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Erstes Blatt.

vezug-preks?

MerteljâhrNch 1.80 Mk., monatlich 60 Psg., für aus» wärttge Abonnenten mit dem betreff. Postauffchlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, eo. Waisenhauses in Hamm.

General-Auzeiker

ANilches Organ für Stadt- und FaadKreis Hanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Einrücknngsgebühr;

Die »gespaltene Petttzeile oder deren Raum 20 Pf» im Reklamenteil die Seile 45 Pfg,

Verantwort!. Redakteur: E, Schreckerin Han«»

^r* 62 ^ern?precha«schl«tz Nr. 230.

Mittwoch den 13. Mürz

Fernsprechanschlutz Nr. 330. 1912

Ae KiltiitSiAiia msM * t.MahäsMv 14 Seiten.

Amtliches.

Bekanntmachung.

Die Versendung mehrerer Pakete mit einer Post- paketadresse ist für die Zeit vom 1. bis einschl. 6. April weder im inneren deutschen Verkehr noch im Verkehr mit dem Ausland ausgenommen Argentinien ge­stattet. Nach Argentinien können auch in dieser Zeit mehrere, jedoch höchstens 3 Pakete mit einer Postpaket- adresse versandt werden.

Berlin W 66 den 4. März 1912.

Der Staatssekretär des Reichs-Postamts.

3. A.: Kobelt.

Gefundene nnd verlorene Genenstände re.

(Befunben: 2 Meter blauwollenes Band, 1 schwar­zer wollener Damenhandschuh (rechter), 1 gelber Anhänger (Herz).

Verloren: 1 graues Lederetui mit goldnem Finger­hut und 1 Stickscheerchen (der Griff hat die Gestalt eines Storches), 1 silbernes Halskettchen mit drei gelben An­hängern, 1 Herrenportemonnaie (Inhalt 1-Markstück, 3 öO-Pfennigstücke, 3 kleine Schlüssel, 1 Uhrschlüssel und ein Pfandschein).

Hanau den 13. März 1912.

Politische Rundschau.

Im preußischen Herrenhause wurde gestern über eine konservative Interpellation betr. den Schutz der Arbeits­willigen verhandelt.

Das Zentrum hat im Reichstage eine Interpellation Über den Vergarbeiterstreik im Ruhrkohlenrevier einge­bracht. Die Interpellation wird noch in dieser Woche im Plenum verhandelt werden.

Das englische Flottenbudget. In dem neuen Flotten­bauprogramm sind an Schiffsneubauten vorgesehen: vier große Panzerschiffe, acht leichte gepanzerte K>euzer, zwanzig Torpedo­bootszerstörer und eine Anzahl von Unterseebooten und Hilfs- fahrzeugen. Der Mannschaftsbestand wird um 2000 Mann vermehrt werden. In der Erläuterung, die der erste Lord der Admiralität Churchill dem Flottenetat beigegeben ha«, heißt es, daß der Flottenelat unter der Voraussetzung zu­sammengestellt worden sei, daß die vorhandenen Flottenpro­gramme der anderen Mächte keine Erweiterung erfahren. Im

WvllMs.

Märchen von Karl Engelhard.

7.

Vor vielen Jahren ging ein Jüngling durch die Lande. Der war ein Geigenspieler. Er selber hatte sich seine Fiedel aus dem Holz einer Erle gebaut, und so herrlich spielte er, daß die Vögel auf den Bäumen zu singen aufhörten, ja, der Wind schlief ein, und wer von den Menschen ihm lauschte, der deckte jedesmal mit den Händen sein Herz, damit es nicht vor Lust oder Wehmut zersprang. . .

Er sprach aber fast gar nichts und lächelte nur leise, wenn die Leute, alt wie jung, ihm unter der Dorflinde oder auf dem Marktplatze der Stadt oder wo er sonst spielen mochte, Beifall riefen.

Es wußte auch niemand, wie er hieß und woher er ge­kommen. Und wenn man ihn darüber befragte, so gab er keine Antwort, sondern lächelte nur. Es war aber immer ein halbtrauriges Lächeln.

Sein Gesicht war bleich wie das milde Mondlicht auf einem Schneefeld, und sein Haar so blond wie zitterndes Sonnengold im Frühlj^ngswind. Seine blauen Augen schie­nen immer nur zu träumen und wie in ein fernes Land zu schauen, das nur er und sonst niemand sah. . .

Es ging aber, wo immer er sich zeigte, ein Mädchen mit ihm, dessen Haar war weiß und zart wie die Seide der Marienfäden, die im Herbst durch die Lüfte fliegen, und wurde von einem Geflecht aus zartem Gold zusammengehal­ten. Es trug ein blaßgrünes Kleid und ging jedesmal, wenn der Fiedler vor dem Volke fertig gespielt hatte, mit einem Tellerchen um und wer nur einigermaßen konnte, warf einen Heller oder auch mehr darauf.

Der Geiger nannte das Mädchen immer nur sein ^Woll­gras".

