n. Santta»
i für Heu 5 ^U. 57 Pfg, für Stroh 3 Mk. 15 Pfg. pro Zentner.
• Vortrag. Gestern abend fand der sehr gut besuchte dritte Abonnementsvorirag im Evang. Vereinshause statt. Mit grosser Aufmerksamkeit wurden die Darlegungen des Herrn Pfarrers Dr. Busch entgegengenommen, der über die Quellen der gegenwärtig herrschenden Christusfeindschaft — Materialismus, Monismus, Kritizismus — sprach, aber auch auf die Wege hinwieS, auf denen wir t noch immer zum rechten Glauben an Jesum Christum ge» r langen können. An lebensvollen Veisp elen wurde gezeigt, wie dieser Glaube sich auch setzt noch kräftig und fruchtbar I unser den Menschen erweist.
* Versteuerung der Automaten und der Pacht- und Mier- vcrzeichnisse. Wir weisen nochmals darauf hin, daß bet Vermeidung der gesetzlichen Strafen die Versteuerung der Automaten für das Kalenderjahr 1912 und der Pacht- unv Mietverzeichnisse für das abgelaufene Kalenderjahr 1911 spätestens bis zum Ablauf dieses Monats zu erfolgen hat.
* Der Bezirk der Eisenbahndirektion Frankfurt im neuen Etat. Der dem preußischen Landtage zugegangene Etat für 1912 enthält für den Bezirk der Eifenbahndirektion Frankfurt am Main folgende Forderungen: Erweiterung der Hauptwerkstätte Limburg (Lahn) letzte Rate von 50 000 Mk. — Erweiterung der Wagenwerk- stütte Frankfurt (Main), letzte Rate von 100 000 Mk. — Erweiterung des Bahnhofes Meerholz, letzte Rate von 40 000 Mk. — Erweiterung des Bahnhofes Frankfurt-Bona- mes, fernere Rate von 30 000 Mk. — Selbständige Einführung der Homburger Bahnstrecke in den Hauptpersonenbahnhof Frankfurt (Main), fernere Rate von 50 000 Mk. — Erweiterung des Bahnhofes Wetzlar, fernere Rate von 300 000 Mk. — Erweiterung des Ostbahnhofes in Frankfurt (Main), fernere Rate von 600 000 Mk. — Erweiterung des Bahnhofes Dillenburg, fernere Rate 100 000 Mk. — Erweiterung des Bahnhofes Ems, fernere Rate 100 000 Mk. — Erweiterung des Bahnhofes Bad Nauheim, fernere Rate von 400 000 Mk. — Erweiterung des Bahnhofes Diez, fernere Rate von 100 000 Mk. — Erweiterung des Bahnhofes Friedberg (Hessen), fernere Rate von 800 000 Mk. — Erweiterung des Bahnhofes Höchst (Main), fernere Rate von 800 000 Mk. — Erweiterung des Bahnhofes Weilburg, fernere Rate von 400 000 Mk. — Erweiterung des Hauptpersonenbahnhofes Frankfurt (Main), fernere Rate von i 800 000 Mk. — Erweiterung des Bahnhofes Schlüchtern, fernere Rate von 150 000 Mk. — Erweiterung des Bahnhofes Fulda, fernere Rate von 600 000 Mk. — Erweiterung des Hauptbahnhofes Offenbach (Main), erste Rate von 100 000 Mk. — Erweiterung des Bahnhofes Wissen, erste Nate von 50 000 Mk. — Herstellung einer Straßenunterführung auf Bahnhof Haiger, erste Rate von 50 000 Mk. — Erweiterung des Bahnhofes Flörsheim, erste Rate von 50 000 Mk. — Erweiterung des Bahnhofes Alsfeld (Oberhessen), fernere Rate von 100 000 Mk. — Ferner find nachstehende Posten in den Etat eingestellt: 59 000 Mk. für Erweiterung der Gleisanlagen auf Bahnhof Homburg v. d. Höhe, 55 000 Mk. für Erweiterung der Gleisanlagen auf Bahnhof Neuhof (Kr. Fulda), 35 000 Mk. für Erweiterung der Gleisanlagen auf Bahnhof Breitscheid, 64 000 Mk. für Erweiterung der