Erstes Blatt.
Bejngtptetef
MerkekjobrUch 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg., fOr aus. «artige Abonnenten mit dem betreff. Poftauffchlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
MnrSSnngsgebllhrH
KotaNonsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein. eo. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger
AAlliHeg Organ für SUN- and Landkreis Hanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertags, mit belletristischer Beilage.
Die Fgespaffene Petitzeile oder deren Raum 20 Pf^ im Reklamenteil die Zeile 45 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: E. Schrecker in Hanau,
Ak. 28 Mernsprechanschlntz Nr. 230.
Freitag den 2. Februar
Frrnsprechanschlutz Nr. 230. 1912
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14 Seiten.
Amtliches.
In dem Gehöfte des Bauern Johann Seubert, Haus Nr. 24, in Laufach, ist die Maul- und Klauenseuche amtstierärztlich festgsstallt. Die Gehöfte des Johann Seubert und Johann Waner in Laufach sind Sperrgebiet, die Gemeinde Laufach ist Beobachtungsgebiet.
Aschaffenburg den 27. Januar 1912.
Königl. Bezirksamt.
Gefundene und verlo'cue Gegenstände re.
Gefunden: 1 Paar Krimmerhandschuhe mit Lederbesatz, 1 silbernes Kinderarmband.
Verloren: 1 Vrillantring mit einem Stein. Zugelaufen: 1 gelb und weißer Pinscher.
Hanau den 2. Februar 1912.
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PolitiTche Run dich au.
Das Bild des neuen Reichstage«. Wie aus unterrichteten Kreisen verlautet, wird der Kaiser den neugewählten Reichstag persönlich im Weißen Saale mit einer Thronrede eröffnen. Im Reichstagsgebäude selbst dürfte das Bild der kommenden Session erheblich gegen das bisherige abweichen. Gegenwärtig wird eifrig gearbeitet, um den Sitzungssaal nach den neuen Parteiverhältniffen umzugestalten. Durch das starke Anwachsen der sozialdemokratischen Fraktion tritt eine völlige Verschiebung in den Sitzen der übrigen Parteien ein. Die Sozialdemokraten werden künftig sämtliche Plötze der Fortschrittlichen Volkspartei einnehmen; die Freisinnigen selber rücken dafür auf die Sitze der National- liberalen, und diese erhalten die Hälfte der bisherigen Zentrumsplätze. Das Zentrum, das so lange auf einem einheitlichen Block von Bankreihen zusammensaß, wird jetzt geteilt, so daß künftig zwischen den Parteien der Linken und Rechten in der Mitte des Saales gerade vor dem Präsidentenstuhl ein Gang eingelegt wird, der rechts und links auch äußerlich scheidet. Die Polen werden ganz rechts bei der Wirtschaftlichen Vereinigung untergebracht werden. Ein genaues Verzeichnis der neuen Reichstagsabgeordneten und der Fraktionen wird gleich in den ersten Tagen nach der Eröffnung des Reichstages veröffentlicht werden.
Im französischen Senat erklärte der Finanzminister bei der allgemeinen Besprechung des Budgets, man muffe auf eine gute Verwendung der Ausgaben achten. Er sei überzeugt, daß niemand um die notwendigen Ausgaben zur Verteidigung des Landes feilschen werde. Er wies auf die Notwendigkeit neuer Kredite für das militärische Flugwesen und die Verwirklichung des Flottenprogramms und die Ersetzung des Panzerschiffes „Liberty" hin. Niemand könne anderseits daran denken, die Entwicklung der sozialen Gesetzgebung hintanzuhalten, aber man müsse sich bemühen, den Steuerzahlern keine neuen Opfer aufzuerlegen. Das Land stehe am Vorabend einer Reform der direkten Steuern, aber die Einkommensteuer dürfe nur auf der Grundlage der Gerechtigkeit und Billigkeit reformiert werden. Diejenigen, die nur das Notwendigste besäßen, müßten entlastet werden, die Ueberfluß hätten, müßten in mäßigem Umfange stärker herangezogen werden. Es sei vernünftig, von der Einkommensteuer keine Einnahmen zu erwarten. Die allgemeine Diskussion wurde hierauf geschlossen.