Falle solcher Erweiterungen würde es notwendig sein, sowohl für die zu bewilligenden Mittel wie für den Mannschafts­bestand einen Nachtragsetat einzubringen. Für Schiffsneu­bauten werden 13 971 527 Pfund Sterling gegen 15 063 877 im laufenden Rechnungsjahr, davon 12 067 727 für die Fort­setzung der Arbeiten an den bereits in Bau befindlichen Schiffen und 1 903 800 Pfund Sterling für die Inangriff­nahme der Neubauten des neuen Programms bestimmt. Der Prozentsatz der neuen Schiffe des neuen Programms, deren Bau im neuen Rechnungsjahr begonnen werden soll, ist größer als gewöhnlich. Danach wird es nötig sein, den Bau der gesamten neuen Torpedobootzerstörer auf einmal zu beginnen.

Die kretische Frage. Wie dieNeue Freie Presse" aus Kama meldet, beschloß in einer sehr bewegten Sitzung gestern die revolutionäre Versammlung die Entsendung von zwei Abgeordneten nach Griechenland und die Bildung eines Ausschusses zur Wahl einer provisorischen Regierung. Einige Mitglieder der revolutionären Versammlung ergriffen Besitz von den Schlüsseln der Ministerien. Im Auftrage des Präsi­denten der Versammlung überwachen Gendarmen die Ministerien. Die Konsuln traten sofort zu einer Beratung zusammen. Die Anhänger Veniselos' protestierten gegen die revolutionären Beschlüsse. Trotz dieser Ereignisse herrscht vollkommene Ordnung. ,

Der BevbeiierMAM im Mrkshleiremn.

Die Maßnahmen der Zechenbefitzer.

Essen, 12. März. Der Direktor einer größeren Berg­werksgesellschaft hat sich dahin geäußert, daß in der mor­gigen Mitgliederversammlung des Zechenverbandes mit allen gesetzlichen Mitteln gegen die kontraktbrüchigen Strei­kenden vorgegangen werden soll. Auf allen Zechen wird zunächst bekannt gemacht, daß diejenigen Arbeiter, welche drei Tage hintereinander gefeiert haben, entlassen sind und wegen Kontraktbruches den Lohn ihrer letzten sechs Schich­ten nicht ausgezahlt erhalten. Heute und morgen finden die Verhandlungen mit den zahlreichen Arbeiterausschüssen statt, die aber von keiner Bedeutung sind.

Die mutmaßliche Dauer des Streiks.

Düsseldorf, 12. März. Heute und morgen finden die Ver­handlungen mit den zahlreichen Arbeiterausschüssen statt, die aber von keiner Bedeutung sind, weil sie an dem ein­mal ausgebrochenen Streik nichts zu ändern vermögen. Die Zechenbesitzer haben weitere Schritte getan, um den unbe­dingt notwendigen Schutz der Arbeitswilligen endlich her- beizuführen. Man rechnet mit einer Dauer des Streiks von etwa drei Wochen, weil die letzte Löhnung in vergangener Woche für etwa 14 Tage reicht und erst dann die Unter­stützungen durch die Streikgelder in Betracht komme, die

Das hatte folgende Bewandtnis:

Einmal, in einer Mondnacht im Herbst, wanderte er über eine Bergheide. Da fühlte er sich unsagbar einsam; er kam sich wie von Gott und Welt verlassen vor, und das Herz tat ihm weh vor Leid. Tagsüber hatte er so viele Menschen mit seinem Spiel erfreut, und nachts war er doch allein und niemand kümmerte sich um ihn.

Auf der Heide stand viel Wollgras mit weißhaarigen Blütenköpfchen. Er war müde vom Gehen, legte sich ins Gras und schlief bald ein.

Nicht lange, so wurden alle die Wollgrashalme zu schönen Mädchen; die faßten sich bei den Händen und fingen an, um ihn herum zu tanzen und zu singen.

Er glaubte aber aus dem Lied die Worte zu vernehmen: Schöner Schläfer, so alleine,

Wach doch auf und wähl' dir eine,

Die am feinsten dir gefällt

Bist dann nicht mehr einsam auf der Welt." .

Da streckte er auch wirklich einer, die ihm am lieblichsten schien, die Arme entgegen und zog sie zu sich und drückte sie an seine Brust. Als er sie fragte, ob sie auch für immer bei ihm bleiben wollte, da sagte sie: Ja, bis an dein Lebensende!"

Und die beiden haben sich auch immer lieb gehabt und sich nicht mehr verlassen.

So gingen die Jahre hin. . . .

Der Spielmann aber wurde allmählich alt. Sein Haar war grau wie Spinnwebe geworden und um der/ Mund trug er tiefe Falten. Und er konnte auch nun lange nicht mehr so herrlich spielen wie früher, denn seine Finger zitterten, wenn er sie auf die Saiten drückte, und auch der Geigenstrich war kraftlos geworden. Da fragten auch die Leute nicht mehr nach ihm wie vordem, und das Mädchen hat gar oft sein Tellerchen umsonst herum reichen müssen.

