Einzelbild herunterladen
 

Seite 4

M VedkütilU Des BIM mid seine Heilkrest.

Von Dr. med. K. Beerwald.

Wenn wir unter Organen des Körpers Gebilde ver­stehen, welche selbsttätig, und ohne zu ihrer Arbeit vom Willen stets aufs neue angeregt zu werden, bestimmte Auf­gaben im Haushalt des Körpers leisten, so müssen wir auch das Blut ein Organ nennen, wenngleich es nicht wie die anderen aus fester Maße besteht, sondern flüssig ist und be­weglich fortwährend durch den Körper kreist. Nicht ohne Be» rechtigung können wir das Blut den Gastgeber nennen, bei welchem im Körper die anderen zu Tisch geladen sind, und das Blut ist ein aufmerksamer, liebenswürdiger Wirt, der dafür sorgt, daß seine Gäste nicht Not leiden und jeder, was er bedarf, reichlich erhält. Allerdings, wer ausgibt, muß auch einnehmen, und so führen ihm die Verdauungsorgane auf verschlungenen Wegen die Stoffe zu, durch deren Hilse es seine Gastfreiheit betätigen kann, die Eiweißkörper, die Kohlehydrate, sowie die mancherlei Salze, und Einnahme und Ausgabe müssen im Einklang bleiben, wenn keine Stö­rungen im Organismus eintreten sollen, die außerdem ent­stehen können durch eine Veränderung in dem chemischen Verhalten des Blutes, welches bei Gesunden alkalisch rea­giert. Sobald die Alkalessenz leidet, sobald sie nicht mehr durch eine genügende Zufuhr kohlensaurer Salze aus den Gemüsen und dem Obst erhalten wird, ist die unweigerliche Folge, daß Stoffe nicht mehr im Blute gelöst bleiben, für deren Lösung gerade der alkoholische Erundton des Blutes eine Vorbedingung ist, und daher können durch die Zufuhr unrichtiger Nahrungsmittel Krankheiten fich bilden, die ebenso schmerzhaft als folgenschwer sind.

Das Blut scheint eine gleichartige Flüssigkeit zu sein, and doch: wer hätte nicht schon die Erfahrung gemacht, daß Blutmengen, die bei einer Verletzung aus dem Körper her­austreten, sofort gerinnen und ihren flüssigen Charakter in einen gallertartigen verändern? Schon diese allbekannte Tatsache berechtigt, mit dem Dichter das Blut einen ganz besonderen Saft zu nennen, und diese Berechtigung erhellt noch mehr, wenn wir unter dem Mikrostop ein Bluttröpf­chen betrachten. Wir sehen dann kleinste Gebilde frei in dem Blute umherschwimmen, und zwar Gebilde verschiede­ner Form und Größe, einmal kreisförmige kleine Scheibchen mit einer leichten Vertiefung in der Mitte, aber ohne Kernformen, zweitens etwas größere Zellen mit einem Kern, die aber unbestimmt in ihren Konturen sind, bald rund erscheinen, bald gezackt und von denen wir bei einer genaueren Beobachtung bisweilen feststellen können, daß sie aus sich Fortsätze heraussenden und so während der Ve- fichtigung die Gestalt ändern. Diese beiden Zellenarten, denn um solche handelt es sich, find die Arbeiter, mit deren Hilfe das Blut feine Aufgabe erfüllt. Die kreisförmigen Scheibchen, die sogenannten roten Blutkörperchen, schwim­men zu vielen tausend Millionen in dem Blutstrom, und man wird sich von ihrer Menge eine ungefähre Vorstellung machen können, wenn man weiß, daß in einem Quadrat­millimeter 5 Millionen dieser kleinen Körperchen gezählt worden sind und das Blut im Körper 74 Prozent des Kör­pergewichts ausmacht. Wegen ihrer Farbe, welche durch das in ihnen enthaltene Eisen verursacht wird, bedingen diese Körperchen die rote Blutfarbe, während die zweite Art von Zellen farblos ist und auch in einer viel geringeren Anzahl im Blute vorkommt, sodaß auf 350 rote Blutkörperchen ein weißes gezählt wird. Indessen können sich diese Zahlen in den verschiedenen Zuständen desselben Körpers, vor allem bei Krankheitsfällen, so ändern, daß zum Beispiel bei der so sehr gefürchtëtn Leukämie, wo die Zahl der roten Blut­körperchen sehr gesunken ist, auf sieben derselben ein weißes kommt. Die weißen Blutkörperchen nennt man auch Leu- kocyten oder Wanderzellen.

