Erstes Blatt.
Bezugspreisr
Vierteljährlich 1.80 Ml., monatlich 60 Pfg., für auswärtige Abonnenten mit dem betreff. Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
Kstalkonsdruck und Verlag der Buchdruckerei des osvein. eo. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger
Amtliches Organ für SW und Landkreis Hanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
EinrückungsgebührS
Die Sgefpaltene Petitzelle oder deren Raum S0 Pfg. im Reklamenteil die Zelle 45 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: E, Schrecker tu Hanau»
Mr. 52 ^ernfprechattschlutz Nr. 230. r——w—— ^iii -I ■'m .1 ...... I 'i I ’n I——sw
Freitag den 1. März
F<rnsprecha»schl«tz Nr. 230. 1912
——— 11 1 11 «■ !■—"gggS
Amtlichrs.
Candkreis F)anau.
Den Herren Bürgermeistern bringe ich meine Verfügungen vom 7. Dezember 1898 — A. 4452 — und 10. Januar 1911 — A. 164 — betreffend Einreichung der Gemeinde- Voranschläge für 1912 in Erinnerung und erwarte umgehend Vorlage derselben
Hanau den 1. März 1912.
Der Königliche Landrat. ________________I. V.: Karbe.
Stiftung oo« Firmen der Edelmetallwaren- und der chromolitho- graphischeu Branche für Schüler der Königlichen Zeichen- Akademie in Hanau.
Auf Anregung der hiesigen Handelskammer haben 44 Firmen der oben bezeichneten Branchen eine Stiftung geschaffen. aus deren Mitteln solchen Schülern der Königlichen Zeichenakademie eine Unterstützung gewährt werden soll, welche sich nach beendeter Lehrzeit an dieser Anstalt weiter ausbilden lassen wollen.
In der Regel sollen jährlich zwei Stipendien von je 500 bis 600 Mark gewährt werden, doch können, je nach Lage der Verhältnisse, auch mehrere von nicht unter 300 Mark gewährt werden, und zwar in erster Linie für die Fortsetzung des Studiums an der Königl. Zeichenakademie, ausnahmsweise aber auch für Studienreisen.
Jede Zuwendung soll in der Regel nur für die Dauer eines Jahres zugesprochen werden.
Die Stipendienverleihung soll nur an solche Schüler erfolgen, welche in einer Werkstatt der Kunstindustrie in Hanau oder an einem Platze im Umkreise von 10 Kilometer am Hanau ihre Lehrzeit beendet bezw. in einer solchen Werkstatt beschäftigt werden.
Bedürftige Schüler, deren Würdigkeit und Befähigung nachgewiesen ist, sollen in erster Linie berücksichtigt werden; ausnahmsweise können Studienzuschüsse aber auch an besonders talentierte Schüler unter Absetzung von dem Nachweise der Bedürftigkeit gewährt werden.
Solche junge Leute, welche sich auf Grund der obigen Bestimmungen um Stipendien für das Jahr vom 1. April 1912 bis 31. März 1913 bewerben wollen, werden ersucht, ihre Bewerbung bis zum 30. März d. J. dem Unterzeichneten einzusenden.
Den Bewerbungen sind beizufügen:
1. Angaben über den Lebenslauf,
2. die Schulzeugnisse,
3. ein Zeugnis des Lehrherrn,
4. ein Zeugnis der Königl. Zeichenakademie,
5. eine Mitteilung über die Vermögensverhältnisse.
Hanau den 29. Februar 1912. 5583
Das Kuratorium.
C authal, Vorsitzender der Handelskammer.
Stadttheater in Hanau.
Gastspiel des Ersten Wiener Kinder - Operettenensembles.
Artistische Leitung: Alexander Duschnitz; Dirigent: Arthur Guttmann von der Wiener Volksoper.
Zum 1. Male:
„Der Mikado" oder „Ein Tag in Titipu", Japanische Operette in 2 Akten von W. S. Gilbert. Musik von Sullivan.
