Erstes Statt»
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Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des «rein. ev. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger
Amtliches Organ für L'tadt- and Landkreis Sanaa.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Hie ^gespaltene Petitzeile oder deren RSM tO P^ im Neklamenteil die Zette 45 Pfg.
Berantwortt. Redakteur: G, SchroSo« in Hanau»
Ml. 43 WetmfttrfdjtwtféfaS Nr. 230.
Dienstag den 20. Februar
Kernsprechanschlutz Nr. 230. 1912
Dit bMeMmn MM «lßn h.NMilimBW 14 Seiten.
Amtliches.
Vandespoltzeikiche Anordnung, betreffend die Bekämpfung der Maul. und Klauenseuche im Landkreise Hanau.
Mit Rücksicht auf die noch bestehende Gefahr der Weiter- verbreitung der Maul- und Klauenseuche im Landkreise Hanau verlängere ich hierdurch die Gültigkeitsdauer meiner landespolizeilichen Anordnung vom 25. Oktober 1911 — A. HI. 5216 — Amtsblatt Nr. 43, S. 384 — Verbot des Hausierhandels mit Klauenvieh für den Umfang des Landkreises Hanau, um weitere 2 Monate bis zum 25. April 1912 (A. m. 1056).
Gaffel am 16. Februar 1912.
Der Regierungspräsident.
Graf von Bernstorff.
Landespokzeiliche Anordnung, betreffend die Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche im Landkreise Hanau.
Meine landespolizeilichen Anordnungen vom 20. Dezember 1911 und 10. Februar 1912 — A. III. 6282' und 415c — betreffend die Bekämpfung der im Landkreise Hanau ausgetretenen Maul- und Klauenseuche — Amtsblatt Nr. 51a und 6a, S. 497 und 64 - werden hierdurch mit Wirkung vom 20. Februar 1912 ab, wie folgt, abgeändert:
1. Aus dem Sperrgebiete im § 1 scheidet die Gemeinde Hüttengesäß aus.
2. Aus dem Beobachtungsgebiet im § 11 scheiden die Gemeinden Marköbel und Neuwiedermus aus.
3. Das Verbot des Viehverladens auf der Kleinbahnstation Hüttengesäß — § 8 — wird hierdurch aufgehoben. (A. III. 10942.)
Gaffel am 16. Februar 1912. /
Der Regierungspräsident. GrafvonBernstorff.
Eandkreis Hanau.
Infolge Erlöschens der Maul- und Klauenseuche in der Gemeinde Hüttengesätz werden die von mir angeordneten Sperrmatzregeln mit Wirkung vom 20. ds. Mts. aufgehoben. Mit diesem Zeitpunkte scheiden auch die Gemeinden Marköbel und Neuwiedermus aus dem Beobachtungsgebiet aus.
Hanau den 20. Februar 1912.
Der Königliche Landrat.
Frhr. Laur.
Fastnacht.
Ein unschädliches Intermezzo.
Es kann kein Irrtum sein: dort aus der Ecke hat's g e - lacht. So ein ganz Helles, niederträchtig prickelndes Lachen, wie's sehr fesche Dominos auf sehr teuren Redouten mitunter an sich haben. Wie das heimliche Bipimeln eines silbernen Narrenglöckchens, das alle Vernunft und alle Eriesgrämigkeit so mühelos übertönt. Und nun schon wieder: hi hi hi hi ... . Es ist einfach unerhört, hier Zwischen meinen ernsten Wänden, an denen die Bilder bedeutender Männer hängen und die Bücher berühmter „Kollegen" in langen Reihen stehen, wo die tiefsten Gedanken über Welt und Leben zu grauen Fäden gesponnen werden und die Erkenntnis des letzten Grundes aller Dinge in wohlggstützten Hypothesen--
Dummkopf! kicherts da dicht neben mir, und eine Pritsche klascht mir auf den arbeitgekrümmten Rücken, zwei-, dreimal — klitsch, klatsch! . . . Hat man denn schon so was erlebt? Ernste Männer, die zielbewußt am großen Kulturwerk Mitarbeiten. — Aber da haben mich schon zwei niedliche Arme umfaßt und wirbeln mich in einem ganz unerhörten Tanztempo durch die Stube, immer um den bücherbeladenen Tisch herum, ohne Aufhören, toller und toller, daß mir, dessen Tanzader längst schmählich verkalkt ist, der Atem ausgeht.
