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Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des «rein. ev. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger
KAilllhes Organ für Stadt- and Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
EinrÄckungsgebvhrr
Die ^gespaltene Petitzeile oder deren RaSm 20 PfZ» im Reklamenteil die Zeile 45 Pfg.
Verantwort!. Lâktëur: E, Schrecker in Hanas»
Nr. 51 M-rnsprechanschlutz Rr. 330.
Donnerstag den 29. Februar
Fernsprechanschlutz Nr. 330. 1912
Amtliches.
Stadtkreis Ranau. Bekanntmachung.
Der § 1 des Gesetzes betr. Beschulung blinder und taubstummer Kinder ordnet an, daß blinde Kinder, welche das sechste Lebensjahr, sowie taubstumme Kinder, welche das siebente Lebensjahr vollendet haben, verpflichtet sind, den in den Anstalten für blinde und taubstumme Kinder eingerichteten Unterricht zu besuchen.
Zu den taubstummen Kindern gehören auch stumme, ertaubte und solche Kinder, deren Gehörreste so gering sind, daß sie die Sprache auf natürlichem Wege nicht erlernen können und die erlernte Sprache durchs Ohr zu verstehen nicht mehr im Stande sind.
Zu den blinden Kindern gehören auch solche Kinder, die so schwachsichtig sind, daß sie den blinden Kindern gleichgeachtet werden müssen.
Eltern, gesetzliche Vertreter, sowie diejenigen, denen die Obhut übèr das Kind anvertraut ist, machen sich strafbar, wenn sie das Kind der Schulpflicht entziehen.
Wir fordern hiermit auf, alle mit genannten Fehlern behafteten Kinder unter 15 Jahren binnen 14 Tagen auf Zimmer 14 des Rathauses anzumelden.
Hanau den 20. Februar 1912. 5269
Der Magistrat.
Hild.
Bekanntmachung.
21000 Mark Stiftungsgelder sind zum 1. Juli ds. Js. zu % an erster Stelle auszuleihen.
Näheres auf der Stadthauptkaffe, Rathaus, Zimmer
Stadthauptkasse.
Bekanntmachung.
In das Genoffenschaftsregister Nr. 4 ist bei dem Bergeiner Spar- und Darlehnskaffenvere?-; e. G. m. u. H. in Bergen eingetragen worden: Friedrich Konrad Völp ist aus dem Vorstand ausgeschieden und an seiner Stelle Georg Lamb gewählt.
Bergen den 28. Februar 1912. 5409
König!. Amtsgericht.
Der Hafer-Ankauf ist vorläufig geschloffen. 5387 Proviantamt Hanau.
Gefundene und verlorene Genenstlinde re.
Gefunden: 1 breiter goldener Damenring mit hellblauem unechten Stein (am Sonntag im Deutschen Haus), 1 schwarzer Glacehandschuh (rechter), 1 Portemonnaie mit 8.70 Mk., 1 Brille.
Zugeflogen: 1 Kanarienvogel.
Hanau den 29. Februar 1912.
Stadttheater in Hanan.
.E-ldsische", Lustspiel in 4 Akten von Franz v. Schönthan und Gustav Kadelburg.
Nachdem wir bereits in vergangener Woche gelegentlich der Neueinstudierung des graziösen Lustspiels in eingehender Weise darüber referierten, erweckte die gestrige Vorstellung insofern nochmals unser besonderes Interesse, als Herr Edmund H e d i n g vom Deutschen Volkstheater in Wien in der Rolle des „Wolf v. Pöchlar-Benzberg" ein Gastspiel an unserer Bühne absolvierte. Der Darsteller wußte sich mit der Wiedergabe jenes diplomatischen Kombino teurs und lebensfteudigen Schwerenöters einen respektablen Erfolg zu sichern, obschon uns die Auffassung unseres einheimischen Vertreters dieser Partie, Herrn Carl de G i - orgi, bester gefiel. Herr Heding, der von Ratur aus in Bezug auf Wuchs und Gestalt hübsche Mittel für die Bühne t'esitzt, entwarf seine geschaffene Figur mehr nach der grotesken Seite hin und führte sie in dieser Weise auch einheitlich zu Ende. Er verfügt über einen guten trockenen Humor, sowie über eine glückliche Dühnen-Routine, während aber feine Rethorik nicht als einwandsfrei zu bezeichnen ist. Von den übrigen Mitwirkenden traten folgende Mitglieder unseres Ensembles in besonders günstiger Weise wieder in den Vordergrund: Herr H a a s e (v. Felsen), Frl. Michel (Emmy Winter), Frl. Ballin (Josephine), Frl. Ham- «ei Cd. Koßwitz), ' ' j* &
Politische Rundschau.
Zur Beisetzung des Großherzogs von Luxemburg am Montag werden erwartet: ein Sohn des deutschen Kaisers in Vertretung seines Vaters, der König der Belgier, ein Erzherzog in Vertretung des Kaisers von Oesterreich, ein bayerischer Prinz als Vertreter des Prinzregenten, Prinz Eugen von Schweden, aus Frankreich eine außerordentliche Deputation von drei höheren Offizieren. Vertreter schicken ferner u. a. die Höfe von Sachsen, Dänemark, Holland, England und Rußland.