Die Entwicklung und den bisherigen Werdegang des ^."^operettenensembles haben wir bereits in den verschiedenen Voranzeigen genügend beleuchtet, so daß wir
in unserem heutigen Referat auf den gestrigen The- arerabend zu sprechen kommen können, dessen Erfolg in seder Weise ein künstlerischer zu nennen ist. Was ote gerade nicht allzu junge Operette anbetrifft, fesselt solche
"ur durch die große Fülle musikalischer ^n^Ä' ändern auch inhaltlich. Schließlich bildet das
^â das Kolorit der eigenartigen Augenweide^ ^" ^^ eine hübsche und wohltuende
Zunächst folge kurz der Inhalt. Der Mikado hat ein daß jeder, der eine Frau mit besonderer ^offichkeit überschüttet, dieselbe heiraten oder den Tod erleiden müsse. Nun klagt die ältliche Hofdame Katischa ihren Vertrauten Nanki Poo wegen eines derartigen Veraehens
Politische Rundschau.
Die kaiserliche Jacht „Hohenzollern" trat Donnerstag früh die Ausreise nach, dem Mittelmeer durch den Kaiser Wilhelm-Kanal an. Der als Begleitschiff ausersehene Kreuzer „Kolberg" wird in den nächsten Tagen folgen. Den Dienst als Depeschenboot wird das Hochseetorpedoboot „G. 175" übernehmen. Es steht unter dem Befehl des Kaptl. Pasguay und nimmt die „Sleipner"-Besatzung an Bord. Das Boot ist mit Parsons Turbinen ausgerüstet und läuft 34 Seemeilen in der Stunde.
Die neue Präswentemvahl im Reichstage. Im Reichstage haben am Donnerstag die ersten vertraulichen Vorbesprechungen über die endgültige Präsidentenwahl stattgefunden. Acht Tage stehen noch zur Verfügung für die Eini- gungsverhandlungen. Selbstverständlich ist noch nicht der Schatten eines irgendwie greifbaren Resultats sichtbar, vielmehr hat in der Zwischenzeit die Verständigung der Parteien über diesen Punkt völlig geruht. Jetzt bei dem Wiederanknüpfen der Besprechungen steht der Stand der Dinge noch genau so wie vor drei Wochen. Es steht aber bisher nur fest, daß die Nationalliberalen ebenso wie damals, zu Beginn der Verhandlungen, weder ein rein rechts gerichtetes noch ein links gerichtetes Präsidium akzeptieren werden. Ob die übrigen Parteien ihren Standpunkt modifizieren, ist noch nicht sichtbar. Im gegenwärtigen Augenblick scheint es, als wenn nach wie vor die Konservativen grundsätzlich eine Beteiligung der Sozialdemokratie im Präsidium und die Sozialdemokraten eine* Beteiligung der Konservativen im Präsidium ablehnen. Ferner will man im Zentrum den Nationalliberalen scheinbar nicht den Präsidenten gönnen und ist außerdem ebenso wie vor drei Wochen abgeneigt, mit den Nationalliberalen zu verhandeln.