Gleisanlagen auf Bahnof Hachenburg, 70 000 Mk. für Erweiterung der Gleisanlagen auf Bahnhof Aumenau, 98 000 Mk. für Herstellung eines lleber- Holungsgleifes auf Bahnhof Laurenburg (Lahn), 99 500 Mk. für Erweiterung des Bahnhofes Schotten, 48 000 Mk. . j für Erweiterung des Bahnhofes Westerburg, 68 000 Mk. für Erbauung eines Empfangsgebäudes auf Bahnhof Ried, 60 000 Mk. für Erbauung eines Empfangsgebäudes aus Bahnhof Mainkur, 42 000 Mk. für Herstellung eines Personenhaltepunktes bei Niederjosbach an der Strecke Frankfurt—Limburg, 35 000 Mk. für Herstellung von 2 Stellwerken auf Bahnhof Salzschlirf, 43 000 Mk. für Herstellung eines Stellwerkes auf Bahnhof Hanau-Ost, 67 000 Mk. für Herstellung eines Kohlenbansens auf Bahnhof Bebra (Ee- samtkosten 70 600 Mk., wovon 3600 Mk. auf einen anderen Titel entfallen), 43 000 Mk. für Herstellung einer Wegunterführung in Kilometer 13,9 der Strecke Elm—Gemünden, 80 000 Mk. für Herstellung einer Wegüberführung auf Bahnhof Herdorf. — Für den Eisenbahndirektionsbezirk Mainz werden im preußischen Etat für 1912 gefordert: Herstellung eines Ueberholungsgeleises auf Bahnhof Hattenheim, fernere Rate von 150 000 Mk. — Erweiterung des Bahnhofes Niederlahnstein, erste Rate 100 000 Mk. — Umgestaltung der Bahnhofsanlagen in Darmstadt, fernere Rate von 200 000 Mk. — Erweiterung des Bahnhofes Bensheim, fernere Nate von 200 000 Mk. — Auswechselung der eisernen lleberbauten der Eisenbahnbrücke über den Rhein oberhalb Mainz, fernere Rate von 450 000 Mk. — Erweiterung des Bahnhofes Kranichstein, fernere Rate von 300 000 Mk. — Erweiterung des Bahnhofes Babenhausen (Hessen), fernere Rate von 600 000 Mk. — Erweiterung des Bahnhofes Gensingen-Horrweiler, erste Rate on 200 000 Mk. — Ferner sind nachstehende Posten in den Etat eingestellt: 68 000 Mk. für Verlegung des Haltepunktes Bretzenheim (Nahe), 76 400 Mk. für Erweiterung des Bahnhofes Griesheim bei Darmstadt, 33 000 Mk. für Verlängerung des Kreuzungsgleises auf Bahnhof Roßdorf bei Darmstadt, 48 000 Mk. für Herstellung eines Ueberholungsgleises auf Bahnhof Sprendlingen-Buchschlag, 37 500 Mk. für Erweiterung der Gleisanlagen und des Güterschuppens auf Bahnhof Halsenbach, 35 000 Mk. für Erbauung eines Empfangsgebäudes mit Güterschuppen auf Bahnhof Igstadt, 59 000 Mk. für Erbauung einer Lackiererei für die Hauptwerkstülte 1 auf Bahnhof Dgrmstadt Hbf., 45 000 Mk. für Herstellung eines Stellwerks auf Bahnhof Guntersblum, 45 400 Mk. für Herstellung einer Fernsprechleitung auf der Strecke Mainz— Bingerbrück—Coblenz (Cöln), 76 000 Mh, für Erweiterung des Triebwagenschuppens und Einbau einer neuen Loko-
»«meestach
motivdrehscheibe auf Bahnhof Mainz Hbf. (Eesamtkosten 96 000 Mk., wovon 20 000 Mk. auf einen anderen Titel entfallen), 60 000 Mk. für Herstellung einer Wegüberführung in Kilometer 25,091 der Strecke Mainz—Frankfurt, 37 500 Mk. für Herstellung einer Wegüberführung in Kilometer 3,115 der Strecke Gau Algesheim—Bad Münster am Stein.
* Plötzlicher Tod. Der 68 Jahre alte Pulverarbeiter a. D. Herr Konrad Lenz erlitt gestern vormittag 11 Uhr an der Ecke Kirch- und Schnurstraße einen Schlaganfall, an dessen Folgen er starb.