Ein sozialistischer Schwätzer. Die Pariser „Humanitä" veröffentlicht ein Interview mit dem Abgeordneten Karl Liebknecht, der u. a. gesagt habe, die Kraft der Sozialdemokratischen Partei muffe im Hinblick auf Kriegszeiten stärker sein, als im Hinblick auf Friedenszeiten. „Wenn der Krieg erklärt werden sollte, so müßten wir ihn verhindern können, indem wir uns ihm einfach widersetzten. Von den fünf Millionen Bürgern, die die Reserven des deutschen Heeres bilden, ist die Hälfte aus unfern Reihen hervorgegangen. Die beiden ersten Reservisten-Jahrgänge und die jungen Leute von 18 bis 20 Jahren gehören der Mehrzahl nach uns an. Die Regierung weiß dies und ist darüber sehr beunruhigt." Falls der aus seinen Hochverralsprozessen sattsam bekannte Herr Liebknecht wirklich derartig ungereimtes Zeug gesprochen haben sollte, kann man nur wünschen, daß das französische Blatt es ihm aufs Wort glauben möchte. Es ist kein taktischer Nachteil, von einem Gegner unterschätzt zu werben.
Marokko.
Paris, 1. Febr. Die mit der Aufstellung beS Planes für das französische Protektorat über Marokko betraute interministerielle Kommission beendete ihre Arbeiten. Ihr Bericht wird der marokkanischen Regierung in allernächster Zeit übermittelt werden. Nach dem Bericht soll daS Pro- tekiorat Frankreichs im weitesten Maße die Mitarbeit der marokkanischen Regierung in sich schließen. Die öffentlichen Dienste sollen uw er Mitwirkung französischer Ratgeber ver» sehen werden, die die scherisische Verwaltung zu beaufsichtigen haben würden. Eine unmittelbare Verwaltung durch Frankreich ist nirgends vorgesehen, sondern lediglich ein Zusammenarbeiten mit der marokkanischen Regierung.
Paris, 1. Febr. Die der Kammer zugegangene Vorlage über die Nachtragskredite von 58 448 000 Fr. für militärische Ausgaben in Marokko während des Jahres 1911 umfaßt nicht den Sold und die normale Unterhaltung des Besatzungskorps, da diese durch das ordentliche Kriegsbudget von 1911 gedeckt sind. Der Nachtragskredit enthält u. a. auch einen Betrag von 2 Millionen für den Bau der Eisenbahn von Marnia nach Taurirt.
Der Krieg um Tripolis.
London, L Febr. Lloyds Agentur meldet aus Perim: Zwei italienische Kriegsschiffe beschaffen Schech Said und dampften dann in nördlicher Richtung weiter.
Die Revolution in Chine.
Mulden, 1. Febr. Der Generalgouverneur beauftragte den Gouverneur von Zizikar, im Bezirke Chailar unverzüglich die chinesische Obrigkeit wiederherzustellen. Der Gouverneur weigerte sich wegen Truppenmangels. Die Kaufmannschaft und die Stadtbewohner protestierten bei dem Generalgouverneur gegen die Grausamkeit und die Willkür der Truppen und der Polizei, die die Stadt terrorisierten.
Hus Hanau Stadt und Eand. âiiitntt, 2. Februar.
• Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft zu Frankfurt a. M. Die 13 Wissenschaftliche Sitzung findet Samstag den 3. Februar, Punkt 6 Uhr, statt. Vortrag des Herrn Prof. Dr. I. Verslnys, Gießen: „Ueber die Geschichte der Meeresfaunen in den Tropen".