Vor dem Generalstreik der englischen Bergarbeiter. Die Bemühungen der Regierung, die Bergleute mit den Minenbesitzern auszusöhnen, sind fehlgeschlagen, nichts kann jetzt den nationalen Streik mehr verhindern. Gestern nacht waren bereits über 130 000 Mann im Ausstand. Bis heute nacht werden über eine Million Arbeiter feiern. Die Regierung hatte den Parteien die bereits gemeldeten Vorschläge gemacht, die u. a. die Entscheidung in die Hand des Regierungsvertreters legen, falls sich die Parteien nicht einigen können. Mit diesen Vorschlägen der Regierung erklärten sich, wie gleichfalls gemeldet, die meisten englischen Minenbesitzer einverstanden; aber die Minenbesitzer von Süd-Wales, Northumberland, Schottland, Forest of Dean, Somerset und Bristol bleiben hartnäckig bei ihrer Weigerung, sich auf Verhandlung mit den Arbeitern einzulassen. Aber auch die Vertreter der Arbeiter selbst erklärten, ihre Mandate erlaubten ihnen nicht, sich in irgendwelche Verhandlungen einzulassen, ehe nicht der Mindestlohn von 71/» Schilling den Tag von allen Minenbesitzern in Großbritannien angenommen sei. So hat die Regierung keiner der Parteien mit ihren Vorschlägen einen Dienst geleistet, und die Stimmung ist erbitterter denn je. an, und obwohl der Jüngling der einzige Sohn und Thronerbe des Mikado ist, soll er sich auch diesem Gesetz unterziehen. Nanki Poo entflieht jedoch und durchzieht als zweiter Posaunist eines Wanderorchesters die Welt. Dabei lernt er die reizende Ium Ium kennen und verliebt sich in sie. Beim Beginn der Operette kehrt.Ium Ium mit ihren Schwestern Pitti Sing und Pee Voh aus der Pension zurück, um ihren alten Onkel und Vormund, den ehemaligen Schneider und Oberhofhenker Koko zu heiraten. Zu gleicher Zeit trifft ein Brief des Mikado ein, worin selbiger seine Verwunderung ausdrückt, daß der neue Oberhofhenker noch nicht die kleinste Hinrichtung vorgenommen habe. Wenn also innerhalb 4 Wochen keine solche stattfinde, würde der Henker selbst hingerichtet werden. Koko ist in Verzweiflung und beratet vergeblich mit seinen Freunden Pisch Tusch und Pooh Bah. Plötzlich kommt ihm Nanki Poo in den Weg, der sich wegen unglücklicher Liebe — aufhängen will. Koko verhindert ihn daran und schlägt vor, sich von ihm köpfen zu lassen. Da Nanki Poo sich nur dann einverstanden erklärt, wenn man ihm für die 4 Wochen, die er noch leben darf, Ium Ium zur Frau gibt, so entscheidet sich der ängstliche Koko dazu, in diesen sauren Apfel zu beißen. Kurz nach der Trauung jedoch kommt unverhofft der Mikado an, um der Hinrichtung beizuwohnen. Nanki Poo und Ium Ium sind aber nicht aufzufinden und so übergibt Koko einen von dem bestechlichen Beamten Pooh Bah ausgestellten Totenschein, wonach Nanki Poos Hinrichtung schon stattgefunden haben soll. Als Katischa den Namen auf dem Schein liest, schreit sie auf. da es der Name des Prinzen ist Als nun
Hus Hanau Stadt und Tand.
Hanau, 1. März.
* Ministerialerlaß bett. Mädchenschulwesen. Nach dem Erlaß vom 18. Dezember 1911 wird den nach den Bestimmungen über die Neuordnung des höheren Mädchenschul- wesens vom 18. August 1908 eingerichteten, als höhere Lehranstalten anerkannten höheren Mädchenschulen die Bezeichnung „Lyzeum" und den in diesen Bestimmungen als Lyzeen bezeichneten weiterführenden Bildungsanstalten für bte weibliche Jugend die Bezeichnung „Oberlyzeum" beigelegt. — Die nach B 1 D ber Bestimmungen vom 18. August 1908 als „gehobene Mädchenschulen", „Privatmädchenschulen" u. a. benannten, nicht als höhere Lehranstalten anerkannten Schulen erhalten künftig die Bezeichnung „Höhere Mädchenschule".
* Ehrend. Unser Mitbürger Herr Dr. Adolf S t ü b i n g hat, wie wir vernehmen, einer ehrenvollen Aufforderung, an Dr. Hoches Konservatorium zu Frankfurt a. M., wo er bisher mit der Leitung der Bibliothek betraut war, nun auch als Dozent für Theorie der Musik zu wirken, Folge geleistet.