Wir haben also durch das Mikroskop im Blute eine Zwei­teilung feststellen können, nämlich die eigentliche Flüssig­keit, das Plasma, und die in derselben schwimmenden Blur- zellen. Wenn wir nun Blut in großen Mengen aus dem Körper heraustreten laßen, gerinnt dasselbe in kurzer Zeit, und es sondert sich auf dem Boden der sogenannte Blut­kuchen ab, über dem eine gelbliche Flüssigkeit, das Serum, steht, von welchem in der letzten Zeit auch in Laienkreisen häufig die Rede war, wenn von Serumtherapie gesprochen wurde. Ueber den Blutkuchen hat uns wiederum das Mikroskop den Aufschluß gegeben, daß derselbe aus einem feinen Netzwerk besteht, in welchem die Blutkörperchen ein­gelagert sind; dieses Netzwerk ist das sogenannte Fibrin, das mit dem Serum zusammen in dem lebendigen, in den Adern rollenden Blute das Plasma darstellt und sofort aus dieser Verbindung ausfällt, wenn das Blut dem Kreisläufe entnommen wird. Für die Gerinnung des Blutes ist dem­nach das Fibrin verantwortlich zu machen, und das weiß auch die Hausfrau schon lange, wenn sie, um Gänseschwarz­sauer herzustellen, das aus den Halsgefäßen der Gänse her­ausströmende Blut sofort mit einem Stäbchen quirlt. An dem Stäbchen setzen sich sehr bald feine gäbn ab, die sich vermehren und schließlich das ganze Stäbchen bedecken, diese Fäden sind das Fibrin, und das fibrinlose Blut bleibt jetzt flüssig, bis die Hausfrau es in der Küche verwendet. Daß das Fibrin in dem lebenden Blut nicht aus dem Plasma ausscheidet, verdanken wir besoeders der Glätte der Blut­gesäßwandung. Wenn man als Beweis dafür durch ein Blutgefäß einen dünnen Faden zieht, so hängen sehr bald an demselben feine Fäserchen, eben das Fibrin, und wenn durch krankhafte Vorgänge die Gläte der Innenwand der Adern leitet, sei es durch Verkalkung der Gefäße, sei es aus anderem Grunde, so beginnt an diesen rauheren Stellen sich ebenfalls Fibrin abzulagern. Die Ablagerung wächst mehr und mehr, und wenn durch die Kraft des Blutstroms die abgelagerte Fibrinmasse abgerissen und fortgeschwemmt wird und sich schließlich in einem kleinen Gefäß als Pfropf einklemmt, so kann sie selbst zum Tode führen, falls dieses kleine Gefäß lebenswichtige Teile, etwa am Herzen oder

Monta« .

Gehirn, zu ernähren hatte, da dann deren weitere Ernäh­rung durch die Verstopfung unmöglich gemacht worden ist. Auf der anderen Seite verdanken wir dem Fibrin, daß bet nicht zu großen Verletzungen der Gefäße die Gefäßöffnung nur durch Gerinnung des heraustretenden Blutes sich schließt und der Körper so vor weiteren Blutverlusten geschützt wird, welcher Selbstschutz allein jenen Unglücklichen fehlt, I die alsBluter" Gegenstand ernster Sorgen für ihren Arzt und für ihre Umgebung sind.

