die Schneide eines stumpfen Messers aufgesetzt, und diese sprengt mittelst kurzen leichten Schlags den Stein genau in gewünschter Weise. Da Sägen hingegen geschieht maschinell: von âr Heveloorn tung, deren Druck an einem verstellbaren Gewicht nach e- darf reguliert werden kann, wird der eingcklttete Drama gegen eine mit 1800 bis 2000 Umdrehungen rotierende dünne Bronzescheibe gehalten, welche an ibrer Schärfe durch autae-