Kind, du kannst tanzen? . . . stöhne ich und sinke japsend n einen sonst nur zum Meditieren bestimmten Sessel. Es war sehr strapaziös und es dauert einige Zeit, bis ich genügend Luft zu einem energischen Protest habe. Aber dem Störenfried ist gar nicht beizukommen, er ist vollständig unkörperlich, aus dem Reich der Begriffe und Ideen, was ihn aber durchaus nicht hindert, mir mit beiden Händchen in die Haare zu fahren und meinen taumeligen Kopf noch mehr in Verwirrung zu bringen. Ich kann schon gar nicht
Stadtkreis Hans«.
Bekanntmachung.
Die öffentlichen Arbeitsnachweise des jetzt 3 Jahre b^> stehenden Mitteldeutschen Arbeitsnachweisverbandes, der das Großh. Hessen, die Provinz Heffen-Naffau, das Fürstentum Waldeck und die Kreise Kreuznach und Wetzlar umfaßt, werden in steigendem Maße von den Interessentenkreisen, besondere der Landwirtschaft und des Handwerks, in Anspruch genommen und erfreuen sich dank der Mitwirkung und Unterstützung staatlicher und kommunaler Behörden, sowie öffentlicher Körperschaften, insbesondere der Landwirtschaftskammern, immermehr des Vertrauens der In- tereffenten. Insonderheit ist es, wie die Tätigkeitsberichte des Verbandes und der einzelnen Arbeitsnachweise beweisen, gelungen, den Arbeitsnachweis auf dem Lande zu organisieren und den besonderen Bedürfnissen des Landes schon jetzt in erheblichem Umfange gerecht zu werden. Während im Jahre 1908/1909 von den Arbeitsnachweisen in Kleinstädten im Verbandsgebiet 2440 Stellen besetzt wurden, wuchs die Zahl im Jahre 1909/10 bereits auf 10 572, das ist ein Zehntel aller besetzten Stellen im ganzen Verbandsgebiet. Diese Tatsache ist darauf zurückzuführen, daß die landwirtschaftliche Vermittlung immer mehr von den Grotzstädten auf die Kleinstädte übergeht.
Um den verschiedenartigsten Bedürfnis^!» tu den verschiedenen Teilen des Verbandsgebietes besser gerecht werden zu können, wurden fast in allen Kreisen Arbeitsnachweise ins Leben gerufen. Diese haben sich durchweg sehr gut bewährt, wo der Arbeitsnachweis an verkehrsreiche Orte gelegt wurde und wo der ländliche Arbeitsnachweis die Unterstützung und die Benützung der interessierten Kreise gefunden hat. Nach den vorliegenden Erfahrungen konnten eine Reihe von Arbeitskräften der hämischen Produktion erhalten werden, während sonst der stellenlose Arbeiter bei dem Fehlen einer Organisation des Nachrichtenverkehrs über die offenen Stellen im Kreise, gezwungen worden wäre, den städttschen Arbeitsnachweis, in erster Linie den großstädtischen Arbeitsnachweis, aufzusuchen.
Bei der großen Bedeutung einer geordneten AröettAoer- mittlung für die Stetigkeit der gesamten Produktionsver- hältniffe, ist es notwendig, daß alle Interestenten am Arbeitsmarkt sich eines zuverlässigen und unparteiischen Organes bedienen und das ist der öffentliche Arbeitsnachweis.
