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Erstes Blatt

Vezngspreisr

LierkekfährUch 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus, wärttge Abonnenten mit dem betreff. Poftausschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des oerein. ev. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

AmWes Grga« für Stabt« und Landkreis Kanas.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

EinrSckungsgebiihr;

Die Sgefpaftm Petitzeile oder deren Raum tC Pfg, im Reklamenteil die Zeile 45 Pfg.

Derantwortl. Redakteur: E. S chröcker in Ham».

Nr. 50 NernsprechaElutz Nr. 330.

Mittwoch den 28. Februar

Fernfprechanfchlutz Nr. 230. 1912

Die itiflitSaaatt mW «her S.UiitnheÜWKltv

13 Seiten.

i

Hierzu

Amtliche Beilage Nr. 3".

Amtliches.

Dieustuachrichten aus dem Kreise.

In Frankfurt a. M., Praunheim und Preungesheim ist die Maul- und Klauenseuche erloschen.

Die Stadtteile Praunheim, Niederursel und Heddern­heim find aus den Sperrbezirken und Beobachtungsgebieten entlassen, der Stadtteil Preungesheim ist in das Beobach­tungsgebiet übergeführt.

Zum Sperrbezirk gehören im Polizeibezirk Frankfurt am Main die Stadtteile Berkersheim und Rödelheim sowie die Siemensstraße im Stadtteil Sachsenhausen.

Zum Beobachtungsgebiet gehören die Stadtteile Nieder- Lad, Hausen, Eckenheim, Bonames und Preungesheim.

Die Orte und Gemarkung Altwiedermuß, Hof-Ronne- burg, Hainchen, Heegheim, Vindsachsen, Gelnhaar, Merken-

Hof Allenrod, Altenstadt, Rodenbach und Hain- zründau (Kreis Büdingen) scheiden aus dem Veobachtungs- ;ebiet aus und werden freie Gebiete.

Hanau den 27. Februar 1912. V. 1358

In der Gemarkung Großkrotzenburg ist die Schweine- Seuche erloschen.

Hanau den 27. Februar 1912. V. 1386

Der Taglöhner Friedrich Walzer 1er aus Bischofsheim ist zum Nachtwächter der Gemeinde Bischofsheim bestellt und verpflichtet worden.

Königliche Oberförstern Wolfgong.

Die nachaufgeführten Nutzhölzer kommen Ende März oder Anfang April d. J. (durch Submission und öffent­liche Versteigerung) zum Verkauf:

Eichen: 65 hn Stämme A 1.5. Kl., 409 km Stämme B 1.5. Kl., 36 sm Nutzscheit,

Buchen 3 km Stämme A 3.-5. Kl., 35 km Stämme B 3.-5. Kl.,

Hainbuchen : 81 km Stämme B 3.-5, Kl^ 30 km Nutz­scheit, 2 km Nutzknüppel,

Erlen: 73 km Stämme 3.5. Kl., 75 km Nutzscheit, 81 km. Rutzknüppel,

Kiefern: 1170 km Sägeblöcke 1.3. Kl., 1092 fm Bauholz 1.4. Kl., 113 km Nutzscheit, 6 km Nutzknüppel,

Fichten: 450 Stangen 1.-3. Kl., 150 Stangen 4. Kl.

Kaufliebhaber wollen hiervon Kenntnis nehmen. Wünsche auf Losbildung werden entgegengenommen. Tag und Stunde der Termine kommen demnächst zur Veröffentlichung. 5319

PolttiTdbe Run dichao.

Der Kaiser wird auch in diesem Jahre Anfang März der Nordseeküste einen Besuch abstatten. Am 4. März ge­denkt der Kaiser in Wilhelmshaven einzutreffen. An Bord des FlottenflaggschiffesDeutschland" wird er am 6. März Wilhelmshaven verlassen und sich nach Helgoland zur Besichtigung der dortigen Befestigungsarbeiten begeben. Am 7. März wird der Kaiser in Cuxhaven erwartet. Er ge­denkt am folgenden Tage dort Besichtigungen vorzunehmen und vielleicht auch Schießübungen der Küstenforts beizu- vohnen.