Die Kronprinzessin von Schweden ist gestern von einem Sohne entbunden worden.
Die Urbarmachung von Oedländereien auf preuß. Domänen ist, wie die „Tâgl. Rundsch." hört, vom preußischen Landwirischaftsminister aufs neue ins Auge gefaßt worden. Künftig sollen bei Pachtverträgen Vorschriften über die Aufforstung des OedlandeS, die auf Kosten der Pächter erfolgt, ausgenommen werden, sowie über sachgemäße Pflege der schon angelegten Waldschonungen, die in das Eigentum der Domänenverwaltung übergehen.
Der Lohnkampf im Schneidergewerbe. Eine Versammlung von mehr als viertausend Maßschneidern aus Berlin und Umgegend erklärte sich heute abend mit dem Beschluß der Vertrauensmännerversammlung einverstanden, am 1. März früh in allen Maßgeschäften Groß-Berlins die Arbeit niederzulegen und nur bei denjenigen Arbeitgebern weiter zu arbeiten, die den Tarifvertrag unterschriftlich anerkannt haben. Die ledigen Ausländer haben sofort das Gebiet von Groß- Berlin zu verlasten, die ledigen Inländer ein von der Lohnbewegung nicht betroffenes Gebiet aufzusuchen.
Mâre „Politische Rundschau" in der Beilage.
Bus Eanau Stadt und Cand.
Ssirart, 29. Februar.
* Kunstindustrie-Verein. Zu den bedeutsamen Schriftstellern der Gegenwart gehört Herr v. O st i n i, Chefredakteur der „Münchener Jugend". Dieser trug gestern abend in der Aula der kgl. Zeichenakademie eine Reihe seiner Dichtungen vor. Die Werke dieses Meisters gehören nicht zu einer seichten Alltagsliteratur, sondern sie sind erfüllt von keck hingeworfenen Gedanken und einer vortrefflich humoristischen Kleinmalerei. Sie spielen dabei öfters hinüber auf zeitgemäße Fragen der Politik und behandeln wichtige Probleme des religiösen und kulturellen Lebens unseres Volkes. Wenn auch die Art der Behandlung des Stoffes, insbesondere die in den Dichtungen zu Tage tretende Weltanschauung, Widerspruch, ja zum Teil heftige Gegnerschaft geweckt hat und wecken mußte, so gewährt doch die Beschäftigung mit den Werken Herrn v. Ostinis, rein literarisch betrachtet, einen hohen Genuß. Dieser muß um so unvermittelter und reiner auf uns wirken, wenn der Autor selbst als Rezitator auftritt. Stimmungsvoll und von edler Begeisterung getragen, zeigte sich uns der Dichter zunächst in dem Werke: In Len-
* Stadttheater. 24 Wiener Theaterkinder halten am heutigen Donnerstag ihren Einzug in Hanau, um abends ihr einmaliges Gesamtgastspiel in der japanischen Operette „Der Mikado" oder „Ein Tag in Titipu" von Arthur Sullivan zu absolvieren. Das Wiener Kinder-Operettenensemble ist das erste und einzige in seiner Art. Die Darbietungen der kleinen Künstler sollen nach den vorliegenden Presseberichten eine derartige Vollkommenheit erreichen, daß sie den Leistungen großer, erwachsener Bühnengrößen als gleichwerttg bezeichnet werden. Die Operette „Der Mikado", welche die „Wiener Kinder" heute hier geben, wurde von denselben u. a. auch in Ischl vor dem Kaiser von Oesterreich und der Wiener Hofgesellschaft aufgeführt. Die beiden Stars des Ensembles sind die kleine Soubrette Grete Finkler sowie der 13jährige Komiker Max Alexander, welch letzterer es am Deutschen Volkstheater in Wien bereits zu einer Monatsgage von 2000 Kronen gebracht hat unb ein phänomenales Talent von unbeschreiblicher Komik sein soll. Die Vorstellung ist außer Abonnement, bei Operettenpreisen und beginnt um halb 8 Uhr. — Morgen Freitag geht im Abonnement B. die Operette „Die keusche Susanne" in Szene und am Samstag bei kleinen Preisen der famose Schwank „Zwei glückliche Tage". Am Sonntag nachmittag kommt nachmittags bei kleinen Preisen „Der fidele Bauer" zur Aufführung und abends im Abonnement A. „Die keusche Susanne". Für die beiden Gastspiele des Opernsängers Carl Baum am Dienstag und Mittwoch sind noch gute Plätze an der Theaterkaffe erhältlich. Bestellt^ Billetts tonnen jetzt bereits abgeholt werden. f -
bach« Haus. Zündende Wirkung brachten: Der grüne Ferdinand, Alpentourist, Fahnenweihe und das Kräutlein Wahrheit. Rasch und freubig belebten sich die Gemüter der Versammelten und freudiges Lächeln huschte über das Angesicht. Der in diesen Dichtungen zu Wort kommende Humor wird bestrahlt von der Wärme des Gemütes und wirkt deshalb immer, wenn auch zuweilen von der Satyre gefärbt, sympathisch. Der Vortrag selbst war frei von der sonst oft störenden Effekthascherei. Ruhig und ohne Pathos floß der Strom der Rede hin und wirkte so durch diese Ratürlichkttt nachhaltig und stimmungsvoll. Eitel Frohsinn herrschte am Schluß und freudig bewegten sich die Hände, um dem geschätzten Künstler für seine Darbietungen durch lebhaften Bei» fall zu danken. Eine besondere Ueberraschung brachte nach Erledigung des Programms noch Herr Direktor v. ® ä § K et sowohl dem Auditorium als auch dem Künstler. Beide Herren besuchten das gleiche Institut. Schon frühe regte sich _ in Herrn v. Ostini das dichttrische Talent und einige Poeme aus der Zeit des gemeinsamen Schulbesuches, die noch in dem Besitz deS Herrn v. Gâßt er waren, wurden von diese«, gewiß zu nicht geringem Erstaunen bei Autors, vorgetrag«. Die Versammlung quittierte diese kleine Zugabe mit freudigem Dank.