* Diebstahl. Wegen Diebstahls wurde sestgenommen ein Silberschmiedelehrling.
* In hilflosem Zustande wurde gestern nachmittag 3 Uhr in der Leipzigerstraße der Invalide Z e i d l e aus Zedel aufgefunden und in das Landkrankenhaus gebracht.
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— Oberdorfelden, 17. Jan. (Ernann t.) Der Lehrer Friedrich Schädel bier'elbft ist zum endgültig an- gestellten Volksschullehrer hierselbst von der Königlichen Regierung, Abteilung für Kirchen- und Schulwesen in Cassel, ernannt worden.
(:) Bergen, 16. Jan. (Genehmigt.) Der Beschluß der Gemeindevertretung vom 19. v. Mts. wegen Anstellung einer weiteren Lehrkraft an der Schule in Enkheim hat die Genehmigung der Königlichen Regierung in Cassel gesunden.
Weitere Berichte „Aus Stobt und Laub* im zweiten Blatt.
Oeffeiitlicher Wetterdienst. Beobachtungen des Musikalischen Vereins, Frankfurt a. W. voraussichtliche Witterung für nie Zeit vom Abend des 18. Januar bis zum nächsten Abend.
Trübe, Niederschläge (meist Schnee), im Gebirge starker, sonst leichter Frost.
Nachklünge.
Uns wird geschrieben:
Was lehrt die Reichstagswahl in Hanan-Eelnhaufsn-Orb?
Nach amtlicher Feststellung hat die siegreiche Sozialdemokratie von 43 872 abgegebenen Stimmen 22 519 auf ihren Kandidaten vereinigt; sie hat damit die gesamten bürgerlichen Stimmen um 1394 überflügelt, die absolute Majorität um 694 überschritten. Trotzdem darf dieses Ergebnis auf unser Bürgertum keineswegs entmutigend wirken. Denn schuld daran sind die ausnahmsweise ungünstigen Verhältnisse, unter denen die zersplitterten bürgerlichen Parteien in den Wahlkampf ziehen mußten. Zunächst ist festzustellen, daß sich die Stadt Hanau selbst sehr wacker geschlagen hat; denn hier beträgt die Spannung zwischen den bürgerlichen und den sozialdemokratischen Stimmen nur 220 zugunsten der Umsturzpartei. Dieses Resultat widerlegt auch aufs bündigste die haltlose sozialdemokratische Behauptung, die gerade auf gründ der letzten Hanauer Stadtverordnetenwahlen der Oeffentlichkeit aufgedrängt werden sollte, als ob die Sozialdemokratie bei der geheimen Stimmabgabe weit größere Chancen hätte, als bei der öffentlichen: der Vergleich zwischen Reichstagswahlen und Stadtverordnetenwahlen beweist das direkte Gegenteil! Er bringt auch eine glänzende Rechtfertigung für unser braves Beamtentum und für die nationalgesinnte Arbeiterschaft. Bis zum Ueberdruß hatten die radikalen Propheten gepredigt, daß Arbeiter und Beamte nur unter dem Druck der öffentlichen Kontrolle bürgerlich wählten, im Herzen aber ganz anders dächten. Nun zeigt der Ausfall der Reichstagswahl, zum Beispiel im 5. Stadtbezirk, wo die Beamten und eine ansehnliche Gruppe der nationalen Arbeiter vornehmlich wohnen, daß die bürgerlichen Stimmen gegen 1907 zugenommen, die sozialdemokratischen sich sogar vermindert haben. Höchst erfreulicher Weise hat sich auch im Landkreis Frankfurt a. M. der Abstand der bürgerlichen Stimmen von den sozialdemokratischen verringert. So ergibt sich für diese beiden wichtigen Bezirke des Wahlkreises die für das Bürgertum ermutr- gende Tatsache, daß die Sozialdemokraten ihren Stimmenanteil in Vockenheim nur um etwa 1,3 Prozent, in Hanau gar nur um winzige 0,3 Prozent steigern konnten. ,