Frei schwimmen im Blute die roten Blutkörperchen, die durch ihre winzige Kleinheit es ermöglichen, daß nach den Berechnungen von Welker in ihrer gesamten Oberfläche das Blut über 3200 Quadratmeter verfügt, für die Aufgabe des Blutes ein bedeutender Gewinn. Die roten Blutkörperchen sind nämlich kleinsten Lastschiffen gleich zu achten, die sich in der Lunge mit Sauerstoff beladen und nun in den Arte­rien oder Schlagadern nach jeder einzelnen Körperzelle hinunterfahren, und an diese den Sauerstoff abgeben, der unbedingt notwendig ist zu der Arbeitsleistung, die der einzelnen KLrperzèlle obliegt und die unter der Form der Verbrennung mit Bildung von Wärme und Asche vor sich geht. Von dieser Asche nehmen die roten Blutkörperchen den größten Teil der durch die Verbrennung entstandenen Kohlensäure als Rückfracht auf, und in den Venen oder Blutadern schleppen sie die Kohlensäure stromaufwärts nach der Lunge, wo sie ausgeatmet und der Körper von ihr be­freit wird. Schon äußerlich ist der Unterschied der Befrach­tung der roten Blutkörperchen an der Farbe des Blutes zu erkennen, und schön hellrot, purpurn spritzt es aus der angeschnittenen Arterie, während es dunkelrot, trübe und langsam aus der verletzten Vene tropft. Ihre Fähigkeit, als Frachtschiffe für den Sauerstoff zu dienen, verdanken die roten Blutkörperchen einem Eisenpräparat, dem Hämo­globin, zu welchem sich ein Eiweißkörper mit Eisen ver­bunden hat. Das Hämoglobin macht etwa 12 bis 16 Pro­zent der Blutmnge aus, und sein Eisengehalt ist ein so geringer, daß derselbe für einen Menschen von 70 Kilo­gramm Gewicht nur auf 2,3 Gramm berechnet werden konnte. Dennoch genügen diese kleinen Mengen zu einer so gewaltigen und das Leben in erster Linie erhaltenden Arbeit, da nicht einmal minutenlang der Mensch den Sauer­stoff entbehren kann, wenn nicht der Tod eintreten soll. Bei dieser wichtigen Rolle des Hämoglobins wird es ohne weiteres verständlich, weshalb blutarme Mädchen, deren Blutarmut nicht in der Verringerung der Flüssigkeit, son­dern in der Verringerung des Hömoglobingehaltes der Vlutzellen besteht, so wenig leistungsfähig sind und so leicht ermüden. Sie sind eben nicht im Stande, ihren Körper so reichlich mit Sauerstoff zu versehen, daß eine lebhafte Tätig­keit der einzelnen Organe gesichert wird, und aus deren Trägheit wiederum folgen dann die mancherlei Klagen und Beschwerden, unter welchen diese armen Kranken leiden. Je tätiger ein Organ sein soll, desto mehr bedarf es der Verbrennungswerte, vor allem aber auch des im Blut ihm zugeführten Sauerstoffs. Dabei fließt bei dem arbeitenden Menschen die Blutwelle besonders reichlich nach jenen Körperprovinzen hin, die in Tätigkeit sind, so daß beim Denker dem Gehirn, bei dem Holzhauer der Musku­latur des Armes, während der Verdauung der Magenwand besonders große Vlutmengen zuströmen.

Die roten Blutkörperchen entbehren, wie wir sahen, des Kernes, und da die Zellen sich nur mit Hilfe des Kernes vermehren können, fällt diese Möglichkeit bei den roten Blutkörperchen fort. Wir können nun annehmen, daß sie so lange leben wie der Mensch, in dem sie kreisen; aber dann müßten sie ja schon bei der Geburt in der Anzahl vorhanden sein, die der Erwachsene beherbergt. Außerdem wißen wir, daß diese Annahme nicht zutrifft, sondern ihre Lebenszeit eine eng begrenzte ist: in etwas über 30 Tagen hat sich der menschliche Körper vollkommen verausgabt und wieder er­setzt, und nur die Halste dieser Zeit lebt ein rotes Blut­körperchen. Ihr Absterben bedeutet jedoch keinen Verlust für den Organismus, da derselbe in dem roten Knochen­mark die Bildungsstätte besitzt, wo immer von neuem rote Blutkörperchen geschaffen werden, und wenn ein großer Blutverlust den Menschen betroffen hat, so hat man wieder­holt gefunden, daß sich selbst Knochen an dem Ersatz betei­ligen, welche unter gewöhnlichen Verhältnißen zu solchen Leistungen von dem Körper nicht herangezogen zu werden pflegen. Wie die Eeburtsstätte hat der Forscher auch die Be­gräbnisstätte der roten Blutkörperchen feststellen können, und zwar hat man als letztere die weißen Blutkörperchen oder Leukocyten ernannt, die scheinbar friedlich neben den roten im Blute schwimmen. Wenn ein rotes Blutkörperchen abstirbt und zu verfallen droht, so stürzt ein weißes aus dasselbe zu, streckt Fortsätze aus, die das rote mehr und mehr umklammern, und schließlich verschwindet das rote Blur- körperchen gänzlich in dem Leibe des weißen. Die weißen Blutkörperchen sind also gleichzeitig die Totengräber und das Grab der roten und schützen dadurch das Blut vor Stof­fen, die für dasselbe als tote ein Ballast und ein Schaden sein würden. Ueberhaupt spielen die Leukocyten im Körper eine eigentümliche Rolle. Während die erforderlichen Kohlenhydrate und die für den Körper notwendigen oder ausscheidenden Salze in dem Plasma gelöst sind, wird das Eiweiß zum größten Teil durch die Leukocyten den Zellen der einzelnen Organe und Körperteile zugeführt; doch nicht als eine unabhängig getragene und beliebig abzu­setzende Last, sondern nachdem sie das Eiweiß in sich voll­kommen aufgenommen hatten und sich hinterher an der Stelle, wo Eiweißbedarf ist, zerfallen, so sich selbst zur Deckung des Mangels opfernd. Diese kleinen Helden be» weisen sich aber noch in weiterer Beziehung als solche. Wiederholt hat man gefunden, daß Fremdkörper, kleine Staub- oder Nußkörnchen, welche in den Säftestrom gelangen, oder Körnchen eines Farbstoffes, den man zum Zweck des Experiments eingespritzt hatte, von den Leuko- cyten ausgenommen worden waren und dann aus dem Kör-