Indem wir Vorstehendes zur Kenntnis bringen, ersuchen wir die Herren Arbeitgeber, sich bei Bedarf von Arbeitskräften jeder Art der hiesigen städtischen Arbeitsvermittelungsstelle — Langstraße 41 — bedienen zu wollen.
Besonders weisen wir noch darauf hin, daß die gedachte Stelle auch weibliches Personal, als Dienstmädchen, Putz-
mehr protestieren, ich kann nur noch ein sehr unintelligentes Gesicht machen und in Ermangelung anderer Ausdrucksmittel weit den Mund aufsperren. Und Flitter und bunte Bänder tanzen vor meinen Augen und Silberschellchen klingen und Lachkadenzen purzeln über mich her und dazwischen kicherts: Da guck einer! Sitzt so was in seinen langweiligen vier Wänden und spintisiert und tut in seiner Duckmäuserigkeit, als ob er keine Ahnung davon habe, daß heute der höchste Feiertag aller fröhlichen Leute ist: F a st - nacht!
Fastnacht? wiederhole ich unsicher und stehe auf, um das Konversationslexikon zu holen. Aber der lustige Tanzkobold wirft mir eine Hand voll Konfetti ins Gesicht, deren größere Hälfte in meinem noch immer weit geöffneten Munde verschwindet, guckt mir mit seinen Spitzbubenaugen beinahe vorwurfsvoll ins Gesicht und sagt, mich derb am Ohr ziehend: Beim heiligen Zimbalus, ist denn das noch dasselbe absonderliche Schöpfungsexemplar, das ehemals im Münchener Karneval am Donnerstag von seiner Schlafstätte ' Abschied nahm, um am folgenden Mittwoch mit vollständig unbrauchbar gewordenen Gliedmaßen und umgewendetem Frack, den Verlust von drei Westenknöpfen und einem Lackschuh beklagend, zurückzukehren, sich mit. aufgespanntem Regenschirm zu Bett legte und drei Tage brauchte, um sich wieder in die Wirklichkeit hereinzuschlafen und drei Monate, um die Faschingsschulden zu bezahlen?
Ich lächle peinvoll, wehmütig und murmele etwas vom »gesetzten Alter". Aber da komme ich schön an. Mit einer Schnabelgewandtheit, die ich dem luftigen Besuch nie und nimmer zugettaut hätte, wird mir haarscharf bewiesen, daß es erste und vornehmste Menschenpflicht sei, vergnügt zu sein, daß der Spinnwebenplunder griesgrämiger Lebens- auffaffung nicht die mindeste Existenzberechtigung habe und in die Rumpelkammer gehöre, daß die eingerostete Sprungfeder der Lebensfreude ein wenig mit dem Oel unbedenk-
und Monatsfrauen, Fabrikarbeiterinnen, Taglöhnerinne«, Kochfrauen rc., für Haus-, Land- und Eastwirtschaftsbetrieb vermittelt und diesbezügliche Aufträge jederzeit gern ent» gegennimmt.
Die Vermittlung erfolgt kostenfrei.
Hanau den 14. Oktober 1910. 1028
Der Magistrat.
____________________Hild.__________________
Gefundene nnd verlorene Gegenstände 2t.
Gefunden: 1 gestreifte Weste.
Verloren: 1 silbernes Zigarettenetui (gez. G. S.X 1 goldener Herrenring mit Rubin in Platinfaffung.
Zugelaufen: 1 weißer Foxterrier mit schwarz« Abzeichen, m. Geschl.
Hanau den 20. Februar 1912.
PolitiTche Run dich au.