Aber während sich die Städte — Gelnhausen, Orb, Fechenheim und Großauheim nicht zu vergessen! — derart glänzend gehalten haben, ist ein Gleiches von den Landkreisen Hanau und Gelnhausen nicht zu berichten. Der erstere zeigt ein Erstarken der Sozialdemokratie um rund 8,5 Proz., der letztere um etwa 7 Proz. Die Lösung des Rätsels liegt darin, daß wir in diesen beiden Landkreisen die sogenannten Stammsitze und Hochburgen der Konservativen und des Bundes der Landwirte zu suchen haben. Sie haben sich dem Ansturm der Sozialdemokratie in keiner Weise gewachsen gezeigt. Man erinnert sich mit trübem Lächeln der stolzen Versicherungen konservativer Führer, wonach ihre Organisation besonders im Eelnhäuser Kreis derart straff ausgebildet fei, daß sie am Tage der Entscheidung klappe, wie der Aufmarsch einer kriegsfertigen Armee beim nächtlichen Alarm. In dieser trügerischen Verkennung harter Tatsachen haben denn auch die Eelnhäuser Konservativen gegenüber der ungeheuren sozialdemokratischen Agitation monatelang die Hände müßig in den Schoß gelegt und sich erst in letzter Stunde aufgerafft, als es zu spät war. Schon dadurch, haben sie sich für alle Folge des Anspruches begeben, Führer des Bürgertums im Kampfe gegen den Umsturz zu sein. Sie scheiden hierfür umsomehr aus, als ihr Kandidat gut die Hälfte seiner Stimmen dem Bunde der Landwirte verdankt, der ihm seine Mitglieder, die gar nicht konservativ gesinnt sind, aus ungerechtfertigter Verärgerung und Verkennung der politischen Notwendigkeiten zugeführt hatte. Wenn man an der Hand des amtlichen Stimmenergebnisses erwägt, daß sogar der Bund der Landwirte, Konservative und Zentrum zusammen nur 8461 Stimmen gegenüber den 12 635 Stimmen der Liberalen
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"' *" " 111 - ■ ——■ aufbrachten, dann kann die Schlußfolgerung für jeden verständigen bürgerlichen Wähler in Zukunft nur sein: Lediglich ein gemäßigt liberaler Kandidat hat die Anwartschaft, den Wahlkreis Hanau-Eelnhausen-Frankfurt-Land für das Bürgertum zurückzugewinnen. Daran ändert auch die Tatsache nicht das mindeste, daß das Zentrum verblüffender Weife diesmal rund 500 Stimmen weniger aufbrachte, als im Jahre 1903. Die Führer dieser Partei mögen bei sich Einkehr halten, nach welcher Richtung hin sie ihre Anhänger verlieren, wenn sie selbst Zersplitterungsparole» ausgeben!
Hätten die Konservativen unseres Wahlkreises auch nur eine leise Ahnung von dem Zusammenbruch gehabt, der sie nun ereilt hat, so hätten sie sich wohl gehütet, ihre falsche Kampffront gegen den Liberalismus zu richten, statt pflichtgemäß mit größerem Nachdruck der Sozialdemokratie entgegenzutreten. Es mag ihnen ja zugute gehalten werden, daß die im Kreise herrschende Maul- und Klauenseuche und die ihr folgenden scharfen behördlichen Anordnungen willkommene Bundesgenossen der Sozialdemokratie abgaben, welche die tiefe Verdrossenheit vieler geschädigten Landwirte mit skrupelloser Demagogie ausnutzten. Hiergegen war das anständige Bürgertum machtlos. Aber die Konservativen und Bündler haben auch schuldhaft und bewußt Verwirrung in die Reihen der ländlichen Wähler hineingetragen, indem sie die absolute Zuverlässigkeiten der Nationalliberalen in allen nationalen Machtfragen und in der Frage eines ausreichenden Zollfchutzes für die Landwirtschaft ganz ungebührlich verdächtigten. Es müßte auch, wenn das Ergebnis dieser konservativen „Aufklärungsarbeit" nicht so betrübend wäre, geradezu komisch wirken, daß der konservative Kandidat und seine Wahlmacher sogar die Feststellung des hochkonservativen ehemaligen Finanzministers Freiherrn v. Rheinbaben, daß höchstens 10 Prozent der vermögenderen Landwirte von der Erbanfallsteuer betroffen worden wären, auf Grund ihrer angeblich besseren Kenntnis bestritten! Bekanntlich ging die Berechnung Rheinbabens von der unanfechtbaren preußischen Vermögensstatistik aus, wonach überhaupt nur 10 Prozent aller Vermögen über 20 000 Mk. schuldenfrei betragen!