SV. 3 atm ar__ per herausgeschafft oder, wenn der Weg dafür zu weit war, nach der nächsten Lymphdrüse geschleppt und dort einge- kapselt wurden. In den zahlreichen Lymphdrüfen des Kör­pers entstehen die weißen Blutkörperchen, zu ihnen bringen sie auch alle vorhandenen Stoffe, die in den Körper nicht hineingehören und die sie bei ihren Patrouillen durch den Körper finden; denn die Leukocyten haben die Fähigkeit, durch die Gefäßwand hindurchzuschlüpfen und auch außer­halb der Blutbahn im Körper Herumzuschweifen. Infolge dieser Bewegungsfreiheit sehen wir die Leukocyten in reich­licher Zahl überall dort auftreten, wo für den Körper eine Gefahr droht; sie sind die Ursache der Eiterung, welche die Reinigung und Heilung einer Wunde begleitet, sie stellen sich aber auch mutig jenen Lebewesen entgegen, die, um vieles kleiner, aber zahlreicher als sie, als Krankheitser­reger in den Körper einzudringen vermochten und nun in demselben ihre verheerende Wirkung beginnen. Wenn der Mensch von einer ansteckenden Krankheit ergriffen wird, wenn Bakterien oder Bazillen im menschlichen Organismus die Herrschaft an sich zu reißen suchen, so geschieht das nicht ohne Widerstand seitens der weißen Blutkörperchen, welche freilich nicht immer Sieger zu bleiben vermögen. Durch unverständige Lebensweise, durch Kummer und Sorgen, durch Ueberarbeitung, aber auch durch Erkältung und ernste Ernährungsstörungen werden mit der Schwächung des Kör­pers auch seine Zetten geschwächt, sie verlieren dann ihre ursprüngliche Abwehrkraft.