Eine Rede des Kaisers in Kiel. Bei der Festtafel im Schloß zu Kiel nach dem Stapellauf beß Linienschiffes Prinzregent Luitpold hielt der Kaiser eine Ansprache, deren Wortlaut nachträglich mitgeteilt wird: Ich heiße Eure Kgl. Hoheit und die Prinzessin Therese von Herzen hier willkommen und bitte Eure Kgl. Hoheit, der Dolmetsch »eines Dankes und der meiner Marine bei Seiner Kgl. Hoheit dem Prinzregenten sein zu wollen für die große Ehre, bk er derselben erwiesen hat durch die Erlaubnis, daß eines der neuesten Linienschiffe seinen erlauchten Namen tragen und dasselbe durch seine Tochter die Taufe empfangen darf. Eurer Kgl. Hoheit markige Rebe hat unS alle mit hoher Freude erfüllt. Wenn ich aus derselben einen Satz herauS- greifen darf, so wähle ich den Wahlspruch, der unter dem Wittelsbacher Schild am Bug des Prinzregent Luitpold prangen soll: „In Treue fest". Er soll eine Mahnung sein an Offiziere und Besatzung des Schiffe-, alle ihre Kräfte einzusetzen im Dienste des Vaterlandes, " zu seinem Schutz und zur Erhaltung der fleckenlosen Ehre seiner Flagge. @1 soll zum anderen der Welt die Festigkeit des Reiches in Erinnerung bringen. Wer in seinem Leben sich mit Kunst beschäftigt hat, kennt das herrliche Material der Mosaik und lernt die wunderbaren Bilder, die aus ihr geformt werden, schätzen und bewundern. Von ferne betrachtet, fleht er ei» farbenprächtiges Gesamtbild vor fich, tritt er heran, so wirb er gewahr, daß das Kunstwerk aus lauter einzelnen Steinchen zusammengesetzt ist, die von verschiedener Form und Farbe individuell in sich gefestigte kleine Gebilde find. So ist eS mit unserem Reich. Von ferne als mächtiges Ganzes wirkend, ist es zusammengesetzt aus einzelnen Stämmen. Stolz auf
licher Ausgelaffenheit behandelt werden müffe und daß der einzig würdige Schmuck für einen nicht ganz der Hoffnungslosesten Rückständigkeit verfallenen Menschenkopf dis Narrenkappe sei.
Ich versuche, zu der kühnen Tirade zu lächeln, aber das scheint mir schon alles gar nicht mehr so unlogisch, wenigstens auf andere angewendet. Freilich, selber sich dazu bekennen — das hat doch vorläufig noch sein Aber. Und ich muß daran denken, wie ich vor einer Reihe von Jahren zum letzten Mal meinen sterblichen Leib zu einer Maskerade degradiert habe; als „Karl von Anjou", mit einem Mantel aus der Zeit des zweiten panischen Kriegs und einem Spitzenjabok â la Rosenkavalier. Es war sehr schön und sehr „echt", nur wurde es leider in vorgerückter Nachtstunde von einem hessischen Bauernttupp für den Napoleon gehalten und die rasch aufwallende beleidigte Vaterlandsliebe äußerte sich in einer gänzlich ungerechtfertigten Attacke auf meine streng auf Friedensliebe gestellte Person, wobei sowohl der punische Mantel als das Spitzenjabot und der ebenfalls zum Kostüm gehörige Knebelbart arg zu leiden hatten. Ich habe damals das Strafmandat wegen „Aufruhr" ohne Murren bezahlt, aber ich bin seither doch vorsichtiger ge
worden.
Es ist mittlerweilen lebendig geworden draußen auf der Straße, und der lustige Kobold im Flitterrock spitzt die Ohren und zwinkert mir mit lachenden Augen zu. Und ehe ich michs versehe, hat er mir eine dreizipfelige Narrenk^pe aufs Haupt gestülpt und schiebt mich johlend zur Tür hinaus mitten in den Spektakel hinein, der wie ein ausge- regt'es Meer über mir zusammenschlägt. Alle Sinnes K keit wird fürs erste ausgeschaltet, der Aen ^ Lärm, die Pritschenschläge und Das Konfet ttbombardem^ haben entschieden die Oberhand. Es sind> «H Menschen- .»gen Möglichkeiten, den «‘"Ä ZÄ Seele fich ausrasen zu lassen, fett Oie ! so ' 6 M^.
B°â-«--E° in die Acht erklärt wurde. Ab« »er on »