Doch wir wollen uns nicht weiter in Einzelheiten verlieren. Das Fazit dieses für das Bürgertum ungünstigen Wahlganges ist, daß sich Konservative und Zentrum in unserem Wahlkreise künftig im Interesse der bürgerlichen Solidarität in die Rolle schicken müssen, die ihnen der Wahlausfall endgültig zugewiesen hat, und daß die nationalliberale Partei — gerade auch an dem Ergebnis von 1907 gemessen — die stärkste bürgerliche Machtgruppe im Wahlkreise bildet. Gestützt auf die wichtige Mithilfe der befreundeten Fortschrittlichen Volkspartei, wird sie mit aller Kraft und frischen Mutes als Vorkämpferin des Bürgertums gegen die Sozialdemokratie weilerarbeiten und darf dann wohl auch erwarten, daß sie bei einem künftigen Waffengang gegen den Umsturz über die gemeinsame Phalanx aller bürgerlichen Wähler verfügen kann!
Vom Lande wird uns vom 16. ds. geschrieben:
Ein Rückblick auf die Wahl vom 12. Januar 1912.
Von
Die Wahlschlacht ist geschlagen. Der „Rote* hat glatt gesiegt. Die anderen Parteien haben sich eine empfindliche Niederlage- geholt. Das schmerzt. Doch mit verärgerter Stimmung und mit sentimentalem Wehgeschrei über die brutalen, schlimmen, gewitzten „Roten* ist hier nicht viel geholfen, und macht die Sache nicht besser.
Es gilt, ruhig Blut behalten und vor allem die Mängel und Fehler erkennen, die diesen fatalen AuSgang verschuldet haben. Wir wollen nichts beschönigen und zu entschuldigen versuchen, was nicht zu entschuldigen ist. Vielmehr zu allererst offen die wahrhaft beschämende Tatsache einräumen, daß nicht einmal das gelungen ist, irgend einen der nicht roten Kandidaten wenigstens in die Stichwahl zu bringen. Woran aber lag dies? An aufopferndster Agitation der Kandidaten hat es doch wirklich nicht gefehlt. Mehr kann nicht gut -geleistet werden, als was durch Vorträge und Ueber« schwemmung der Wähler mit Flugschriften geschehen ist. Wenn trotzdem die Campagne schief abgelaufen ist, so liegt es eben an den Wählern. Natürlich! Aber an welchen? Das nächstliegende ist, die Schuld denen in die Schuhe zu schieben, die zu Hause geblieben sind. Und in der Tat, es ist ein arges Stück, daß über 10°/» nicht zur Wahlurne gegangen sind. Und daß dies bei weitem „nichtrote" Wähler gegeben haben würde, kann man annehmen, wenn man den Bieneneifer der Genossen kennt, alles, was nur irgendwie rot in der Wolle gefärbt ist und noch kreuchen und fleuchen kann, mit dem Hoch'schen Zettel zu bewaffnen. Es entzieht sich aber unserer genauen Kenntnis, was diese von den entscheidenden Schritten abgehalten hat. Daß bei den Wählern auf dem Land außer Alter und Krankheit politische Interesselosigkeit ganz bedeutend mitspricht, darf man getrost annehmen. Aber lassen wir diese 5000 aus dem Spiel. Bei früheren Wahlen war es ja auch nicht anders. Suchen wir den Grund des Mißerfolges vielmehr bei denen, die gewählt haben. Und da machen wir alsbald eine Beobachtung, die allerdings zu denke« gibt. Nämlich beim Vergleich der 1907er mit der 1912er Wahlliste ergibt sich der Tatbestand, daß in unsern rein ländlichen, protestantischen Gemeinden mit vorwiegend landwirt- schastlich.'r Bevölkerung eine auffallende Steigerung der sozialdemokratischen Stimmen stattgefunden hat, die sich nicht mit der naturgemäßen Zunahme der Wähler überhaupt erklären läßt. Vielmehr zwängt sich einem die Schlußfolgerung auf, d a ß h i e r eine ganz flotte Ueberlâuferei aus de« Lager, das bisher monarchisch gedacht und gewählt hat, d. h. au 8 dem Bauern st and, in das sozialistische Lager erfolgt ist Und diele Zahl der sozialdemokratischen Landwirtsstimmen ist nach unserer Schäduna so stark, daß damit ein aut Teil der au da»