Doch der Körper bleibt nicht teilnahmlos beim Kampfe seiner Leukocyten. Im Serum und Vlutwaßer entstehen Schutzstoffe, die man Antitoxine nennt, gegenüber den Toxinen, welche als giftige Bestandteile von den Krank­heitserregern heimtückischerweise abgestoßen waren, um den Organismus durch Vergiftung seiner Säfte zu Grunde zu richten, da sie im ehrlichen direkten Kampf nicht Sieger zu bleiben vermochten. Man hat nun die Beobachtung ge­macht, daß die entstehenden Krankheiten nicht stets mit gleicher Giftigkeit oder richtiger Gefährlichkeit auftreten, man kennt zum Beispiel Scharlach und Masernepidemien, die sehr milde verlaufen und wo wenig oder gar keine Todesfälle vorkommen, und man hat wieder andere Epide­mien beobachtet, die sofort sehr heftig auftraten, und wo das Leben vieler Kinder in ernster Gefahr schwebte. Man hat auch ferner gefunden, daß das Ueberstehen einer In­fektionskrankheit teils für immer, teils für einige Zeit vor einer anderen gleichartigen Erkrankung schützt, und indem man diese Tatsachen in Verbindung brachte, sich außerdem der im Serum gebildeten Schutzstoffe gegen Krankheiten erinnerte, kam man aus eine der genialsten Erstndungen, die je vom Menschen gemacht worden sind, auf die soge­nannte Serumtherapie. Die Fähigkeit eines Individuums, unempfänglich gegen einen bestimmten Krankheitsstoff zu sein, zum Beispiel gegen Scharlach oder gegen Typhus, nennt man Immunität. Wenn nun jemand Scharlach überstanden hat, ist er Zeit seines Lebens immun gegen diese Krank­heit, und wer einen Typhus überstanden hat, ist wenigstens für eine gewiße Zeit, wenn auch nicht zeitlebens, vor der gleichen Erkrankung geschützt. Dieser Schutz beruht auf der Bildung der Antikörper, der Gegengifte gegen die spezifi­schen Krankheitsgifte im Körper, und diese Gegengifte bleiben in dem einen Falle das ganze Leben hindurch vor­handen, so daß eingewanderte neue Scharlachkeime sogleich durch die Antikörper vernichtet werden, sie bleiben im zwei­ten Falle nur während einer bestimmten Zeit, so daß hier also die Antikörper allmählich an Kraft verlieren und schließlich ganz aus dem Blute wieder verschwinden; dann findet eine neue Einwanderung von Typhuskeimen wieder freie Bahn und kann wiederum den Körper der Typhus­krankheit unterliegen laßen. Diese Bildungen der Anti­körper bei überstandener Infektion hat man nun für den Menschen nutzbar gemacht, indem man durch ein bestimmtes Verfahren Tierserum herstellte, welches derartige Anti­toxine enthielt; dasselbe schützt während einer Epidemie nach genügender Einspritzung in den Säftestrom des Men­schen den Geimpften während der Epidemie vor der Er­krankung. Diese Immunisierung nennt man die passive und bezeichnet ihr gegenüber als aktive jene, welche durch Ueberstehung der Krankheit selbst erworben wird. Man darf aber hierbei nicht übersehen, daß die Immunität immer nur eine ganz spezifische ist und der Körper zum Beispiel nicht durch Ueberstehen einer Scharlacherkrankung oder durch Einspritzung eines Scharlachserums gegen Thyphus, sondern einzig und allein gegen Scharlach gefestigt wird. Noch glänzender als in der Verhütung der Krankheit hat diese Methode sich in der Behandlung derselben bewährt, und vor allem ist es v. Behring gewesen, der durch sein Diphtherieserum der Diphtherie ihren furchbaren Charakter genommen hat. Mit Hilfe entsprchend behandelter Pferde gelang es v. Behring, ein Heilserum herzustellen, welches, zur rechten Zeit diphtheriekranken Kindern eingespritzt, die in dem kindlichen Organismus noch verhältnismäßig schwachen Abwehrmaßnahmen durch hinzugebrachte Anti­toxine so kräftigt, daß die Toxine der Diphtheriebazillen unschädlich gemacht werden und das Kind gerettet wird. Man erkannte freilich bald, daß es nicht gleichgültig ist, wieviel Gegengift eingespritzt wird, und in mühsamen Ver­suchen stellte man fest, wieviel Gegengift notwendig ist, um eine bestimmte Eiftmenge unwirksam zu machen. Zu diesem Zweck nahm man als Maßeinheit ein Meerschweinchen von 250 Gramm Gewicht, und die Menge Gegengift, welche not­wendig ist, um ein solches mit Diphtherie vergiftetes Tier am Leben zu erhalten, nennt man Immunitätseinheit, 3. E.", so daß man jetzt mit Hilfe dieser Einheit genau abmeßen kann, wie viel Heilserum man bei diesem oder jenem Kranken braucht.

So werden die geheimnisvollen Vorgänge im Blute zum Nutzen des Menschen verwertet, und wir verdanken dem Blut nicht nur die Erhaltung unserer Gesundheit, sondern das Slut wenn auch anderer Tiere. muß um bellen» die