Die Budgetkommission des preußischen Abgeordneten­hauses beriet gestern den Etat des Finanzministeriums. Da­bei kam auch die Frage des Berliner Opernbaues zur Sprache. Für das neue Opernhaus haben dem Kaiser vier Pläne vorgelegen. Die Entscheidung des Monarchen über die ^Lahl des auszuführenden Entwurfs ist in allernächster Zeit zu erwarten. Das alte Opernhaus Unter de« Linden wird der Fiskus anderweitig verwenden, da die Verkaufs­verhandlungen mit dem Berliner Magistrat gescheitert sind. Das neue Opernhaus wird am Königsplatz errichtet, wo zu dem Krollschen Etablissement noch einige Grundstücke hinzu- gekauft werden. Allein die Baukosten werden fich auf 12 Millionen Mark belaufen. Die Eröffnung beg neuen Hauses fall 1920 erfolgen,

Die Stärke der Reichstagsfraktionen.

Berlin, 27. Febr. Das heute erschienene amtliche Ver­zeichnis der Mitglieder des Reichstags und der Bevollmäch­tigten zum Bundesrat gibt die Fraktionsftârke der Parteien wie folgt an: Deutschkonservative 43 und zwei Hospitanten (Rupp-Baden und Vogt-Hall), also 45, Reichspartei 12 Mit­glieder, 1 Hospitant (v. Oertzen) 13, Wirtschaftliche Ver­einigung 8, Deutsche Reformpartei 3, Zentrum (2 Mandate unbesetzt) 88, Polen 18, Elsaß - Lothringer 9, und zwar: elsaß-lothringische Zentrumspartei 7 und Lothringer 2, Deutsch- Hannoveraner 5, Rationalliberale 40 Mitglieder, 4 Hospitan­ten (Held, Kerschbaum, Kleye, Strack) 44 Fortschrittliche - Volkspartei 40 Mitglieder, I Hospitant (Roeser, 11. elsaß- lothringischer Wahlkreis) ^ 41, Sozialdemokraten 110. Dazu 11 Wilde; von ihnen gehören zwei, der Präsident Kämpf und der Däne Hanssen zur Linken, drei sind Bauernbündler: Bachmeyer, Laux und Hestermann, drei stehen den Konserva­tiven nahe: Graf Posadowsky, Schröder und Warmuth; Graf Oppersdorff gehört zwar nicht zum Zentrum, wird aber mit ihm stimmen; schließlich die früheren Nationalliberalen Frhr. v. Heyl und Dr. Becker (Sprendlingen).

Parlamentarisches.

Stimmungsbild aus dem Abgeordnetenhaus«. Das Preußische Abgeordnetenhaus führte am Dienstag die allgemeine Aussprache über den Etat für Handel und Gewerbe zu Ende. Zunächst hielt der sozialdemokratische Redner, diesmal Herr Stroebel, eine Rede von beträcht­licher Länge, in der er aber nur wenig von den Handel- und Gewerbetreibenden, desto mehr aber von den Ar­beitern sprach. Er behauptete wieder einmal, daß die Sozialdemokratie keine Gegnerin des Mittelstandes sei, was ihm aber keiner der nachfolgenden Redner glaubte. Der Konservative Felisch trat mit Nachdruck für das In­krafttreten des zweiten Teils des Bauhandwerkerschutz­gesetzes ein und ebenso für strengeren Schutz der Arbeits­willigen. Dem letzteren stimmte auch der nationalliberale Abgeordnete Schifferer bei, der aber glaubte, daß .ein solcher Schutz schon im Nahmen der bestehenden Gesetze möglich wäre, wenn wan sie nur richtig anwende. Der nationalliberale Redner besprach die Entwicklung der Warenhäuser, die allmählich eine ernste Gefahr für den gewerblichen Mittelstand werden könnten, wenn ihre Entwicklung noch weiter fortschreite. Wenn sich Mittel und Wege hiergegen finden ließen, wären seine politischen Freunde bereit, in eine sorgfältige Prüfung der Vor­schläge einzutreten. Mit Recht konnte Herr Schifferer allerdings dem gewerblichen Mittelstände vorhalten, daß es nicht zuletzt seine Angehörigen seien, welche die Warenhäuser füllen. Die Erhaltung des Mittelstands sei eine der wichtigsten Fragen der Gegenwart, da jede selbständig tätige Existenz auch die Grundlage unserer Gesellschaftsordnung, das Fundament, auf dem unser heutiger Staat aufgebaut sei, bilde. Der Freikonser­vative Rahardt bezweifelte, daß es der Regierung wirk­lich ernst sei, dem bedrohten Mittelstände zu helfen, was natürlich den Handelsminister Dr. Sydow auf den Plan rief, der das energisch bestritt und vor einer Ueber- schätzung der Bedeutung des zweiten Teils des Bau­handwerkerschutzgesetzes warnte. Ein Schlußantrag machte dann der allgemeinen Aussprache ein Ende, worüber der Sozialdemokrat Borchardt dermaßen sich entrüstete, daß er sich vom Vicepräsidenten Dr. Krause einen Ordnungs­ruf zuzog. Man erledigte dann noch in schneller Folge einige Kapitel und vertagte dann die Weiterberatung auf Mittwoch.