* Vogelschutz. Dem in der Bildung begriffenen „Verein zur Hebung des Vogelschutzes für die Kreise Hanau, Gelnhausen und Schlüchtern" ist der Zweigverein Hanau des Vogelsberger Höhen-Clubs als körperschaftliches Mitglied beigetreten. Dieser Verein hat schon seit seinem Bestehen den Vogelschutzbestrebungen besondere Aufmerksamkeit zugewandt und er ist bereits in einer am 22. März v. I. zu Ortenberg stattgehabten Versammlung der umliegenden V. H. C.-Zweigvereine dafür eingetreten. Die Ortsgruppe Langenselbold wird auch auf dem zu dem vom V. H. C. käuflich erworbenen und durch bauliche Instandsetzung vor dem Untergang geretteten Weinberghäuschen gehörigen Grundstück Vogelschutzhecken anlegen. Dies sollte schon im Vorjahre geschehen, mußte aber wegen der trockenen Witterung zunächst unterbleiben. Hoffentlich folgen auch die übrigen Hanauer Wandervereine diesem Beispiel und treten ebenfalls dem „Vogelschutzoerein" bei.
* Stadttheater. „Das kleine Schokoladenmädchen", die Lustspielnovität von Paul Gavault, kommt am heutigen Freitag im Abonnement A. unter der Regie des Herrn Grundmann zur Aufführung und ist ein sehr erheiterndes Bühnenwerk des bekannten französischen Schriftstellers. Morgen, Samstag, wird bei kleinen Preisen das Drama „Zapfenstreich" zum letzten Male gegeben und am Sonntag, nachmittags, bei kleinen Preisen zum 21. Male „Polnische Wirtschaft". Eine starke Billettnachfrage herrscht für die beiden Gastspiele am Sonntag und Montag, welche außer Abonnement bei erhöhten Preisen stattfinden. Am Sonntag abend können wir wieder die entzückende Soubrette Margarete Beling-Schäfer vom Hoftheater in Mannheim begrüßen, welche mit einem unbeschreiblichen Liebreiz prächtige Stimmittel verbindet, sodaß es ein Genuß ist, dieselbe zu sehen und zu hören. Diesmal bietet Margarete Beling-Schäfer eine ihrer besten Leistungen, die „Mamzelle Nitouche", in welcher sie in hohem Maße ihr außergewöhnliches Soubrettentalent zeigen kann. — Am Montag gastiert 1 Deutschlands bedeutendste Schauspielerin, Frau A g - n e s S o r m a als „Eva" von Richard Voß. Es gibt keine zweite Künstlerin, welche das Publikum so mit sich fortzureißen versteht wie die Sorma und die neben ihrer wundervollen Sprache, dem unvergleichlichen Organ in so i packender Weise alle Skalen menschlicher Empfindungen
wiedergeben kann. Die Rolle der „Eva" bietet ihr hierzu reiche Gelegenheit und es sei der Wunsch ausgesprochen, daß diesem hervorragenden Gastspiel etwas mehr Jntereffe entgegengebracht wird, als dies kürzlich bei dem genialen Moisfi der Fall war, welcher trotz wiederholter Versuche seitens der Direktion nicht mehr nach Hanau zu bringen ist.
* Stenographie und Jugendpflege. Die Stenographenvereine leisten jahraus jahrein eine wertvolle Arbeit im Dienste der Volkswohlfahrt und besonders im Dienste der Jugendpflege. Das Ziel, dem wir die uns anvertraute Jugend zuführen, ist sichere Erlernung der Stenographie und Befestigung derselben bis zur praktischen Handhabung. Dre Erreichung dieses Zieles erfordert ernste Arbeit, verspricht aber zugleich auch reichen Gewinn. — Unsere jugendlichen Mitglieder versammeln sich wöchentlich einige Male um ihre Unterrichtsleiter. Mit Aufmerksamkeit folgen sie den vorgetragenen Regeln; mit frohem Eifer bemühen sie sich, eine vollständige und glatte Niederschrift zu gewinnen. Dieser edle Wettstreit wird durch Preis- und Wettschreiben gesteigert und regt die jungen Leute zu einem gesunden Ehrgeiz an, dem Ehrgeiz, eine möglichst hohe Fertigkeit im Stenographieren zu erlangen. Ein solches Streben aber