* Frühlingsfest des Vereins für das Deutschtum im Auslande. Die letzten Vorbereitungen werden getroffen, um den Besuchern, die nach dem Kartenverkauf zu schließen in erfreulich großer Zahl das Fest beehren, einen festlichen Empfang, abgerundete Aufführungen und einen stimmungsvollen heiteren Abend zu bieten. Aus Rücksicht auf das Essen und namentlich den Tanz mutz pünktlich um 7 Uhr begonnen werden, und wird das Programm ohne Unterbrechung heruntergespielt; Dauer etwa 21/» Stunden. Sowohl im großen Saal wie im oberen kleineren werden unter der Leitung der Damen des Vorstandes und von Mitgliedern der Frauen, gruppe je ein Buffet hergerichtet, für deren reiche Ausstattung die bereitwilligen Spenden von Privaten und Geschäften, und für deren Güte die Künste des Herrn H. Schäfer bürgen. Im großen Saal werden bis zum Schluß der Aufführungen Speisen und Getränke unter keinen Umständen verabreicht; im oberen Saal ist aber während der kurzen Pausen der Wirtschaftsbetrieb im Gang. Karten sind noch in den Hofbuchhandlungen und an der Kasse abends zu haben. Vorschriften für den Anzug bestehen nicht; dem Charakter der fein durchdachten entzückenden Ausschmückung entspricht Sommeranzug, Ballanzug und Gehrock werden aber mindestens ebenso zahlreich vertreten sein. Kostüme, namentlich Nationaltrachten deutscher bäuerlicher Bevölkerung werden gleichfalls in den Rahmen des Abends passen.
* Stadttheater. „5)ie keusche Susanne", Operette von Jean Gilbert, dem Komponisten der „Polnischen Wirtschaft", wird am heutigen Freitag im Abonnement B. wiederholt. Morgen geht bei kleinen Preisen der Schwank „Zwei glückliche Tage" mit Herrn Direktor Steffter als „Pepi Freisinger" in Szene und am Sonntag ist nach- mittags bei kleinen Preisen „Der fidele Bauer" und abends im Abonnement A. „Die keusche Susanne". Am Montag hierauf auch Koko und seine Genossen das Geschehnis vernehmen sind sie entsetzt, weil der Mikado ihnen in größter Ruhe verkündete, daß sie ein Vergehen begangen hätten, auf welches der Tod durch siedendes Oel oder geschmolzenes Blei stünde. Koko sucht nun Rettung, indem er der alten Katischa einen Heiratsantrag macht, den die übertragene Dame mit Freuden annimmt, in dem Glauben, daß Nanki Poo — tot sei . Nachdem die Verlobung geschehen, erscheinen plötzlich die verehelichten Nanki Poo und Ium Ium. Da nun der Mikado die eigentümliche Angewohnheit hat, alle geschehenen Tatsachen mit Humor aufzunehmen, so endet die Operette mit allgemeiner Versöhnung. — Was das kleine Künstlervölkchen in Bezug auf Darstellung leistete, entsprach den weitgehendsten Erwartungen. Grete Finkler als fahrender Musikant und jugendlicher Liebhaber Kntzückte durch Gesang und Gewandtheit im Spiel. Gesunden Humor und Routine bewies Max Alexander als Scharfrichter Koko, vorzügliche schauspielerische Begabung Martha Finkler als Pooh Vah. Ferner verfolgten wir mit Bewunderung die künstlerischen Leistungen von Karl Körner (Mikado), Minna Groß (Katischa), Edith Finkler (Jum Ium). In kleineren Rollen traten auf: Annie Beck (Peep Boh), Ida Bauer (Pitti Sing), Robert Riemer (Pisch Tusch) und Siegfried Steiner (Ki Ki Ki). Herr Regisseur Duschn^ sowie Herr Kapellmeister Arthur Guttmann erschienen un starkem Beifall des Publikums nach dem letzten Akte aus Bühne. Das Theater war ziemlich gut besucht