Stimmungsbild aus dem Reichstage. Der Zu­hörer der Tribüne, der in dem schwarzen Gehrock am Präst- dententische nicht gerade Herrn Scheidemann vermutet, und dem vielleicht nur der charakteristische Kopf Bebels den Ge­danken nahebringt, daß mehr als hundert Plätze auf der einen Seite des Saales den Genossen gehören, wird durch die bisherigen Verhandlungen des Reichstages gewiß nicht daraufgestoßen, daß sich Nr der Zusammensetzrmg des Reichs­parlaments eine so große, grundlegende Verschiebung zogen hat. Von irgend welcher Arbeitsunfähigkeit des Reichs- tagss ist bisher jedenfalls nichts zu merken. Die Parteien Ioffen unzweideutig den Willen zu positiver und auch rascher Arbeit erkennen, und irgendwelche Störungen haben sich bisher nicht gezeigt. Dabei handelt es sich seit dem Ab­schluß der sechstätigcm inner- und parteipolitischen Aus­einandersetzung um Vorlagen mit im besten Sinne nationalen Zwecken und Jnbalts, Gesetzentwürfe, von denen einer zum Beispiel die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in den Schutzgebieten bringt, und auch von- den Sozialdemokraten werden dazu kurze und sachliche Reden gehalten, in denen, wie bei Dr. LandSbsrg, einem beachtenswerten Zuwachs des