zwingt die jugendlichen Mitglieder zu häuslicher Beschäftigung mit der Stenographie, zu fortgesetzten Lese- unv Schreibübungen. Die Stenographenvereine liefern ihren Mitgliedern unentgeltlich die nötigen Mittel wie: Stenographische Zeitschriften, Diktatstoffe u. bergt So werden die jungen Leute zu ernster Arbeit angespornt. Ernste Arbeit aber ist das beste Mittel gegen alle Versuchungen, das beste Gegengift gegen einen schwachen Willen, bewahrt vor jugendlicher Flatterhaftigkeit und dem Leichtsinn. Mit dem tieferen Eindringen in den Stoff, mit Erlangung größerer Fertigkeit wächst das Jntereffe am Gegenstände, wächst die Freude am eigenen Können und damit der Wille zur weiteren Vervollkommnung. — Außer diesen erzieherisch wirkenden Momenten aber gewährt die Stenographie auch reichlich materiellen und geistigen Gewinn. Sie ist für Kaufleute, Beamte rc. ein wertvolles Rüstzeug. Gar mancher verdankt der Stenographie eine einträgliche Stellung, andren ist sie durch Aufnahme von Verhandlungen, Reden u. dergl. eine Quelle nicht zu verachtenden Nebenverdienstes. Ferner werden die Sprachkenntniffe der Schüler befestigt und erweitert und besonders der Sprachschatz bereichert. Die Vertiefung in das Studium der Stenographie wirkt endlich auch befruchtend auf die Allgemeinbildung. Die Mitglieder werden durch Vorträge in den Monatsversammlungen oder bei festlichen Gelegenheiten mit dem Werdegang der Stenographie, der verschiedenen Systeme bekannt; die Unterhaltungsblätter bringen Länder- und Reisebeschreibungen, Bilder aus der Geschichte der Völker und der Natur sowie aus der Literatur, wodurch Herz und Gemüt der Mitglieder gebildet werden. Als Diktatstoffe kommen in den höheren Abteilungen Reden über die verschiedensten Anlässe: patriotische Feste, Jubelfeiern, Einweihungen usw. zur Verwendung, wodurch die Schüler über Vorgänge im wirtschaftlichen und sozialen Leben des Volkes, mit Maßnahmen der Regierung, mit den Fortschritten der Wiffenschaft und Technik unterrichtet und für vaterländischen Sinn und öffentliche Angelegenheiten interessiert werden. Die Vereinsversammlungen aber, in denen die Mitglieder Berichte zu erstatten, ihre Amtsführung zu verteidigen, überhaupt das Wort zu ergreifen haben, regen zum klaren Denken, zur Selbstzucht im sprachlichen Ausdrucke an, fördern die Duldsamkeit und Friedfertigkeit und erziehen zur Selbstbeherrschung und Unterordnung und pflegen edle Geselligkeit. — Mögen diese kurzen Ausführungen genügen, die Führer der Jugendpflege zu veranlassen, ihre Aufmerksamkeit unseren Stenographenvereinen zu widmen und dieselben zu unterstützen. Die Eltern aber können auf Grund obiger Darlegungen ihre Töchter und Söhne ohne Bedenken unserem Verein, dem Stenographenverein Eabelsberger von 1860, anvertrauen, da sie in demselben nicht nur eine sorgfältige Ausbildung erlangen, sondern auch vor manchen schädlichen Einflüssen bewahrt bleiben; insbesondere während der Unterrichtszeit Rauchen und Trinken nicht gestattet ist. Ein neuer Anfängerkursus im vorher benannten Verein beginnt am 6. Februar. Näheres wird durch Annoncen in den hiesigen Tageszeitungen bekannt gegeben.
* Für den Turnermaskenball, welcher bekanntlich morgen Samstag in den Sälen des Vereinshauses der Turngemeinde stattfindet, sind Einttittskarten in den vor gestern durch Inserat bekanntgegebenen Verkaufsstellen sowie heute abend von 9—10 Uhr in der Turnhalle zu ha e
* Ein Anfängerkursus i» der vereinfachten Stenog>apy Stolze-Schrey beginnt am Montag den 5. Fe ruar abends 9 Uhr, im Restaurant Brauerei Orschler 9«^