Da litten die beiden manchmal eitel Not und sie wohn­ten zuletzt in einer Waldhöhle. Während aber der Spiel­

etwa eine Woche reichen werde. Den Zechenbesitzern bleibt vorläufig nichts übrig, als abzuwarten, bis sich die Streit­lust der drei Verbände gelegt hat.

Der Kohlenmarkt im Ruhrrevier.

Düsseldorf, 12. März. Der tägliche Kohlenoersand der Ruhrzechen, der vor dem Streik arbeitstäglich durchschnitt­lich mindestens 250 000 Tonnen betrug, hat einen erheb­lichen Rückgang erfahren. Am Samstag vor dem Streik wurden noch mit der Eisenbahn 216 640 Tonnen verschickt, am Montag betrug der Versand nur 169 270 Tonnen, und für die nächsten Tage wird eine weitere bedeutende Ver­minderung eintreten, weil nur in einer Tagesschicht gear­beitet wird.

Die Hüttenzechen haben die Lieferung an das Syndikat fast völlig eingestellt, weil sie die geförderten Kohlen auf den Zechenlägern aufspeichern, damit sie für ihre eigenen Betriebe über Vorräte verfügen. Daher ist das Syndikat gezwungen, die im Ruhrrevier noch bestehenden Lager an­zugreifen. So liegen im Dortmunder Hafen über 400 000 Tonnen, in Lünen a. d. Lippe die gleichen Bestände. Das Syndikat hat nun die Preise für außeroertragliche Liefe­rungen von diesen Lagerbeständen um 30 Mark pro Doppel­waggon, also um 3 Mark pro Tonne, mit sofortiger Gültig­keit, erhöht. Die Kohlenhändler gehen mit noch viel größe­ren Preissteigerungen vor. Infolgedessen werden viele industrielle Unternehmungen kaum noch in der Lage sein, bei einem Fortdauern des Streiks ihre Betriebe ohne Ein­schränkungen durchzuführen.

Im allgemeinen ist die Situation im Ruhrrevier un­verändert. Die Zahl der Streikenden nimmt langsam zu, weil viele Arbeitswillige erklärlicherweise lieber zu Hause bleiben, als sich von den Streikenden belästigen und miß­handeln zu lassen. Der Polizeischutz ist immer noch nicht ausreichend. In den ruhigeren Bezirken um Essen und Bo­chum beträgt die Zahl der Streikenden 4050 Prozent der Belegschaft, dagegen im Revier Dortmund und Hamm 65 bis 70 Prozent.

Hamburgs Versorgung mit Kohle.

Hamburg, 12. März. Es treffen jetzt große Kohlen­mengen aus Schlesien hier für die Hamburger Schiffahrts­gesellschaften ein. Die Einfuhr westfälischer Kohle ist stark beschränkt. Der für die Hamburg-Südamerikanische Dampf­schiffahrtsgesellschaft neu erbaute PassagierdampferBahia blanca", der vorgestern seine erste Reise nach Südamerika antreten sollte, konnte Hamburg noch nicht verlassen. Die englischen Wochendampfer lassen hier ihre Bunker mit deut­scher Kohle füllen. Die Bunkerkohlen, die bisher mit 16.50 Mark bezahlt ârden, kosten von heute an das Doppelte, nämlich 33 Mark.

mann immer älter und schwächer wurde, blieb das Mädchen jung und gesund. Und das war gut; denn da konnte es doch Kräuter und Früchte suchen, mit denen sie sich schlecht und recht ernährten.

Einmal an einem Herbstabend, als die Sonne schon untergegangen war und schon ein einziger Stern am Himmel seine Goldwimper bewegte, gingen sie zusammen über die­selbe Heide, auf der sich für den Spielmann vor Jahren das Wunder ereignet hatte, daß Wollgras sein Weib wurde.

Er konnte kaum noch einen Fuß vor den andern setzen, so hinfällig war er geworden. Und legte sich ins Gras. Es war aber wieder lauter Wollgras.

Das Mädchen setzte sich neben ihn. Es merkte, daß es mit dem Spielmann noch in dieser Nacht zu Ende gehen würd« und achtete auf seinen Atem .

Bei dem letzen Hauch, den er tat, fing es an zu weinen. Vor lauter Traurigkeit schlief es endlich ein und lag mit seinem Köpfchen auf dem toten Herzen ihres Geliebten.

Da kamen auf einmal alle die Wollgrasmädchen wie damals, tanzten um die beiden herum und fangen dem Mädchen zu:

Traure nicht und komm zurück!

Warst ihm lange ja sein Glück,

Nicht bedarf er deiner mehr

Reich uns deine Hände her,

Und komm' gern zu uns zurück:

Warst ihm lange ja sein Glück!" Nein!" sagte das Mädchenich will nicht wieder zu euch zurück. Ich bleibe bei ihm!" .

Da sagte eine von ihnen:Und wenn du auch nr ) uns zurück willst, so mußt du doch wieder werden, was vorher gewesen und was wir sind."

Und alle zusammen sangen sie eine Zauberwey... Spielmannsbraut, Spielmannsbraut,,. Die des Mondes Schnee betaut.