* Verband Mitteldeutscher Industrieller. — Gründung einer Ortsgruppe Hanau. Eine aus allen Teilen Heffens und Heffen-Raffaus zahlreich besuchte Jndustriellenversamm- lung hatte im Oktober v. I. zu Frankfurt a. M. den Verband mitteldeutscher Jndusttieller (Sitz Frankfurt a. M.) gegründet und die Angliederung dieses Verbandes an den Bund der Industriellen (Sitz Berlin) beschlossen. Bestimmend für diese Art der Organisation war der Gedanke gewesen, daß zwar die industrielle Organisation des wirtschaftlich und historisch zusammengehörigen westlichen Mitteldeutschlands dringend eines Ausbaues bedürfe, weil nur ein ganz verschwindender Bruchteil des Unternehmertums einer industriellen wirtschaftspolitischen Organisation angehört, daß aber der Grund für die politische Bedeutungslosigkeit der Industrie nicht darin zu suchen sei, daß sie zu wenig Organisationen habe, sondern im Gegenteil, daß ste an einer Zersplitterung leide, und daß sie nur dann auf eine Berücksichtigung ihrer Wünsche rechnen könne, wenn sie zu einer möglichst großen, über das ganze Reich sich erstreckende« Organisation gelange, die aber zugleich in der Lage sei, durch entsprechende Dezenttalisatton auch all die lokalen Fragen sachkundig zu bearbeiten, zu deren Erledigung Kenntnis der örtlichen Verhältnisse und Bedürfnisse gehört. Um dies zu erreichen, blieben nach Lage der Dinge nur die beiden Möglichkeiten der Angliederung an den Zentralverband Deutscher Industrieller oder an den Bund der In-? dustriellen. In Anbetracht der Tatsache, daß die Industrie derjenigen Gebietsteile, die man zu einer Organisation, zu- sammenfaffen wollte, zum weitaus größten Teil zur verarbeitenden gehört, war man einmütig der Auffassung, daß das Unternehmertum nur dann möglichst vollständig für die Organisation zu gewinnen sei, wenn der Anschluß an einen Verband erfolge, dessen Geschichte dafür bürgt, daß die ver-
Kunst und Leben.
Die Frankfurter Universität. Die Verhandlungen der Stadt Frankfurt mit dem Kultusministerium haben in den wesentlichen Punkten bezüglich der Universität eine Einigung herbeigeführt. Im Prinzip ist die Errichtung einer Universität in Frankfurt zugestanden worden. Auf welcher Grundlage die neue Universitctt errichtet werden soll, bleibt noch weiteren Verhandlungen vorbehalten. Wahrscheinlich wird es sich um eine kommunale Universität mit staatlicher Aufsicht und Berufungsrecht handeln. Die Errichtung der Universität kann frühestens in zwei Jahren erfolgen, da die Vorarbeit noch geraume Zeit in Anspruch nehmen wird. Dem preußischen Landtag wird darüber in der nächsten Session ein Gesetzentwurf zugehen. Die neue Universität wird 5 Fakultäten auftoeisen, und zwar eine juristische, eine medizinische, eine volkswirtschaftliche, eine sozialwissen- schaftliche und eine naturwissenschaftliche. Die Frankfurter Universität wird also die einzige Hochschule Deutschlands
ohne theologische Fakultät sein.
Promotion eines preußischen Generals. Der seltene Fall der Promotion eines preußischen Generals zum Dr. phrL ereignete sich in der Aula der Berliner Universität, handelte sich um den infolge eines schweren Unfalles Jahre 1908 zur Disposition gestellten früheren Kommanoewc der 14. Feldartilleriebrigade, Generalmajor Otto (sarp o« sich inzwischen in der philosophischen Fakultät der ^..^ Universität Hauptsächlich geographischen Studren ge ^ hat. Der Titel seiner Doktordissertationlautet. W
marnbelt im August und September 1E".