revisionistischen Flügels der Genoffen im Reichstag«, sogar vaterländische Töne anklangen. Und selbst bet dem Schutz­truppengesetz konnte Herr Erzberger seine Rede mit der Er­klärung beginnen, daß er di^er Vorlage viel skeptischer gegen- überstehe, als sein Vorredner, der sozialdemokratische Militär- und Kriegssachverständige Roska. An den Sozialdemokraten liegt es vielleicht nehmen sie zur Zeit Rücksicht auf di« auch von ihnen noch vertretene Präsidialgewalt bisher jedenfalls nicht, wenn sich in der sachlichen Arbeit des Reichstages Konflikte eröffnen, und, wie in Elsaß-Lothringen werden sie zum Mindesten vom Zentrum übertrumpft. Das wäre je noch schöner, rief Herr Erzberger aus, ganz ähnlich, wie Herr Haus im Elsaßischen Landtag, wenn wir die Be­fugnis und bit Rechte des Kaisers auch auf die Kolonien übertragen wollten! Und er mußk sich von dem Frei­sinnigen Dovs sagen laffen, daß kafferlich« Verordnungen jedenfalls den Vorzug verdienten vor Verordnungen unterer Organe der Verwaltung. Nicht weniger als 3 gewiß nicht unbe­deutende Gesetzentwürfe wurden in der heutigen Sitzung erledigt. Endgültig verabschiedet ist das Ausführungsgesetz zum inter­nationalen Abkommen über die Bekämpfung deS Mädchen­handels, bei dem Professor von Liszt als Jungfernredner durch einen juristischen Hinweis noch eine Lücke schloß. Das Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz ging an eine be­sondere Kommission, in der nach dem Ergebnis der ersten Lesung eine Verständigung über manch« von den Rednern fast aller Parteien geäußerten Verbesierungswünsch« sicher keine großen Schwierigkeit machen wird. Auch die hurtige Aussprache hierüber führte einige neue Männer auf daS Rednerpodium: den schon erwähnten Revisionisten Rechts­anwalt Landsberg und insbesondere den Besieger von Die­trich Hahn, den Nationalliberalen Frhr. v. Richthofen, Sohn des ehemaligen Staatssekretärs des Auswärtigen Amts und noch früheren Kolonialchefs Herr v. Richthofen erwies sich als gewandten Redner. Seine frühere Tätigkeit im diplo­matischen Dienst hatte ihn mit dem Gegenstand der Ver­handlung auch in seinen verwaltungstechnischen Beziehungen besonders vertraut gemacht und so gab er entsprechende An­regungen. Neben den nationalpolitischen Punkten Gesichts­punkten, die bei der Frage des Erwerbs und Verlustes der Reichs- und Staatsangehörigkeit bestimmenh sind, betonte der Wortführer der Nationalliberalen auch den Grundsatz der religiösen Toleranz, bet auch auf diesem Gebiete nicht verlassen werden dürfe. Ein neuer Mann, wenigstens als Redner, der aber dem Reichstag schon in der vorigen Legis­laturperiode angehört hatte, war auch der Däne Hansen. Er erörterte die Vorlage naturgemäß aus den besonderen Ver­hältnissen der Nordmark. Das Schutztruppengesetz würd« von dem Staatssekretär Solf in die erste Lesung geleitet. SS faßt zusammen unb befestigt im Wesentlichen nur das, waS bereits bisher draußen in Uebung gewesen ist. Aber daneben gibt daS neue Gesetz die Grundlage für eine wirkliche all­gemeine Wehrpflicht der Deutschen in den Schutzgebiet»«, erhöht damit deren Wehrhaftigkeit und entlastet bit Heimat; und abgesehen von dem schon genannten Redner der So­zialdemokraten, der eine verhältnismäßig gemäßigte Kritff an dem Entwurf der verbündeten Regierungen legte, aber ihren Absichten unb Zielen zustimmte, und dem schärfer drein- fahrenden und beinahe wieder wie in alter Opposttionszsit als Ankläger der Kolonialverivaltung auftretenden Erzberger, äußerten die Redner eine große Einmütigkeit auch in den Vorschlägen für Aenderung oder Ausbau der im Entwurf gebrachten Neuregelung. Hier war der neue Mann der Hildesheimer Stadtrat Götting, der den Harzer Wahlkreis des Abg. Kölle für die Nationalliberalen zurückgewann. Die warmen Worte, mit denen er die vaterlänRsche und völkisch» Bedeutung des Gesetzentwurfes erläuterte, weckten den lauten Beifall des HauseS. Die Herren v. Böhlendorf-Kölpin und v. Liebert sprachen gleichfalls im Sinne der Vorlage, di» dann bet Budgetkommission zur weiteren Prüfung übergeben wurde. Herr Solf schloß die Beratung mit dem Ausdruck der Genugtuung über den Verlauf der Aussprache. Morgen beginnt im Plenum des Reichstages die zweite Lesung des Etats mit dem Reichsamt des Innern und gleichzeitig wird auch die Butgetkommisfion bei den ihr aus diesem Etat über­wiesenen Titeln ihre Arbeit beginnen, um das Plenum mit weiteren Stoff zu versorgen.

Der Krieg zwischen Italien unb der Türkei.

Konstantinopel, 27. Febr. Laut Blättermeldungen hat der Schritt der Pforte gegen die Eröffnung des Bombarde-- rnerrts auf türkische Fahrzeuge vor Beirut, wobei die Italiener nicht .den Ablauf der gewährten Frist ab warteten, bei den Mächten günstige Aufnahme gefunden. Der französisch« Botschafter in Rom sei noch vor dresem Schritt beauftragt worden, die Aufmerksamkeit Italiens auf den erwähnten Um­

stand zu lenken.

Konstantinopel, 27. Febr. Beim gestrigen biploma* tischen Empfange der Hohen Pforte herrschte der Umdruck vor, daß die Vorgänge von Beirut den Widerstand der Tur nicht brechen, sondern neu beleben und daß dre Tur et qj angesichts einer Intervention der Mächte zu ke-nei F ^e« LN Zwingen sein werde. Während dieses Emp.ar °